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Game-Review: GTA IV (PC, Xbox 360, PS3; getestet auf PC)

Die lang ersehnte PC-Version des Gangsterspiels übertrifft alle Erwartungen – und doch sollte nicht jeder bedenkenlos zuschlagen...

GTA IV (c) Rockstar Games/Take 2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIch bin Niko Bellic. Ich stehe auf in der Früh, gehe auf die Straße und mach was ich will. Ich helfe meinem von Schutzgelderpressern und Russenmafia geplagten Cousin, dessen Taxi-Unternehmen zu retten, ich übernehme Dealer-Aufträge für einen ständig kiffenden Jamaikaner, ich stehle Autos für einen Anabolika-Schluckenden Möchtegern-Schwarzenegger. Außerdem könnte ich die Mafiaspitze ausschalten und es wäre gut möglich, dass ich selbst die Kontrolle über ein gesamtes Stadtviertel übernehme. All diese Möglichkeiten stehen mir offen – aber das war noch lange nicht alles. Denn da gibt es noch eine Freundin, die ich ausführen kann, Freunde oder Geschäftspartner mit denen ich Bowlen, Dart spielen oder Essen gehen kann, um die Beziehung zu pflegen. Und es gibt noch so viel mehr von dem ich noch gar nichts gesehen habe – denn ich hab noch nicht mal ein Drittel der ganzen Spielewelt erkundet.

GTA IV (c) Rockstar Games/Take 2 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken"GTA IV" steht seinen Vorgängern um nichts nach – ganz im Gegenteil. Es ist einfach ein bisschen erwachsener und realistischer geworden. Das beginnt beim Fahrverhalten der unzähligen Autos – eine 90°-Wende in eine Seitengasse funktioniert ab einer bestimmen Geschwindigkeit einfach nicht mehr, schlimmstenfalls lande ich am Autodach und muss mir ein neues Vehikel besorgen.

Auch der Spielcharakter selber ist reifer als seine Vorgänger. Niko kommt aus dem Balkan und ist Kriegsveteran. Er hat in Serbien viel mitgemacht und sich auch einige Feinde beschert, weswegen er in "Liberty City" einen Neuanfang versucht. Sein Cousin Roman will ihn dabei unterstützen – und braucht dabei meist mehr Hilfe von Niko, als er ihm selbst geben kann.

So hat mein Alter Ego alle Hände voll zu tun. Dabei kann ich mich manchmal auch entscheiden, ob ich einen Auftragsmord wie gewünscht ausführe, oder das vermeintliche Opfer am Leben lasse, wenn es den Tod meiner Meinung nach nicht verdient hat. Im Prinzip wirkt das, als würde "GTA IV" vor allem moralisch tiefer greifen als seine Vorgänger – und das tut dem Spiel gar nicht mal so schlecht.

GTA IV (c) Rockstar Games/Take 2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenBeeindruckend ist aber auch die pure Größe der Spielwelt mit den unzähligen Interaktionsmöglichkeiten. Nach einigen Stunden und zig erfüllten Aufträgen hab ich noch immer erst gerade mal einen Bruchteil der Karte erkundet. Und dennoch kenn ich mich noch nicht wirklich in der Spielwelt aus, so weitläufig sind die Areale, so unüberschaubar ist die Anzahl an Straßen. Letzteres ist übrigens ganz praktisch, wenn man sich bei allen moralischen Bedenken doch einmal mit der Polizei anlegt, denn wenn man von den Gesetzeshütern verfolgt wird, so gibt es einen Fahndungs-Umkreis, ausgehend von dem Polizisten, der es am meisten auf mich abgesehen hat. Wenn ich mich von diesem Verfolger weit genug gelöst hab, so ist mein Auto wieder unauffällig wie ein gelbes Taxi in New York, und ich kann in Ruhe meinen Auftrag weiter erfüllen.

Auch Inhaltlich ist das Spiel auf dem neusten Stand der Technik, Niko ist mit einem Mobiltelefon bestückt, mit dem er schnell Aufträge annehmen kann oder sich mit Freunden verabreden. Außerdem hat der Serbe einen E-Mail-Account und surft im spielinternen World Wide Web.

