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Books 2023


Hier geht`s zu den Book-Reviews des Jahres 2023 in alphabetischer Reihenfolge.

Tomb Town

Geht es nach Junji Ito, dann sollten wir um manche Orte lieber einen ganz großen Bogen machen.

Tomb TownMit den Deluxe Editions, die sich dem Œuvre von Junji Ito widmen, hat der Carlsen Verlag offensichtlich einen Nerv bei der hiesigen Leserschaft getroffen – denn seit dem Auftakt in Form von "Uzumaki – Spiral into Horror" 2019 landet regelmäßig Nachschub in den Regalen. Der japanische Künstler, zusammen mit seinem Landsmann Gou Tanabe gegenwärtig eine der besten Adressen in Sachen Horror, ist erfreulicherweise ungemein produktiv, sodass die Veröffentlichung von weiterem Material nicht lange auf sich warten lassen wird.


Wie schon "Shiver" (2021) präsentiert "Tomb Town" eine Auswahl von Kurzgeschichten, die treffsicher und in verschiedensten Variationen das liefern, was man sich vom Meister erwartet: Bizarren Grusel, der sich meistens aus völlig unverdächtigen Alltagsgeschehnissen entwickelt und immer absurdere Formen annimmt, um die darin verwickelten Figuren nicht selten in den Wahnsinn und/oder Tod zu treiben. Was die Ursachen für das sich entwickelnde Übel betrifft, so bieten mitunter nicht einmal mehr die eigenen vier Wände Sicherheit, wie wir etwa aus "Das Fenster gegenüber" rund um eine zurückgezogene lebende ältere Dame erfahren, die ihren Nachbarn etwas zu aufdringlich kontaktiert.


Unheimliche Orte als klassisches Horrormotiv spielen natürlich auch bei Junji Ito eine Rolle, wobei diese wahlweise ungesunde Neugier ("Haus der Feindschaft") bestrafen oder selbst ihre unglückseligen Opfer anlocken ("Eine Tunnelgeschichte"). Für die Betroffenen besonders unangenehm respektive der Gänsehaut der Leserschaft zuträglich wird es dann, wenn jemand Schuld auf sich geladen und im schlimmsten Fall einen anderen Menschen auf dem Gewissen hat: Im Fall der titelgebenden Geschichte "Tomb Town" resultiert das Ungemach aus einem Unfall mit Fahrerflucht, bei "Bronzestatuen" aus dem Mord am Ehemann.


Und schließlich finden sich unter den insgesamt elf Storys, die knapp über 400 Seiten füllen, auch jene, bei denen es keinen besonderen Grund für diverses Übel gilt: Ito-Connaisseure werden sich bei "Strandgut" womöglich (un)angenehm an "Gyo" erinnert fühlen, bei dem sich der Künstler ebenfalls schon monströsen Bewohnern der See widmete, während "Schneckenmädchen" mit seiner nur allzu bekannten Prämisse einer schrägen Verwandlung gut und gerne auch als eine der Episoden im Opus Magnum "Uzumaki" durchgegangen wäre. So oder so bietet auch dieser Eintrag in die wachsende Reihe schicker Hardcovers perfekt abwechslungsreiche Kost mit unverkennbarem Artwork!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Carlsen Verlag




 


 

Batman Graphic Novel Collection 81

Wer den Mann hinter der Fledermaus liebt, lebt bekanntlich sehr gefährlich – erst recht mit dem Joker auf freiem Fuß.

Batman Graphic Novel Collection 81Mit der vorliegenden Ausgabe geht die Eaglemoss-Sammlung (wenig überraschend) in die zweite Verlängerung. So profan die Beschriftung "Zusatzband 1" auf dem Backcover ausfällt, so fein ist der Inhalt, der sich diesmal zwischen den Buchdeckeln findet: Im Rahmen von "Batman: Dark Detective" kehrte 2005 mit Steve Engleheart und (dem leider zwei Jahre später verstorbenen) Marshall Rogers ein Kreativduo zurück, das Mitte der 1970er mit nur wenigen Ausgaben für frischen Schwung und wieder vermehrt düstere Töne in Gotham City sorgte. Diesbezüglich sei auf Band 34 der "DC Comics Graphic Novel Collection" verwiesen, in dem sich unter anderem die legendäre Story "The Laughing Fish" findet.


Mit der sechsteiligen Miniserie knüpften beide nicht nur an ihre damalige Neuinterpretation des Jokers als mordlustigem Irren an, sondern auch in anderer personeller Hinsicht: Silver St. Cloud, die einst Bruce Waynes Gefühlshaushalt ordentlich durcheinanderbrachte, taucht nun an der Seite von Senator Evan Gregory auf, der sich für den Posten des Gouverneurs bewirbt. Eine unverhoffte Dosis von Scarecrows Furchtgas sorgt dafür, dass sich die ehemaligen Turteltauben näherkommen als vermutet, doch da ausgerechnet der Joker als Gegenkandidat (mit dem Wahlmotto "Wählt mich oder ich töte euch") antritt, könnte der Zeitpunkt für ein Liebes-Comeback nicht gefährlicher sein.


