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Game-Review: Tropico 3 (PC, Xbox 360; getestet auf PC)

Kalter Krieg und heiße Rythmen. In "Tropico 3" entscheidest du ob du einen tyrannischen Überwachungsstaat oder ein Urlaubsparadies mit reichlich Deviseneinnahmen führen möchtest.
packshot3 (c) Haemimont Games/Kalypso Media / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Der dritte Teil aus der "Tropico"-Reihe schickt sich an die bisher beste Auflage zu werden. Das ist insofern erstaunlich, da es sich, trotz neuer Entwickler (Haemimont Games) und Publisher (Kalypso Media), im Prinzip um das gleiche Spielprinzip wie vor acht Jahren handelt: Ein kleines Inselparadies in der Karibik mit Hilfe der großen Weltmächte USA und UdSSR in Richtung kapitalistischer oder kommunistischer Gesinnung und Herrschaft zu bewegen und dabei in die eigene Tasche zu wirtschaften. Aber "Tropico 3" hat auch Neuerungen zu bieten. So kann man als Präsident der Insel vor jeder Wahl - sollte man sich für eine solche entscheiden - eine Rede aus drei Textbausteinen für das Inselradio halten. Die darin genannten Wahlversprechen und Lobpreisungen haben natürlich Auswirkungen auf das Wählerverhalten und darüber hinaus auch auf die Bewertung der eigenen Regentschaft nach der Wahl. Versprochen ist versprochen, also sollten die Ziele die man sich gesetzt hat auch erreicht werden.


tropico3_1 (c) Haemimont Games/Kalypso Media / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDas zweite nette Feature ist der Avatar von El Presidente, der im Spiel direkt gesteuert werden kann. Mit ihm kann man etwa bei Baustellen vorbeischauen um Bauvorhaben zu beschleunigen oder Gebäude besuchen um deren Qualität zu heben. Selbstverständlich kann man auch vom Balkon des eigenen Regierungspalastes Ansprachen halten und sich vom Volk zujubeln lassen. Bei der Avatarerstellung kann man zwischen vorgefertigten historischen Persönlichkeiten wie Che Guevara, Fidel Castro oder Evita Peron wählen, oder sich sein individuelles Alter-Ego erstellen. Geschlecht, Aussehen, Dienstkleidung, politischer und persönlicher Hintergrund, alles konfigurierbar. So kann man sich etwa für eine Machtergreifung durch Kommunistische Revolution oder durch eine Installierung durch den CIA entscheiden und je zwei positive wie negative Charaktereigenschaften auswählen. Hintergrund und Charakter haben dann wiederum Auswirkungen auf das Spielgeschehen und auf das Verhältnis zu den Supermächten und Fraktionen.


tropico3_2 (c) Haemimont Games/Kalypso Media / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDiese sind das A und O der Innenpolitik. Jeder Bürger hat Präferenzen für eine oder mehrere der Interessensgemeinschaften der Kommunisten, Kapitalisten, Religiösen, Militaristen, Nationalisten, Intelektuellen und Umweltschützer. Diese haben spezifische Wünsche und Bedürfnisse die einander diametral gegenüber stehen können, aber von einem erfahrenen und vor allem erfolgreichen Presidente unter einen Hut gebracht werden müssen. So kann man etwa die Religiösen mit einem Verhütungsverbot glücklich machen, verliert dabei aber bei den Intellektuellen an Ansehen. Bei der Einführung der Homo-Ehe verhält es sich genau anders rum. Durch eben solche Erlässe, Versprechen und Handlungen muss ein möglichst großer oder ein möglichst einflussreicher Teil der Bevölkerung zufrieden gestellt werden.


tropico3_3 (c) Haemimont Games/Kalypso Media / Zum Vergrößern auf das Bild klickenHat man dies erreicht, eine Machtbasis von loyalen Anhängern geschaffen und den eigenen Machterhalt gesichert, kann man sich dem eigentlichen Ziel in "Tropico 3" widmen: Dem Verschieben tropicanischer Vermögenswerte auf das eigene Schweizer Bankkonto. Das klappt am besten mit einer funktionierenden Stadt, die satte Gewinne abwirft. Dabei bestimmt vor allem die Beschaffenheit der eigenen Insel darüber ob es sich eher lohnt in den Export oder in den Tourismus zu investieren. Touristen, die wahren Cash-Cows in "Tropico 3", bevorzugen hübsche Sandstrände und unberührte Natur, brauchen aber eine gute Infrastruktur mit internationaler Anbindung, zahlreiche Attraktionen und eine niedrige Kriminalitätsrate. Inseln mit reichlich Industriebetrieben und hoher Verschmutzung und Kriminalität werden es schwer haben die reichen Westler anzulocken. Hat man aber das Glück auf einer eigenen Ölquelle zu sitzen, kann man auf die zahlende Meute aus dem Ausland gerne verzichten. Auch als Exportweltmeister lässt sich ein kleines Vermögen verdienen. Es gibt in "Tropico 3" also viele Wege an Geld zu kommen und es gleich wieder zur Seite zu schaffen.


