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PORCUPINE TREE

23.11.05, PLANET MUSIC (WIEN)
pt02 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIm Fall von Berühmtheiten oder bekannten Persönlichkeiten, seien es nun kleine oder große, lokale oder internationale, haben ja die meisten Menschen eine kleine Auswahl, die sie recht gut finden. Und innerhalb dieser gibt es dann noch ein, zwei Menschen die man ganz besonders toll findet (Mike Ness fiele mir da zu einigen Bekannten ein). Bei mir pesönlich fällt in diese Kategorie der besonders geschätzten aber persönlich nicht bekannten Personen Mr. Steven Wilson, seines Zeichens Mastermind der Band PORCUPINE TREE. Deshalb habe ich anfänglich bei dem Konzert im Planet Music die Visuals und eigentlich tatsächlich auch alles andere visuelle ignoriert und einfach nur IHN angestarrt. Das musste einfach sein, war dieses schließlich mein erstes PT-Konzert. Und übrigens auch das erste Konzert, an dem Rauchverbot herrschte. Welch ein Segen (welch Grausamkeit, werden die Raucher sagen). Und ich habe schon lange nicht mehr so geschwitzt. Weder auf einem Konzert noch in einem Tanzlokal. Das ist die Kombination aus vorherrschender Hitze (welche später zum Glück durch eine Lüftung gebändigt wird) und unglaublich guter Beschallung aus Richtung Bühne. Zuerst, nachdem die musikalisch wohlklingenden und energetischen OCEANSIZE die Bühne verlassen haben, wird noch ein bisschen Spannung aufgebaut, mit Konservenmusik und Rauch. Ich sehne mich nach meiner Kamera, denn der hervorquellende Rauch im Hintergrund mit den noch gestochen scharf sichtbaren Basseffektgeräten davor hätte ein beeindruckendes Motiv abgegeben. Genauso wie eigentlich die restliche Beleuchtung und – ja, die Visuals. Aber davon später. Die Bühne ist folgendermaßen aufgebaut: Hinten links die Keyboard- und sonstige-elektronische-Geräte-Sektion. Rechts hinten das Schlagzeug. Vor dem Schlagzeug hat der Bass seinen Platz, die zweite Gitarre ist vor der Keyboard-Batterie stationiert. Das heißt: In der Mitte viel Freiraum für einen grauen Teppich, dahinter ein Black Cat-Amp, und der Großteil des Hintergrundes wird von der Leinwand eingenommen. Es ist dunkel, die Beleuchtung ist größtenteils lila/rot oder blau. Der Rauch nicht zu vergessen. Bevölkern wir dieses mentale Bild, welches ich da aus meiner Erinnerung gezaubert habe, nun mit Musikern. Schnell, aber nicht hastig, nehmen sie ihre Plätze ein, Mr. Gavin Harrison verschwindet hinter den Drums, Mr. Richard Barbieris Kopf und Schultern ragen aus der Keyboard-Sektion heraus, Mr. John Wesley kommt an die zweite Gitarre, Mr. Colin Edwin bekommt den Bass. Und ja, er. Steven Wilson, in seiner Freiheit zwar durch Gitarre und Mikrophon eingeschränkt, aber um nichts weniger in Bewegung. Bevor man noch Luft holen kann, eröffnen sie das Konzert mit „Open Car“. Atemlos stößt Wilson die erste Strophe aus. Auf den Alben könnte man manchmal meinen, er habe eine zu weiche, zu sanfte Stimme für die harte Richtung, die PORCUPINE TREE derzeit einschlagen. Aber so oder so, spätestens, wenn das Lied den Zuhörer beim ersten musikalischen Ruck und Lautausbruch wie ein Schlag in die Magengrube trifft, gehört das Publikum sowieso restlos der Band. Hier ist soviel Erfahrung, so viele Jahre an Musikschaffen am Werk, es kann nur perfekt sein. Der Sound ist auch sehr gut, wenn auch die Vocals und die Gitarren anfänglich unterzugehen drohen. Steven, wie üblich barfuß (daher der Teppich), tigert von einem Ende seines Freiraumes zum anderen, manchmal steht er vorne am Rand der Bühne rechts, dann vorne links, dann ist er ganz hinten. Still steht er dazwischen, beim Singen ins Mikrophon, beim Headbangen, beim Solieren. Stop-And-Go quasi. Aber man darf sich hier keinen peinlichen Möchtegern-Metaller vorstellen, wenn ich sage „Headbangen“. Hier haben wir keine Posen. Jede Bewegung kommt natürlich, alles ist so, wie es gehört. Alles fließt. Und ein positiv reagierendes, ja, ein überhaupt vorhandenes Publikum, das sind PT von Wien nicht gewohnt. Daher immer zwischen den Songs: „Thank you. So much.“ Die Band ist in Höchstform, und Gavin trommelt sich weg wie ein Irrer. Und es ist auch das erste Konzert, bei dem ich die Visuals wirklich gut finde (und bevor jemand fragt, ja, ich habe auch TOOL schon live gesehen). Es ist also nicht nur akustisch, sondern auch optisch ein Genuss. Ich merke gerade, ich könnte das Konzert hier Song für Song beschreiben, aber das ist nicht der Sinn der Sache (von wegen Platz und Länge und so. Man kann übrigens die Schrift mit Strg&+ oder Strg&Mausrad drehen größer machen). Also die Highlights. Das Bass-Intro von „Hatesong“ ist faszinierend auch anzusehen, und das gesamte Stück wird zu einer kurzen Session ausgeweitet. „Don’t Hate Me“ führt fast zu Tränen, ist aber zum Glück durch den wuchtigen Live-Sound doch nicht rührend genug. Ein Lied, für das der Wien-Gig im inoffiziellen Forum neidisch beäugt wurde, ist das großartige „Stop Swimming“. „Start Of Something Beautiful“ beeindruckt einerseits mit einem richtigen kleinen leicht TOOL-artigen Video im Hitnergrund (ruckartige Schnittfolgen, erdige Farben, ein animiertes robotisches Männchen sein weibliches Pendant, eine weiß leuchtende Motte…) und einer neuen Melodie im zweiten Chorus, „Halo“ kommt durch den live nicht so wie am Album verzerrten, sondern direkt ins Mikro geschrieenen Refrain gleich viel durchdringender, und die Zugabe sind „Radioactive Toy“, bei dem das Publikum begeistert den Text mitsingt und – „Trains“. Und was für ein „Trains“. Ein orgiastisches letztes Aufbäumen vor dem entgültigen Aus.


Setlist:
Open Car (Deadwing, 2005)
Blackest Eyes (In Absentia, 2002)
Mellotron Scratch (Deadwing, 2005)
Hatesong (Lightbulb Sun, 2000)
Don`t Hate Me (Stupid Dream, 1999)
Mother & Child Divided (Deadwing B-Seite)
Stop Swimming (Stupid Dream, 1999)
So Called Friend (Deadwing B-Seite)
Arriving Somewhere (Deadwing, 2005)
Dot Three (In Absentia, 2002)
Start Of Something (Deadwing, 2005)
Halo (Deadwing, 2005)
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Radioactive Toy (On The Sunday Of Life, 1991)
Trains (In Absentia, 2002)


Agnes Wieninger

Website:
www.porcupinetree.com

erstes Foto: Robert Jaenecke
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