Man muss die klassischen Storys, auf denen "Dark Detective" basiert, nicht unbedingt kennen, fühlt sich dann aber umso schneller in den Spirit jener Tage zurückversetzt, wobei trotz allem nostalgischen Charme (die Idee eines guten und eines schlechten Klons von Harvey "Two-Face" Dent ist wunderbar cheesy und könnte direkt aus dem "Silver Age" stammen) eine spannende Geschichte geboten wird. Im Mittelpunkt stehen zwei Konfrontationen des Dunklen Ritters: Jene mit seinem Erzfeind und die mit dem tragischen Problem, dass Frauen an seiner Seite meistens weder Glück noch ein langes Leben vergönnt ist. Gelungener und überhaupt nicht altbacken wirkender "trip down memory lane"!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Eaglemoss





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.batman-collection.de.


 

Poison Ivy: Metamorphose 1

Die Dame in Grün hat den Entschluss gefasst, die Menschheit auszuradieren. Und irgendwie versteht man die Gute ja auch...

Poison Ivy: Metamorphose 1Pflanzen sind ihre liebste Gesellschaft, von Menschen wurde sie stets nur enttäuscht oder betrogen und selbst ihre große Liebe Harley Quinn hat sie hintergangen. Kein Wunder also, dass sich in der studierten Botanikern Pamela Isley alias Poison Ivy ein gewisser Hang zur Misanthropie entwickelte und sie nun plant, durch die Verbreitung von tödlichen Sporen die Welt vom Übel Mensch zu befreien. Dabei ist sie so auf sich und ihren Zorn fixiert, dass sie die guten Seiten der Menschheit und die löblichen Ausnahmen nur bedingt zu erkennen vermag. Auch die Wahrnehmung ihrer Vorgeschichte ist von Wut und verletztem Stolz getrübt.


Jede Geschichte hat immer zwei Seiten und was der eine als Verrat erachtet, ist für den anderen vielleicht nur der Schutz einer geliebten Person vor dieser selbst. Sei es wie es sei, Poison Ivy ist auf einer mörderischen Reise durch die USA und erlebt dabei das eine oder andere Abenteuer, kämpferischer wie auch amouröser Natur. Ob sich ihr zerstörerischer, wenn auch teilweise verständlicher Feldzug noch aufhalten lässt oder sie der Menschheit tatsächlich den Garaus macht, wird wohl erst der zweite und finale Band zeigen.


Autorin G. Willow Wilson lenkt die Protagonistin gekonnt durch die Höhen und Tiefen eines turbulenten Roadtrips und stellt ihr Können vor allem dadurch unter Beweis, dass sie die Figur sowohl in ihrer Mission unerbittlich als auch teilweise von Zweifel geplagt erscheinen lässt. Infolgedessen wird eine lohnende Facette in die Storyline eingezogen, welche der ohnehin tragischen Vergangenheit Ivys unterstützend zur Seite steht und sie weiter an Tiefe gewinnen lässt. Zeichnerisch von Brian Level und Marcio Takara sowohl stil- und eindrucksvoll als auch nicht allzu klar in Szene gesetzt, verzeiht man dem spannenden Ritt gen Apokalypse auch die ein oder andere plakative Attitüde im Hinblick auf die emotionale Unentschlossenheit einer Protagonistin, welche die Menschheit ausrotten will, aber nicht über ihre große Liebe hinwegkommen zu scheint.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Dorian Hunter – Dämonen-Killer 48.2

Der Konflikt innerhalb der Schwarzen Familie steuert auf seinen Höhepunkt zu.

Dorian Hunter - Dämonen-Killer 48.2Lukretias Mission ist gescheitert, da es der Vampirin nicht gelang, ihre wertvolle Fracht den Händen der Feinde zu entziehen. Auf hoher See setzt der von Olivaro engagierte Abu`l-hawl zum Gegenangriff an. Dorian und Coco werden überwältigt und in ein magisches Koma versetzt. Doch dann geschieht das Unglaubliche, von unbekannter Seite erhält der Dämonen-Killer unerwartete Hilfe, kann sein Bewusstsein in den Körper einem von Lukretias Schergen transferieren und so der Entdeckung entgehen.


