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HUMANEMY 1

Ein ganzer Staat ist auf der Suche nach ihm! Der Grund? Lennart war zur falschen Zeit am falschen Ort. Seine ehemaligen Chefs wollen seinen Tod.

(C) Lindenblatt Records / HUMANEMY 1 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie nahe Zukunft. Das Chamäleon ist ein Agent der Staatsgewalt, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn es unliebsame Probleme diskret zu lösen gilt. Dabei steht im sein Operator zur Seite, der direkt mit seinem Gehirn verlinkt ist. Der neueste Auftrag richtet sich gegen den bekannten Moderator Yamal, dessen Enthüllungsjournalismus einem wachsenden Kreis von mächtigen Personen zunehmend unangenehm wird. Ziel ist es, kompromittierendes Material gegen den Medienstar zu sammeln und sicherzustellen.


Ein Routinejob, wie es scheint. Der Einbruch in das Hotelzimmer Yamals verläuft zunächst ohne Zwischenfälle, doch dann kehrt die Zielperson mit seiner Sicherheitschefin früher als erwartet in seine Räumlichkeiten zurück. Die Aktion endet in einem Fiasko. Mitten im Chaos zieht sich der Operator zurück und lässt das Chamäleon allein zurück, dabei stirbt Yamal auf tragische Art und Weise. Doch es kommt noch schlimmer, das Chamäleon steht plötzlich ganz oben auf den Fahndungslisten seiner Kollegen und wird fieberhaft gesucht. Seine Konten sind gesperrt und ehemalige Freunde wenden sich von ihm ab. Es bleibt ihm nichts Anderes übrig als zu klären, wer ein Interesse daran hat ihm die Rolle des Sündenbocks unterzuschieben. Das Chamäleon taucht ab in die finsteren Straßen der Stadt und setzt alles daran, seine Unschuld zu beweisen.


Bereits unter dem Namen "Gebrüder Thot" konnten die Produzenten Stefan und Thomas Lindner erste Erfahrungen mit der Produktion von Hörbüchern sammeln, die durchaus wohlwollend vom Publikum aufgenommen wurden. Nach reiflicher Überlegung beschloss man einen Schritt weiter zu gehen und präsentiert nun mit "HUMANEMY" das erste eigene Hörspiel, das zunächst auf vier Episoden ausgelegt ist. Mutige Wege werden auch auf inhaltlichem Gebiet beschritten. Anstatt sich auf die etablierten Genres des Hörspiels zu verlassen, wendet man sich von Anfang an eigenständigen Ideen zu. So gelingt es bereits mit der ersten Veröffentlichung, sich von der Masse abzuheben und sich mit einem Alleinstellungsmerkmal zu positionieren.


"Dark Future" oder auch "Cyberpunk" ist noch eine recht junge Stilrichtung innerhalb der Science-Fiction-Literatur. Im Mittelpunkt steht eine Welt, nicht allzu weit entfernt in der Zukunft, die sich technisch rasant weiterentwickelt hat und in vielen anderen Belangen bereits mit einem Bein über den Abgrund steht. Hoffnung oder ein positiver Blick in die Zukunft sind oft Fehlanzeige. Die Charaktere dieser Gattung sind meist weder weiß noch schwarz, sondern unterscheiden sich nur in Grauabstufungen, häufig traumatisiert und desillusioniert von der Welt, in der sie leben.


Die Zutaten, die von den Großmeistern des Genres, wie William Gibson (schriftstellerisch) und Ridley Scott (filmisch) bereitgestellt wurden, greift "HUMANEMY" auf und führt sie konsequent fort – allerdings nicht um die Originale zu kopieren, sondern um sich vor den geistigen Vätern zu verneigen und zu etwas Eigenem neu zu arrangieren. Von Anfang an nimmt einen die actionreiche Jagd durch eine namenlose Metropole gefangen und man fiebert mit, ob es dem Chamäleon gelingen wird, seine Unschuld zu beweisen.


Um ein Hörspiel zu erschaffen, das sich in der Tradition von Romanreihen wie beispielsweise "Shadowrun" sieht, bedarf es der richtigen Auswahl von Musikstücken und eines Sounddesigns, dem es gelingt, die Atmosphäre einer Großstadt einzufangen, die einem Raubtier gleicht. Keine leichte Aufgabe, die das Produktionsteam von Lindenblatt Records allerdings mehr als passabel gelöst wird. Große Teile der Musik wurden extra für "HUMANEMY" komponiert und passen wie die Faust aufs Auge. Zudem muss man den Machern Respekt zollen, diesen Weg zu gehen, in einer Zeit, in der häufig Musik aus Archiven verwendet wird und so ein Wiedererkennungsmerkmal verlorengeht. Die Geräusche schaffen es, das Kopfkino zu beflügeln, und schnell nimmt ein gewalttätiger Moloch von Stadt vor dem imaginären Auge Gestalt an.


Bei den Sprechern wurde ebenfalls nicht gegeizt, so sind bereits in der ersten Folge des Vierteilers fast 20 von ihnen zu hören. Dabei kommt eine gesunde Mischung von neuen unverbrauchten, Stimmen und altgedienten Synchronsprechern zum Einsatz. Fehlbesetzungen und Totalausfälle sind nicht zu finden und die Leistungen bewegen sich alle auf einem guten Niveau. Der Einstand für "HUMANEMY" ist gelungen.



# # # Justus Baier # # #



Publisher: Lindenblatt Records





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