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Sherlock Holmes 62

Wer schickt dem Nachbarn von Colonel Fortescue per Post einen makaberen Countdown bis zu seinem Ableben?
Sherlock Holmes 62
© Titania Medien

Neben der Betätigung auf dem Feld der Kriminalistik zählt das Golfen zu den großen Passionen des Meisterdetektivs aus der Baker Street. Gemeinsam mit Dr. Watson verbringt er einige unbeschwerte Tage, in deren Mittelpunkt die sportliche Leidenschaft zum Golf steht, in Slindon. Dort treffen sie auf einen alten Bekannten von Sherlock Holmes, den liebenswerten Exzentriker Colonel Fortescue. Dieser ist freudig überrascht, unerwartet auf den beratenden Detektiv und seinen Begleiter zu treffen, und lädt die beiden spontan zum Abendessen ein. Dem gemeinsamen Dinner wohnt auch ein kürzlich zugezogener Nachbar bei, der im Verlauf des Abends mit einer ungewöhnlichen Geschichte zu überraschen weiß. Ein Unbekannter verkündet demnach in täglichen Briefen, dass Mr. Marbury nach Ablauf einer bestimmten Frist den Tod finden wird.


Jeder erhaltene Brief verringert die Zeitspanne um einen weiteren Tag. Wer könnte dem sympathischen Mann, der über keinerlei Feinde zu verfügen scheint, nach dem Leben trachten? Was ist das Motiv des anonymen Briefeschreibers? Ein makaberer Scherz oder doch Morddrohung? Sherlock Holmes zeigt sich entschlossen zu klären, wer hinter den verschriftlichten Drohungen steckt und wieso er nach dem Leben des Pensionärs lechzt.


Obwohl diese Erzählung an einem ungewöhnlichen Ort wie dem Golfplatz ihren Anfang nimmt und nicht wie gewohnt in den Räumlichkeiten der Baker Street 221b, haben wir es hier doch mit einem klassischen Holmes-Abenteuer im besten Sinne zu tun. Nicht unbedingt selbstverständlich, denn einmal mehr greift man auf eine Geschichte von Herman Cyril McNeile zurück. Dessen Kriminalfälle sind zwar ebenfalls in Großbritannien angesiedelt, spielen aber zu einem vollkommen anderen Zeitpunkt, an dem die technische Entwicklung im Gegensatz zu den Tagen von Holmes deutlich vorangeschritten ist.


Als Hörer staunt man bereits nach wenigen Minuten nicht schlecht, wenn offenbar auf nahezu plumpe Weise das zentrale Thema dieser Episode präsentiert wird. Das ist jedoch nur einer der vielen Winkelzüge, die diese Folge zu einer überaus interessanten Angelegenheit machen. Immer wenn festzustehen scheint, wie sich die Ereignisse entwickeln werden, nimmt die Story plötzlich eine neue Wendung. Hinzu kommt ein Verwirrspiel, wer hinter all den seltsamen Vorkommnissen stecken könnte. Tatsächlich gelingt es, die Suche nach Täter und Motiv bis zum Finale spannend und undurchsichtig zu gestalten.


Angereichert wird der neueste Kriminalfall des großen Sherlock Holmes mit einer ordentlichen Portion Humor, die einmal mehr auf Kosten des treuen Gefährten des Ermittlers geht. Ein schmaler Grat, denn auch wenn Dr. Watson in den Originalgeschichten von Arthur Conan Doyle gelegentlich als einfältig beschrieben wird, ist er dennoch keinesfalls als dümmlich zu verorten. Die verwendeten Musikstücke sind passend gewählt und stimmen bestens auf einen guten britischen Krimi ein. An den richtigen Stellen zum Einsatz gebracht, verstärken sie gekonnt die jeweilige Stimmung und Dramatik einer Szene. Wie gewohnt ein Aushängeschild einer Titania-Produktion. Die verwendeten Soundeffekte schaffen es mühelos, die verschiedenen Handlungsorte in Szene zu setzen. Oft sind es die kleinen, versteckten Details, die dieses Hörspiel auszeichnen und auf eine höhere Stufe hieven.


Bei der Besetzung der Rollen hat man wenig dem Zufall überlassen. Bert Stevens brilliert als kauziger Ex-Militär. Mühelos entfaltet er die gesamte Exzentrik der Rolle. Daneben agiert Michael Pan als Mr. Marbury und präsentiert sich dem Publikum als friedfertiger Pensionär, der seinen Lebensabend genießen möchte. Es ist müßig, noch viele Worte über das Gespann Tennstedt und Bierstedt zu verlieren. Das Zusammenspiel der beiden ist mittlerweile derart natürlich und ungekünstelt, dass man hier nicht wirklich die Dialoge zweier Romanfiguren zu verfolgen glaubt. Einmal mehr ein gut durchdachter Fall mit einigen Wendungen, der auch nach mehreren Durchläufen immer noch Spaß macht.
 

# # # Justus Baier # # #
 

Publisher: Titania Medien
 

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