Unter widrigsten Bedingungen gelangt er nach Europa, immer auf der Fährte des Ägypters in den Diensten Olivaros, allein angetrieben durch den Hass auf das Oberhaupt der Dämonen und die Sorge um Coco. Bald besteht kein Zweifel mehr: Olivaro will sich Dorian und der Hexe, die ihn so schändlich verraten hat, während einer großangelegten Inszenierung entledigen. Wird es dem Dämonen-Killer gelingen, die Pläne seines Widersachers doch noch zu vereiteln? Noch drängender ist jedoch die Frage, ob seine Verbündeten bereit sind, seine unglaubwürdige Geschichte zu glauben und sein Leben zu schonen.


Es besteht keinerlei Zweifel mehr, die Serie eilt mit großen Schritten dem Zyklusende und einem großen Jubiläum entgegen. Die unglaubliche Zahl 50 wirft ihren Schatten voraus, doch bevor es so weit ist, wird der Hörer mit einer weiteren Ausnahmefolge versorgt. Man muss sich immer wieder erstaunt die Augen reiben, was Dennis Ehrhardt aus den Romanvorlagen erschafft. Zugegebenermaßen dürfte "Dorian Hunter" mit Abstand die innovativste Roman-Horrorserie ihrer Zeit gewesen sein, doch die daraus resultierenden Hörspiele sind noch einmal ein ganz anderes Kaliber.


Schon immer zeichneten sich die Geschichten durch ihre hohe Komplexität aus und es bedarf tatsächlich der Kenntnis sämtlicher Folgen eines Zyklus, um wirklich alle Zusammenhänge und den roten Faden im Hintergrund zu erschließen. Wer jedoch bereit ist sich darauf einzulassen, wird mit vielschichtigen Storys und Charakteren entlohnt.


"Vater des Schreckens – Lebendig begraben" beantwortet nahezu alle offenen Fragen, die sich in den letzten Folgen aufgetan haben. Endlich ergeben einzelne Szenen oder auch gesamte Handlungsstränge einen Sinn, die uns beim erstmaligen Hören mit einem Stirnrunzeln zurückließen. Der Abschluss des vorliegenden Zweiteilers eröffnet auch nach mehrmaligem Hörgenuss immer wieder neue Details, denn nahezu jeder Satz erteilt Auskunft über zurückliegende Ereignisse oder bietet bereits einen Ausblick auf kommende Dinge.


Die gesamte Geschichte zeichnet sich durch eine hohe Intensität aus, diese Folge könnte getrost auch mit den Worten "Alles oder nichts" übertitelt werden. Nur schwer kann man sich der Schilderung entziehen, wie es Dorian gelang Abu`l-hawl nicht aus den Augen zu verlieren und eine Mission zur Rettung Cocos zu planen, die einem Himmelfahrtskommando nahekommt. Trotz all der gewalttätigen Momente dieser Produktion bekommt auch der ganz eigene Humor der Serie seinen Raum und bildet einen willkommenen Farbtupfer im vorherrschenden Schwarz.


Untermalt wird all dies einmal mehr mit einem großartigen wie oft verstörenden Soundtrack, welcher perfekt zu den grotesken und außergewöhnlichen Ereignissen passt, die das Leben des Dämonen-Killers ausmachen. Die Soundeffekte sind gut gewählt und geben den jeweiligen Szenen den endgültigen Schliff, der nahe an der Perfektion liegt.


Angesichts der Liste der agierenden Sprecher kommt man schnell ins Grübeln, wen es hier in den Fokus zu rücken gilt, einfach alle machen einen großartigen Job. Ein Kandidat ist sicherlich erneut Wolfgang Häntsch als Ronald Chasen, dessen Figur eine besondere Rolle zufällt, vielleicht aber auch Karin Rasenack als Bettany Bail, die einmal mehr unter Beweis stellt, dass ihr die Rolle der resoluten Geheimdienstlerin quasi auf den Leib geschrieben wurde. Natürlich dürfte es letztendlich für jeden von uns eine andere Stimme sein, die ihre ganz eigene Magie ausübt. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam, sie machen den Zauber aus, der dem Hörspiel seinen besonderen Charakter verleiht.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Zaubermond




 


 

The Department of Truth 4

Allerspätestens jetzt wird die Sache für Cole Turner persönlich – und noch irrsinniger ohnehin.

The Department of Truth 4"Keiner weiß mehr irgendwas. Ihre Generation ist die dümmste, die mir je untergekommen ist. Alles Wissen ist nur einen Klick entfernt, also hat keiner von Ihnen Ahnung von Geschichte."
Lee Harvey Oswald


Fernab jeglicher Spoilergefahr sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es sich beim vorliegenden vierten Sammelband des konspirativen Katz-und-Maus-Spiels von James Tynion IV und Martin Simmonds nicht um den finalen handelt, aber zumindest den letzten, den wir wohl für eine längere Zeit zu Gesicht bekommen werden. Enthalten sind diesmal die US-Ausgaben 18-22 und somit das aktuellste Material, das bis dato vorliegt. Da sich das kongeniale Kreativduo in den nächsten Monaten im Rahmen der bei Robert Kirkmans Image-Imprint Skybound erscheinenden Miniserie "Universal Monsters: Dracula" einer ganz anderen, nämlich klassischen Spielwiese des Horrors widmet, legt "The Department of Truth" vorläufig eine Pause ein.


