Nur das beherzte und entschlossene Eingreifen von Mark und seinen Kameraden verhindert Schlimmeres. Ein erneuter Ausbruch der Kriegshandlungen kann in letzter Sekunde verhindert werden. Man ist der festen Überzeugung, dass Mark Brandis einen nicht unerheblichen Anteil daran hat und bietet im überraschend sein erstes Kommando an. Nach anfänglichem Zögern entschließt er sich das großzügige Angebot anzunehmen. Er kann sein Glück kaum fassen, als man ihm eröffnet, was das Ziel seiner ersten Mission sein soll. Man überträgt ihm die Aufgabe, die Stella Polaris von Igor Rublew mit Proviant zu versorgen. Als der Kontakt zu Rublew abbricht, trifft Mark eine folgenschwere Entscheidung.
Wie alle bisherigen Abenteuer innerhalb der "Raumkadett"-Serie gibt auch "Der Fall Rublew" Auskunft darüber, wie aus Mark Brandis jener Mann wurde, der die Geschichte der Raumfahrt auf entscheidende Weise mitprägen sollte. Wandten sich die letzten Episoden eher den großen politischen Zusammenhängen und der Frage von Loyalität zu, so rückt dieses Mal fast ausschließlich der Mensch Brandis in den Fokus. Auf beeindruckende Weise wird geschildert, wie eine einzige Fehlentscheidung einen das komplette Leben lang begleiten kann, insbesondere wenn man die Verantwortung für andere trägt.
Die Figur des jungen Raumkadetten bekommt neue Facetten verliehen und gewinnt weiter an Tiefe, da Brandis das erste Mal mit dem eigenen Scheitern und dessen Konsequenzen konfrontiert wird. Ebenso gut hervorgearbeitet sind die Unsicherheit des Menschen Brandis und der mangelnde Glaube an die eigenen Fähigkeiten, der abgelöst wird durch eine innere Zuversicht und wachsendes Selbstvertrauen, was letztlich in einer Katastrophe endet. Dazu kommen Konflikte mit Freunden und alten Wegbegleitern, die bis weit in das spätere Leben hineinragen sollen und immer wieder das Gefühlsleben und Handeln des späteren Commanders bestimmen. Möchte man diese Episode überschreiben, dürften die Worte Emotion und Dramatik mehr als passend gewählt sein.
Bei all diesen wichtigen Fragen, die einen menschlichen Charakter formen, bleibt das Erzähltempo konsequent hoch, was sicherlich zu einem guten Teil den vielen spannenden Actionszenen geschuldet ist, die immer wieder das Handlungsgeschehen bestimmen. Einen Luftkampf geschildert aus der Sicht eines Kampfpiloten dürfte es im Hörspiel noch nicht allzu oft gegeben haben, die hier gewählte Inszenierung ist wirklich gelungen und nimmt den Hörer sofort in Beschlag. Die Funkgespräche mit dem eigenen Geschwader, die Suche nach einem schwer zu fassenden Gegner und die Herausforderung, eine Entscheidung binnen Sekunden fällen zu müssen, werden hier packend erzählt und mit gut gewählten Soundeffekten unterlegt.
Gleiches gilt für die überaus dramatischen Ereignisse im havarierten Raumschiff, die Anspannung wird durch die verwendeten Geräusche und die in einer Ausnahme geführten Dialoge geradezu greifbar. Die Dialoge gerade in den menschlichen Ausnahmesituationen sind absolut auf den Punkt gebracht und fangen die dramatischen Ereignisse gekonnt ein. Die Musik wirkt auch im vorliegenden Fall als unterstützendes Instrument und sorgt für eine weitere Verdichtung jener Ereignisse, die die Beteiligten auch Jahrzehnte später noch nicht loslassen werden.
Im Mittelpunkt dieser Folge steht eindeutig Daniel Claus in der Rolle des jungen Mark Brandis. Schon vielen Folgen zuvor ist es ihm gelungen Mark Brandis ein Gesicht zu geben, dem Hörer ein Gefühl für einen Menschen zu vermitteln, der immer wieder mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat und emotional immer wieder gefordert wird. Doch "Der Fall Rublew" dürfte in diesem Zusammenhang sein bisheriges Meisterstück sein. Daniel Claus gelingt es problemlos, die gesamte Palette der menschlichen Gefühle abzudecken. Dabei wird die innere Zerrissenheit nur allzu deutlich, aber auch ein Mensch, der bereit ist, zu seinen Fehlern zu stehen.
Ebenso zu überzeugen weiß Sebastian Fitzner als Robert Monnier, dessen Beziehung zu Mark Brandis hier an einem Wendepunkt steht. Dazu kommen weitere bekannte Sprecher wie Michael Che-Koch, Thomas Nero Wolff und Sebastian Kluckert, die dieses Hörspiel zu etwas Besonderen machen. Der Abschluss der zweiten Staffel ist auch gleichzeitig inhaltlich, aber auch emotional ein absoluter Höhepunkt der Serie. Innerhalb der augenblicklichen Flut an Veröffentlichungen eine der wenigen, die man wirklich gehört haben muss.
# # # Justus Baier # # #
Publisher: Folgenreich/Universal Music





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