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Game-Review: MMORPG-Tagebuch Star Trek Online (PC)

Ein Traum wird wahr. Ich stehe auf der Brücke meines eigenen Föderationsraumschiffs, die Koordinaten sind eingegeben und ich darf den wohl berühmtesten Befehl eines Schiffskapitäns im Science Fiction Universum aussprechen: "Energie!"

Star Trek Online Packshot (C) www.startrekonline.com / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAb sofort können die unendlichen Weiten des Weltraums mit einem neuen MMORPG auch in den unendlichen Weiten des Internets erforscht werden. Warp 9, Mr. Sulu, here we come!


"Logbuch #1"


Als einer, der in seiner Jugend seinen Nachmittagszeitplan nach dem ZDF ausgerichtet hat, nur weil dieser Sender wochentags um 16:10 Uhr als erster im deutschen Sprachraum die TV-Serie "Star Trek – The Next Generation" ausstrahlte, war ich natürlich Phaser und Flamme, als sich mir die Gelegenheit bot, Cryptiks neuestes MMORPG "Star Trek Online" ausgiebig zu testen. In meinem Kopf war ich bereits Kapitän eines Raumschiffes der Galaxy-Klasse, mit einer 400 Mann starken Besatzung und feuerbereiten Photonentorpedos, und erkundete unendliche Weiten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Dass das Universum eine Scheibe ist, habe ich aber nicht erwartet.


Also erstmal den Download abschließen, Spiel installieren, Registry Key eingeben und… ach ja, Updates! Beinahe schon genretypisch lässt auch "Star Trek Online" den Spieler mit wachsender Ungeduld in den Augen auf den Fortschrittsbalken des Update-Fensters starren. Keine 6 Wochen nach dem offiziellem Start des Spiels stehen tatsächlich 5.245 MB an Updates bereit, die es downzuloaden gilt. Vorher ist kein Spielen möglich.


Schließlich hat die Warterei ein Ende, endlich leuchtet der Start-Button auf, ich kann also loslegen. Ein Klick und… der Bildschirm wird schwarz. Aber das ist mir egal, denn ich habe meine Augen in dem Star Trek Online Bild 1 (C) www.startrekonline.com / Zum Vergrößern auf das Bild klickenMoment sowieso geschlossen: Ein einsames französisches Horn ertönt und spielt das unvergessliche, von Oscar-Preisträger Alexander Courage komponierte Star Trek-Theme. Beides, sowohl Instrument als auch Melodie, symbolisieren auf perfekte Art und Weise die unendlichen Weiten des Universums und sorgen dafür, dass mir ein wohltuender Schauer der Erinnerung über den Rücken läuft. Solche und ähnliche Momente finden sich noch oft bei „Star Trek Online“. Die Entwickler haben größtes Augenmerk darauf gelegt, sowohl optisch als auch musikalisch möglichst nahe an die vorhandenen Vorlagen heranzukommen, was ihnen auch  hervorragend gelingt. Nahezu jeder Soundeffekt – von B wie Beamen bis W wie Warpsprung – stammt aus den Originalen und lässt den Spieler vor Entzückung die Ohren spitzen. Spock lässt grüßen.


Star Trek Online Bild 2 (C) www.startrekonline.com / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEs folgt die Charaktererstellung. Und auch hier gilt: Unendliche Weiten. Ich kann entweder meine Spielfigur zu einem Angehörigen einer bereits etablierten Rasse machen oder ich erfinde mal eben schnell meinen eigenen Alien. Mit Biographie, Herkunftsgeschichte und allem, was dazu gehört. Es wird dem Spieler hier ein Höchstmaß an Freiheit gelassen – typisch Star Trek. Ich entschließe mich ungeduldig für eine vorgefertigte Rasse und starte das eigentliche Spielgeschehen. Einen Ladebildschirm später befinde ich mich auch schon mitten drin in einem interstellaren Völkerkonflikt, der sich gewaschen hat.  Das Spiel legt los wie die Enterprise auf Warp 9. Das Schiff, auf dem ich mich befinde, liegt offensichtlich im Zentrum einer bewaffneten Auseinandersetzung, und mir wird aufgetragen, mich sofort auf der Brücke zu melden. Gesagt, getan.


Die Bewegungssteuerung birgt dabei keine Überraschungen, reagiert aber sehr flüssig und mit kaum merkbaren Time Lags. Mit W-A-S-D steuere ich meinen Charakter, mit der Maus ändere ich den Star Trek Online Bild 3 (C) www.startrekonline.com / Zum Vergrößern auf das Bild klickenBlickwinkel und den Zoom-Faktor. Die Leertaste erlaubt es mir zu springen. Drücke ich zweimal schnell hintereinander eine der Richtungstasten auf der Tastatur, so hechtet mein Charakter mit einer gekonnten Rolle in die entsprechende Richtung. Dies soll laut Tutorial beim Bodenkampf Vorteile für meine Verteidigungswerte bringen.


