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Gruselkabinett 124 & 125

Viele halten es einfach für ein seltenes Naturschauspiel, das unseren Nachbarplaneten, den Mars, mit einer Kaskade von Vulkanausbrüchen überzieht. Einige wenige erkennen darin jedoch etwas vollkommen Anderes, doch ihre Stimmen bleiben ungehört.

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 124 & 125 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWas gibt es Größeres für einen von seiner Arbeit begeisterten Forscher, als Zeuge von etwas Außergewöhnlichem zu sein? Eine Erfahrung, die auch Mr. Ogilvy macht, der sein Leben der Astronomie verschrieben hat. Seit einigen Tagen beobachtet er merkwürdige Vorkommnisse im All. Auf dem Nachbarplaneten Mars herrscht urplötzlich große Aktivität. Handelt es sich dabei um ungewöhnliche Naturphänomene oder gibt es einen anderen Grund für die Vorgänge auf dem roten Planeten? Ogilvy ist sich nahezu sicher, dass es auf dem Mars Leben gibt, welches sich in diesem Moment anschickt, die Erde zu besuchen.


Viele seine wissenschaftlichen Kollegen halten seinen Überlegungen für absurd und geben ihn der Lächerlichkeit preis. Ogilvy jedoch ist wie elektrisiert von dieser Vorstellung und überträgt seine Begeisterung auf seinen Freund Julian, der ihn eines Abends in seinem Observatorium besucht. Beide lassen ihre Gedanken schweifen und stellen sich vor, wie der erste Kontakt mit einer fremden Zivilisation wohl aussehen mag, welche neuen Möglichkeiten sich aus einem solchen Zusammentreffen ergeben können und wie es sich auf die weitere Entwicklung der Menschheit auswirken würde.


Allerdings macht sich auch die Sorge breit, was geschehen könnte, wenn die Fremden keine friedlichen Absichten verfolgen. Kurz darauf wird aus der Vermutung Gewissheit, überall auf der Welt landen die Transportkapseln der Außerirdischen und beginnen eine planetenweite Invasion. Mit äußerster Brutalität gehen sie gegen die Menschen vor und legen die Städte und Metropolen in Schutt und Asche. Bereits nach wenigen Tagen ist klar, dass die militärischen Mittel der Menschen denen der Invasoren hoffnungslos unterlegen sind. Es beginnt ein Kampf ums nackte Überleben. Eine Erfahrung, die auch Julian und seine Frau Margret machen müssen, als sie ihr Heil in der Flucht suchen und nicht ahnen, welche Odyssee vor ihnen liegt.


Nachdem bereits "Der Unsichtbare", "Die Insel des Dr. Moreau" und "Die Zeitmaschine" ihren Weg ins "Gruselkabinett" gefunden haben, erhält nun auch "Der Krieg der Welten" dort seinen Platz. Wie bei den anderen erwähnten Klassikern ist man auch hier um eine möglichst werkgetreue Umsetzung bemüht, verzichtet auf gravierende inhaltliche Eingriffe oder eine Verlegung auf eine andere Zeitebene und behält sich lediglich einige Kürzungen vor, die der Handlung gut zu Gesicht stehen und das Tempo anziehen.


Abgesehen vom einleitenden Gespräch zwischen Ogilvy und Julian zeichnet sich die Geschichte durch eine Vielzahl dramatischer Ereignisse aus, die von Beginn an für eine enorme Geschwindigkeit des Plots sorgen. Schnell stellt sich ein fortwährendes Gefühl der Unsicherheit ein, immer wieder gelingt es Julian erst in letzter Sekunde, der möglichen Entdeckung und dem sicheren Tod zu entgehen. Die Flucht durch das zerstörte England ist gekennzeichnet von Beklemmung und unter den Überlebenden macht sich Hoffnungslosigkeit breit, als sie erkennen müssen, dass die Angreifer ihnen weit überlegen sind. Es gelingt den Produzenten, diese Gefühle einzufangen und zu den Hörern zu transportieren. Eindringlich wird beschrieben, wie mit jedem weiteren verstreichenden Tag die Chancen zu überleben immer geringer werden. Sinnbildlich für diese dichte Atmosphäre der Unsicherheit und Niedergeschlagenheit dürfte wohl jener Moment sein, als Julian erkennen muss, dass die Menschen den Außerirdischen als Nahrungsquelle dienen.


