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Gruselkabinett 118 & 119

Noch immer weiß die Menschheit weniger über die Tiefen des Ozeans als den Mond. Kann es also tatsächlich sein, dass aus der endlosen Weite des Meeres ein Leviathan aufsteigt und Schiffe in den Abgrund reißt?

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 118 & 119 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenProfessor Aronnax ist unbestritten einer der bedeutendsten Köpfe seiner Zeit, sein Forschungsgebiet sind die Meere und Ozeane unseres Planeten. Eigentlich liegt es einem seriösen Wissenschaftler fern, sich mit Seemannsgarn über Schiffe verschlingende Seeungeheuer zu befassen. Doch die nicht abreißende Serie von Schiffsunglücken, bei denen übereinstimmend immer wieder von einer riesigen Unterwasserkreatur berichtet wird, zwingt auch ihn zum Umdenken und einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Vorkommnissen. Für den Professor steht unumstößlich fest, dass es kein anderes Schiff oder Fahrzeug sein kann, das auf den Weltmeeren sein Unwesen treibt.


Er vertritt die Theorie, dass es sich wahrscheinlich um einen riesigen Narwal handeln muss, der in der Lage ist, die Schiffe zu versenken. Die Freude ist natürlich riesig, als der Professor die Einladung erhält an einer Expedition teilzunehmen, um den Wal zu harpunieren und zu untersuchen. Gemeinsam mit seinem treuen Conseil begibt er sich an Bord der Abraham Lincoln, um den Wal in den Weiten der Ozeane aufzuspüren und zur Strecke zu bringen. Doch es kommt zunächst alles ganz anders als geplant, mehrere Monate verstreichen ohne eine Sichtung des Seeungeheuers. Die Stimmung an Bord verschlechtert sich mit jedem Tag und Frustration macht sich breit.


Dann kommt es endlich zur schicksalhaften Begegnung mit dem Monster, doch die verläuft nicht wie eigentlich geplant. Binnen weniger Sekunden ist die Abraham Lincoln versenkt und lediglich drei Menschen, unter ihnen der Professor, kommen mit dem Leben davon. Die Chance zu überleben ist jedoch gering, denn ohne Proviant und ein Transportmittel blicken die Männer dem sicheren Tod ins Auge. Da stoßen die Schiffbrüchigen auf ein Wrackteil, das sich als U-Boot herausstellt. Tatsächlich gibt man ihnen die Chance an Bord kommen zu dürfen. Sie ahnen noch nicht, dass nun das Abenteuer ihres Lebens beginnt.


Direkt zu Beginn muss die Frage gestellt werden, ob der vertonte Stoff von Jules Verne tatsächlich dazu geeignet ist, um ins "Gruselkabinett" aufgenommen zu werden. Reflexartig möchte man dies sofort verneinen und die Geschichte in den Bereich der Phantastik und Science-Fiction verbannen. Ich muss gestehen auch zunächst auf diese Position zurückgefallen zu sein, doch wenn man sich intensiver mit der Thematik auseinandersetzt, bekommt man doch begründete Zweifel und stellt fest, dass "20.00 Meilen unter dem Meer" doch seine Berechtigung im "Gruselkabinett" hat.


Da wäre natürlich zunächst einmal der doch vorhandene übernatürliche Aspekt, der sich erst in der Mitte der Geschichte verflüchtigt, nämlich dann wenn klar wird, dass es kein Seeungeheuer gibt, sondern wir mit einem U-Boot konfrontiert werden. Man sollte auch nicht aus dem Auge verlieren, wie bekannt der Roman von Jules Verne mittlerweile ist, fast jeder weiß, was hinter den Schiffsunglücken steckt. Zudem sind U-Boote in unserer Zeit nichts Besonderes mehr, sondern gehören zum Alltag, was zur Zeit der Erstveröffentlichung definitiv nicht der Fall war.


Wenn man dann ein wenig genauer schaut, geht es um das wohl schlimmste Monster, das die Erde je hervorgebracht hat, den Mensch. Kapitän Nemo hat die Gesellschaft verlassen und widmet sich nun der Bekämpfung jener Spezies, die sich unbeschreiblicher Verbrechen schuldig gemacht hat. So gesehen ist der Horror hier zwar deutlich tiefgründiger angelegt, macht "20.000 Meilen unter dem Meer" aber unbedingt zu einem Kandidaten für diese Reihe.


Wie viele "Gruselkabinett"-Geschichten kommt auch diese Vertonung erst ganz allmählich auf Touren, bevor der Actionanteil dann im zweiten Teil deutlich zunimmt und das Tempo drastisch erhöht wird. Die große Faszination der Erzählung geht natürlich von jenen Momenten aus, die sich in der Tiefsee zutragen und den Hörer in eine fantastische Welt entführen. Dem Team von Titania ist es gelungen, diese besonderen Augenblicke des Buchs ins Hörspiel zu retten, allerdings wäre es sicher nicht verkehrt gewesen, der einen oder anderen Situation noch etwas mehr Raum zu bieten. Die Dialoge sind einmal mehr gut geschrieben, allerdings lassen sie dieses Mal ein wenig die Emotionalität vermissen, hier hätte es ruhig etwas mehr sein dürfen.


Die verwendeten Soundeffekte sind wieder eher dezenter Natur, schaffen es aber problemlos, die verschiedenen Handlungsorte passend in Szene zu setzen, dies gilt ebenso für die Passagen über den Wellen als auch unter der Wasseroberfläche und an Bord der Nautilus. Bei den Stimmen hat man sich dazu entschlossen nichts dem Zufall zu überlassen, so wurden überwiegend Sprecher besetzt, die zur absoluten Champions League des Hörspiels zählen. Da wäre allen voran Jürgen Thormann als Professor Aronnax, dem die Rolle geradezu auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Seine markante, knarzige Stimme passt nur zu gut zu dem begeisterungsfähigen Wissenschaftler.


Uli Krohm übernimmt den Part des Kapitän Nemo, es gelingt ihm mit den Facetten seiner Stimme ein dramatisches Bild des innerlich zerrissenen Seemanns zu zeichnen. Immer liegt unterschwellig etwas Bedrohliches und Boshaftes in seinen Worten, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Eine wirklich beeindruckende Leistung, Nemo ist hier eine tiefgründige Person, die in all ihrer Vielschichtigkeit schwer zu fassen ist.


Dietmar Wunder schließlich schlüpft in die Rolle des raubeinigen Harpuniers Ned Land und zeigt, dass in ihm noch viel mehr steckt als "John Sinclair", wenn man ihm nur die richtigen Figuren zutraut und spielen lässt. Als Conseil ist Julian Tennstedt zu hören, dem es gelingt trotz der großen Namen eigene Akzente zu setzen. "20.00 Meilen unter dem Meer" ist eine solide und überzeugende Folge innerhalb der Reihe geworden, fällt aber im direkten Vergleich zum Vorgänger doch deutlich ab und reiht sich im Mittelfeld ein. Was jedoch keinesfalls schlecht ist.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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