Star Trek Online Bild 4 (C) www.startrekonline.com / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAuf der Brücke angekommen, befiehlt mir mein Kapitän, mich auf ein verbündetes Schiff zu beamen, um dort nach Überlebenden zu suchen. Eine Partikelreise später sehe ich mich auch schon unzähligen Borgs gegenüber, die ich mit meinem Phaser auf Distanz zu halten versuche. Rückt mir doch mal einer zu nahe, so kann ich auch meine Föderationsfäuste sprechen lassen. Sind alle Borgs erledigt, werde ich in den Maschinenraum beordert, um dort die von Feinden versteckten Sprengsätze zu neutralisieren. Keine Zeit zum Durchatmen also, und auch keine Zeit, sich um die Kampfsteuerung am Boden Gedanken zu machen.


Resümee: "Star Trek Online" besticht mit einer detailgetreuen Nachbildung der berühmten Vorlage. Trekkies werden sich sofort zwischen dem Phasergezische und dem Kommunikatorgepiepse heimisch fühlen. Die Grafik lässt zu Beginn ebenfalls keine Wünsche offen – einen rechenstarken PC vorausgesetzt. Die Bewegungssteuerung ist intuitiv und geht leicht von der Hand. Im Kampf jedoch bricht schnell ein wenig Chaos auf der Tastatur aus, und den Überblick auf das Kampfgeschehen zu behalten, wird zur größten Herausforderung.


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Ein Traum wird wahr. Ich stehe auf der Brücke meines eigenen Föderationsraumschiffs, die Koordinaten sind eingegeben und ich darf den wohl berühmtesten Befehl eines Schiffskapitäns im Science Star Trek Online - 2nd Logbook-Entry 1 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenFiction Universum aussprechen: "Energie!" 


"Logbuch #2"


Star Trek Online - 2nd Logbook-Entry 2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDiesen Befehl muss ich nicht etwa aus einem Auswahlmenü mühsam heraus klicken, ich spreche das Wort tatsächlich aus – in mein Headset – und wie von Zauberhand beschleunigt mein Raumschiff und verschwindet im blauen Blitz einer sich öffnenden Warp-Blase. Ein wirklich stimmiges Gameplay-Element. Leider auch einer der wenigen Höhepunkte im Game, welches nach den wirklich packenden ersten Stunden doch deutlich an Fahrt verliert und nach ca. 10 Stunden Spielzeit höchstens auf halber Impuls-Geschwindigkeit dahin dümpelt.


Nachdem ich erfolgreich die Tutorial-Mission erfüllt habe, alle von den feindlichen Borg platzierten Sprengsätze entschärft und alle Angreifer eliminiert habe, werde ich von der Föderation mehr aus Star Trek Online - 2nd Logbook-Entry 3 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenPersonalmangel denn aus Dankbarkeit  in den Rang eines Captains befördert – ein eigenes Schiff samt Besatzung inbegriffen.


Star Trek Online - 2nd Logbook-Entry 4 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEs werden mir 2 Offiziere zur Seite gestellt. Jeder Offizier verfügt über eigene Spezialfähigkeiten, die sowohl während Bodenmissionen als auch im Kampf im offenen Weltraum eingesetzt werden können. Diese Fähigkeiten lassen sich bei Stufenaufstieg beliebig verbessern bzw. trainieren. Je höher ich die Karriereleiter hochklettere, desto mehr Offiziere dürfen auf meinem Schiff anheuern. Auf Bodenmissionen darf ich mir jedoch nur ein Squad-Team von maximal 5 Mitgliedern zusammenstellen.


Schnell nach der Beförderung zum Captain macht sich dann Ernüchterung breit. Von dem Ernst der Lage – dem drohenden Krieg gegen die Borg und den Romulanern gleichzeitig – ist nichts zu spüren. Star Trek Online - 2nd Logbook-Entry 5 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIch werde vom Spiel auf die immer gleichen Missionen geschickt,  patrouilliere dieses System, berge diese Informationen, begleite jenen Konvoi. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, einen wichtigen Part in Cryptiks Weltraumsaga zu spielen.


Star Trek Online - 2nd Logbook-Entry 6 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSelbst die an sich spannenden Teile eines Weltraum-RPGs, die Kämpfe im All und auf dem Boden, tragen kaum zu einer Erhöhung des Ruhepulses bei. Zumindest nicht aus spielerischer Sicht, dafür sind sie viel zu leicht. Einzig die umständliche Steuerung bei Bodenkämpfen und die für das Jahr 2010 äußerst schwache NPC-KI sorgen für einen höheren Blutdruck – allerdings mehr aus Frust als aus Begeisterung.


