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Interview: Bernd Perplies

Mit seinen Trilogien "Carya", "Tarean" und "Magierdämmerung" hat sich der deutsche Schriftsteller Bernd Perplies längst in die Herzen der Fantasy-Gemeinde geschrieben.

(C) Privat / Bernd Perplies / Zum Vergrößern auf das Bild klickenBesonders "Magierdämmerung", das auf einem Steampunk-Setting fußte, ließ Perplies' Können aufscheinen, eine Fantasy-Welt aus anderer Perspektive zu erzählen. Nun ist der erste Teil seiner neuen Reihe „Imperium der Drachen“ erschienen – Fantasy trifft auf Antike. Im Zentrum der Geschehnisse steht der junge Iolan, der vom zwielichtigen Arastoth, einem Angehörigen der zauberkundigen Quano, in einem kleinen Dorf untergebracht wurde und als Ziehsohn eines einfachen Fischers aufwächst.


Er verbringt eine unbeschwerte Kindheit, bis eines Nachts Soldaten des Königs das Dorf in Schutt und Asche legen. Es ist wiederum Arastoth, der Iolan in Sicherheit bringt. Was der Junge nicht ahnt: Er ist der totgeglaubte Sohn des Königs. Ein Fluch der mysteriösen Dyrracher über den König sollte sich Jahre später bei der Geburt Iolans zeigen – nur Arastoths Zauber konnten ihn über die Jahre zurückhalten. Mehr noch, des Königs Wunsch war es eigentlich gewesen, das Kind zu beseitigen. Aus dem einfachen Wunsch, Rache für die Vernichtung seines Dorfes zu nehmen, wird Iolan in ein Netz aus Lügen, Intrigen und geheimen Interessen gezogen…


SLAM: Kann man "Imperium der Drachen" deiner Meinung nach abgesehen vom antiken Setting als "klassische" Fantasy bezeichnen? Es spiegeln sich zumindest alle Elemente wider, Zauberer, Elfen-, und Nordvölker und so weiter...

Bernd Perplies: Ich habe den Roman und die Welt zumindest so angelegt. Es war meine Intention, eben keine "Herkules"-Fantasy zu schreiben, mit Zyklopen, Minotauren und höchst aktivem Götterpantheon, sondern die typischen Fantasy-Völker zu nehmen und sie aus ihrer in den meisten Romanen dargebotenen Mittelalterumgebung tausend Jahre zurück in die Antike zu versetzen. Ich habe auch extra eine Figur, Markos, eingefügt, die im Laufe des Abenteuers auf die klassische Heldenreise geschickt wird und dabei nach und nach eine typische Heldenparty, bestehend aus Zwerg, Elf, usw., um sich schart. Das wird – augenzwinkernd gesagt – meine antike Version der tolkienschen Ringgemeinschaft sein.


SLAM: Gab es bei der Recherche nach den antiken Aspekten bestimmte Völker oder Mythologien, die besonders einflossen?

Bernd Perplies: Vor allem habe ich mich von in der europäischen Antike wichtigen Großreichen rund ums Mittelmeer, wie Griechenland und Rom, inspirieren lassen. Das merkt man in der Gestaltung der Lebensumstände, gerade in Cordur, durchaus. Entsprechend habe ich bei meiner Recherche Bücher, Internetartikel und "GEO Epoche"-Magazine gelesen, wobei mich primär der Alltag der Leute damals interessiert hat, also wie sich kleideten, wie sie wohnten und wo sie ihre Intrigen schmiedeten (beispielsweise im öffentlichen Badehaus). Was das Götterpantheon angeht, halte ich mich zurück. Im alten Rom gab es neben den zentralen Gottheiten Unmengen an kleineren Nebengöttern für jeden Aspekt des Lebens. Das daraus entstehende Namenschaos im Roman wollte ich mir ersparen, weswegen ich es bei übersichtlichen sechs Göttern belassen habe. Ich beschreibe hier übrigens stets die Menschen. Zwerge, Elfen, Dyrracher und Quano pflegen einen durchaus eigenen Lebensstil.


SLAM: Die Quano sind im Prinzip die Zauberer im Imperium der Drachen, durch ihre starke Verbindung mit der Weltseele heben sie sich von klassischen Zauberern ab, die meist von irgendwo ihre Kräfte herhaben. War diese Weltseele wichtig, um den Quano erzählerische Eigenständigkeit zu verleihen?

Bernd Perplies: Für mich war das vor allem wichtig, weil ich den Quano weniger den Anstrich von Magiern als den von Priestern oder Dienern eines göttlichen Prinzips geben wollte. Daher heißen die Zauberer unter ihnen auch Theurgen, abgeleitet von gleichnamigen Gottesdienern in der irdischen Antike, die sich rituell dem Göttlichen geöffnet haben, um mit diesem zusammen Wunder zu wirken. Entsprechend sind auch die Quano nicht selbst "magisch", sie sind vielmehr stärker als jeder andere empfänglich für die Kräfte, die in der Welt strömen und die sie als Weltseele Gahat verstehen und verehren. Wenn ein Quano den Pfad des Theurgen einschlägt, versucht er, in Einklang mit dieser Weltseele zu gelangen und je empfänglicher er für ihre Macht wird, desto leichter fällt es ihm, ihre Kraft zu kanalisieren und in Emanationen genannten Zaubern "abzustrahlen". Das heißt aber auch, dass die Kräfte der Quano begrenzt sind. Sie können im Wesentlichen ihre direkte Umgebung beeinflussen. Darin ähneln sie den viktorianischen Zauberern meiner Steampunk-Trilogie "Magierdämmerung", für die ich damals ebenfalls ein eigenes und mit klaren Regeln umrissenes Magiesystem erfunden habe.


