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Review: Kill Bill Vol. 1 & Vol. 2

„Rache ist ein Gericht, das am Besten kalt serviert wird.“



(c) Studiocanal / killbill1 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenQuentin Tarantino hat zwei Eigenschaften, die ihn als Regisseur auszeichnen: Er produziert mit Zitaten und Referenzen gespickte Filme, die die Herzen Eingeweihter höher schlagen lassen und dieser Mann hat ein verdammt gutes Händchen für die Musikausstattung seiner hübsch inszenierten Traumwelt.

„Rache ist ein Gericht, das am Besten kalt serviert wird.“

Der Zweiteiler KILL BILL beginnt mit diesem klingonischen Zitat, das den Zusehern nicht nur das Hauptmotiv verrät, sondern auch wie dieser Film aufzufassen ist. Nämlich als nicht in der Realität angesiedelte Liebeserklärung an die cineastischen Vorlieben und Vorbilder Tarantinos. Er schuf ein optisch und musikalisch eklektisches Opus, das kulturelle Grenzen überschreitet, manchmal wahllos wirkt und  Eastern, Italo-Western, Martial-Arts-Filme, Cowboy Lifestyle, Samurai Action, Anime, unterschiedliche Schauplätze und verschiedene Musikstile gewagt, aber durchaus stimmig vereint.

Die Braut aka Beatrix Kiddo aka Black Mamba (Uma Thurman) erwacht nach einem Anschlag auf ihr Leben aus dem Koma, stellt fest, dass sie ihr Baby verloren hat und erstellt eine Todesliste mit den Namen ihrer Kollegen im von ihrem ehemaligen Boss und Lover Bill (David Carradine) geführten Attentatkommando Tödliche Viper, die ihr nach dem Leben trachteten. In der tarantinotypischen verschachtelten Erzählweise kämpft sich Kiddo mit ihrem Hattori Hanzo Schwert zu Bill durch, den sie schlussendlich mit der legendären „Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik“ ihres Meisters Pai Mei tötet.

So wie in VOL. 1 Blutfontänen dominieren, so fällt bei VOL. 2 vor allem der inflationäre Gebrauch von B-Movie Dialogen auf. Beides wirkt auf Dauer ermüdend. Die ersten abgehackten Gliedmaßen und Blutduschen wirken originell und sind lustig anzuschauen, doch spätestens beim Showdown, dem Kampf mit O-Ren Ishii (Lucy Liu) und ihren „Verrückten 88“, wirkt die Gewaltorgie, trotz gelungener Kameraeinstellungen, einfallslos. Im zweiten Teil der Rachesaga hätte vermutlich 20 Minuten inhaltslose und deswegen langweilige Dialogzeit gekürzt werden können, ohne dass der Film Eindruck oder Aussagekraft verloren hätte. Einige Blutfontänen mehr hätten in diesem Fall nicht geschadet.

„Clark Kent ist ist Supermans Kritik an der Menschheit“ (Bill)

Alle Elemente von KILL BILL, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick wirken, haben eine Gemeinsamkeit: die Popkultur, die Tarantino philosophisch deutet. Er macht kein Geheimnis aus seiner Zitier- und Referenzwut, die teilweise plump zur Schau gestellt wird, sich für Liebhaber aber auch im Detail findet. Das sind Momente, in denen der Kenner ein Lächeln nicht unterdrücken kann und Tarantino in seiner ganzen (c) Studiocanal / killbill2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenTrashigkeit, seinem Wahnsinn, seiner tarantinoesken Parallelwelt und seiner Liebe zum Kino als großartigen Regisseur anerkennt. Doch verliert er sich bei KILL BILL in seiner Leidenschaft und vergisst auf eine eigene Story. Die Filme wirken wie eine Compilation, ein Best Of oder, möchte man ein literarisches Gleichnis bringen, ein Zitate-Lexikon, das wichtige Aussagen verschiedener Persönlichkeiten einem breiten Publikum komprimiert auf einen Band zugänglich macht.

Wirklich einzigartig ist Tarantinos ausnahmslos perfekte Musikauswahl für seine optischen Eskapaden. Nancy Sinatras „Bang Bang (My Baby Shot Me Down)“ erfüllt seine Aufgabe als Overtüre, nimmt das Thema des Films vorweg und fügt eine Emotion hinzu, die filmisch nicht vermittelt wird: Traurigkeit. Für den Soundtrack von VOL. 1 stand Tarantino RZA von Wu-Tang Clan zur Seite, bei VOL. 2 wurde das Team um Robert Rodriguez erweitert. Bleiben vom ersten Teil vor allem Nancy Sinatra, Tomoyasu Hoteis episches „Battle without Honor or Humanity“ sowie das gute Laune vermittelnde gecoverte „Woo Hoo“ der 5.6.7.8`s im Ohr, so fällt im zweiten Teil der Bezug zu Ennio Morricone auf, der für die Musik der Western von Sergio Leone berühmt geworden ist. Ein großartiger Soundtrack für eine Hommage an die Vorlieben Quentin Tarantinos.

### Sabine Miesgang ###

Publisher: Studiocanal



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