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LENINGRAD

21.11.05, ORPHEUM (GRAZ)
Die kontroversiellste Rockgruppe Rußlands fand im Zuge einer kleinen Mitteleuropatournee auch den Weg nach Österreich, und diese Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen. Da ich ohnehin immer wieder beruflich in Graz zu tun habe, verlegte ich meinen Termin flugs auf jenen Tag, um so das Konzert in Graz mit Fahrt plus Übernachtung auf Firmenkosten genießen zu können.Das Wetter an diesem Novembertag hatte einiges an russischen Klischees zu bieten, Schneetreiben und Minusgrade machten die Autobahn über den Wechsel (E59/A2) zu einer Schneefahrbahn und die Grazer Innenstadt – übrigens Unesco-Welterbe – war wunderschön angezuckert, wenn auch aufgrund von Glatteis ein gefährliches Pflaster.Leningrad – ihr Bandname sagt bereits aus, aus welcher Stadt sie kommen - vermitteln in ihren Liedern eigentlich keine politischen Botschaften, jedoch sind sie in Rußland nicht nur aufgrund exzessiver Verwendung von Schimpfwörtern gleichsam geliebt wie gehaßt. Daß der Moskauer Bürgermeister Luschkow ein Auftrittsverbot in der Hauptstadt verhängt hat, war für den Kult rund um die Band von Sergej „Schnur“ Schnurow nur noch ein größerer Auftrieb.

Das Grazer Orpheum ist einer der wichtigsten Veranstaltungsorte der Stadt, ein ehemaliges Theater. Das Foyer ist im 50er-Jahre-Stil eingerichtet und wurde kürzlich renoviert und leider auch verkitscht. Der Saal war nur mäßig gefüllt, etwa 100 Leute fanden den Weg in den IV. Bezirk (Lend), mindestens die Hälfte davon waren Exilrussen (auch ein, zwei Kasachen sollen gesichtet worden sein…). Im Publikum standen auch zwei Herren mit Wodkaflaschen, die ich jedoch im Verdacht hatte, zur Show zu gehören, da die Mitnahme von Glasflaschen strengstens untersagt ist. Jedoch, deren Rausch im weiteren Verlaufe des Konzertes war nicht gespielt.Zwölf Musiker standen neben Sänger und Frontman Sergej „Schnur“ Schnurow auf der Bühne und brachten von der ersten Sekunde an die Stimmung im fast leeren Saal zum Kochen:
• Eine Tuba
• Zwei Saxophone
• Eine Posaune
• Eine Trompete
• Eine Pauke
• Zwei Schlagzeuge
• Eine E-Baßgitarre
• Eine E-Gitarre
• Ein Keyboard
• Einer spielte Maracas und Tamburin


Die Gruppe war äußerst gut eingespielt und auch die Tontechnik des Orpheums war im Stande, die vielen Line-Ins souverän abzumischen.
Schnurs Ansagen zwischen den Nummern waren ausschließlich russisch und zeitweise recht lang, dennoch tat dies der Stimmung im Publikum keinen Abbruch. Leider konnte ich trotz meiner bescheidenen Russischkenntnisse nicht erkennen, ob Schnur wirklich so viele Schimpfwörter verwendet, wie gerne behauptet wird.Leningrad lassen auch keine Gelegenheit aus, über andere Musikgruppen herzuziehen, an diesem Abend mußte der Hit „Iskala“ der russischen Sängerin Zemfira dran glauben, inklusive einiger wahrscheinlich nicht so netten Spottzeilen.

Als das reguläre Programm zu Ende war, ging im Saal das Licht an. Eine rote Leuchtschrift verkündete: „Bitte nicht Rauchen!“. Eine Bitte, die natürlich alle konsequent befolgten. Aber siehe da, nach ein, zwei Minuten ging das Licht wieder aus, und es gab noch einige Zugaben. Das allerletzte Lied „Manager“ benötigte jedoch eine weibliche Gesangsstimme. Also verkündete Schnur auf russisch: „wir brauchen drei, vier, fünf, Mädels, die den Text mitsingen können“. Ein Mädel bestieg die Bühne, und plötzlich kamen noch zwei Sängerinnen von hinter der Bühne nach vor. Schade, daß der Saal so leer war, auf die Art konnte man sofort erkennen, daß diese drei auch zur Gruppe gehörten. Aber egal, noch ein letztes Mal kochte der Saal und die Band zog noch einmal alle Register.Wieder ging das Licht an, wieder wurde um rauchfreie Luft geboten, diesmal war es aber wirklich vorbei. Es war gerade einmal kurz nach neun Uhr, und schon begannen die Veranstalter Streß zu machen. Schon eine Halbe Stunde nach dem Konzert sperrte die Garderobe zu und gegen halb elf wurde es auch im Café schon sehr leer. Die Russen, denen nachgesagt wird, daß sie beim Feiern kein Ende fänden, waren scheinbar schon alle nach Hause gegangen. Jedoch ein gelungener Konzertabend. Eine Band die auch in einer eher „unangenehmen“ Umgebung (wenig Publikum in einem viel zu großen Saal) die Stimmung anheizt und perfekt unterhalten kann. Wer auf schwungvollen Skacore steht, sollte sich ein solches Konzert nicht entgehen lassen.

Daniel Nitsch

Links:
http://www.leningradspb.ru - Offizielle Website der Band auf russisch
http://www.shnur.de - Infoseite von Sergej „Schnur“ Schnurow auf russisch
http://de.wikipedia.org/wiki/Leningrad_%28Band%29 – Leningrad auf Wikipedia.de
http://www.orpheumgraz.com – Offizielle Website des Grazer Orpheums
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