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Gruselkabinett 174

Zwei englische Dandys, gelangweilt vom Leben, frönen seit einiger Zeit einem makaberen Hobby, der Grabräuberei.
Gruselkabinett 174
© Titania Medien

Robert und sein langjähriger Freund St. John suchen stets nach Neuem und Unbekanntem, das ihr Dasein bereichern und die allgegenwärtige Langweile zu unterbrechen vermag. Erregen zunächst moderne Strömungen in Kunst und Literatur ihre Aufmerksamkeit, so sind es schon kurze Zeit später die Ideen und Philosophien obskurer Logen und Geheimgesellschaften. Doch auch diese vor den Augen der breiten Masse verborgenen Lehren verlieren bald an Reiz und die gefürchtete Leere kehrt zurück ins Leben der beiden Männer, die sich immer extremeren Lastern zuwenden. Eines Tages tritt St. John mit der Idee an seinen alten Weggefährten heran, sich fortan auf die Grabräuberei zu verlegen, um wieder für Aufregung und Nervenkitzel zu sorgen. Schnell kommt die Idee eines Museums des Abartigen und Makaberen auf.


Aufgrund finanzieller Unabhängigkeit ist binnen kurzer Zeit eine abgelegene Immobilie erworben, in deren Kellergewölben ein kurioses Kabinett des Abnormen und Abscheulichen entsteht. Angetrieben durch St. Johns Wahn, das Hobby in immer ungeheuerlichere Höhen voranzutreiben, fallen bald Gräber in ganz Europa dem lästerlichen Treiben zum Opfer. Schließlich führt die Jagd nach Trophäen des Todes in die Niederlande – nicht ahnend, dass man dieses Mal das Schicksal einmal zu oft herausgefordert hat. Kann es tatsächlich sein, dass eine alte Legende zu neuem Leben erwacht ist? Aus einer bloßen Ahnung wird bald Gewissheit, denn der Bluthund hat die Witterung seiner Beute aufgenommen.


Regelmäßig kommt es vor, dass dieselben Geschichten des Horror-Großmeisters Howard Phillips Lovecraft nahezu zeitgleich von mehreren Labels veröffentlicht werden, was sicherlich in einem Zusammenhang mit dem Ende des Urheberschutzes stehen dürfte. Ein solcher Fall liegt nun auch mit „Der Bluthund“ vor, der sich wieder eng am literarischen Original orientiert. Lovecraft entwarf eine klassische Schauergeschichte Poe’scher Prägung, angereichert mit einigen mehr oder minder offensichtlichen Hinweisen auf den Background des Cthulhu-Mythos, der den Autor unsterblich machte und natürlich auch hier mitspielt.


Trotz ihrer Simplizität richtet die Erzählung den Fokus auf genau jene Kernstücke, welche eine gute Gruselgeschichte ausmachen: Eine dichte Atmosphäre, die das Publikum binnen kurzer Zeit gefangen nimmt und eine angenehme Gänsehaut heraufbeschwört. Bei genauer Betrachtung stehen gleichberechtigt nebeneinander die puren Schauerelemente, die sich in alten Spukhäusern, Friedhöfen und in tödlichen Erscheinungen manifestieren, sowie ein ausschweifender Blick auf die niederen Instinkte des Menschen und darauf, wohin einen der eingeschlagene Weg in die Abgründe der menschlichen Natur führen kann. Aus dieser Kombination entsteht eine nahezu perfekte Horrorstory. Poe trifft Lovecraft: „Der Bluthund“ vereint die besten Elemente der beiden Altmeister des Horrors.


Die Bearbeitung ist befreit von jeglichen Schnörkeln und beschönigendem Beiwerk, man konzentriert sich auch in der Adaption als Hörspiel auf das Wesentliche. Es entfaltet sich ein Kammerstück, getragen von allein zwei Stimmen. Die Produktion seziert die Handlung wie ein Chirurg und reduziert sie auf das absolut Notwendige, es bleibt der Abstieg des Menschen ins Abstoßende und Tierhafte, an dessen Ende der Tod lauert. Die alleinigen Rollen dieser Produktion übernehmen Jonas Minthe und Patrick Bach, denen man einfach nur größten Respekt für ihre Arbeit zollen kann. Wer eine atmosphärische Darbietung mit homoerotischer Note und nekrophilen Einsprengseln zu goutieren weiß, ist hier goldrichtig! Eine gute Interpretation eines Lovecraft-Stoffs, die aber leider nicht an die besten Vertonungen des Autors im „Gruselkabinett“ heranreichen kann.


# # # Justus Baier # # #
 

Publisher: Titania Medien
 

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