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Gruselkabinett 130

Die Suche nach dem großen Abenteuer in der kanadischen Wildnis wird von einem dunklen Omen überschattet.

Gruselkabinett 130New York in den 1920er Jahren. Eine kleine Gruppe alter Freunde plant sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Gemeinsam organisiert man eine Expedition in die wilde und nahezu unberührte Natur des kanadischen Ostens. Alle Teilnehmer sind von großer Vorfreude erfasst und können den Tag der Abreise kaum erwarten. Einen leichten Dämpfer erfährt die gute Stimmung jedoch, als die Freunde davon erfahren, dass einer von ihnen ein dunkles Geheimnis mit sich trägt.


Bereits in Kindheitstagen wurde dem jungen und lebenslustigen Peter Crane ein Tod in der Fremde prophezeit, eine getätigte Äußerung, die nun bei jeder weiteren Reise des jungen Mannes unausgesprochen im Raum steht. Sicherlich keine schöne Aussicht, aber eine mögliche Zukunft, mit der man leben könnte, wenn da nicht der zweite Teil der Prophezeiung wäre, der besagt, dass Peter zu seiner Familie zurückkehren würde, jedoch nicht gesund und lebend, sondern als ein Wiedergänger aus dem Reich der Toten.


Davon lassen sich die jungen Männer aber nicht abhalten und brechen in die Wildnis Labradors auf. Doch der Trip in die menschenleeren Wälder steht unter keinem guten Stern, tatsächlich verschwindet Peter Crane in der unwirklichen Schneelandschaft spurlos. Nachdem eine Suche ohne Erfolg bleibt, erklärt man den jungen Mann für tot. Als die Familie davon erfährt, ist der Vater nicht bereit, das Schicksal zu akzeptieren und sucht Hilfe bei einem Medium, um Kontakt mit seinem geliebten Sohn aufzunehmen – der Auftakt für einige sehr beunruhigende und besorgniserregende Ereignisse, die sowohl die Freunde als auch die Familie des Toten nachhaltig erschüttern werden.


Einer der Gründe, der diese Reihe auch nach weit über 100 Folgen immer noch so interessant und besonders macht, ist die große Abwechslung bei der Auswahl der Stoffe, die wirklich nahezu jede Spielart des gepflegten Grusels berücksichtigt und mit ungewohnten und unbekannten Titeln zu überraschen weiß. "Der Wiedergänger" ist dafür ein Paradebeispiel. Die von der im deutschen Sprachraum eher unbekannten Autorin Carolyn Wells verfasste Geschichte ist ein Zwitter aus verschiedenen Genres, der neben anderen auch übersinnliche Aspekte in sich vereint.


Am besten steht "Der Wiedergänger" das Etikett "Krimi mit übersinnlichen Motiven". Die Handlung gestaltet sich von der ersten Minute an äußerst abwechslungsreich. Der Auftakt ist eine lupenreine Abenteuergeschichte mit tragischem Ausgang. Die folgenden Ereignisse rücken den Kontakt mit dem für tot gehaltenen Peter Crane in den Mittelpunkt und thematisieren dabei die zum Beginn des 20. Jahrhunderts sehr beliebten Séancen, mit denen der Kontakt zum Jenseits gesucht wurde, bevor man sich zum Ende hin eindeutig als Krimi positioniert.


Das wird besonders deutlich, wenn eine erneute Séance alle Verdächtigen versammelt, um zu erläutern, wer hinter den perfiden Verbrechen steckt – ein Element, wie es sich immer wieder in klassischen Kriminalgeschichten von Autoren wie Sir Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie anzutreffen ist. Die umschließende Klammer der Handlung bildet die Liebe zwischen Peter Crane und Carlotta Harper, die in vielerlei Hinsicht auf die Probe gestellt wird. Gruselige und spannende Momente wechseln sich mit ruhigeren, aber durchaus unterhaltsamen Passagen ab und schaffen es trotz der stolzen Laufzeit von fast 75 Minuten ohne Längen bestens zu unterhalten.


Die musikalische Gestaltung ist einmal mehr opulent ausgefallen und verstärkt die jeweiligen Emotionen einer Szene. Dabei kommt ein ganzes Spektrum unterschiedlicher Musikstücke zum Einsatz, Pianoklänge wechseln sich ab mit düsteren und eher unheimlichen Klangwelten, um sich im Anschluss in eher lockeren und heiteren Motiven zuzuwenden. Die Geräusche sind gut platziert, erfüllen trotz des zurückhaltenden Einsatzes absolut ihren Zweck und regen die Fantasie des Hörers zusätzlich an.


Ein Dutzend Sprecher wurden versammelt, um "Der Wiedergänger" als Hörspiel zu inszenieren. Darunter so große Namen wie Dagmar von Kurmin, Reinhilt Schneider und Horst Naumann, deren markante Stimmen man unter Tausenden herauszuhören vermag und die auch hier wieder unter Beweis stellen, mit viel Hingabe und Können sie zu Werke gehen, um ein Hörspiel noch eine Nuance besser zu machen als es ohnehin schon ist. Dazu gesellen sich Jannik Endemann, Louis Friedemann Thiele, Thomas Balou Martin und Matthias Lühn, die in die Rollen der Jugendfreunde schlüpfen und ebenfalls einen fantastischen Job abliefern.


Abgerundet wird der positive Gesamteindruck durch Uschi Hugo und Bodo Primus, die hier ebenfalls ein Gastspiel geben. Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass die Stimmen der Freunde alle sehr ähnlich klingen und man sich wirklich sehr genau konzentrieren muss, um alle Beteiligten auseinanderhalten zu können. Der positive Trend der letzten Folgen setzt sich auch mit "Der Wiedergänger" fort und präsentiert eine facettenreiche Gruselgeschichte, die sich einen Platz im gehobenen Mittelfeld der Reihe verdient.


 
# # # Justus Baier # # #




 


 
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