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Gruselkabinett 123

Als ein Gelehrter des viktorianischen Zeitalters eine Möglichkeit zur Zeitreise entdeckt, hebt er damit die Welt aus den Angeln. Die Begeisterung ist schnell verflogen, denn er berichtet von einer düsteren Zukunft der Menschheit.

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 123 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken1894, England während des viktorianischen Zeitalters. Während eines gemeinsamen Abendessens mit einem alten Freund offenbart dieser seinen Gästen eine faustdicke Überraschung. Es sei ihm gelungen einen der größten Menschheitsträume wahr werden zu lassen. Seit geraumer Zeit beschäftige er sich mit der Frage der Zeitreise und ob es tatsächlich möglich sei, in Vergangenheit und Zukunft zu reisen. Eine Überlegung, die zunächst für große Erheiterung sorgt, schließlich gilt es als ausgeschlossen durch die vierte Dimension zu reisen. Doch das Lachen vergeht den Teilnehmern der Abendgesellschaft recht schnell, den ihr Gastgeber ist nicht zu Scherzen aufgelegt, sondern nimmt seine Ausführungen sehr ernst.


Um seine Freunde davon zu überzeugen, dass er ihnen keinen Bären aufbindet, schlägt er eine weitere Reise in die Zukunft vor, an deren Ende er ihnen einen Beweis für seine Expedition erbringen will. Man vereinbart ein weiteres Abendessen am folgenden Tag. Tatsächlich kehrt der Gastgeber zum vereinbarten Zeitpunkt in sein Haus zurück, allerdings befindet er sich in einem denkbar schlechten körperlichen Zustand. Die Geschichte, die er zu erzählen hat, ist jedoch noch weitaus grauenvoller als sein Aussehen. Die Zukunft der Menschheit ist eine ganz andere als viele vermuten würden.


Zum ersten Mal beim "Gruselkabinett" erscheinen drei Werke desselben Autors in direkter Folge. Nach "Der Unsichtbare" und "Die Insel des Dr. Moreau" findet nun auch "Die Zeitmaschine" von H. G. Wells ihren Weg in diese illustre Reihe, in der sich bereits viele Klassiker der Weltliteratur und zahlreiche Geheimtipps tummeln. Wie bereits bei anderen Vertonungen wählt man auch in diesem Fall eine werkgetreue Umsetzung der Geschichte und verzichtet auf inhaltliche oder zeitliche Veränderungen und begnügt sich mit einigen sinnvollen Kürzungen. Bevor der Hörer auf seine erste Zeitreise entführt wird, vergeht allerdings erst eine gewisse Zeit, da man großen Wert auf die Entfaltung der Story und der Etablierung der agierenden Figuren und des Handlungsorts legt.


Die langjährige Erfahrung von Titania Medien bei der Produktion von Hörspielen, die auf dem Werk bedeutender Autoren fußen, kommt auch bei "Die Zeitmaschine" zum Tragen und lässt keinerlei Wünsche offen. Allerdings bekommt diese Umsetzung eine leicht puristische Note, da große Teile der Handlung aus der Sicht des Zeitreisenden geschildert werden, sodass sich längere Erzählpassagen ergeben, die das Tempo drosseln und man zeitweise das Gefühl bekommt, eher einem Hörbuch zu lauschen. Qualitativ geschieht dies natürlich auf dem gewohnt hohen Niveau und ist einfach der Vorlage geschuldet.


Obwohl "Die Zeitmaschine" eher dem Genre der Science-Fiction zugeordnet wird, gibt es auch hier durchaus bedrohliche und unheimliche Momente, die eine Aufnahme ins "Gruselkabinett" durchaus rechtfertigen, etwa wenn der Zeitreisende auf das düstere Geheimnis der Morlocks stößt. Überhaupt stellt natürlich die Ankunft in einer fernen Zukunft, die auf den ersten Blick friedvoll und einladend erscheint, den Höhepunkt der Geschichte da. Es gelingt das langsam in das Bewusstsein tröpfelnde Grauen gut einzufangen, das sich im vollen Umfang zu erkennen gibt, wenn klar wird, wie sich der Speiseplan der Morlocks zusammensetzt.


In vielen Werken von H. G. Wells findet sich auch immer ein gesellschaftskritischer Aspekt wieder, der seine Geschichten zeitlos macht und auch heute Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen nichts an Aktualität verloren hat. "Die Zeitmaschine" ist dabei keine Ausnahme, Wells gibt hier einen Ausblick, was geschehen kann, wenn wir nicht aufeinander und unseren Planeten achtgeben und uns von Hass und Gewalt leiten lassen. Die eingesetzten Geräusche sind dieses Mal tatsächlich auf ein absolutes Minimum beschränkt, bleiben vielerorts dezent im Hintergrund und rücken nur dort, wo es erforderlich ist, in den Fokus des Geschehens. Die musikalische Untermalung bewegt sich über weite Strecken in den gewohnten Parametern und bietet eine ansprechende Zusammenstellung oft düsterer orchestraler Klänge, die bestens zu den geschilderten Ereignissen passen.


Damit dieser außergewöhnliche Plot den Rahmen bekommt, den er verdient, braucht es kaum mehr als ein halbes Dutzend großartiger Sprecher. Viele davon sind gern gesehene Gäste im "Gruselkabinett" und haben bereits des Öfteren Titel der Reihe mit ihrer Arbeit bereichert. Sascha Zambelly schlüpft in die Rolle des Zeitreisenden und fängt mit seiner facettenreichen Stimme die Wunder und das Grauen der Zukunft ein. Matthias Lühn und Claus Thull-Emden sind als dessen Freunde Gregson und Filby zu hören und übernehmen die Rolle der Skeptiker und Bewunderer gleichermaßen und machen wie so oft auch hier einen fantastischen Job. Dazu kommen Marianne Mosa und Annina Braunmiller-Jest, die mit ihren markanten Stimmen das erlesene Sprecherfeld abrunden und ebenfalls mit hörbarem Eifer bei der Sache sind. Erneut eine gute Episode, die des "Gruselkabinetts" würdig ist, allerdings wäre an einigen Stellen ein höheres Tempo wünschenswert gewesen, um die unheimlichen Momente noch deutlicher zu betonen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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