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Obsession – Tödliche Spiele

Perversion, Sex und Gewalt. Das sind die grundlegenden Eckpfeiler, um die sich die drei Geschichten dieser Horror-Anthologie letztlich drehen. Nicht mehr und auch nicht weniger.

(c) Sunfilm / obsession / Zum Vergrößern auf das Bild klickenHome Sweet Home
Gleich zu Anfang darf sich Regisseur Sean Hogan die Finger schmutzig machen und inszeniert mit "Haus und Heim" eine Geschichte voller blutiger Gegensätze. Ein wohlhabendes Ehepaar, eigentlich recht burgeoise und bieder, hat ein finsteres Hobby: Unter dem Mantel der Wohltätigkeit späht der Ehemann obdachlose und minderbemittelte Mädchen auf der Straße aus und lädt sie zu einem unverbindlichen Abendessen in sein Haus ein, in dem seine wunderschöne Frau bereits ein Festmahl zubereitet hat. Letztlich sind die beiden guten Samariter doch nur ein perverses Ehepaar, das ihre Opfer betäubt, um sie anschließend gemeinsam zu vergewaltigen und ihre sexuell- abartigen Gelüste an den ausgehungerten Damen auszuleben. Aber eines Tages wendet sich das Blatt und im Keller beginnen sich die Dinge auf eine grausame aber gerechte Art und Weise zu ändern.


Mutantensperma in Nazi-Händen
Die zweite der drei circa 30 minütigen Geschichten steht unter der Regie von Andrew Parkinson und trägt den Namen "Die Mittel des Mutanten", wobei es hier nicht um hirnlos herumirrende und mordende Modifikationen von Menschen geht, auch wenn die Attribute hirnlos und menschliche Modifikation trotzdem passend sind. Doch sind es hier die normalen Humanoiden, welche die eigentlichen Grausamkeiten begehen. Ein renommierter Arzt versucht mittels Unterlagen der Nazis eine besonders wirkungsvolle Superdroge herzustellen, indem er riesenhafte Genitalien an hirntote Menschen annäht, diese ständig sexuell stimuliert und den abgesonderten Lustsaft auffängt. Genau aus diesem Zombiesperma wird sogleich die Superdroge extrahiert, auch wenn einige Menschen darin eher ein neuartiges Mediakament sehen, als eine Substanz für den Drogenkonsum. Nur die behandelten Menschen beginnen Wahnvorstellungen zu haben, sehen die Qualen der wie Zuchtsäue eingepferchten Spermabullen vor dem eigenen inneren Auge und das Faktum, dass die Masturbationszombies sich eigentlich nur von frischer menschlicher Leber ernähren können ohne zu verrecken, macht die Pillenproduktion nicht gerade einfacher. Vor allem, weil man frische Menschenleber ja nicht an jeder Ecke bekommt und nur wenige Menschen ihre Leber freiwillig hergeben...


Du wirst ernten, was du säst
Der dritte und letzte Teil der Horror-Collage kommt von Regisseur Simon Rumley und unter dem Namen "Luder" (im Original ist "Bitch" der, ob der auf die Vierbeiner konzentrierten Handlung, um vieles passendere Titel) geht er den Auswirkungen von (sexueller) Unterdrückung  und der daraus resultierenden Gewalt nach. Die Beziehung von Pete und Claire wird von Dominanz bestimmt und zuhause gibt Pete den unterwürfigen Hund von Claire, die eine panische Angst vor dem Caninengeschlecht hat. Mit Maske, eigener Hundehütte und der Geschäftsverrichtung in die Unterwäschenlade seiner Freundin, lässt sich Pete nicht nur im häuslichen Umfeld degradieren, sondern wird auch in aller Öffentlichkeit gedemütigt und lächerlich gemacht. Lediglich in einigen wenigen, kurzen Momenten blitzt Claires Verletzlichkeit und Abhängigkeit von ihrem Lebensgefährten auf, nur um gleich darauf wieder in besonders grausamer, emotionaler Demontage ihres Freundes zu enden. Doch eines Tages wird auch dem alles ertragenden Gefährten die Leine zu kurz und Claire überspannt den Bogen, ohne es selbst zu merken. In aller Ruhe beginnt Pete seinen perfiden Racheplan auszuarbeiten, setzt ihn ganz langsam in die Tat um, wiegt seine Freundin derweilen in Sicherheit und setzt letzlich zum finalen Akt der sexuellen Abartigkeit an, indem er die innersten Ängste seiner Geliebten zur grausamen Realität werden lässt.


Das britische Horrormachwerk überzeugt zwar vor allem durch die frischen und teils gnadenlosen Ideen der drei Geschichten, doch sind circa 30 Minuten pro Machwerk einfach zu wenig, um das volle Potential der oftmals wirklich außerordentlichen Ideen adäquat umzusetzen. Ist "Haus und Heim" noch eher eine Art der Aufwärmphase was den Grad der dargestellten und intendierten Perversion angeht, werden "Die Mittel des Mutanten" und "Luder" immer gnadenloser wenn es um das Zeigen und Andeuten von Perversion und deren Auswirkung geht. Doch darüber kommt man leider auch nicht hinaus, zu kurz ist die Zeit, um den Figuren wirklich eine ernsthafte Chance einzuräumen sich verständlich zu machen, aber das wird auch nicht die grundlegende Intention dieses Sammelwerks der Obskuritäten gewesen sein. Und so wird einem eindrucksvoll gezeigt, dass es auch Abseits vom zahmen, berechenbaren und sich ständig wiederholenden Mainstream-Horror wirklich gute, experimentierfreudige und immer noch überraschende Ansätze für neuen und innovativen Horror gibt. Alles in allem eine Feuerwerk der Abnormität und ein Pool an neuen Ideen, die leider viel zu wenig Raum erhalten, um sich würdig zu entfalten...


###Christoph Höhl###


Publisher: Sunfilm



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