Das ist einerseits aufgrund der überragenden Qualität der Handlung besonders bitter und andererseits, weil sie mit einem fiesen Cliffhanger endet. Selbiger wiederum hat damit zu tun, dass sich die Übel, denen sich Cole Turner im Job ausgesetzt sieht, noch mehr in sein Privatleben einschleichen und nun auch der eigene, ausgerechnet bei einer Zeitung arbeitende Ehemann in den Kampf zwischen Black Hat und dem Department of Truth hineingezogen wird. Dem Vermächtnis von dessen sowjetischem Pendant, das Lee Harvey Oswald mit dem Untergang der UdSSR niedergerungen glaubte, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.


Während der Leiter des Departments erkennen muss, dass mit dem vermeintlichen Sieg der Vereinigten Staaten im Kalten Krieg nicht das Ende der Geschichte(n) erfolgte und offenbar der Keim für das mögliche Ende aller Gewissheiten, die die Gesellschaft zusammenhalten, gelegt wurde, stellt sich für Turner die Frage der Loyalität – weniger im Hinblick auf Black Hat, sondern bezüglich seines Partners, der nun selbst in den Verschwörungsmalstrom gerät. Jede Seite ein neuer grafischer (Alb)Traum von Martin Simmonds, jeder Satz von James Tynion IV eine Entscheidung zwischen Lüge und Wahrheit: Eine trefflichere Auseinandersetzung über die realen Konsequenzen, die fiktive und als echt verkaufte Erzählungen nach sich ziehen können, findet sich aktuell in der Neunten Kunst wohl nirgends.

 

# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Blade Runner 2029 3

Ash tanzt auf des Messers Schneide, denn obwohl die Anschläge zum Zwecke einer neuen Gesellschaftsordnung großteils vereitelt wurden, bauen im Untergrund immer noch viele Replikanten auf ihre Hilfe.

Blade Runner 2029 3Yotun mag mit den ambitionierten Plänen einer Neo-Gesellschaft auf Gewaltbasis gescheitert sein, aber dennoch ist er auf der Flucht und stellt ein unberechenbares Risiko dar – schließlich sind auch Bären dann am gefährlichsten, wenn sie verwundet und in die Enge getrieben werden. Ash kommt die jahrelange Erfahrung in der Jagd auf Replikanten zugute, gleichzeitig beginnen jedoch ihre Vorgesetzten bei der Polizei Verdacht zu schöpfen. Kein Wunder, helfen sie und Partnerin Freysa im Untergrund doch immer noch dabei mit, Replikanten aus der Schusslinie zu schaffen. Ein wagemutiger Tanz zwischen Unterstützern von Terrorismus, gescheiterten Attentätern und dem Verlangen danach, das Richtige zu tun, spitzt sich immer weiter zu und bald steht Ash vor unliebsamen Entscheidungen.


Obwohl überraschend, markiert das hier kraftvoll in Szene gesetzte Finale keinen Endpunkt, folgt es doch der "Blade Runner"-Tradition und lässt mehr Fragen offen, als es beantwortet. Nichtsdestotrotz wird so manches Geheimnis offenbart und erwartet tiefgründig mit den Folgen einer gescheiterten Revolution umgegangen. Der Hass der Gesellschaft gegen Replikanten ist präsenter als je zuvor, ihnen zu helfen schwierig und abhängig vom jeweiligen Standpunkt steht die Schuldfrage im Raum. Yotun konnte nur bewirken und Ash einiges verhindern, anderes nicht. Und so wird das Finale von "Blade Runner 2029" wohl schnell Ausgangspunkt für neue dystopische Höhepunkte sein.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 200

Misery loves company!

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 200Die vorliegende Ausgabe markiert einen weiteren Meilenstein für Hachettes erste Marvel-Kollektion: Wohl niemand hätte bei ihrem Start 2013 (im Jahr zuvor gab es übrigens schon regionale Testläufe) gedacht, dass sie einmal auf mittlerweile 200 Bände anwachsen und dabei der deutschsprachigen Leserschaft nicht nur viele lange vergriffene Klassiker als auch zahlreiche Erstveröffentlichungen zugänglich machen würde. Der Zuspruch der Fans, von denen sich etliche vermutlich das ein oder andere zusätzliche Bücherregal angeschafft haben, ist offenbar ungebrochen und ein Beweis für die hervorragende Arbeit, die hier geboten wird – die Qualität der Übersetzungen samt dem so gut wie fehlerfreien Lektorat und der redaktionellen Seiten bleibt auf einem Niveau, an das etwa die DC- und Batman-Pendants von Eaglemoss zu keinem Zeitpunkt heranreichen konnten.


