Da niemand Geringerer als Garth Ennis den Sechsteiler verfasste, lässt die Kombination dieser beiden für explizite Inhalte bekannten Kreativkräfte bereits Rückschlüsse auf die erzählerische Verfahrensweise in "Streets of Glory" zu. Und tatsächlich dauert es auch nur wenige Seiten, bis dem ersten Typen nonchalant der Unterkiefer weggeschossen wird – und zwar von Joseph R. Dunn, einem hochdekorierten Veteran nicht nur des Sezessionskrieges, sondern auch der Kämpfe gegen die amerikanischen Ureinwohner, die das Pech hatten, dem Sendungsbewusstsein (respektive der Gier) des weißen Mannes im Weg zu stehen.
Man schreibt das Jahr 1899 in Gladback, Montana, wohin der Oberst nach vielen Jahren zurückkehrt. Recht viel Zeit, um sich eventuell mit seiner einstigen Herzensdame auszusöhnen, bleibt ihm nicht, da das kleine, noch nicht von der Eisenbahn erschlossene Nest im Umbruch begriffen ist. Spekulant Charles S. B. Morrison wälzt offenbar große Pläne, wenn da nicht Red Crow wäre, der soeben eine Farmerfamilie massakriert hat. Joe Dunn, der den Apachen aus eigener, leidvoller Erfahrung kennt, soll ihn zusammen mit einigen Männern zur Strecke bringen, doch die Sache scheint komplizierter zu sein als ein bloßes Duell.
Zugegeben: Einen mordlüsternen Apache-Krieger als Antagonisten zu verwenden dürfte eher nicht als bahnbrechende Innovation im Storytelling durchgehen, eher bemühte der gute Mr. Ennis dieses Klischee wohl absichtlich, um eine falsche Fährte zu legen, der zunächst auch Dunns Suchtrupp folgen soll. Vordergründig handelt "Streets of Glory" vom letzten Gefecht eines alten, wortkargen Raubeins, das in einer neuen Welt, die auch vor der Peripherie mit dem letzten Hauch von Freiheit (und/oder Gesetzlosigkeit) nicht Halt macht, nur mehr ein Fossil aus der Vergangenheit darstellt.
Es sind aber vielmehr andere Konflikte, die hier dezent mitschwingen und die Lektüre abseits der von Mike Wolfer wie immer formidabel inszenierten Gewalttätigkeiten spannend und unterhaltsam machen – seien es die Auswüchse des Kapitalismus versus Sehnsucht nach einer guten, alten Zeit, die es (so oder so) nie gab, oder überkommene Rollenbilder, bei denen den Herren der Schöpfung die Anrede "Doktor" für eine Frau denkbar schwerfällt. Und wer weiß, vielleicht stellt der Versuch, die Website von Avatar Press zu erreichen, doch noch eine letzte Rache von Red Crow dar, denn die Fehlermeldung, die daraufhin zu lesen ist, beginnt ausgerechnet mit "Apache2 Ubuntu Default Page"…
# # # Andreas Grabenschweiger # # #
Publisher: Dantes Verlag





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