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Second Coming 2

Religion ist auch nicht mehr das, was sie schon früher niemals war.

Second Coming 2Es sagt nichts über einen Comic aus, wenn sich viele ereifern, dass er blasphemisch, gotteslästerlich und eine Herabsetzung religiöser Lehren sei, sondern spricht vielmehr Bände, was den (in zweierlei Hinsicht) geistigen Horizont ebenjener Leute betrifft, die sich dazu berufen fühlen, ein Urteil zu fällen – über ein Werk, das sie wahrscheinlich nicht einmal gelesen haben. Die grundsätzliche Frage des Sinns von Religion ist ein explosives Fass, das an dieser Stelle lieber nicht geöffnet werden soll, aber zur Beruhigung allenfalls erhitzter Gemüter lässt sich wohl eines mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten: Kein frommer Christenmensch dürfte nach der Lektüre von "Second Coming" vom Glauben abfallen und umgekehrt auch kein Atheist doch noch Erleuchtung in der Lehre vom dreieinigen Gott finden.


Das war aber vermutlich kaum die Absicht von Autor Mark Russell und seinen Kreativkollegen. Im Mittelpunkt steht nicht das Hinterfragen der Botschaften des Christentums oder anderer Heilslehren, sondern von dem, was daraus im Laufe der Jahrtausende geworden ist, und die Erkenntnis, dass es offensichtlich (sogenannte) heilige Schriften braucht, um das zu vermitteln, was eigentlich zum Grundverständnis eines friedlichen Miteinanders gehören sollte. Jesus jedenfalls beginnt zu zweifeln, dass es bei seinem zweiten Versuch, der Menschheit etwas Vernunft einzubläuen, besser laufen könnte, als eine seiner Reden im Netz viral geht und ihn der Chef eines christlichen Konzerns mit ziemlich unchristlichem Profitstreben als Aushängeschild rekrutieren will. Trotz allem Fortschritt scheinen die Kinder Gottes in ihrem Wesen weiterhin in denselben Mustern gefangen zu sein wie einst.


Auch Sunstar, dessen Herkunftsgeschichte den zweiten Band von "Second Coming" einleitet, durchlebt sorgenvolle Tage, denn seine Ehefrau erwartet ein Kind von ihm. Kann das gutgehen mit den zahlreichen Gefahren und vor allem rachsüchtigen Superschurken? Die wiederum sechs Kapitel vergehen jedenfalls wie im Flug und verfestigen die Erkenntnis, dass das naheliegende Etikett "Religionssatire" eigentlich viel zu eng ist für die Themen, die hier angesprochen werden und eine Brücke schlagen über den großen Spalt zwischen dem Anspruch an moralisches Handeln und der tatsächlichen Natur des Menschen. Apropos Spalt: Was die Konsistenz des Artworks von Richard Pace, Leonard Kirk und Andy Troy angeht, macht "Einziggeborener Sohn" einen großen Schritt nach vorne, denn die in etwas "rauerem" Stil gehaltenen Panels sind diesmal hauptsächlich für in der Vergangenheit angesiedelte Passagen reserviert.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Dantes Verlag


 

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