Während die Reihe noch weiterläuft, liefert die Jubiläumsnummer zumindest inhaltlich ein Finale, nämlich das noch fehlende Material von Jason Aarons tollem Run am "Sorcerer Supreme": Nach den Bänden 153, 175 und 181 vervollständigt "Der talentierte Mr. Misery" die Autorenstrecke, die er zusammen mit dem kongenialen Zeichner Chris Bachalo zwischen 2015 und 2017 hinlegte. Bevor bei "Doctor Strange" (Vol. 4) ein neues Kreativteam übernahm, brachte das Duo (mit Unterstützung von Frazer Irving und Kevin Nowlan bei den Artworks) in den Heftnummern 17-20 die Storyline um Misery zum Abschluss, der sich als Rache für die ihm auferlegte Pein des guten Wong bemächtigt hat und nun frühere Patienten von Stephen Strange erneut mit Hirntumoren versieht.


Die Düsternis, die hier mitschwingt, legt das perfekte Gewicht in die Story-Waagschale, um den für Aarons obersten Magier typischen Humor (inklusiver neuer schräger Einfälle wie gefährlichen Kühlschränken oder einem gesunden Frühstück mit reichlich Tentakeln) auszugleichen und zu verhindern, dass das Ganze ins Lächerliche abdriftet. So aber bekommen wir den wohl erfrischendsten Doctor Strange aller Zeiten zu lesen, denn der Charakter präsentierte sich bekanntlich oftmals eher steif und bieder. Ebenfalls enthalten sind ein von anderen Kreativkräften gestaltetes Annual mit einem Besuch von Clea, der einstigen Schülerin und Flamme des Docs, sowie eine etwas deplatziert wirkende, aber der Vollständigkeit halber abgedruckte Story um den blutjungen (!) Uralten sowie interessante Infos über Stephen Stranges kompliziertes Liebeslieben.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Gruselkabinett 148

Ein vor vielen Jahrhunderten ausgestoßener Fluch stürzt ein junges Paar durch eine Unachtsamkeit am Hochzeitstag ins Verderben.

Gruselkabinett 148Ägypten: Ein Land voller Geheimnisse und Mysterien, immer wieder gibt es sensationelle Funde zu bestaunen. Professor Niles ist mit seinem Assistenten Paul Forsythe aufgebrochen, um die Tiefen der Cheops-Pyramide zu erkunden. Während beide immer tiefer in das monumentale Bauwerk vordringen, erleidet Paul einen Schwächeanfall. Der einheimische Führer macht sich auf den Weg, um Hilfe zu holen. Als Müdigkeit den jüngeren Mann übermannt, kann der Professor seinen Wissensdrang nicht länger zügeln und setzt die Erforschung der Pyramide allein fort. Es kommt, wie es kommen muss: Zwar finden sich er und Paul nach einiger Zeit in den Gängen und Tunneln wieder, allerdings haben sie ihre Orientierung verloren und eine Rückkehr zum Ausgang rückt in weite Ferne.


In ihrer Verzweiflung entfachen die Männer aus den Sarkophagen und Mumien ein Feuer, um die Retter auf sich aufmerksam zu machen, dabei stoßen sie auf einige Kostbarkeiten unter den Grabbeigaben. Als man sie endlich findet, entschließen sich die Wissenschaftler, die Entdeckungen an sich zu nehmen, nicht ahnend, dass sie damit den Fluch der Hohepriesterin auf sich geladen haben, der sie bis ins ferne England verfolgt und dort Jahre später seine ganze Grausamkeit entfaltet.


Das Land der Pharaonen übte insbesondere auf die Autoren der klassischen Schauergeschichte eine große Faszination aus. So verwundert es auch kaum, dass sich bereits mehrere "Gruselkabinett"-Folgen mit der dunklen Seite der Hochkultur am Nil befassten – und dies alles auf einem gleichbleibend hohen Niveau. "Im Labyrinth der großen Pyramide" bildet dabei keine Ausnahme, schließlich ist auch diese Erzählung der amerikanischen Schriftstellerin Louisa May Alcott eine Variation des Themas, was geschehen kann, wenn man die Totenruhe der alten Ägypter zu stören wagt. Die Bestrafung eines solchen Frevels durch die unterschiedlichsten Flüche ist aus dem klassischen Fundus der Gruselliteratur nicht mehr wegzudenken.


