Die Zeit wird knapp, wenn man einen Konflikt zwischen den rivalisierenden Ländern vermeiden möchte. Während Scotland Yard die Ermittlungen aufnimmt, verfolgt Holmes bereits ganz eigene Spuren, um den Fall zu lösen. Nicht weniger als der Frieden zwischen den Nationen lastet auf den Schultern des Meisterdetektivs. Erneut greift man auf eine Geschichte von Herman Cyril McNeile zurück, eine bewehrte Methode, lassen sich die Storys doch problemlos in den Kosmos von Sherlock Holmes integrieren. Erfolgreich ersetzt man die eigentliche Hauptfigur durch den erfolgreichen Detektiv aus der Baker Street.
Dem Hörer präsentiert sich ein Kriminalfall, bei dem zwei Fragen essenzielle Bedeutung erlangen. Wer sticht die Ergebnisse aus einer geheimen Konferenz an die Öffentlichkeit durch und wie verlassen die Informationen das Gebäude, wenn doch eine nahezu unüberwindliche Überwachung für Diskretion sorgen soll? Wie viele Fälle beginnt auch dieser klassisch in der Baker Street mit einem neuen Klienten, welcher mit seinem Latein am Ende erscheint und Holmes um Hilfe bittet. Danach verlagert sich die Handlung ins ländlich geprägte England vor den Toren Londons.
Ein stringenter, im gemächlichen Tempo erzählter Plot entwickelt sich zu einem neuen verzwickten Fall, wobei der bekannte Detektiv, wie so häufig, den anderen Akteuren immer eine Nasenlänge voraus zu sein scheint. Zum Glück gibt es da einen Dr. Watson, dem dieselbe Rolle wie dem Publikum zufällt und der an den passenden Stellen die Fragen stellt, die einem selbst auf den Nägeln brennen.
Die Auflösung, wer und wie hinter den Vorkommnissen steckt, ist originell und kann überzeugen. Das Ende ist für die Ermittlungen von Sherlock Holmes ungewöhnlich und kommt im Originalkanon nur ein einziges Mal in ähnlicher Form vor. Daneben wird der Handlungsfaden erneut mit einigen humorvollen Wortgefechten zwischen Watson und Inspektor Lestrade angereichert, die dem Geschehen etwas Leichtigkeit verleihen. Die Dialoge sind einmal mehr über jeden Zweifel erhaben und fangen den Flair des viktorianischen Englands gekonnt ein. Allerdings klafft im Plot ein Logikloch, das an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen nicht verraten wird.
Geräusche kommen wie gewohnt dezent zum Einsatz, schmücken die einzelnen Szenen aus und geben ihnen zusätzlich an Kontur. Die musikalische Gestaltung orientiert sich an den bisherigen Episoden und ist eine ausgewogene Mischung aus dramatischen und durchaus heiteren Stücken, die über die gesamte Produktion hinweg anzutreffen sind.
Joachim Tennstedt brilliert einmal mehr als Sherlock Holmes und es gelingt ihm, der Figur seine ganz eigene Interpretation zu entlocken. Die Rolle von Dr. Watson fällt hier zum Glück wieder etwas komplexer aus und Detlef Bierstedt darf unter Beweis stellen, dass sein Können viel weiter reicht, als dass man ihn auf einen bloßen Stichwortgeber limitiert. Daneben sind Matthias Lühn (einigen vielleicht als Professor Zamorra bekannt), Horst Naumann und Peter Weis zu hören, die mit ihren fantastischen Stimmen die weiteren Charaktere mit Leben füllen. "Geheimsache Styles Court" ist eine klassische Detektivgeschichte mit einer politischen Note, die über eine gute Stunde beste Unterhaltung bietet.
# # # Justus Baier # # #
Publisher: Titania Medien





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