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Gruselkabinett 178

Träume gelten als Fenster zur Seele. Doch welche Botschaft hält das Unterbewusstsein bereit, wenn es uns über Jahre immer mit ein und demselben Traum konfrontiert?
Gruselkabinett 178
© Titania Medien

Der junge Clive Fellows wendet sich in seiner Not mit einem ungewöhnlichen Problem an den Psychiater Dr. Herrmann. Seit Jahren quält ihn ein immer wiederkehrender Albtraum. Darin lädt ihn eine Gruppe von Personen, aus der ihm nur ein alter Schulfreund bekannt ist, in ihr Haus ein. Stets wird ihm ein unheimliches Turmzimmer als Unterkunft zugewiesen. Von dem Raum geht eine unerklärliche Bedrohung aus, die ihn schließlich schweißgebadet aus dem Schlaf reißt. Der Traum besticht durch seinen Reichtum an Details. So scheinen die Personen über die Jahre zu altern und Clive lernt im Laufe der Zeit die verschiedensten Zimmer des Anwesens kennen.


Welche tiefere Bedeutung verbirgt sich in dem häufig durchlebten Traum? Dr. Herrmann versucht seinen Patienten zu beruhigen. Obwohl sich die Angelegenheit als äußerst ungewöhnlich erweist, sieht er keinerlei Grund zur Sorge und gibt Clive einige Ratschläge, damit er nicht länger von seinen Träumen heimgesucht wird. Tatsächlich scheinen die vorgeschlagenen Maßnahmen von Erfolg gekrönt. Die Träume werden zunächst weniger und verschwinden schließlich ganz. Fast hätte Clive sein Problem vergessen, da kehrt es mit voller Wucht zurück. In der Gesellschaft seines neuen Bekannten John Clinton reist er für ein Wochenende auf dessen Familiensitz.


Die zunächst gelöste Stimmung schlägt ohne Vorwarnung in blankes Entsetzen um, als Clive erkennen muss, dass das Anwesen der Familie ebenjenes Haus aus seinen Träumen zu sein scheint. Das ist jedoch nur der Auftakt von noch weitaus grauenvolleren Ereignissen, denn für den Aufenthalt hat man ihm ausgerechnet das Turmzimmer zugedacht. Wird es Clive noch rechtzeitig gelingen, das Geheimnis des Hauses und seines unheimlichen Gemachs zu ergründen, oder ist das Verhängnis unabwendbar?


Edward Fredric Benson zählt sicherlich zu den unbekannteren Autoren, die ihre Visitenkarte im „Gruselkabinett“ abgegeben haben, ist jedoch einer jener Vertreter, deren Stil eindeutig der klassischen Schauer- und Gruselgeschichte britischer Prägung zuzuordnen ist. Seine Erzählung bringt alle grundlegenden Accessoires mit, um auch nach einem Jahrhundert nach der Erstveröffentlichung dem Hörer eine amtliche Gänsehaut zu bereiten. Daneben bedient man sich eines weiteren Themenspektrums, das seit jeher die Fantasie der Menschen beflügelt. Gerade im Segment der Grusel- und Horrorliteratur sind Träume ein beliebtes und wiederkehrendes Motiv. Wo verschwimmen schließlich die Grenzen zwischen Fantasie und Realität im Alltag derart wie in unseren Träumen?


Ruhig und nahezu unaufgeregt nimmt die Story an Fahrt auf, ein anfängliches gesundheitliches Problem eher psychologischer Natur entwickelt sich auf subtile Art zu einer amtlichen Schauermär. Die erste Hälfte des Hörspiels ist geprägt von einem eher nüchternen Blick auf die Ausgangsgrundlage, doch spätestens dann, wenn die Therapiesitzung ihr Ende findet, zieht die Geschichte das Tempo an. Mit dem Beginn des Wochenendtrips der Hauptfigur sieht sich der Hörer immer häufiger mit der Frage konfrontiert, ob man hier Zeuge einer ausgeprägten Psychose wird oder sich tatsächlich etwas Übersinnliches in die Realität des Protagonisten einschleicht. Insbesondere die zweite Hälfte der Produktion besticht durch eine zunehmende Verdichtung der Ereignisse. Stück für Stück entblößt sich das wirkliche Grauen vor der geplagten Person Clive Fellows und dem Publikum.


Wer sich bereits tiefer in die Materie der Schauergeschichte begeben hat, wird sicherlich wenig Neues entdecken. Man darf allerdings nicht aus den Augen verlieren, wann diese Story das Auge der Welt erblickte, und gerade die Kombination von Traumwelten mit klassischen Gruselelementen übt eine enorme Faszination aus. Einziger Wermutstropfen dieser gelungenen Adaption ist der etwas zu ausführliche Auftakt auf der Couch des Psychiaters.


Trotz bekannter Erzählmotive ist „Das unheimliche Turmzimmer“ ein weiteres Prunkstück der gesamten Reihe, denn die Darbietung gerät einmal mehr zu einem Referenzbeispiel dafür, wie eine gute, im besten Sinne altmodische Geschichte aus der Welt des Übersinnlichen klingen muss. An dieser Stelle darf keinesfalls die unglaubliche Inszenierung des heraufziehenden Gewitters unerwähnt bleiben, selten zuvor klangen die ungezügelten Naturgewalten so bedrohlich und gleichermaßen wohlig wie hier.


Wenden wir uns der Besetzung der Rollen zu, wird sofort deutlich, dass hier die absolute Champions League der Branche am Mikro versammelt ist. So sind die einzigartigen Stimmen von Luise Lunow, Jürgen Thormann, Jens Wawrczeck und Simon Jäger zu hören, die alle einen fantastischen Job abliefern. Man darf ohne Einschränkung feststellen, dass das „Gruselkabinett“ wieder auf einem Topniveau angelangt ist und die unbestrittene Nummer eins, wenn es um klassische Horror- und Gruselhörspiele geht.
 

# # # Justus Baier # # #
 

Publisher: Titania Medien
 

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