Tatsächlich gelingt es der vorliegenden Story, diesem Themenkreis durchaus eigene Impulse zu verleihen und nicht in die bewährten, aber hinlänglich bekannten Muster zu verfallen. Hier erhebt sich keine Mumie aus ihrem Grab, der Fluch ist von viel subtilerer und diabolischer Natur und zeigt, dass ein langer Zeitraum vergehen kann, bis ein Verbrechen gesühnt wird. Bei genauer Betrachtung bekommt es der Hörer gleich mit zwei Geschichten zu tun, die auf ganz unterschiedliche Art ihren Horror entfalten. Grob genommen gibt es den ersten Teil der Erzählung, der verrät, was den Fluch auslöst und den zweiten, der dessen Konsequenzen schildert.


Die Ereignisse im Grabmal der Pharaonen sind geprägt von Enge und Hitze und der Angst, unter der Erde gefangen zu sein und im Dunkel des Labyrinths sterben zu müssen. Eine dichte Atmosphäre zeichnet die geschilderten Ereignisse aus und versetzt den Hörer binnen weniger Augenblicke in die stickigen Tunnel. Sehr gelungen! Die zweite Hälfte führt uns vor Augen, wie ein lange vergessenes Geschehnis das Leben eines Menschen Jahre danach auf spektakuläre Art vernichten kann. Ebenfalls formidabel in Szene gesetzt.


Die musikalische Gestaltung fängt das Geschehen eindrucksvoll ein und weiß gerade die Momente im Inneren der Pyramide nochmals emotional zu verstärken. Die Soundeffekte tun ein Übriges und fügen sich auf unaufgeregte, aber immer passende Art in den Gesamtkontext ein. Die Story wird fast ausschließlich von drei Stimmen getragen, was aber vollkommen genügt, um den ihr innewohnenden Schauer einzufangen. Pascal Breuer agiert ebenso geschickt als Erzähler wie in den Rollen als sorgenvoller Bräutigam und pflichtergebener Assistent.


Fabienne Hesses Stimme passt ausgezeichnet zur jungen und wissbegierigen Frau, die ihrem zukünftigen Ehemann einige Geheimnisse zu entlocken weiß. Horst Naumann brilliert als raubeiniger Professor, dem seine Arbeit als Forscher über alles geht. In weiteren Rollen sind zudem Dirk Petrick, Valentin Stroh, Stephanie Kellner und Benedikt Weber zu hören, die keine Wünsche offenlassen. "Im Labyrinth der großen Pyramide" ist eine variantenreiche Gruselgeschichte und liefert beste Schauerunterhaltung!


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Black Hammer 6

Im Wahnsinn der Para-Zone ist es noch das geringste Problem, ob du dich heute rasieren wirst oder nicht...

Black Hammer 6Seit dem Beginn von "Black Hammer" sehen wir Colonel Weird als einen der besonders tragischen Helden des "Hammerverse" munter in der Zeit vor und zurück reisen – und manchmal würde man sich wünschen, dank eines Blicks in die Zukunft den Inhalt des nächsten Bandes auch schon zu kennen, um nicht der Qual monatelangen Wartens ausgesetzt zu werden. Ein gutes Dreivierteljahr Sitzfleisch war nämlich nötig für das zweite Drittel von "Black Hammer: Reborn", das die Hauptstory um Lucy Weber festsetzt und verrät, wie es mit der Tochter des ursprünglichen Hammerschwingers weitergeht, deren Familie sich soeben vor ihren Augen in Luft aufgelöst hat.


Während der dafür verantwortliche Colonel Weird in der Para-Zone ein Déjá-vu nach dem anderen erlebt und das metaphysische Murmeltier nicht mehr bloß täglich, sondern quasi alle paar Seiten grüßen sieht, muss sich Lucy ausgerechnet mit Skulldigger zusammentun. Gemeinsam stellen sie sich den Abgeordneten des anderen Spiral City, das sich der eigenen Stadt auf ungesunde Weise nähert. Jeder, der in den vergangenen vier Dekaden auch nur in die Nähe vor allem eines DC-Hefts kam, das eine multiversale Krise zum Thema hatte, kann sich natürlich denken, dass Jeff Lemire diesem unsterblichen Superhelden-Topos seinen ganz eigenen Spin verpasst hat.


