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Sherlock Holmes 64

Was für eine Tragödie: Der einzige Stammhalter der Familie von Schönburg ist wie vom Erdboden verschwunden. Es gibt keinerlei Hinweis auf seinen Verbleib.
Sherlock Holmes 64
© Titania Medien

Kaum ist der Meisterdetektiv von einem lebensgefährlichen Abenteuer jenseits des Ärmelkanals zurückgekehrt, wartet bereits der nächste Fall weit ab der Heimat auf das kriminalistische Duo aus der Baker Street 221 b. Friedrich von Schönburgs Sohn scheint wie vom Erdboden verschluckt. Ohne zu zögern reist Sherlock Holmes in Begleitung von Dr. Watson, der immer noch unter dem Tod seiner Frau leidet, in die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, um dem alten Bekannten in höchster Not beizustehen. Anfänglich erweisen sich die Ermittlungen als ein zähes Unterfangen. Wurde der einzige Sohn des alten Schönburg entführt oder hat der Junge dem Sitz seiner Familie aus freien Stücken den Rücken gekehrt?


Wie es sich für den berühmten Detektiv gehört, lässt er sich von der dürftigen Faktenlage nicht abschrecken und beginnt mit seinen Nachforschungen. Der Kreis der Verdächtigen wächst langsam, aber bedächtig. Die heißeste Spur führt zu einer Nebenlinie der Schönburgs. Wurde tatsächlich ein abscheuliches Verbrechen aus niederen Motiven unter Verwandten begangen oder liegt die Wahrheit doch woanders? Sherlock Holmes nimmt einmal mehr eine andere Identität an, um den Täter hinter Schloss und Riegel zu bringen.


Wieder einmal verlässt der Meisterdetektiv die heimatlichen Gefilde, um im Ausland einen vertrackten Fall zu lösen. Zum wiederholten Male verschlägt es ihn dabei in die Habsburger Monarchie. Nach dem mittlerweile obligatorischen Wortgeplänkel in den Räumen der Baker Street verlagert sich die Handlung schnell nach Österreich. Aus einer zunächst dürftigen Datenlage entwickelt sich alsbald ein äußerst unterhaltsamer Fall, der mit vielen ungewöhnlichen Wendungen zu punkten weiß. Immer wieder scheinen die Indizien auf einen neuen Verdächtigen zu deuten, woraus sich allein schon ein Impuls zum Weiterhören ergibt. Ruhigere Passagen wechseln sich mit für Holmes’sche Verhältnisse geradezu rasanten Actionpassagen ab, die die imposante Laufzeit von über 80 Minuten im Flug verstreichen lassen.


Ungewöhnlich für eine Story rund um den Meisterdetektiv ist der eher geringe Ermittlungsanteil der Geschichte. Tatsächlich kommt der Spürnase Kommissar Zufall zur Hilfe – in diesem Zusammenhang sei nur die Zugszene erwähnt. Das tut dem Unterhaltungswert von „Der verschwundene Grafensohn“ jedoch keinen Abbruch. Der Hörer erlebt einen Kriminalfall mit einer ernstzunehmenden Anzahl von Verdächtigen, die alle über ein überzeugendes Motiv verfügen, den jungen Grafen endgültig verschwinden zu lassen.


Die neuen Stoffe von Autorin Amy Onn verleihen der Reihe einen frischen Wind. Im Gegensatz zu den Storys von Herman Cyril McNeile tritt der eher gemächliche Detektiv zurück, um einer agileren Version seiner selbst das Feld zu überlassen, was spürbar für Abwechslung sorgt. Ein eindeutiger Pluspunkt! Titania-Hörspiele zeichnen sich dadurch aus, Soundeffekte nur dort zum Einsatz zu bringen, wo sie Sinn ergeben und ein Szenario deutlich aufwerten. Was für einen unfassbaren Mehrwert sich trotz allem daraus ergeben kann, verdeutlicht das vorliegende Abenteuer. Egal ob Zugfahrt, knarrende Treppen, oder eine Droschkenfahrt, hier klingt alles authentisch und wie aus einem Guss. Selbiges gilt es über die musikalische Bearbeitung zu vermelden. Eher heitere Kompositionen wechseln sich mit düsteren, schnelleren und bedrohlichen Stücken ab, die perfekt zum Inhalt der Folge passen.


Die Kirsche auf der Torte sind jene Dialoge, die in den Wiener Schmäh wechseln und perfekt die Stimmung dieser Episode einfangen. Über die beiden Hauptrollen muss man nur noch wenige Worte verlieren, vielleicht nur eines: göttlich! Daneben setzen wieder einige andere Sprecher Akzente, die dieses Hörspiel aus der Masse der Veröffentlichungen hervorheben. Jean Paul Baeck brilliert als gewalttätiger Fiesling – beeindruckend abstoßend. Edward McMenemy veredelt das Geschehen als knarziger Bediensteter und Bodo Primus gibt den altehrwürdigen Adeligen, den das Wohl seines einzigen Stammhalters sorgt. Eine weitere gute Produktion, die mit einer enormen Palette an Ereignissen zu punkten weiß.
 

# # # Justus Baier # # #
 

Publisher: Titania Medien
 

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artikel closer s147 rc45© SLAM Media

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