tropico3_4 (c) Haemimont Games/Kalypso Media / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDas Beste daran ist, dass man sich nicht all zu sehr mit detaillierten Einstellungen und Management auf der ökonomischen Mikroebene abgeben muss. Vielmehr sind es grundlegende Entscheidungen die bei "Tropico 3" ins Gewicht fallen. Etwa ob man mit Oberschule und Hochschule selbst die Ausbildungseinrichtungen schafft um sein zukünftiges Personal auszubilden, oder ob man ausgebildete Arbeiter importiert. Gibt man sich mit dem Export von Rohstoffen zufrieden oder investiert man in die Weiterverarbeitung und Veredelung und baut sich seine eigenen Produktionsketten auf. So kann man etwa aus dem Rohstoff Baumstämmen Bauholz fertigen, das dann wiederum zu Möbel verarbeitet werden kann. Oder man lässt Zigarren aus den Tabakblättern der inseleigenen Farmen rollen. Das Interessante an der Produktion von Agrarprodukten ist, dass Plantagen realitätsnah erst Kosten verursachen bevor die erste Ernte eingebracht werden kann und daraus Gewinne erwirtschaftet werden. Also ist vor allem am Anfang Fingerspitzengefühl beim Aufbauen und Haushalten mit den Wirtschaftshilfen der Supermächte angebracht.


tropico3_5 (c) Haemimont Games/Kalypso Media / Zum Vergrößern auf das Bild klickenLernen kann man all diese Kniffe in der Kampagne. Diese ist eine Serie lose aneinandergereihter Episoden die auch in beliebiger Reihenfolge absolviert werden können. So lernt man zwar die Spielmechanik kennen, eine richtige Story sucht man aber vergebens. Dafür kann man nach dem Erfüllen der verlangten Aufgaben jedes Szenario weiterspielen und sich so seine eigene Story schaffen. Zudem kann der Präsidentenavatar in jeder Mission frei konfiguriert werden, was die Bewältigung nicht nur einfacher sondern auch abwechslungsreicher macht. Das Herzstück des Spiels ist aber ohnedies der Sandbox-Modus, in dem nicht nur der Avatar, sondern auch die gesamte Insel und damit der Schwierigkeitsgrad des Spiels relativ frei einstellbar sind.


tropico3_6 (c) Haemimont Games/Kalypso Media / Zum Vergrößern auf das Bild klickenFazit: Gleich vorweg das größte Manko, das sich wie ein roter Faden durch die diesjährigen Highlights des Aufbau-Strategie-Genres zieht. Leider gibt es keinen richtigen Multiplayer-Modus in dem man sich in LAN oder Internet mit menschlichen Gegnern messen könnte. Einzelne Herausforderungen und Inseln kann man allerdings mit anderen Spielern tauschen. Dennoch hat "Tropico 3" für alle Möchtegern-Präsidenten einiges zu bieten. Die gelungene Mischung aus Aufbau, Politik und Wirtschaft gewürzt mit einer Prise Humor, das konkrete zeitgeschichtliche Setting und die Simulation realer Ereignisse wie dem Attentat an JFK begeistern von Anfang an. Ebenso wie die karibischen Töne und die hübsche 3D Grafik mit ihren liebevoll gestalteten Texturen. Das Spiel hat wirklich Suchtcharakter, auch wenn der Sprücheklopfer im Radio auf Grund seiner beschränkten Anzahl an Weisheiten und Neuigkeiten mit der Zeit zu nerven beginnt. Unterhaltungswert hat er dennoch, wenn er fragt etwa die beliebte Show "Wie groß ist ihre Banane?" ankündigt.


# # # Felix Reiterer # # #


Grafik: 9/10
Sound: 9/10
Steuerung: 7/10
Spielspaß: 9/10
Gesamt: 8,5


Entwickler: Haemimont Games
Publisher: Kalypso Media




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