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Midnight Tales 14

Kommilitonen boshafte Streiche zu spielen ist an vielen Universitäten beliebt und verbreitet. Irgendwo in den USA hat eine kleine Gruppe von Studenten diese zweifelhafte Art der Unterhaltung zur Perfektion gebracht.

Midnight Tales 14Immer höher, immer weiter, so scheint das Motto einer amerikanischen Studentenverbindung zu lauten, zumindest immer dann, wenn es darum geht, neue Streiche auf Kosten ihrer Mitmenschen zu ersinnen. Was anfangs durchaus noch lustig gewesen sein mag, wird mit jedem Mal grausamer und menschenverachtender. Doch jene, die sich mit ihren Taten brüsten, sind abhängig vom unscheinbaren und verlachten Frogger, den sie ähnlich wie einen Schoßhund lediglich in ihrer Nähe dulden, um weitere, immer durchtriebenere Späße zu ersinnen. Mit jedem neuen Streich scheint die ganze Angelegenheit weiter aus dem Ruder zu laufen, bis tatsächlich einige Studenten körperlich und seelisch Schaden nehmen. Frogger, dem das Treiben der Verbindung zunehmend zuwiderläuft, ersinnt einen Plan, der Sache endgültig einen Riegel vorzuschieben. Ein letztes Mal stellt der Außenseiter sein gesamtes Können unter Beweis, wenn es darum geht, seine Umgebung in Angst und Schrecken zu versetzen.


Nach dem furiosen Auftakt der Reihe mit "Eiskalt" nach einer Geschichte aus der Feder von H. P. Lovecraft greift Julie Hoverson einen weiteren Klassiker der Schauerliteratur auf. Erneut wird mit viel Liebe und Augenmaß ein Paradebeispiel für eine gelungene Gruselstory in ein modernes und zeitgemäßes Gewand gekleidet. Dieses Mal fiel die Wahl auf niemand Geringeren als Edgar Allan Poe, dessen bekannte Kurzgeschichte "Hopp-Frosch" trotz eines Transfers in die Gegenwart eine recht werkgetreue Aufbereitung erfährt. "Poe-ethische Gerechtigkeit" veranschaulicht auf eindringliche und bestürzende Weise zugleich, wie groß die Leidensfähigkeit eines Einzelnen sein kann, bis er bereit ist, die Verhältnisse zu etwas Besserem zu verkehren. Schon von der ersten Minute an gelingt es der modernen Adaption, die Essenz des Originals zu verinnerlichen. Man spürt sofort, dass sich die vorherrschende Situation in etwas Furchtbares entladen wird.


Die Spannung speist sich aus der Frage, wann der Punkt erreicht ist, an dem jene, die unter den andauernden perfiden Späßen einer kleinen Gruppe leiden, nicht länger bereit sind, ihre Lage zu akzeptieren und zum Gegenschlag ausholen – eine Vergeltung, die zur Umkehrung der Verhältnisse führt, die Peiniger für ihre Taten zur Rechenschaft zieht und sie dafür leiden lässt. Alles Elemente, die sich bereits im Originalstoff wiederfinden, doch werden sie auch in der zeitgenössischen Variante ihre volle Wirkung entfalten können? Definitiv ist diese Frage mit einem Ja zu beantworten.


Das Grauen kommt auch hier sehr subtil und schleichend um die Ecke, kaum merklich steigert sich die Intensität der geschilderten Streiche und sorgt zunehmend für ein unwohles Gefühl in der Magengrube. Wenn es endlich zum Aufbegehren der Leidenden kommt, ertappt man sich unmerklich dabei, die Bestrafung des Königs und seines Hofstaats zu begrüßen. Die Botschaft der Geschichte hat nichts an Aktualität eingebüßt, vielmehr ist sie eine Blaupause dafür, was geschehen kann, wenn Menschen nicht länger bereit sind Folter und Qualen zu ertragen, auch wenn sie in vermeintlich banalen Ereignissen versteckt sein mögen.


Scheinbar spielend gelingt es der Bearbeitung aus dem Hause Contendo, dieses Spannungsfeld der ursprünglichen Story in ein modernes und glaubwürdiges Umfeld zu übertragen und das Grauen menschlichen Handelns zu erfassen. Immer wieder gibt es bedrückende Momente, die die Erniedrigungen nahezu greifbar machen und Sympathien für die Taten der Hauptperson aufkeimen lassen.


Das Sounddesign ist eher unaufgeregter Natur, passt aber hervorragend und schafft es immer, die vorherrschende Stimmung zu betonen und zu unterstreichen. Auch wenn einige der eingeflochtenen Musikstücke eine durchaus heitere Note aufweisen, sind sie keinesfalls fehl am Platz, sondern stehen ganz im Dienste der Aufgabe, den eigentlichen Horror dieser Geschichte noch deutlicher werden zu lassen. Die sicherlich unsympathischste Rolle in diesem sehr dicht inszenierten Hörspiel fällt Daniel Faust zu, der die Rolle von Rex Mason übernimmt und eigentlich von der ersten Minute an seinen Wert als Oberfiesling festigt und steigert. Dazu sei gesagt, dass es eine ebenso hohe Kunst ist, den verachteten Antagonisten zu geben wie den strahlenden Helden, deshalb kann man ihm hier eine wirkliche überzeugende Leistung attestieren.


Patrick Bach als unterdrückter und leidender Frogger, der seinem Wunsch nach Rache letztendlich nachgibt, ist von der ersten Minute an überzeugend und sorgt insbesondere gegen Ende für eine ordentliche Portion an Gänsehaut. Dazu kommen weitere gut gewählte Sprecher wie Moira May, Patrick Mölleken und Christoph Piasecki, die das hochwertige Ensemble komplettieren. "Poe-ethische Gerechtigkeit" ist ein bekannter Stoff in neuem Gewand, der auch in zeitgemäßer Variation zu gefallen weiß.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Contendo Media




 


 
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