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Interview mit den WEAKERTHANS

Seit über zehn Jahren sind die WEAKERTHANS nun schon in Sachen Gänsehaut unterwegs und im Juni beehren uns die sympathischen Kanadier rund um John K. Samson wieder live!

Als kleinen Vorgeschmack und Appetizer auf die kommende Tour (Tourdaten siehe hier) haben wir ein kleines Pläuschchen mit John K. Samson gehalten:

THE WEAKERTHANS reunion tour (c) Burning Heart/Edel / Zum Vergrößern auf das Bild klickenHallo John, erstmal möchte ich euch zu eurem neuen Album gratulieren, welches, wie ich finde, wieder sehr gelungen ist.

Dankeschön – freut mich sehr, dass es dir gefällt!

Es hat aber immerhin 4 Jahre gedauert, bis eure Fans in dessen Genuss kommen durften. Wann habt ihr eigentlich begonnen, daran zu arbeiten?

Eigentlich schon 2004, also gar nicht mal so lange nach der Veröffentlichung von "Reconstruction Site". Aber ich habe mir dieses Mal sehr viel Zeit beim Schreiben der Songs gelassen. Außerdem haben wir uns in der Zwischenzeit auch mal eine kleine Auszeit genommen. Deshalb hat es diesmal etwas länger gedauert.

Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?

THE WEAKERTHANS (c) Brooks Reynolds / Zum Vergrößern auf das Bild klickenJa, absolut. Ich glaube, die entspannte Herangehensweise an "Reunion Tour" hat mir und der Band auch gut getan, und wir konnten ganz ohne Druck daran arbeiten. Ich muss ja gestehen, dass ich immer erst nervös werde, wenn ein neues Album bereits im Kasten ist. Dann mache ich mir Gedanken darüber, ob die Leute es auch mögen werden. Aber wie gesagt, ich bin sehr glücklich mit "Reunion Tour".

Würdest du mir darin beipflichten, dass ihr mit "Reunion Tour" einen weiteren Schritt vom Singer/Songwriter-Schema eines "Left And Leaving" in Richtung Indie-Rock gemacht habt?

Ja, da pflichte ich dir auf jeden Fall bei. Wir hören uns immer mehr an wie eine richtige Band (lacht). Aber das Album ist viel näher an dem Sound, den wir auch auf der Bühne spielen, und das ist auch gut so.

Was hat es mit dem Titel "Reunion Tour" auf sich? Ihr hattet euch doch nie getrennt.

Das stimmt natürlich. Der Titel soll lediglich scherzhaft zu verstehen sein, da es mit dem neuen Album so lange gedauert hat und es nach unserer Pause Gerüchte gab, wir hätten uns getrennt.

Wie man auf "Reunion Tour" wieder hören kann, bist du ja auch ein großartiger Geschichtenerzähler. Deine Songtexte waren ja schon immer etwas ganz Besonderes und schaffen es, in unnachahmlicher Weise Emotionen beim Hörer zu wecken. Du selbst hast deine Texte einmal als "First Person Fiction" beschrieben. Woher nimmst du die Inspiration dafür?

Ich schreibe vor allem über Beziehungen. Beziehungen zwischen Menschen und deren Lebensumstände. Ich stelle mir oft vor, wie wohl das Leben anderer Menschen aussieht. Welche Probleme sie haben könnten. Was sie fröhlich oder traurig macht. Das versuche ich, in meine Texte einfließen zu lassen. Es sind also größtenteils fiktive Geschichten aus dem Leben anderer Leute.

Diese Geschichten haben also nichts mit deinem eigenen Leben zu tun?

THE WEAKERTHANS (c) Dan Monick / Zum Vergrößern auf das Bild klickenNur in einer sehr abstrakten Art und Weise. Wie gesagt, alles, was ich schreibe, ist Fiktion. Keiner meiner Songs ist über mich persönlich. Wie bei jedem Autor, liegt es natürlich auch in der Natur der Sache, dass die Texte, die man schreibt, von autobiografischen oder besonderen Ereignissen in deinem Leben beeinflusst werden. Aber es gibt oder gab keine einzige Beziehung in meinem Leben, über die ich schreiben würde oder möchte. Es ist vielmehr eine Kombination aus Reflektionen über all die zwischenmenschlichen Beziehungen, die ich hatte, Bücher, die ich gelesen habe, Menschen, die ich getroffen habe, und so weiter... Ich denke, es ist sehr schwer, ein geregeltes Privatleben aufrecht zu erhalten, wenn man andauernd autobiografische Dinge darüber schreibt und sich damit ständig wildfremden Menschen offenbart.

Du bist ja auch ein sehr Literatur interessierter Mensch. Hast du jemals daran gedacht, selbst ein Buch zu schreiben?

Ja, durchaus. Nur glaube ich, dass ich im Moment noch nicht reif dafür bin. Ein Buch bzw. einen Roman zu schreiben, ist etwas komplett anderes als einen kurzen Liedtext zu verfassen. Das ist eine komplett andere Kunstform. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass ich irgendwann mal die Möglichkeit habe, mich an einem Buch zu versuchen.

Du könntest ja mit Kurzgeschichten beginnen. Deine Songtexte lesen sich teilweise ja auch wie solche.

Dankeschön. Das wäre auch mein Plan gewesen, erstmal mit Kurzgeschichten anzufangen (lacht).

Hast du manchmal auch so etwas wie Schreibblockaden oder geht dir alles immer leicht von der Hand?

THE WEAKERTHANS (c) Dan Monick / Zum Vergrößern auf das Bild klickenUm ehrlich zu sein, tue ich mir sogar ziemlich oft relativ schwer mit dem Schreiben. Aber das ist nicht wirklich ein Problem für mich, schließlich habe ich noch viele andere Dinge im Leben, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen. Diesen Dingen widme ich mich dann einfach, wenn ich einmal nichts mehr schreiben kann. Danach kann ich dann wieder konzentriert ans Werk gehen.

