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Sherlock Holmes 43

Für einen Detektiv ewie Sherlock Holmes ist es eine Frage des Berufsethos, dass er einen übertragenen Fall auch löst. Als er jedoch seinem alten Freund Archibald Maitland zu helfen verspricht, stößt er alsbald an seine Grenzen.

Sherlock Holmes 43Dass ein kühler Kopf wie Sherlock Holmes die Fassung verliert ist ein äußerst seltenes Ereignis. Als Dr. Watson die gemeinsame Wohnung in der Baker Street betritt, trifft er dort auf Holmes, der vor Wut kaum an sich halten kann. Grund für den ungewohnten Gefühlsausbruch ist der neueste Fall des beratenden Detektivs. Sir Archibald Maitland, ein alten Freund aus Jugendtagen, bittet um Hilfe in einer sehr delikaten Angelegenheit. Auf unbekannten Weg gelangte ein Brief brisanten Inhalts in die Hände eines hinterhältigen Erpressers gelangt, der Sir Maitland in aller Öffentlichkeit kompromittieren könnte.


Natürlich zögert Holmes keine Sekunde seinem Freund beizustehen, doch schnell muss er erkennen, dass er sich einem ebenbürtigen Gegner gegenübersieht, der keinerlei Angriffsfläche bietet. Scheinbar gibt es keine andere Möglichkeit als eine horrende Summe an den eiskalten Verbrecher zu zahlen, um das Schriftstück zurückzuerhalten. Eine Tatsache, die Holmes nicht stillschweigend akzeptieren will. Noch während des Gesprächs mit seinem treuen Begleiter reift ein tollkühner Plan, wie man den heimtückischen Schurken doch noch stoppen könnte. Neben den kriminalistischen Fähigkeiten kann Sherlock Holmes nun sein Talent auch auf vollkommen anderen Terrain unter Beweis stellen, um seinem Schulfreund zu helfen.


Der vorliegende Fall mit dem knappen Titel "Der Zuträger" ist in vielerlei Hinsicht erstaunlich, weicht er doch in erheblichen Maß vom bekannten Aufbau einer klassischen Holmes-Geschichte ab. Das beginnt schon alleine mit dem Umstand, dass man es nicht mit einer Detektivgeschichte im herkömmlichen Sinne zu tun hat. Von der ersten Minute an ist klar, wer sich für das Verbrechen verantwortlich zeigt und was die Motivation für die Tat speist. Die deduktiven Fähigkeiten des Meisterdetektivs sind hier allenfalls nebensächlich und können vernachlässigt werden, es sind eher Talente, die im Originalkanon eher am Rande ihre Erwähnung finden und hier in den Fokus geraten.


Immer wieder gibt es bei Sir Arthur Conan Doyle Verweise auf die Vorliebe von Verkleidungen und Kostümen, die sich Sherlock Holmes zunutze macht, um seine Nachforschungen voranzutreiben, auch von einem gewissen schauspielerischen Talent wird immer wieder berichtet – beides Fertigkeiten, die im neuesten Abenteuer des Ermittlergespanns in den Mittelpunkt rücken. Damit enden die Abweichungen vom Kanon der Originalgeschichten jedoch keinesfalls. Bei Doyle ist Sherlock Holmes stets das kühle, unnahbare Genie, das oft mit einer gewissen Arroganz einhergeht. Emotionen würden seine Arbeit letztlich nur behindern. Umso verwunderlicher, dass wir hier einem Detektiv begegnen, der seinen Gefühlen freien Lauf lässt und auch kein Problem damit hat seinem Mitbewohner zu gestehen, mit dem eigenen Latein am Ende zu sein. Obwohl dies der ursprünglichen Figurenzeichnung gegenübersteht lohnt es sich trotzdem, den neuesten Ermittlungen von Sherlock Holmes seine Aufmerksamkeit zu widmen.


Obwohl es eigentlich keinen wirklichen Kriminalfall gibt, in dem es zu ermitteln gilt, ist "Der Zuträger" eine äußerst kurzweilige Angelegenheit, die ihre Spannung aus der Abweichung von bekannten Mustern und einem ungewissen Ausgang der Ereignisse zieht. Tatsächlich werden gewohnte Erzählstrukturen aufgebrochen und neue unkonventionelle Wege beschritten. Wer den Klappentext eingehender betrachtet, könnte zu dem Schluss kommen, dass der Fall doch vage bekannt vorkommt. So ähnelt der Einstieg in die Story frappierend der Originalgeschichte "Charles Augustus Milverton", ein Umstand, der auch dem Produktionsteam bewusst ist, das auch gleich einen Hinweis in den Dialog zwischen Holmes und Watson einbindet. Zum Glück nehmen die Parallelen im weiteren Verlauf deutlich ab und der Plot entwickelt sich in eine vollkommen andere Richtung.


Die musikalische Bearbeitung fällt dieses Mal besonders düster aus. Gerade jene Szenen, in denen der durchtriebene Erpresser seinen Auftritt hat, werden mit dunklen und bedrohlichen Soundkollagen untermalt und verstärken noch einmal den Effekt, der diesen Momenten sowieso schon inneliegt. Richard Mordon wird hier als Gegner etabliert, der ohne Zweifel das Zeug dazu hat, dem berühmten Detektiv die Stirn zu bieten. Bei der Besetzung der Rolle fiel die Wahl auf Joachim Kerzel. Ein wahrer Glücksgriff, denn er brilliert als boshaftes und durchtriebenes Geschöpf, das sich daran labt seine Mitmenschen leiden zu sehen. Eine wahrhaft diabolische Leistung!


Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt sind ebenfalls mit viel Spielfreude bei der Sache, um diesen ungewöhnlichen Fall auch in sprachlicher Hinsicht zu etwas Besonderem zu machen. Weitere Rollen übernehmen Lutz Mackensy, Bernd Kreibich, Rolf Berg, Sascha von Zambelly und Jean Paul Baeck, die den positiven Eindruck dieser Folge bestätigen. Ein außergewöhnlicher Fall, der es schafft eigene Akzente zu setzen und zu wiederholtem Hören einzuladen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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