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Profigamer Than Vinh Bui im Interview über die Faszination E-Sport

Und weiter geht es mit dem großen RAZER-Special über sportliche Höchstleistungen im Gamingbereich. Than Vinh Bui erzählt über das Leben als Profigamer und behandelt dabei auch leidige Imageprobleme der Gamingcommunity.

Die generelle Situation im professionellen Gaming wurde ja schon im Artikel über E-Sports beleuchtet. Nun ist es beinahe ebenso interessant einen etwas differenzierteren Einblick in diesen florierenden Hybriden aus Spielekultur und Sportart zu werfen. Deshalb gibt es hier und jetzt ein Interview mit Than Vinh Bui, seines Zeichens Mitglied des E-Sport-Clans "mousesports", in welchem er E-Sports erklärt und einen Insider Einblick in die Welt des professionellen Gamings gewährt.

(c) Razer / than_vhin_bui1 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWas ist das Faszinierende am E-Sport?

E-Sport ist eine Sportart, wie der Name schon sagt. Jedes Spiel ist anders und es kann großartig für den Zuschauer sein, wenn bei Spitzenturnieren einzelne Spieler oder ganze Teams ihr ganzes Potenzial abrufen und Topleistungen auf höchstem Niveau zeigen. Es gibt immer wieder spektakuläre Comebacks, und die Spiele sind oft bis zur letzten Sekunde höchst spannend, ähnlich wie wenn ein Champions-League-Finalspiel in den letzten Spielminuten oder durch Elfmeterschießen entschieden wird. Genau von solchen Emotionen lebt der Sport – und ebenso der E-Sport.


Wie wird man Mitglied eines erfolgreichen Clans?

Indem man gute Leistungen zeigt. Wenn man online spielt, wird man in der Regel von den Clans entdeckt, sobald die Mehrheit merkt, dass man besser spielt als der Rest.


Was ist ungefähr die Altersgruppe der Profi-Gamer?

Die meisten sind noch Schüler oder Studenten, d.h. es fängt in der Regel im Alter von 17 an und geht bis um die 25 Jahre.


Wie viele Stunden pro Woche investiert ein Profi-Gamer ungefähr in die Sache?

Stehen große Turniere an, ist das Ganze ohne weiteres mit einem Fulltimejob vergleichbar. Man muss mit 40 bis 50 Stunden Training pro Woche rechnen, wenn man immer zu den Besten gehören möchte.


Wie oft finden wichtige Turniere statt?

Alle ein bis zwei Monate finden große Turniere statt, für die man sogar um den ganzen Globus reist. Dabei misst man sich mit den besten Teams der Welt.


Gibt es ein spezielles Training im Team?

Insbesondere vor wichtigen Turnieren trifft man sich oft gemeinsam vor Ort in einem "Bootcamp", (c) Razer / than_vinh_bui2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenund nicht online. So können wir direkt miteinander kommunizieren und Zeit zusammen verbringen. Das eigene Training ist ebenso wichtig wie das gemeinsame. In den Bootcamps kommen Spieler zusammen, die alle auf hohem Niveau spielen, doch dort wird gezielt und besonders intensiv der Teamgeist geformt. So können die Clan-Manager sicherstellen, dass jeder Spieler konzentriert bei der Sache ist, anders als daheim, wo man sich mitunter ablenken lässt.


Was ist noch entscheidend für den sportlichen Erfolg?

Ein gewisses Talent sollte man auf jeden Fall mitbringen, etwa was die Augen-Hand-Koordination und die Reaktionsschnelligkeit betrifft. Hinzu kommen natürlich auch eine große Portion Ehrgeiz, Intelligenz und Konzentrationsvermögen. Ich bin mir aber sicher, dass der Ehrgeiz an erster Stelle steht. Viele wollen gewinnen, aber es gibt nur einige wenige, die einen noch größeren Siegeswillen als der Rest haben und alles geben.


Könnte man mit einer E-Sport-Karriere in Deutschland sein Leben finanzieren?

Das ist durchaus eine Zeitlang möglich, zumindest für die deutsche E-Sport-Elite. Dass man damit aktuell noch nicht reich wird, sollte einem aber auch bewusst sein. Solange man jung ist, ist es sicherlich eine Erfahrung wert, da man um die ganze Welt reisen kann und sehr viele interessante Menschen kennenlernt. Als erfahrener Spieler im Clan rate ich trotzdem dazu, nie die beruflichen Pläne aus dem Auge verlieren, denn so eine Spielerkarriere im E-Sport dauert – wie im Fußball oder im Rennsport auch – nicht ewig.


Betreiben die Clan-Spieler neben dem E-Sport auch klassischen Sport?

Das ist ganz individuell und abhängig vom Spieler, aber es ist sicherlich wichtig, damit man im Reinen mit Körper und Geist ist. Wer körperlich nicht fit ist, kann über einen längeren Zeitraum auch mental keine 100 Prozent geben und die sind erforderlich für den Erfolg im E-Sport.


Wie kann professioneller E-Sport dazu beitragen, das Imageproblem – Stichwort "Killerspiele" – in der Öffentlichkeit zu entschärfen?

Indem wir miteinander als Clans, aber auch Veranstalter, Sponsoren und sonstige Institutionen, denen die Sache am Herzen liegt, Aufklärungsarbeit betreiben. E-Sport begeistert immer mehr Menschen und fordert dich immer wieder zu Höchstleistungen. Wir alle spielen schlussendlich das gleiche Spiel aus Spaß am Wettbewerb, wie in jeder anderen Sportart. Dabei laufen alle Turniere immer friedlich ab. Man muss sich in der heutigen digitalisierten Welt damit abfinden, dass Computerspiele sehr beliebt sind. Talentierte professionelle Spieler können viel Geld verdienen und es ist ein Spektakel, das die Massen immer mehr anzieht – und damit ein Riesenmarkt mit Sponsoren und allem was dazugehört. Alles andere wäre pure Ignoranz, denn der E-Sport lebt, gerade auch in Deutschland. Aggressionen und Gewalt entstehen meiner Meinung nach in erster Linie im persönlichen Umfeld und in der Erziehung. Wir müssen daher der Öffentlichkeit zeigen, was professioneller E-Sport ist und was das Faszinierende am Gaming ist. Denn allem gegenüber, was der Mensch nicht kennt, ist er skeptisch eingestellt und eher für negative Assoziationen empfänglich. Das wollen wir ändern und den in vielerlei Hinsicht sportlichen Aspekt des Gamings hervorheben.

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