Navi Logo von SLAM alternative music magazine
Promo für aktuelles SLAM Heft
SLAM #143 mit Interviews und Storys zu SHYFRIN ALLIANCE +++ PRIMITIVE MAN +++ HECKSPOILER +++ THE BUTCHER SISTERS +++ AGNOSTIC FRONT +++ MEGADETH +++ GLUECIFER +++ DANKO JONES +++ KREATOR +++ VERRAT +++ u.v.m. +++ Jetzt am Kiosk!

No Longer Human

Mit der Adaption des Hauptwerks eines anderen Meisters beweist Junji Ito ein weiteres Mal seine überragenden Fähigkeiten beim Offenlegen menschlicher Ausnahmezustände.

No Longer HumanEs scheint einer jener Zufälle zu sein, an die man nicht so recht glauben will: Just im selben Jahr, in dem eine Gesamtedition startet, die das Werk von Dazai Osamu erstmals vollständig auf Deutsch präsentiert, erscheint die Manga-Adaption von "Gezeichnet". Das stark autobiografische Werk, das der Literaturwissenschaft als eine Art Abschiedsbrief des 1948 durch (Doppel-)Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Kultautors gilt, wurde von niemand Geringerem als Junji Ito auf über 600 Seiten umgesetzt. Natürlich sind in der Vergangenheit nicht wenige Bearbeitungen von Osamus Opus Magnum entstanden, auch in den Sphären der Neunten Kunst, aber die vorliegende vermag wohl viele davon locker zu toppen.


Wer das bei Carlsen erscheinende und kontinuierlich um neue Bände erweiterte Portfolio an Geschichten des japanischen Superstars kennt, weiß um dessen Talent für die Darstellung von absurdem Horror, der sich des Alltags der auftretenden Figuren bemächtigt und sie (meist) früher oder später ins Verderben reißt. Hier sind jedoch nicht übersinnliche Kräfte oder paranormale Phänomene von außen am Werk, sondern die inneren Dämonen, die von Protagonist Yozo Oba Besitz ergreifen und ihn die Welt um sich herum als unverständlich, bisweilen feindlich gesinnt wahrnehmen lassen – eine Welt, in der sich als Ausgeschlossener fühlt, obwohl ihm als Kind einer angesehenen und wohlhabenden Familie eigentlich alle Türen offenstehen müssten.


Schon binnen weniger Seiten beginnt man zu erahnen, warum Junji Ito ausgerechnet eines der meistgelesenen Bücher Japans als Vorlage auserkoren hat, denn sein Stil passt geradezu beängstigend gut für den Leidensweg, bei dem ein begabter junger Mensch in Abgründe aus Lügen, Ausschweifungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch gerät und sich auf weiter Strecke in sein Schicksal zu fügen scheint. Seien es Höllenszenarios, wie sie auch ein Bruegel ersinnen hätte können, oder der durchdringende Blick einer betrogenen Liebschaft – jeder Strich von Ito intensiviert die Lektüre dieses Fegefeuers der Eitelkeiten.


"In dem Werk stecken Angst, Grauen und Wahnsinn. Es drückt Todessehnsucht und Lebenshunger aus, es ist Drama und Komödie", äußerst sich der Kunstkritiker Takito über ein Gemälde von Yozo, als dieser an der Schwelle zu einer möglichen Karriere als großer Maler steht. Dieses Resümee ließe sich problemlos auch auf "No Longer Human", so der geläufige englische Titel von Osamus Buch, der hier verwendet wurde, übertragen. Überdies beschränkt sich Ito sozusagen keinesfalls auf eine bloße Anbetung der Asche, sondern fügt auch noch sein eigenes kleines Feuer (durchaus infernalischen Ursprungs) hinzu, sodass allein schon deshalb die Lust auf das Lesen der Vorlage geweckt wird, um zu entdecken, welche erzählerischen Freiheiten er sich dabei selbst an dieser oder jener Stelle genommen hat.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Carlsen Verlag


 

************************************************************************

JETZT IM HANDEL:

SLAM #143
  Ab 19.12.2025 am Kioskdirekt im Webshop oder im Abo!

ROCK CLASSICS #44: IRON MAIDEN
Ab 12.12.2025 am Kiosk, direkt im Webshop oder in unserem Amazon-Shop!

SLAM @ Facebook - LIKEN und immer topinformiert sein!

************************************************************************

SLAM #143 & ROCK CLASSICS #44: IRON MAIDEN© SLAM Media

Diesen Artikel teilen
Teilen
„The Memory Remains“!
Die Londoner Unterwelt ist in Aufruhr. Ein neuer Spieler hat die Bühne betreten und verändert die Regeln zu seinen Bedingungen.
Diesmal enthalten: Eine „dea ex machina“ im wahrsten Sinne des Wortes und jede Menge Rampenlicht für Jack Kirby.
Diesmal lauert ganz besonders filmreifer Horror in den dunklen Ecken der philippinischen Hauptstadt.
Gemeinsam mit Jock und Francesco Francavilla lieferte Scott Snyder 2010/11 einen Einstand nach Maß im Bat-Universum ab.
Sein Name ist in aller Munde: Balduin, der Student. Begnadeter Fechter, Bonvivant, Spieler und Liebling der Frauen. Ein Leben wie ein Ritt auf der Rasierklinge.
Skeletor schmiedet erneut finstere Pläne, um seine Stärke weiter zu vergrößern. Im hohen Norden des Planeten, tief im Eis verborgen, liegt eine Quelle gewaltiger Macht.
Alte Feinde kehren zurück, während sich der Hass gegenüber den X-Men spürbar steigert.