Umgesetzt wird das zeichnerisch diesmal von Malachi Ward und Matthew Sheean, bevor zum anstehenden Showdown mit den letzten vier US-Ausgaben des "Reborn"-Zyklus Caitlin Yarsky zurückkehren wird – das Duo macht jedenfalls einen nicht minder tollen Job und sorgt im großen Rahmen des epischen und diverse bisherige Handlungsfäden (auch aus den Spin-offs) aufgreifenden Dramas ebenso für Freude wie es im Kleinen die Backup-Story um Inspector Insector tut. Der Käferdetektiv, einer der charmantesten Charaktere des "Hammerverse" überhaupt, darf sich nämlich mit dem in Limbo gelandeten Sohn von Lucy Weber herumschlagen, der ihm unter der Nase (beziehungsweise den Mandibeln) wegentführt wird. Erstklassiges Entertainment mit jeder Menge Herz!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 85

"Ich darf heute nicht sterben. Ich bin im Urlaub, verdammt."

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 85Im Laufe der Jahre haben wenige Marvel-Charaktere einen derartigen Wandel durchgemacht wie Scott Summers alias Cyclops, dessen turbulente Biografie auf den wie immer formidablen redaktionellen Seiten der ihm gewidmeten Ausgabe in der zweiten Sammelreihe von Hachette rund um das "House of Ideas" beleuchtet wird. Einen Tiefpunkt, was seine Sympathiewerte bei den Fans betrifft, erreichte er wohl nach den dramatischen Geschehnissen von "Avengers vs. X-Men", in deren Verlauf er von der Phoenix-Kraft besessen sogar Charles Xavier tötete (siehe Band 111 der "schwarzen" Kollektion) und anschließend nach seiner Verhaftung samt Flucht ein neues Team abtrünniger X-Rebellen anführte.


In jüngerer Vergangenheit konnten wir im Zuge von Jonathan Hickmans Etablierung von Krakoa als Heimat einer Nation der Mutanten wieder einen verträglicheren Cyclops erleben, der sich mit seinem längst weniger pazifistischen Ansatz bezüglich des Zusammenlebens zwischen Homo superior und Homo sapiens nunmehr aber in weitaus besserer Gesellschaft befindet (inklusive der des eigenen Mentors) – die Zeiten ändern sich nun mal auch im Marvel-Universum. Ausgabe 85 präsentiert uns Material aus jenen Tagen, in denen Mr. Summers noch ein gutes Stück von der Rolle als später Geächteter unter den Mutanten entfernt war.


In der Miniserie "Marvel Icons: Cyclops", erschienen Ende 2001, wird Scott von Professor Xavier zu ein paar Tagen Urlaub verdonnert, die ihn über Alaska – wo ihn Juggernaut und Black Tom Cassidy im Auftrag eines gewissen Ulysses töten sollen – weiter ins Wilde Land und nach Paraguay führt. Obwohl Autor Brian K. Vaughan ("Saga") zur selben Zeit exquisites Material für den Verlag lieferte (siehe Band 65), bietet der Vierteiler lediglich unauffällige Kost und eine Mischung aus erzählerischen Versatzstücken, die man so schon woanders (Achtung, schlechter Wortwitz!) x-mal gesehen zu haben glaubt. Mark Texeiras Artwork geht in Ordnung, reißt hier aber auch keine Bäume aus.


Zum Abschluss folgt "X-Men Origins: Cyclops" von 2010, einer von mehreren Oneshots, die sich jeweils verschiedenen Mutanten widmeten. Wie der Name schon nahelegt, gibt es hier einen Rückblick auf die prägenden, frühen Tage von Scott Summers samt der schicksalsträchtigen Begegnungen mit Professor X und Magneto, den einstigen Gegenpolen der Mutanten-Community. Auch Stuart Moores Story und Jesse Delperdangs Zeichnungen sind unterhaltsam, aber dürften darüber hinaus nicht besonders im Gedächtnis bleiben. Dieser Eintrag der "roten" Marvel-Sammlung fällt daher in die Kategorie "solider Durchschnitt".


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

Fables: Im tiefen, dunklen Wald 1

Nachdem Geppetto bewies, dass das Alter absolut kein Hindernis für Bösewichter sein muss, wurden die versteckt in der Menschenwelt lebenden Märchengestalten enttarnt.

Fables: Im tiefen, dunklen Wald 1Die Annehmlichkeiten der modernen Welt gewöhnt, ist der Umzug in den spartanischen Wald vor allem für die teils pubertierenden und von ihren elektronischen Geräten abhängigen Kinder von Bigby und Snow White eine harte Zäsur. Doch die Familie hält zusammen und baut sich ein neues Zuhause inmitten eines Dickichts voller ungeahnter Gefahren auf. Schnell entwickelt sich für jeden Sprössling ein persönliches Abenteuer, das mal besser, mal schlechter gemeistert wird.


Doch ganz abgesehen von den Prüfungen der Adoleszenz war der Wald vor der Ankunft des Rudels nicht verwaist und die frischgebackenen Bewohner scheinen der Unterjochung durch den großen, nicht ganz so bösen Wolf nicht allzu viel abgewinnen zu können. Darüber hinaus lauern noch etliche unbekannte Bedrohungen unter dem Blätterdach der anfänglichen Idylle und machen den Neustart für Bigby, Snow White und ihre Kinder alles andere als einfach.


