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Gruselkabinett 170

Manchmal kommt der Tod versteckt und in Verkleidung, wirkt nett oder geradezu liebenswert. Doch egal in welcher Gestalt wir ihm begegnen, das Ende ist stets dasselbe.

Gruselkabinett 170Österreich 1894. Nach dem viel zu frühen Tod der Baronin Wronski lebt die Familie zurückgezogen, aber zufrieden auf ihrem Schloss in der Steiermark. Die Tage mäandern dahin. Der alte Baron ergeht sich im Studium obskurer Grenzwissenschaften, während seine Kinder in der heiteren Atmosphäre des Schlosses ihren eigenen Interessen frönen. Der junge Gabriel scheut die Gesellschaft der Menschen und verbringt jede freie Minute in der Natur, wo er die Gunst der Tiere genießt. Eine Idylle, die den Eindruck erweckt nie zu Ende gehen zu wollen. Doch die Stimmung auf dem Landsitz verändert sich urplötzlich mit der Ankunft eines Fremden.


Den scheinbar alterslosen Graf Vardalek umgibt eine Aura, der fast niemand auf dem Schloss zu entziehen vermag, mit einer Ausnahme. Alle anderen scheinen dem attraktiven Mann sofort verfallen zu sein, insbesondere der junge Erbe des Geschlechts der Wronskis. Aus einem zufälligen Besuch wird ein längerer Aufenthalt des Grafen. Niemand möchte mehr seine Gegenwart missen, mit Ausnahme der jungen Carmela. Noch gibt es keinen wirklichen Grund für ihr Misstrauen, doch dann bricht unvermittelt das Grauen über die Familie hinein.


Bei der alleinigen Konzentration auf den Inhalt der Story kommt man schnell zu dem Urteil, eine klassische viktorianische Schauergeschichte zu rezeptieren, in der sich ein undurchsichtiger Graf als verschlagender Blutsauger im Gewand eines typischen Dandys offenbart, der alle und jeden mit seinem Charme für sich gewinnen kann, ohne dass seine Opfer ahnen, wie nahe sie dem Tod bereits sind.


Das wäre jedoch zu kurz gegriffen, denn neben dem linear und straff erzählten Gruselmärchen ohne nennenswerte Ecken und Kanten gilt es festzuhalten, dass die Geschichte im Kontext der Zeit einem kleinen Skandal nahekommt. Nur oberflächlich getarnt bekommt man hier eine homoerotische Liebesgeschichte mit tragischem Ende serviert: Der liebende Vampir, gefangen im Zwiespalt zwischen der Verlängerung seines unnatürlichen Lebens oder dem kurzen Glück mit seinem jungen Geliebten. "Tragödie" bietet sich hier sicherlich als richtiges Etikett an, denn die Entscheidung des Grafen geht einher mit der Beinahe-Auslöschung einer Familie. Ungewöhnlich ist neben der Liebesgeschichte sicherlich auch der Umstand, dass der Unhold seinem Schicksal entgeht und auch weiterhin Unheil über die Lebenden bringen darf.


Ansonsten haben wir es mit einer Erzählung zu tun, die viele Momente einer klassischen Gruselgeschichte auf sich vereint – ein einsames Schloss, ein mysteriöser Fremder und einige unerklärliche Todesfälle. Die Soundeffekte untermalen gekonnt die verschiedenen emotional aufgeladenen Momente der Story und geben ihr zusätzliche Tiefe. Die musikalische Gestaltung bewegt sich innerhalb der bekannten Parameter der Reihe. Die dunklen und unheimlichen Momente werden durch bedrohliche und mysteriös anmutende Klänge nochmals betont und sorgen für den erforderlichen Gruselfaktor.


Wenig mehr als ein halbes Dutzend Stimmen ist nötig, um dieses Hörspiel zum Leben zu erwecken. Die getroffene Auswahl an Sprechern weiß in allen Belangen zu begeistern. Als ältere Carmela ist Arianne Borbach zu hören, der es mit wenigen Sätzen gelingt, ihren aus der Vergangenheit herrührenden Schmerz an den Hörer weiterzugeben. Martin May agiert als blutsaugender Dandy, für den alles und jeder nur seiner Unterhaltung zu dienen scheint. Eine großartige Performance. Selbiges gilt in den übrigen Rollen für Wietske van Tongeren, Bene Gutjan, Christoph Jablonka und Bernd Kreibich. Eine solide und unterhaltsame neue Folge des "Gruselkabinetts".


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien


 

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