"GTA IV" verfügt außerdem über einen Multiplayer-Modus, der auch auf lange Sicht für Daueraction sorgt. Es gibt über 10 verschiedene Spielmodi, vom klassichen Deathmatch bis zum um-die-Wette Aufträge erfüllen, wahlweise jeder gegen jeden oder in Teams.

GTA IV (c) Rockstar Games/Take 2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Entwickler haben bei einer derart großen Spielwelt jedoch nicht auf die Details vergessen. Dies beweisen einige überaus originelle Ideen: unzählige witzige Eastereggs zwischendurch sowie die vielen authentischen Dialoge. Erwähnenswert ist auch die Möglichkeit einer Romanze, so steht es mir frei die Auserwählte zu überzeugen mich in ihre Wohnung zu nehmen. „Nebensächlichkeiten“ wie eigenes Internet im Spiel, ein Movie-Editor, mit dem ich Szenen aus dem Spiel schneiden und meinen Freunden schicken kann hauchen dem Spiel Seele ein. Das Gehirn ausschalten und plannlos durch das Fernsehprogramm zappen? Mit Freunden die nächste Bar unsicher machen? Auch das ist „GTA IV“! Das Bild einer glaubwürdigen und abwechslungsreichen Spielwelt wird schließlich – einmal mehr – durch die unzzähligen Stunden an Radiomaterial über unzzählige Radiosender abgerundet. Auch im vierten Teil der Serie macht es wieder einen Mordsspass, einfach nur so ohne Ziel mit dem fahrbahren Untersatz durch die Stadt zu gondeln.

Wo viel Licht, ist aber auch Schatten, denn leider wird die Freude an "GTA IV" aber zuweilen von der extrem hardwarehungrigen und unausgegorenen Technik stark getrübt. Ich musste mir für den Test eine neue Grafikkarte besorgen und betreibe jetzt einen Athlon X2 5000+ mit einer Radeon 4850 – und trotzdem kann ich die Regler der einzelnen Grafikeinstellungen gerade einmal auf 25% stellen, um noch flüssig spielen zu können. Auf vielen anderen Grafikkarten, vor allem auf Radeons, verweigert das Spiel sogar gänzlich seinen Dienst – Abhilfe gibt es nur bedingt, manche Käufer haben einfach nur Pech. Dazu läuft die Grafikengine nicht wirklich Bugfrei, oft versinken Autos einen halben Meter in den Boden, und teilweise fährt man an Hindernisse an, die erst nach dem Aufprall sichtbar werden.

GTA IV (c) Rockstar Games/Take 2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAuch ein zweiter gravierender Kritikpunkt bedeutet kein Ruhmesblatt für die Jungs von Rockstar: Bevor ich „GTA IV“ endlich spielen konnte, war ich gezwungen einen regelrechten Installationsmarathon hinzulegen. Zuerst wird die Installation des „Rockstar Social Club", dessen Nutzen mir verborgen geblieben ist, aufgezwungen, woraufhin die Installation endlich beginnen kann. Außerdem benötigt man das Progamm „Sony DADC SecuRom“, das ebenfalls installiert sein muss. Der Sinn hinter dem ganzen ist das Verhindern von Raubkopien – gelungen ist das wieder einmal nicht, auf den Bit-Torrent-Servern steht "GTA IV" bereits ganz oben auf der Liste. Kein Wunder, denn für die ehrlichen Käufer wirken die Hürden bei der Installation eher abschreckend als förderlich. Da lob ich mir schon viel mehr die großformatige Straßenkarte von Liberty City, die in der Packung enthalten war – das Befüllen des Spielekartons mit Goodies ist nach Jahren endlich wieder einmal ein Schritt in die richtige Richtung!

Fazit: GTA IV ist ein großartiges Spiel mit einmaligen Spielerlebnis. Umfangreich in allen belangen, voller Atmosphäre und Spielwitz. Ich kann es wärmstens allen Computerspielerm empfehlen, vorausgesetzt man besitzt die nötige Hardware und Geduld für die hürdenreiche Installation.


###Georg Haßlinger###

Grafik: 9/10
Sound: 9,5/10
Steuerung: 9/10
Spielspaß: 10/10
Gesamt: 9,5

Entwickler: Rockstar Games
Publisher: Take 2
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