Nausicaä aus dem Tal der Winde 3 & 4
Welche Welt wird sich aus der zweiten großen Flut erheben?

© Carlsen Verlag
In den ersten beiden Bänden der tollen Neuauflage von Hayao Miyazakis Manga-Klassiker haben wir eine Welt kennengelernt, in der die von knappen Ressourcen und einer zunehmend lebensfeindlicher werdenden Natur geplagte Menschheit eigentlich zusammenrücken sollte – und sich die Mächtigen doch in Ränkespiele und Konflikte verstricken (das kommt uns bekannt vor, nicht wahr?). Nun rückt das kriegerische Gemetzel zwischen den Herrschern von Torumekia und Doruk zunächst in den Hintergrund, um dem Meer der Fäulnis einen zwischenzeitlichen Platz im Rampenlicht zu überlassen: Dieses kennt weder Freund noch Feind und ist auf bestem Wege, die Geißel Mensch vom Antlitz der Erde zu tilgen.
Lediglich Nausicaä mit ihren besonderen Fähigkeiten zur Kommunikation wagt sich mitten ins Herz des Sturms aus Insekten, Schleimpilzen und Sporen, wo sie das Geheimnis von deren Zusammenwirken erfährt. Zwischendurch tritt die Prinzessin auch eine Reise außerhalb ihres Körpers an, von der es im schlimmsten Fall kein Zurück mehr gibt. Doch auch in der Realität bleibt kein Stein auf dem anderen, denn der frischgebackene Nachfolger von Miralupa als dorukischer Herrscher, mit dem Prinzessin Kushana zur Rettung ihrer Truppen ein Bündnis eingehen muss, versucht seine Ansichten unter Ausnutzung wahrhaft monströser Kreaturen durchzusetzen.

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Doch selbst diese haben bestimmte Rollen zu erfüllen, deren Hintergründe sich Nausicaä nach und nach erschließen. Auf dem Weg zum Ort der Entscheidung über das weitere Schicksal der Menschheit muss sich die Prinzessin aus dem Tal der Winde, die für viele der bisher verfeindeten Fraktionen zusehends zu einer vermeintlichen Heilsbringerin mutiert, der eigenen Vergangenheit stellen, um eine Zukunft haben. Und so gerät Miyazakis Erzählung zum Ende hin in gewisser Hinsicht zu einer Meditation über das Wesen des Menschen selbst und der in ihm schlummernden unendlichen Möglichkeiten, die sich bekanntlich sowohl in den Dienst des Guten und des Fortschritts zum Wohle aller stellen lassen als auch dazu verdammt sein können, alle Fehler und Sünden auf ewig zu wiederholen.
Nicht nur wer wesentliche Motive im Werk des Mitgründers von Studio Ghibli entdecken will, kommt an der Lektüre dieser monumentalen Erzählung, die allerlei Haken schlägt und unterschiedlichste Aspekte berührt, unmöglich vorbei – angefangen von utopischen Gesellschaftsentwürfen über einen Abgesang auf Technologiegläubigkeit bis hin zu religiösen und philosophischen Fragestellungen. Zur unterschiedlich starken Einflussnahme einzelner dieser Themen auf die Handlung dürfte sicherlich beigetragen haben, dass sich die Entstehung des Manga über einen Zeitraum von über einer Dekade zog und zweifellos auch dessen Schöpfer so manches überdenken musste, genau so wie viele der von ihm auf den riesigen Weiten der Postapokalypse verstreuten Figuren. Auch das macht die Einzigartigkeit von „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ aus.
# # # Andreas Grabenschweiger # # #
Publisher: Carlsen Verlag
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