Dass der Schöpfer von "Preacher", "Hitman", "The Boys" und unzähligen weiteren Titeln, die ob ihrer Scharfzüngigkeit und überzogenen Gewalt unter vielen Comic-Fans Kultstatus genießen, ein großer Fan der klassischen "War Stories" ist, hat er erst unlängst mit "Battler Britton" bewiesen. Die Verbindung mit seiner Arbeit an der neuesten "Fury MAX"-Serie ist daher im Grunde schnell hergestellt – schließlich debütierte auch Marvels bekanntester Augenklappenträger in "Sgt. Fury and his Howling Commandos" 1 aus dem Jahr 1963 – einer Serie, die Abenteuer aus dem Zweiten Weltkrieg erzählte.Als einer der ersten Titel des frisch geschaffenen Marvel-Imprints debütierte die MAX-Variante des zwischendurch zum Colonel aufgestiegenen Kriegshelden 2001 in "Fury MAX". Ende vergangenen Jahres erschien nach elf Jahren die Fortsetzung, deren erste sechs Ausgaben Panini in Band 52 der "Maximum"-Serie vorlegt. Hier treffen wir Nick Fury zuerst in Französisch-Indochina wieder, kurz bevor die französischen Kolonialtruppen ihre verheerende Niederlage bei der Verteidigung der Dschungelfestung Dien Bien Phu erleiden. Als Mann fürs Grobe soll der Colonel auf seine Vorgesetzten einwirken und für finanzielle und materielle Hilfe durch die USA sorgen.
Dass die Politik die Hände genauso schmutzig macht wie Krieg führen, beweist vor allem die Anwesenheit von Senator McCuskey. Nicht nur hier, sondern auch im Rahmen der von der CIA eingefädelten Invasion in der Schweinebucht in Kuba 1961 trifft Nick Fury auf den aufstrebenden Politstar und muss einmal mehr das ausbaden, was Ignoranz und eiskalter Machtpoker angerichtet haben: Während die im Stich gelassenen Exilkubaner bei ihrem Kampf gegen Castros Truppen ausbluten, soll Fury mit zwei Kameraden ein Attentat auf den Máximo Líder höchstpersönlich verüben.
Nachdem Colonel Fury erst unlängst in der äußerst empfehlenswerten "Punisher MAX"-Maxiserie (Band 40, 42, 48 und 49) aufgetaucht ist, beackert Ennis mit Vietnam 1954 und Kuba 1961 zwei relativ unverbrauchte Szenarien, in der sein Protagonist gewohnt kein Blatt vor den Mund nimmt und seine Abscheu kundtut vor einer Politik, die sich zivilisiert gibt und in sicherer Entfernung von den jeweils davon Betroffenen fleißig auf die roten Knöpfe drückt.
Dass Fury ein Zyniker durch und durch ist, ein Mann, der sich seiner Rolle als Mittel zum Zweck sehr wohl bewusst ist, arbeitet Ennis gelungen heraus. Es gilt nicht Lösungen aufzuzeigen, sondern Probleme abzubilden, die in ihrem Charakter zeitlos sind und jederzeit auf schwelende Konflikte unserer Tage übertragbar sind. Goran Parlov am Zeichenbrett, dem deutschen Leser unter anderem von "100% Marvel" 61 oder "Das Marvel-Universum gegen den Punisher" bekannt, setzt die grimmige Stimmung in sehenswerten, kantigen Artworks um. "Fury MAX" ist brutal, blutig und gibt sich keinerlei Illusionen über das Gute im Menschen hin – so ist es und so soll`s auch sein.
# # # Andreas Grabenschweiger # # #
Publisher: Panini Comics





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