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LIARS

23.04.05, Donaufestival (Krems)
liars2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEin Konzert im Endlosloop

(Krems/Donaufestival) „Wir sprechen weder deutsch noch englisch. Wir sprechen nur…“ Lautes Geschrei. Eine unendliche atonale Reise durch bizarre Paranoiawahnvorstellungen beginnt. Der zwei Meter große Angus Andrew tanzt in einem langen Rock wild herum. In der ersten Reihe schüttet sich ein Typ Bier über den Kopf, schlägt dann gegen eine Monitorbox und verfällt in einen tranceartigen Zustand. Schlagzeuger Julian Gross, Gitarist und Support-Schlagzeuger Aaron Hemphill versuchen Angus mit monotonem Beat zu besänftigen, während er wie ein Schamane singt: „I no longer/Want to be a man/I want to be a horse/Men have small thoughts/I need a tail.“ Wie Zügel peitschen die beiden Schlagzeuger ihre weißen Sticks gegen die Drums. Eine falsche Bewegung und das Pferd geht durch. Julian verliert bei einem Schlag einen seiner Sticks. Im nächsten Augenblick springt Angus blindwütig ins Publikum.

Auf ihrem Konzept-Album „They Were Wrong So We Drowned“ führt die New Yorker Band LIARS den Hörer in eine grauenvolle Märchenwelt voller Hexen und Kinderknochen. Heidnische Bräuche, Walpurgisnacht und der sagenumwobene Brocken sind die grundlegenden Motive des Albums. Die Musikpresse antwortete schockiert und beleidigt. Rolling Stone gab dem Album einen erniedrigenden Stern von fünf, Spin Magazine benotete es mit „F“. Es sei unhörbar. Es bedarf in der Musikhipsterwelt schon lange keines MARILYN MANSON, um Irritation und Unbehagen auszulösen. Es reicht einfach aus, ihren Wünschen nicht zu entsprechen. Mit ihrem ersten Album „They Threw Us In A Trench And Stuck A Monument On Top“ spielten sich die LIARS im Zeichen der 80iger Jahre Post-Punk-Dancebeats in die Herzen der Musikkritiker. Mit ihrem zweiten Album haben sie es gewagt, ihnen die lange Nase zu zeigen. Wir befinden uns zwar noch immer in der stark revivalten 80er-Ära, doch diesmal einige Jahre später in der düsteren Zeit von Feedback Mantras (SONIC YOUTH) und experimentelle Tonband aufnahmen (CABARET VOLTAIRE).

Bei ihrem Live-Auftritt sind die Blair Witch Project- und The Ring-Sujets der Platte kaum zu spüren. Live wirkt der Noise-Sound konzentrierter. Man befindet sich nicht in der gewohnten Alltagssphäre, sondern in einer dunklen, kahlen Halle. Hier wirkt jeder Schrei, jedes Reißen einer Saite intensiver und erschüttender. Die Psyche des Zuschauers wird bis aufs Äußerste strapaziert. LIARS-Konzerte rufen nie ein kollektives Erleben beim Publikum hervor. Jeder einzelne vor der Schaubühne steht für sich alleine da und muss mit seinen eigenen tiefen Urängsten fertig werden. Eine parapsychologische Reise in die schrecklichsten Abstraktionsvorstellungen des eigenen Ichs.

Ein Mädchen im Publikum fragt ihren Freund außer Atem: „Wann ist das Konzert aus?“ später: „Ist das die letzte Nummer?“ Ihr Freund sieht sie verwundert an: „Es hat doch gerade begonnen.“
„Wir sprechen weder deutsch noch englisch, wir sprechen nur…“ Lautes Geschrei. Eine unendliche atonale Reise durch bizarre Paranoiawahnvorstellungen beginnt.
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