(C) Egmont INK / Imperium der Drachen - Das Blut des schwarzen Loewen / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSLAM: Es wurde bereits verraten, dass die Quano in Teil zwei eine gewichtige Rolle spielen werden und endlich auch Drachen auftauchen werden. Wird auch mehr von dem zwielichtigen Arastoth und seinem von Anfang an großen Plan für Iolan Preis gegeben?

Bernd Perplies: Selbstverständlich wird "Kampf um Aidranon" alle bestehenden Handlungsstränge fortsetzen und damit den "Aufstieg"-Zweiteiler abschließen. Tatsächlich ist "Imperium der Drachen" ja als etwas umfangreicherer Zyklus geplant und was wir im Augenblick erleben, sind die letzten Tage des machtvollen Cordurischen Reichs, das vor den Drachen in die Knie gehen wird. Welche Rolle der "Bösewicht" Arastoth und der "Held" Iolan dabei spielen, verrate ich natürlich jetzt noch nicht.


SLAM: Neben deiner Schreibtätigkeit bist du auch als Übersetzer, unter anderem für Cross Cult tätig – warum und wie hat sich das ergeben?

Bernd Perplies: Dass ich Übersetzer für Phantastik - in letzter Zeit vor allem "Star Trek"-Romane - wurde, war ein Zufall. Im Studium habe ich ein Praktikum beim Heel Verlag absolviert, genauer gesagt beim Magazin "Space View" (dem Vorläufer des heutigen "Geek"-Magazins von Panini). Irgendwann fragte mich die Chefredakteurin, ob ich auch mal was für sie übersetzen könnte. Ich sagte zu und verdiente mir damit ein gewisses Zubrot. Bei der "Space View" lernte ich dann Markus Rohde kennen, der später die Leitung des Magazins übernahm. Und als der schließlich zu Cross Cult wechselte, um dort nach dem Ende von "Star Trek" bei Heyne das umfangreiche "Star Trek"-Buchprogramm aufzubauen, bin ich sozusagen als "freier Mitarbeiter" mitgegangen. Ich habe also schon einige Jahre, bevor ich anfing, Romane zu schreiben, als Übersetzer gearbeitet – und auch heute betreibe ich beide Tätigkeiten parallel, denn zum einen gibt eine gewisse Streuung, was die eigenen Projekte angeht, finanzielle Sicherheit, zum anderen bedeutet es Abwechslung. Ich könnte und wollte mich nicht ständig nur mit einer Sache beschäftigen, was sich in dem recht bunten Genre-Mix meiner Romanpublikationen durchaus widerspiegelt.


SLAM: In deinem Blog ist zu lesen, dass du dich nicht nur mit der schriftstellerischen, sondern auch der videospielerischen Seite von Fantasy beschäftigst. Spielst du selbst? Falls ja: Was sind deine Favoriten? Oder betrachtest du das von außen?

Bernd Perplies: Ich nehme an, du beziehst dich auf die Podcast-Debatte zu Fantasy-Welten in Videospielen, zu der ich jüngst eingeladen wurde. Tatsächlich habe ich dort aber vor allem die Perspektive des Romanschriftstellers vertreten und mögliche Unterschiede in der Weltengestaltung und Storyentwicklung beleuchtet. Im Grunde spiele ich sehr wenig Videospiele. Ich informiere mich, weil ich früher ein begeisterter Zocker war und ein Teil von mir nach wie vor sehr gerne mit Spielen wie "Alien: Isolation" oder "Risen 3" Zeit verbringen würde. Aber diese Zeit habe ich einfach nicht. Ich schreibe viel, lese viel, bin ein begeisterter Cineast, treffe mich "offline" zu Fantasy-Brettspiel-Abenden mit Freunden (aktuelle Empfehlung: "Might & Magic Heroes – Das Brettspiel"). Irgendwo muss man dann Abstriche machen – zumindest bis das Klonen endlich so erfolgreich ist, dass ich zwei oder drei Kopien von mir anfertigen lassen kann.


SLAM: Diese Frage ist bei uns unvermeidlich: Welche Musik hörst du, was sind deine Favoriten?

Bernd Perplies: Ich bin ein großer Fan von Filmmusik. Seit Jahren schon sammle ich eingängige und auch weniger eingängige Soundtracks zu Filmen aller Art. Dabei lasse ich mich nicht von der Qualität des zugrunde liegenden Streifens beeinflussen. Was mir akustisch gefällt – und sich vielleicht als Stimmungsmusik beim Schreiben eignet –, wird gekauft. Von "Abyss" (Alan Silvestri) bis "X-Men" (John Ottman) ist alles dabei. Besonders haben es mir Special Editions bekannter Soundtracks angetan, beispielsweise die "25 Anniversary Blade Runner Trilogy" (Vangelis) oder die "Indiana Jones Soundtrack Collection" (John Williams) zu den jeweils gleichnamigen Filmen.


 
# # # Bernhard Kleinbruckner # # #


 
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