Bezüglich der Ereignisse zuvor sieht es mit dem Wissensstand schon weitaus weniger prickelnd aus. Was aber nicht tragisch ist, denn hier kommt Alex Alice ins Spiel und erlaubt es sich, selbst fleißig hinzuzudichten, was in den verschiedensten Variationen des Stoffs nicht vorkommt oder wenn überhaupt nur kurz angeschnitten wird. Der französische Comic-Künstler, der bereits in den 1990ern mit seinem ersten Werk "Le Troisième Testament" (mit Co-Autor Xavier Dorison, auf Deutsch als "Das dritte Testament" erschienen) reüssieren konnte, schuf mit "Siegfried" zwischen 2007 und 2011 seine eigene Version des epischen Kampfs zwischen dem tapferen Recken und dem Drachen Fafnir. Die drei Einzelbände mit der Geschichte des Waisenkinds Siegfrieds, das vom Schmied Mime in einem abgelegenen Wald aufgezogen wird, sind hierzulande längst vergriffen und kürzlich als pompöse Gesamtausgabe zurückgekehrt.
Die Wölfe als Spielgefährten reichen dem neugierigen Jungen bald nicht mehr, er beginnt Fragen zu stellen, die sein widerwilliger Ziehvater nur ungern beantwortet. Als er sich entschließt, die Reise zu den Menschen anzutreten, begleitet ihn Mime, denn obwohl er sein selbstgewähltes Exil verlassen muss, tut er das mit dem Wissen, dass ihm bald schon das Gold von Fafnir gehören könnte. Diesem will Siegfried nämlich den Garaus machen, wobei er längst eine Schachfigur auf dem göttlichen Spielbrett von Odin geworden ist. Doch selbst der oberste Ase hat seine liebe Not mit einer jungen Dame, die sich seinem Willen nicht beugen will: Eine ganz bestimmte Walküre denkt nicht daran, dem Schicksal seinen Lauf zu lassen, ohne dem zu einer Reise ins Ungewisse aufgebrochenen Suchenden zu helfen.
Dass man sich bei Alex Alice in puncto Artwork, das dem epischen Rahmen der Prämisse gut zu Gesicht steht, keine Sorgen machen muss, ist im Grunde klar, eine Überraschung hingegen, dass es zwischendurch gar nicht immer so bierernst zugeht wie man das erwartet hätte. Ausgerechnet der griesgrämige (und im Vergleich zu seinem Charakter in den meisten Vorlagen aus alter Zeit geradezu gutmütige) Mime sorgt für einige amüsante Abstecher ins Funny-Genre trotz des epischen Charakters der Handlung samt permanent drohendem Weltuntergang (ähnlich formidabel hat das etwa Jeff Smith mit "Bone" hinbekommen). Diese zwischen zwei Buchdeckel gepackte Fantasy-Oper in drei Aufzügen verdient sich jedenfalls eine Menge Applaus – allerdings ein schwieriges Unterfangen, denn dafür müsste man sie aus der Hand legen.
# # # Andreas Grabenschweiger # # #
Publisher: Splitter Verlag





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