Selten ist ein "Gruselkabinett"-Beitrag so eindringlich und düster ausgefallen wie "Der Krieg der Welten". Obwohl seit der Erstveröffentlichung der Geschichte schon einige Jahrzehnte ins Land gezogen sind, hat sie nichts von ihrer Frische und Zeitlosigkeit eingebüßt. Noch immer beschäftigt die Menschen die Vorstellung, wie es wohl sein wird, das erste Mal den Vertretern einer exterrestrischen Zivilisation gegenüberzustehen. Wie wird ihre Gesinnung sein? Verstärkt wird die enorme Dichte des Plots durch den Blickwinkel, aus dem die Ereignisse während der Invasion geschildert werden. Wir nehmen teil an den erschütternden Ereignissen, deren Zeuge Julian wird und erhalten Einblick in seine Gefühle und Gedanken. So entsteht eine enge Bindung mit dem Publikum, das die Vorkommnisse unmittelbar verfolgt.


Oft hat die Musik bei "Gruselkabinett"-Produktionen eher unterstützenden Charakter und verstärkt die vorherrschende Atmosphäre, im Fall von "Der Krieg der Welten" ist dies jedoch ein wenig anders. Hier werden die eingebetteten Kompositionen zum leitenden Motiv und transportieren die vielschichtigen Emotionen während und nach dem Angriff zu den Hörern. Dabei begegnet dem Rezipienten eine breite Palette von Melodien, die von unbekümmert bis tieftraurig und melancholisch reichen und die vorherrschenden Entwicklungen bereichern und entscheidend erweitern. Die Geräusche wurden bei diesem Zweiteiler ebenfalls anders akzentuiert als bei vielen Veröffentlichungen dieser Reihe, weitaus häufiger als gewohnt rücken sie in den Fokus der Handlung und stellen die notwendige Tiefe für ein episches Werk wie "Der Krieg der Welten" her.


In der Rolle des Julian ist Bruno Winzen zu hören, der die tiefgreifenden Veränderungen seines Charakters sehr gut einfängt. Anfänglich noch heiter und unbeschwert, entwickelt er sich in der Folge zu einem erschütterten und von seinen Erlebnissen gezeichneten Mann, der kaum noch Hoffnung in sich trägt. Eine wirklich gelungene Performance. Georg Tryphon übernimmt den Part des Mr. Ogilvy. Seine dunkle und heisere Stimme scheint die ideale Besetzung für den enthusiastischen, aber auch sorgevollen Wissenschaftler.


Leider können nicht alle Akteure in ihren Rollen überzeugen. Tom Raczkos Auftritt als Hilfsprediger, der zunehmend den Verstand verliert, spiegelt zwar den aufziehenden Wahnsinn seiner Figur wider, driftet aber mit zunehmender Laufzeit immer mehr ins Überdrehte ab und wirkt unglaubwürdig. Leider stellt es sich als äußerst anstrengend heraus, seinen Passagen bis zum Ende zu folgen. In Nebenrollen sind so bekannte Sprecher wie Detlef Bierstedt, Kathryn McMenemy, Joachim Tennstedt und Thomas Balou Martin zu hören, die alle mit großem Eifer bei der Sache sind. Die klassische Interpretation des Werks von H. G. Wells hat ihren Platz im "Gruselkabinett" vollkommen zurecht verdient und ist ein weiterer Höhepunkt dieser Hörspielreihe.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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