Für Gabriel Ockram steht fest, dass seinem Vater nur noch wenig Zeit auf Erden verbleibt. Trotz immer wiederkehrender Differenzen ist es ihm ein wichtiges Anliegen, zuvor dessen Sanktus für die Hochzeit mit seiner Cousine Evelyn Warburton zu bekommen. Da Sir Hugh selbst im Familienkreis als Misanthrop und ausgewiesener Opportunist gilt, sind die diesbezüglichen Chancen mehr als gering zu bewerten. Überraschend für alle alle am Sterbebett Versammelten gibt der Patriarch jedoch seine Zustimmung zur anstehenden Vermählung. Was aber bedeutet das diabolische Lächeln, das sich seitdem in seine Züge gegraben hat?
Zur allgemeinen Verwunderung kommt das alte Kindermädchen des Sterbenden hinzu und ersucht ihn, sein Gewissen zu erleichtern, das schlimmste und düsterste Geheimnis preiszugeben und um Vergebung zu bitten – ein Wunsch, der jedoch unerfüllt bleibt. Das Lächeln scheint wie eingegraben, denn es verschwindet selbst nach dem Tod von Sir Hugh und der Beisetzung in der Familiengruft nicht. In den folgenden Wochen scheint es, als sei ein Schleier vom Anwesen der Familie gezogen worden, die düstere Stimmung ist passé. Was Sir Gabriel allerdings nicht ahnt: Der Verstorbene lauert auch jenseits der Schwelle des Todes noch darauf, dass seine letzte und heimtückischste Gemeinheit Früchte trägt.
Bereits mehrfach war Francis Marion Crawford schon in der Serie von Tiania Medien vertreten, wobei seine Geschichten stets mit einem feinen Grusel zu überzeugen wussten. „Das Lächeln des Toten“ macht hier keine Ausnahme und reiht sich perfekt unter die übrigen Vertonungen ein, obwohl es einige Abweichungen zu den anderen Adaptionen gibt. Bei der vorliegenden Erzählung nehmen die übersinnlichen Aspekte eher die Rolle von verzierendem Beiwerk ein, anstatt in den Vordergrund zu drängen. Es sind die menschlichen Abgründe, die im Zentrum stehen und einmal mehr verdeutlichen, dass der Mensch eines der schlimmsten Monster ist. Selbst vom Totenlager aus plant Sir Hugh den Niedergang seines eigenen Geschlechts und beschwört eine Tragödie herauf. Was der alte Mann im Schilde führt, wird relativ schnell klar, seine Spannung zieht der Plot vielmehr aus der Frage, ob der Plan letztlich gelingt.
Obwohl das Übersinnliche auf dezente Art Einzug ins Geschehen erhält, lässt sich „Das Lächeln des Toten“ mühelos der klassischen Schauergeschichte zuordnen. Hinzu kommt eine morbide und düstere Grundstimmung der Handlung, die nahezu perfekt in der Vertonung eingefangen und akustisch umgesetzt wurde. Man kann den dunklen Schleier über dem Anwesen der Ockrams fast spüren. Einfache klangliche Stilmittel wie das Heulen des Windes, Donnergrollen und knisterndes Kaminfeuer schaffen den Background für eine klassische Gruselgeschichte. Tatsächlich kann fast von einer Blaupause des Genres gesprochen werden: Ein finsteres Gemäuer, ein dunkles Familiengeheimnis und bedrohliche Wetterverhältnisse, angereichert mit übersinnlichen Phänomenen, vermischen sich zu einer perfekten Schauermär. Daneben muss man hier auch von einer Tragödie sprechen, Liebesglück verkehrt sich ins Verhängnis. Gerade dieses Thema wird deutlich hervorgearbeitet und bildet einen roten Faden des Plots.
Allerdings weist der Stoff trotz seines hohen Unterhaltungswerts ein paar Logiklöcher auf. Was motiviert Sir Hugh? Warum möchte er seine Nachfahren ins Verderben stürzen? Und dann wäre da noch ein urplötzlich auftauchendes Pergament, das der Geschichte eine entscheidende Wende gibt, wobei aber unklar bleibt, wie es in die Gruft gelangte. Untermalt wird die Story von oft melancholischen oder düsteren Musikarrangements, die die gesamte Atmosphäre der Produktion nochmals verdichten und den positiven Eindruck verstärken.
Wie gewohnt sind auch dieses Mal nur ausgewiesene Profis am Werk und drücken Folge 176 ihren Stempel auf, allerdings gibt es jemanden, der aus dem übrigen Ensemble hervorsticht. Herbert Tennigkeits Stimme trieft geradezu vor Boshaftigkeit und Gemeinheit, dass es eine wahre Freude ist, und sorgt so schon von ganz allein für eine Gänsehaut. Hier darf tatsächlich von einer Idealbesetzung des durchtriebenen Sir Hugh gesprochen werden. „Das Lächeln des Toten“ ist eine kurzweilige Gruselgeschichte, die in allen Belangen zu überzeugen weiß.





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