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Strange Natives – Die vergessenen Erinnerungen einer vergesslichen alten Dame

„The Memory Remains“!
Strange Natives - Die vergessenen Erinnerungen einer vergesslichen alten Dame
© Dantes Verlag

Wenn sich eine Aussage über die Titel treffen lässt, welche die mit schöner Regelmäßigkeit ausgebaute „philippinische Ecke“ des Dantes Verlag bevölkern, dann wohl unwidersprochen jene, dass keiner von ihnen dem anderen gleicht und jeder auf seine ganz eigene Art eine Welt erschafft, die Genregrenzen auflöst und die lebendige Vielseitigkeit der Komiks aus dem südostasiatischen Inselstaat eindrucksvoll demonstriert. Der vorliegende Band ist ein weiteres leuchtendes Beispiel dafür und doch – ohne die Qualität der bisherigen Veröffentlichungen auch nur ansatzweise schmälern zu wollen – könnte es sich dabei um eine der poetischsten und anmutigsten Erzählungen handeln, die Josua Dantes und seine getreuen Mitstreiter bisher zutage gefördert und für den deutschen Markt liebevoll auf Hochglanz poliert haben.


Im Mittelpunkt steht eine ältere Frau namens Grasya, die zu Beginn der Erzählung nach Hause zurückkehrt und dabei mit Erinnerungen an ihr Leben konfrontiert wird, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Neben liebevollen Momenten mit der spiritistisch veranlagten Tante und einer behüteten Kindheit im Schoss der Familie stehen Erfahrungen, die mit der gewalttätigen Natur des Menschen im Allgemeinen und den zahlreichen Bruchlinien, wie sie die Geschichte der Philippinen des 20. Jahrhunderts kennzeichnen, im Besonderen zusammenhängen. Von hier aus zerfließt alles nach allen Richtungen, sowohl Zeit als auch Raum, in einem wahren Rausch der Bilder von Jerico Marte, die den Mund offenstehen lassen, zum Niederknien und oftmals auch Weinen schön sind.


Der melancholische und über weite Strecken auch traurige Grundton von Paolo Herras kontrastiert eine florale, impressionistische Pracht sondergleichen, bei der sich Mosaike eines Lebens im Flügelschlag eines Schmetterlings widerspiegeln und wir daran erinnert werden, dass jeder Augenblick zählt. „Memento mori“ ist leichter gesagt als getan, denn das Schicksal kann einem nicht nur Freude und Glück, sondern auch Traumata und Tragik bescheren, an denen nicht wenige zerbrechen. Dieser Comic braucht nicht sehr viele Worte, an vielen Stellen lässt er die Bilder für sich sprechen, mit einer Eleganz, die ihresgleichen sucht, gleichzeitig bleibt er in seinen Aussagen dem flatterhaften Wesen der Schmetterlinge gleich oft vage und lässt Raum, den die Lesenden selbst mit Interpretationen füllen können.
 

# # # Andreas Grabenschweiger # # #
 

Publisher: Dantes Verlag
 

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artikel closer s145 pc6© SLAM Media

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