Prag 1820, eine brodelnde Metropole. Überall in den Straßen und Gassen begegnet man Studenten, die sich abseits des Lehrbetriebs dem ausschweifenden Nachtleben der Stadt an der Moldau hingeben. Einen legendären Ruf unter den Bürgern und Kommilitonen genießt Balduin, der Student. In den Räumen und Hörsälen der Universitiät trifft man ihn jedoch nur selten an. Seine Bühne sind die Cafés, Wirtshäuser und Spelunken der Stadt. Glücksspiel, Duelle und wechselnde Liebeleien gehören zum bevorzugten Zeitvertreib.
Leider ist Balduins Leben eher armseliger Natur und seine finanziellen Mittel sind überschaubar. Um die monetäre Situation zu verbessern und endlich Zugang zu den höheren gesellschaftlichen Kreisen zu finden, trifft er eines Abends eine schicksalhafte Entscheidung. Als Gegenleistung für ein bestimmtes Objekt aus seiner kärglichen Studentenunterkunft zeigt sich der zwielichtige Scapinelli bereit, dem Bettelstudenten ein gewaltiges Vermögen zur Verfügung zu stellen. Die Versuchung ist groß und so willigt Balduin schließlich in den Pakt mit dem alten, undurchsichtigen Mann ein. Doch anstatt einen beliebigen Gegenstand aus dem Besitz des Studenten zu fordern, trifft Scapinelli eine ungewöhnliche wie verstörende Wahl. Eine Entscheidung, die Balduins gesamtes weiteres Leben bestimmen soll.
Die anfängliche Besorgnis wandelt sich jedoch schnell in Erstaunen und Freude, denn Scapinelli hat Wort gehalten und macht ihn über Nacht zu einem wohlhabenden Mann. Finanziell unabhängig scheinen seine sehnlichsten Wünsche endlich in greifbarer Nähe, doch auch Scapinelli verfolgt eigene Pläne. Balduin muss schnell feststellen, dass sich mit dem neu gewonnenen Reichtum zugleich ein dunkler Schatten über sein Leben gelegt hat, der ihm zum Verhängnis zu werden droht.
In der illustren Autorenriege des „Gruselkabinetts“ zählt Hanns Heinz Ewers sicherlich zu den schillerndsten. Schon zu Lebzeiten war sein Name mit dem Siegel des Verruchten behaftet, Werke aus der Feder des Autors galten als skandalös und pornografisch – Attribute, die man problemlos auch auf die bisherigen Veröffentlichungen Ewers in der Titania-Reihe anwenden kann. Insbesondere sein Meisterwerk „Alraune“ soll hier stellvertretend genannt werden.
In dieser Tradition bewegt sich auch „Der Student von Prag“, basierend auf dem von Ewers mitgestalteten Stummfilm von 1913. Liebe und Leidenschaft stehen einmal mehr im Vordergrund und verkehren sich im Laufe der Ereignisse in etwas Hässliches und Abstoßendes. Die dunklen Charakterzüge des Menschen treten hinter der zur Schau gestellten Fassade hervor und bestimmen das Geschehen. Allerdings genügt es keinesfalls, die Geschichte allein unter dem Begriff der Milieustudie und des Sittengemäldes zu verbuchen, dies wäre viel zu kurz gegriffen.
Dazu gesellt sich in den Erzählungen des Autors die Komponente des Übernatürlichen als Auslöser für den geistigen und gesellschaftlichen Niedergang eines Menschen. Tugend und Moral werden korrumpiert und durch Gier und Lasterhaftigkeit ersetzt. Dafür greift „Der Student von Prag“ auf eines der ältesten Motive der Grusel- und Schauergeschichte zurück, den Pakt mit dem Teufel. Um sein Leben entscheidend zu verbessern, lässt sich Balduin unwissentlich auf eine Vereinbarung mit einem Vertreter der Hölle ein. Der zunächst offenkundige Vorteil dieses Kontrakts verkehrt sich ganz seiner Natur bald ins Gegenteil. Damit kommt eine märchenhafte Verfärbung hinzu, dem Hörer wird deutlich vor Augen geführt, was geschieht, wenn man den moralischen Kompass verliert.
All diese Elemente vermischen sich zu einer unheimlich dicht erzählten und zu jeder Zeit packenden Gruselgeschichte, die einen trotz ihrer Länge von 89 Minuten von den ersten Klängen an gefangen nimmt. Ein höchst spannender und dramatischer Plot entfaltet sich vor der Kulisse des mystischen Prag. Ohne Umschweife darf man auch diese Produktion zu den besten zählen, die im Rahmen des „Gruselkabinetts“ das Licht der Welt erblickten. Ein stets passender Soundtrack entführt das Publikum in eine dunklere Version der Stadt an der Moldau und schafft es spielend, die vorherrschende Atmosphäre einer Szene noch zu betonen.
Die Soundeffekte tun ein Übriges, der großartigen Inszenierung den letzten Schliff zu verleihen. Wen will man aus dem Sprecherensemble hervorheben, bei dieser geballten Macht aus Sprachkunst und Talent? Vielleicht Tim Schwarzmaier als Balduin, der sämtliche Facetten seiner Figur beherrscht, oder doch eher Willi Röbke als finsterer Scapinelli? Die Wahl fällt schwer, denn alle Akteure bewegen sich ausnahmslos auf höchstem Niveau. Zweifellos gilt es dieses Hörspiel zur absoluten Champions League der Reihe zu zählen!





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