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ROSCOE FLETCHER - Ridin´ Shotgun

Knallcore/Lunadiscs

ROSCOE FLETCHER ridin´ shotgun (c) Knallcore/Lunadiscs / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWillkommen in der Märchenstunde. Ab ins Bett und Decke bis ans Kinn. Doch weil’s heut passt, nimm doch mal nicht den Pyjama mit Alf, sondern den mit den kleinen süßen Bourbon-Flaschen, Colts, Grabsteinen und Kakteen drauf. Und wenn dir der noch zu weit ist, benutz doch den Bibel-Gürtel! In dem Outfit wäre man jedenfalls gerüstet für den Erstling der österreichischen ROSCOE FLETCHER, die sich trotz ihrer mitteleuropäischen Herkunft dazu berufen fühlen, sehr amerikanisch zu erzählen. Leute, die sich vor einiger Zeit noch bei Combos wie GRANT oder KNALLKOPF dem Krach hingaben, erzählen hier in 12 Akten G’schichtln, die in angenehm düsterer und immer wieder zynischer Weise mit so einigen Vorstellungen spielen, die wir gemeinhin vor allem vom amerikanischen Mittelwesten und Süden haben. Trügerische Sümpfe, knarrende Dielen auf Verandas, die in den 30ern schon eine Reparatur nötig hatten, flimmernde Hitze auf Highways – alles da. Übrigens genau so wie Hillbillies, die dringend einen Psychologen nötig hätten (wenn sie denn wüssten, was eben dieser überhaupt ist), verschwundene Touristen, und seltsame Hobbys. In schön dramatischer, auch wohl ein wenig sarkastischer und augenzwinkernder Weise geht’s auf „Ridin’ Shotgun“ angenehm spooky zu, was für mich auch die Stärke des Albums ist. Geschichten aus den Staaten, über Bars und Highways – da bräuchte ich nicht meine Landsleute, das geht auch authentischer. Aber der düstere Touch macht’s, und die aufs Wesentliche reduzierte Instrumentierung mit ihren schroffen Surf-Sounds, abgedrehten Balladen und zwischendurch auch mal richtig gemeinen Attacken, die gefallen – auch wenn es immer wieder mal ein wenig dahin plätschert. Das man gesanglich immer wieder sehr an den guten Jello Biafra erinnert, ist auch kein Nachteil. Haut hin.
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Christoph Buder (7)
 
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