Ausgerechnet Vertigo, seit den 1980ern das Aushängeschild von DC in puncto anspruchsvoller Erhaltung für Erwachsene, knickte gegenüber einer regelrechten Kampagne fundamentalistischer Eiferer ein, als diese von der Prämisse der 2018 angekündigten Miniserie "Second Coming" erfuhren. Es darf als Ironie der (Comic-)Geschichte gewertet werden, dass die Marke, einst geschätzt für so große Namen wie "Hellblazer" oder "Sandman", 2020 sang- und klanglos unterging, nachdem sie da Projekt im Februar des Vorjahres als zu heiße Kartoffel fallengelassen hatte. Bei Ahoy Comics, wo das Kreativduo seine Schöpfung anschließend unterbrachte, dürfte man sicherlich hocherfreut gewesen sein über die durch den ganzen Wirbel verursache Gratis-PR.
Was war nun aber der Stein des Anstoßes für empfindsame religiöse Gemüter? Schlicht und einfach die Prämisse, dass Jesus Christus erneut auf die Erde herabsteigt, nachdem er bei seinem ersten Versuch, deren Bewohner zu einem friedlich(er)en Miteinander zu bewegen, spektakulär gescheitert ist. Gott höchstpersönlich, der das Projekt "Mensch" schon seit längerem gelinde gesagt kritisch beäugt, engagiert dafür den Superhelden Sunstar, um seinem Sohn zur Seite zu stehen. Die Vorzeichen für ein erfolgreiches Comeback des Messias stehen jedoch (wieder) ungünstig, denn erstens hat der Gastgeber an eigenen Problemen zu knabbern, zweitens erweist sich Vernunft weiterhin als letzter Ausweg statt oberste Handlungsmaxime des Homo sapiens und drittens gibt es noch einen allseits bekannten, gefallenen Erzengel, der auch mitmischen will…
Die einzige wirkliche Kritik, die sich der Auftakt von "Second Coming" gefallen lassen muss, ist die stilistische Inkonsistenz bei den Zeichnungen. Sie stammen zwar alle von Richard Pace, wurden aber teilweise von ihm getuscht und koloriert und teilweise von den Kollegen Leonard Kirk und Andy Troy, was spürbar ins Auge sticht. So fügt sich das Artwork als Ganzes betrachtet nicht ganz optimal in den ansonsten geschmeidigen Erzählfluss, der mit grandiosen Gags, moderatem Schimpfwortgebrauch und einigen nachdenklichen, berührenden Stellen ohne Plattitüden oder moralinsaures Geschwafel erfreut. Religionssatire ist letzten Endes stets auch Gesellschaftssatire – und die wird hier Gott (?) sei Dank nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern feiner Klinge vorgetragen.
# # # Andreas Grabenschweiger # # #
Publisher: Dantes Verlag





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