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Poolboy – Drowning out the Fury

Was haben private Schwimmbecken, ein nekrophiler Vietnamveteran, ein Haufen mexikanischer Einwanderer und der einzige "raping clown in town" gemeinsam? Genau: Es ist die Liebe zur gründlichen Poolreinigung!

(C) Universum Film / Poolboy / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEs war im schönen Jahr 1990, als der zwölfjährige Regisseur Saint James St. James einen Film produzierte, der vom Studio als minderwertiger Müll in die ewige Versenkung geschickt wurde und nie wieder ans Tageslicht kommen sollte. Doch so lange währt diese Ewigkeit dann doch nicht, etwa 20 Jahre später wird dieses verkannte Juwel der Filmkunst aus dem Kanal geholt. "Poolboy" ist der Name des guten Stücks und handelt davon, dass der grenzdebile Vietnamveteran Sal Bando (Kevin Sorbo) seinen besten Kumpel im Krieg verliert. Dieser träumte ständig davon, einen Pool-Reinigungsservice aufzumachen, um dann all die weißen Frauen zu vögeln, deren Männer währenddessen am Arbeitsplatz festsitzen. Doch eine stattliche Granate verwehrt ihm den Zugang zu diesem Schlaraffenland der Wollust und zerteilt ihn in tausend kleine Stücke. Nun ist es an Sal, den Traum des dahingeschiedenen Kameraden am Leben zu erhalten.


Kommen wir zur Metaebene – ja, man sehe und staune: Trash mit Metaebene. Hier erzählt der mittlerweile auf einem Auge erblindete und fertig pubertierte Saint James St. James (Ross Patterson) auf sehr schräge Art und Weise von den damaligen Dreharbeiten zum Film, Problemen mit Studio und Darstellern und dem Mangel an gezeigtem Sex. Immer wieder unterstützt von seiner noch viel verrückter wirkenden Begleitung Peters (Edi Patterson) versucht er, die ohnehin schon sehr sinnbeschränkte Handlung auf die Spitze des Nonsens zu treiben – mit Erfolg.


Währenddessen ist Sal wieder in den USA angekommen und sucht die Frau seines gesprengten Kumpels auf, um ihr dessen Arm zu überreichen ("Why didn`t you bring me his dick?") und sein Poolboy-Business in die Gänge zu bringen. Als hätte er nicht schon genug am Hals, hat seine Frau mittlerweile ausgerechnet einen mexikanischen Poolboy als Macho-Liebhaber und ein Kind, das im Hinblick auf sein Alter so gar nicht in den Abwesenheits-Zeitplan des amerikanischen Helden passen will. Nichtsdestotrotz wird das Ziel der Schwimmbeckenreinigung gnadenlos weiterverfolgt, doch als die mexikanische Poolmafia seine Frau und seinen Sohn ermordet, brennen ihm endgültig die Sicherungen durch. Die Leiche der schon kalten Gattin wird noch ein letztes Mal zur Erfüllung der ehelichen Pflichten herangezogen, bevor sich Sal Bando in Rambo-Manier zum letzten Gefecht aufmacht und die amerikanischen Pools in "Mexican Red" neu ausmalt. Dabei hat dann auch endlich Danny Trejo als Caesar, Kopf der mexikanischen Poolboys, seinen kurzen aber deswegen nicht weniger stilgerechten Auftritt.


"Poolboy" ist kein Film für jedermann, doch Freunde von gnadenlosem Trash, respektlosem Humor, Nonsens und Skurrilität werden ihn lieben. Wer Wert auf Political correctness, gute Effekte, tragbare schauspielerische Leistung und Schlüssigkeit der Storyline legt, wird sich daran die Finger verbrennen. Solche Ansprüche sollte man an diesen Film aber auch gar nicht stellen, vielmehr wirkt er wie eine Mischung aus wahnsinniger Clip-Show und "Behind the scenes" Dokumentation, die völlig aus dem Ruder läuft. Besonders deswegen, weil die Kommentare des Regisseurs St. James die surreale Handlung immer wieder in ein pseudo-reales Licht rücken, nur um dem Zuseher die Wirklichkeit noch abartiger darzustellen als den eigentlich schon grenzwertigen Film. Und die Rechnung geht auf. Schon nach wenigen Minuten ist man sich der hoffnungslosen Stupidität des sarkastischen Humors bewusst, man kippt hinein in die Welt des rassistischen, nekrophilen und geistig minderbemittelten Poolboys und könnte sich vor Lachen fast die Gedärme aus dem Leib husten.


Was "Poolboy" gnadenlos durchzieht, haben schon viele Filme vor ihm versucht, doch nur bei ganz wenigen funktioniert das Konzept aus völligem Schwachsinn, purem Sarkasmus und Niveau-Limbo so gut wie hier. Jeder Gag trifft tief unter die Gürtellinie, das Darstellen von möglichst skurrilen und geschmacklosen Situationen wird zur obersten Doktrin erklärt und spätestens wenn Sal Bando als "the only raping clown in town"  mit seinem geschliffenen Poolreiniger (!) beginnt, Mexikaner zu zerteilen, spätestens dann ist klar: Hier geht es nicht um besonders viel, aber das dafür ordentlich!


Regisseur Garrett Brawith schenkt uns mit diesem Film ein fulminantes Gag-Feuerwerk der untersten Klasse dem jeglicher Respekt abhandengekommen ist. Auf sarkastische Art und Weise wird mit allen Vorurteilen gegenüber den Hispanics abgerechnet und auch noch massig Salz in viele andere wunde Punkte der amerikanischen Gesellschaft gestreut. Somit ist "Poolboy – Drowning out the Fury" ein ganz besonderes Juwel unter den Low Budget Nonsens-Filmen, und das nicht nur weil auch Richard Karn aus "Hör mal, wer da hämmert" seinem Unmut über die mexikanischen Poolboys mittels Schrotflinte Ausdruck verleihen darf…



# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Universum Film





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