Fazit (nach 15 Stunden):
Der Enthusiasmus der ersten Stunden macht nach dem Tutorial schnell einer wachsenden Ernüchterung Platz. Spätestens nach 10 Stunden hat man sich an das durchaus stimmig umgesetzte Star-Trek Ambiente gewöhnt, doch schafft es das Spiel nicht, ab diesem Zeitpunkt mit gelungenen Missionen zu punkten. Zu eintönig und repetitiv sind die einzelnen Aufträge, die mir von der Föderation aufgetragen werden. Hinzu kommt noch die für heutige Standards unwürdige KI und die etwas missglückte Steuerung. Spätestens jetzt degeneriert das Spiel nur noch zu einem Game für echte Trekkies. 


# # # # #


"Logbuch #3"

Nach 40 Stunden im Universum von "Star Trek Online" ist es nun an der Zeit, ein Resümee über dieses ambitionierte Projekt von Cryptic Studios zu ziehen. Konnte mich das Spiel nach fünf Stunden Spielzeit komplett überzeugen, machte sich nach 15 Stunden doch eine gewisse Ernüchterung breit. Doch kann das Spiel zum Ende hin doch noch einmal Fahrt aufnehmen?


Die Story

Die Story ist eigentlich recht schnell erzählt. Die Ereignisse spielen knapp nach dem letzten Film: Spocks Versuch, Romulus vor einer Supernova zu retten, scheitert und der Planet wird zerstört. Dies wiederum bringt einiges an Instabilität in die Galaxis, welche die Klingonen versuchen auszunutzen. Zum allen Überfluss tauchen dann auch noch die Borg auf, deren Verhalten allerdings recht untypisch erscheint. Genug Krisenherde also, um den Ruf nach einem Retter der Menschheit laut werden zu lassen. Dieser Retter bist du.


Das Gameplay

Ganz allgemein ist das Spiel eigentlich in zwei Missionsarten gegliedert, die sich auch Gameplay-technisch unterscheiden: Boden- und Weltraummissionen. Das Herumfliegen im Weltraum macht bedeutend mehr Spaß, denn die Steuerung am Boden ist leider (noch) etwas ungelenk. Außerdem gehört es zu den Highlights des Games, sein eigenes Föderationsraumschiff hochzuskillen. Möglichkeiten dafür gibt es mannigfach, hier haben die Entwickler geklotzt und nicht gekleckert. Weltraumschlachten geraten so auch tatsächlich zu einem spielerisch und taktisch anspruchsvollen Teil des Ganzen, vor allem im späteren Verlauf, da jedes Schiff in der Flotte eine bestimmte Aufgabe übernehmen kann.

Die Bodenmissionen hinken da leider nicht nur aufgrund der Steuerung hinterher. Inhaltlich beschränken sich die Missionen darauf Gebiete zu erschließen, Verbündete zu befreien oder Computerterminals zu hacken, um an geheime Daten zu kommen. Hier kommt schnell Langeweile auf. Noch weniger Abwechslung bieten die Klingonen, die freigeschaltet werden sobald der eigene Föderations-Avatar Stufe 6 erreicht, da diese ausschließlich Missionen mit kämpferischen Absichten und "Spieler gegen Spieler"-(PvP-)Gameplay bieten.


Grafik und Sound

Grafik und Sound gehören zum Besten, was zurzeit im MMO-Genre geboten wird. Dies gilt uneingeschränkt für den Sound, bei der Grafik ist wieder das Weltraum-/Bodenmissionen-Gefälle zu beobachten. Der Weltraum sieht einfach klasse aus, hingegen erinnern die Planetenoberflächen eher an "Matchwüsten" und Geröllhalden.


Multiplayer

Im Vergleich zu "World of Warcraft" gibt es keine Probleme für die Gruppenfindung in "Star Trek Online". Sobald man eine Aufgabe hat, welche für mehrere Spieler bestimmt ist, betritt man das System und wird automatisch mit anderen Leuten in eine Gruppe geworfen. Für größere Aufgaben, sogenannte Flottenaktionen, wird man sogar mit über 30 Leuten in die Schlacht geschickt. Natürlich gibt es auch noch PvP-Missionen mit Kämpfen zwischen Föderation und dem klingonischen Imperium. Nichtsdestotrotz lässt sich in "Star Trek Online" vieles weiterhin ohne große Hilfe von anderen Spielern bewältigen, da es auf Gelegenheitsspieler zugeschnitten ist.


Fazit: "Star Trek Online" hat viele Stärken, doch leider überwiegen über weite Teile des Spiels die Schwächen in den Bodenmissionen sowie der inhaltlichen Abwechslung der Aufgaben. Wirklich fesseln kann das Spiel nur zu Beginn, mit fortlaufender Spieldauer wird es dann aber immer mehr zum Liebhaberprojekt für eingefleischte Trekkies. Für alle anderen gilt: Ausprobieren und testen! Aber bitte nicht überrascht sein, wenn nach gewisser Zeit eine gewisse Sättigung erreicht ist.



# # # Martin Vettori # # #



Grafik: 8,5/10
Sound: 9/10
Steuerung: 7/10
Spielspaß: 6,5/10
Gesamt: 7,5


Entwickler: Cryptic Studios
Publisher: Atari





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