Wie ich bereits vorab hören durfte, hast du einer Katze namens Virtute ("A Cat Named Virtute") auch diesmal wieder einen Song gewidmet. Gibt es da eigentlich eine spezielle Geschichte dazu?

Nein, nicht direkt. Einer meiner Freunde schreibt viel über Katzen. Also dachte ich, ich versuche das auch mal. Aber im neuen Song ("Virtute The Cat Explains Her De", Anm.) dreht sich die Geschichte ja vielmehr um den Katzenbesitzer als um die Katze selbst. Ich fand es einfach amüsant, diese Geschichte weiterzuspinnen.

Hast du selbst Haustiere?

Ja, Hunde und eine Katze. Aber die Katze heißt nicht Virtute (lacht).

Wenn man sich die Entwicklung der alternativen kanadischen Musikszene ansieht, so bemerkt man, dass diese in den letzten Jahren sehr viel an Profil gewonnen hat. Vor allem durch hervorragende Bands wie BROKEN SOCIAL SCENE, ARCADE FIRE und natürlich auch durch euch. Was hältst du von diesen Bands und wie siehst du diese Entwicklung?

Ja, diese Bands sind einfach großartig, ich liebe sie alle. In letzter Zeit hat sich in den großen kanadischen Städten wie Vancouver oder Montreal eine ganz eigene Dynamik entwickelt, von welcher auch besonders viele junge Bands profitieren. Der internationale Erfolg vieler kanadischer Bands hat da sicherlich einiges dazu beigetragen. Die gute Entwicklung in den letzen Jahren hat da einiges ins Rollen gebracht, und das kann für die Musikszene in unserem Land nur positiv sein.

Ich habe gehört, der Drummer von ARCADE FIRE ist ein Freund von dir?

Ja, das stimmt. Jeremy Gara ist ein guter Freund von mir und ein großartiger Schlagzeuger. Er hat übrigens früher auch bei KEPLER und WEIGHTS AND MEASURES gespielt. Und unser Drummer Jason spielt ja auch bei BROKEN SOCIAL SCENE mit, wenn sie auf Tour sind.

Heute haben wir den 11. September 2007, den 6. Jahrestag der Attentate auf das World Trade Center. Hat sich durch 9/11 dein Zugang zur Musik an sich geändert?

THE WEAKERTHANS (c) Brooks Reynolds / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer 11. September war ein furchtbarer Tag, der noch lange nachhallen wird und dessen Auswirkungen - wie der Krieg im Irak - wir heute noch jeden Tag sehen können. Die Herausforderung für mich als Künstler dabei war und ist, mir trotz all dieser abscheulichen Dinge, die passieren, meine Vorstellungskraft und Kreativität zu bewahren. Ich denke, wenn Menschen für eine abstrakte Idee töten, wie 2001 in New York oder gerade jetzt im Irak, dann tun sie das auch immer aus dem Grund, weil sie Fehler behaftete Werte und eine kranke Einbildungskraft haben. Jeder, der sich wirklich in die Gedanken anderer Menschen hineinversetzen könnte, würde wohl kaum tausende Menschen bei einem Anschlag töten oder Frauen und Kinder abschlachten. Das ist es, worunter die Welt als Ganzes heute zu leiden hat – ein Mangel an Einbildungskraft. Die Fähigkeit, sich in die Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen und zu verstehen, was in ihrem Leben vorgeht – das ist die wichtigste Sache für mich als Künstler überhaupt.

Spielt Politik immer noch eine große Rolle für dich?

Auf jeden Fall. Ich war, bin und werde immer eine politische Person sein.

Du betreibst ja auch schon seit geraumer Zeit einen linksgerichteten Verlag.

Ja, das ist richtig. Der Verlag heißt "Arbeiter Ring Publishing". Wir veröffentlichen hauptsächlich linke, politische Werke wie Warren Churchill’s "Pacifism is Pathology" oder "Thinking Forward" von Michael Albert. Ich sehe es nicht wirklich als Beruf an, sondern als eine Form von Aktivismus.

Würdest du sagen, dass sich deine politische Agitation von der Musik in deine Arbeit als Verleger verlagert hat?

THE WEAKERTHANS (c) Dan Monick / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEin wenig sicher. Aber die Musik der WEAKTERTHANS würde ich keinesfalls als unpolitisch bezeichnen. Im Gegenteil. Wir halten dir die Politik nicht einfach unter die Nase, sondern versuchen da etwas diffiziler vorzugehen. Politik ist ja ein großer Teil des täglichen Lebens, also wird es auch schwer sein, Musik zu finden, die nicht – gewollt oder ungewollt – in irgendeiner Form politisch ist.

Die WEAKERTHANS haben sich in den letzten Jahren vom relativ unbekannten Geheimtipp zu Szenelieblingen gemausert. Wie siehst du diese Entwicklung? Glaubst du, die Band ist ihren Werten über all die Jahre hinweg treu geblieben?

Ja, das denke ich schon. Wir sind über die letzten zehn, elf Jahre die gleichen netten Leute geblieben (lacht). Das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein, ist immer noch da, wenn ich mit der Band auf die Bühne oder in den Proberaum gehe. Und der Grund, weshalb wir die Band überhaupt gegründet haben – um unsere Gedanken mit anderen Menschen teilen zu können –, ist immer noch das Wichtigste für uns alle.

Wir freuen uns auch auf euch. Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für die anstehende Tour!

Ich habe zu danken.

###Alexander Lueger###
(Oktober 2007)
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