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Trese 1

Wer Gründe braucht, um bei einem Aufenthalt in Manila die Unterkunft nachts nicht zu verlassen, wird hier fündig.

Trese 1Was den Output bekannter US-Verlage wie Marvel, DC oder Image in den letzten drei Jahrzehnten betrifft, so führte eigentlich kein Weg an Kreativkräften von den Philippinen vorbei – dass es aber neben bekannten Namen wie etwa Whilce Portatio oder Leinil Francis Yu noch viele andere Talente zu entdecken und entsprechende Comic-Schätze zu heben gibt, verdeutlicht Josua "Josch" Dantes mit der Veröffentlichung von Komiks (so die Schreibweise in Filipino) quer durch die Genres. Unter den Lizenzen, die er sich bisher geschnappt hat, dürfte "Trese" zweifellos die bekannteste sein, bedingt durch die gleichnamige Animationsserie von 2021.


So lässt sich bei der Lektüre der Comic-Vorlage zu den sechs bei Netflix ausgestrahlten Episoden nicht nur ein Déjà-vu erleben, sondern auch ein Vergleich anstellen, was das Team um Showrunner Jay Oliva daraus für den Bildschirm gemacht hat. Grundsätzlich stellt jedes Kapitel eine in sich abgeschlossene Geschichte dar, in der sich Alexandra Trese einem Fall widmet, den die Polizei von Manila nicht mit herkömmlichen (sprich rationalen) Methoden zu lösen vermag. Autor Budjette Tan konfrontiert sie im Auftaktband mit den paranormalen Konsequenzen, die sich ergeben, wenn Menschen mit dem falschen Gegenüber verkehren – selbiges sowohl im übertragenen als auch tatsächlichem Sinne: Egal ob (zu) feurige Liebe, ein Hengst, der sich nicht auf das Logo einer sportlichen Automarke beschränkt sieht, oder übernatürliche Selbstjustiz, es gibt viel zu ermitteln.


Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, der Autor dieser Zeilen will es hier lediglich wagen, der im Vorwort von Gerry Alanguilan (seines Zeichens ein viel zu früh verstorbener Erneuerer der Komiks) geäußerten Meinung vorsichtig zu widersprechen, dass das Artwork von KaJo Baldisimo in Farbe noch besser aussehen würde. So ginge nämlich der Reiz der Schwarzweiß-Kontraste verloren, die besonders dann dem Auge schmeicheln, wenn Dämonen und Geister auf den Plan treten. Aus den wie immer lehrreichen Anmerkungen von Übersetzer Jens R. Nielsen lernen wir übrigens, dass Trese übersetzt 13 bedeutet. Wer sich dabei an das Wort Tresor erinnert fühlt, liegt ebenfalls nicht falsch, denn Trese ist eine alte Bezeichnung für einen sicheren Aufbewahrungsort, etwa eine Schatzkammer. Was eigentlich hervorragend zu einer Serie passt, die philippinische Mythen und Legenden popkulturell aufbereitet und auf diese Weise bewahrt, oder?


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Dantes Verlag


 

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artikel closer s147 rc45© SLAM Media

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