Gekonnt wird der sympathische Vibe der Fables aufgegriffen und in eine ungewohnte Umgebung versetzt. Die Vielfalt der Figuren aus der Menschenwelt fehlt zwar ein wenig, dafür erhalten die vorhandenen Charaktere mehr Aufmerksamkeit. Auch wenn die Stimmung und Wirkung nicht ganz an die Fable-Welt in New York und der ruralen Farm heranreicht, kommt so etwas wie nostalgische Wohligkeit beim Leser auf und trotz kleinerer Abstriche fühlt man sich im aktuellsten Kapitel der Fables schnell heimisch.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Paul Temple und der Fall Westfield

Eine zufällige Begegnung auf dem Golfplatz weckt die Erinnerung an einen spektakulären Raub.

Paul Temple und der Fall WestfieldÜber fünf Jahre sind bereits ins Land gezogen, doch noch immer spricht man im gesamten Königreich über den legendären Juwelenraub im Haushalt des Barons von Westfield. Auch Paul Temple fasziniert der Fall, so verwundert es kaum, dass der bekannte Schriftsteller augenblicklich Feuer und Flamme ist, in der Angelegenheit tätig zu werden, als neue Erkenntnisse zur Wiederaufnahme der Ermittlungen führen. Ein international agierender Hehler verstirbt unerwartet während eines illegalen Aufenthalts in England. In seinem Besitz finden sich Hinweise auf eine bereits totgeglaubte Spur im Fall Westfield.


Die Indizien führen Paul Temple und seine Gattin Steve nach Cornwall. Als das Ehepaar unliebsame Fragen zu stellen beginnt, müssen die beiden um ihr Leben fürchten, denn einige Personen haben ein großes Interesse daran, dass die Umstände des Verbrechens im Dunklen bleiben. Damit die Täter auch weiterhin im Verborgenen agieren können, ist ihnen jedes Mittel recht, selbst vor Mord schrecken die skrupellosen Gangster nicht zurück. Nun macht liegt es an Paul Temple, den Verbrechern das Handwerk zu legen.


Bereits im vergangenen Jahr hat sich Pidax um einen der ältesten und bekanntesten Hörspielhelden verdient gemacht und Paul Temple aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Erstmalig erschienen nach den legendären Radioabenteuern aus den 1950ern und 1960ern neue Episoden rund um den charmanten Privatdetektiv und seine bezaubernde Gattin Steve. Ausgehungerte Fans der Reihe bekommen mit "…und der Fall Westfield" einen echten Leckerbissen präsentiert, denn die hier komplett neu vertonte Story zählte zu den als verschollen geltenden Radioproduktionen der BBC. So verwundert es kaum, dass die Erwartungen nicht gerade gering ausfielen, jedoch in allen Belangen komplett erfüllt wurden.


"…und der Fall Westfield" ist ein ausgeklügelter Krimi mit vielen unerwarteten Wendungen und falschen Fährten. In dem gekonnten Mix aus spannenden Ermittlungen und von Action geprägten Momenten (inklusive der beliebten Verfolgungsjagden) behält der gewitzte Detektiv stets den Durchblick, ohne seinem Publikum zu viel zu verraten, und so bleibt die Spannung bis zum großen Finale aufrecht. Natürlich kommen auch die humorvollen Momente, die diese Reihe stets auszeichneten, nicht zu kurz und blitzen immer wieder zwischen den verschiedenen Szenen auf, um kleine Inseln der Ruhe innerhalb eines nervenaufreibenden Plots zu bilden.


Die Dialoge sind ein absolutes Prunkstück dieses Hörspiels, denn hier gelingt es tatsächlich Wortwitz, Authentizität und Glaubwürdigkeit auf einem enorm hohen Level zu kombinieren und zu einem überzeugenden Ganzen zu schmieden. Die Soundeffekte sorgen von der ersten Minute an für ein wohliges Schwarzweiß-Gefühl im Kopf und binnen weniger Minuten taucht man ins Nachkriegs-London der 1950er Jahre ab. Die verwendeten Geräusche klingen absolut glaubwürdig und scheinen direkt aus der Zeit zu stammen, in der sich die Handlung zuträgt.


In der großen Zeit des Radiohörspiels zeichneten sich viele Produktionen durch eine opulente musikalische Gestaltung aus, im Fall von Paul Temple war es sogar gleich mehrfach das Rundfunk-Orchester des WDR. Eine nicht eben geringere Herausforderung für ein Label in der heutigen Zeit, doch auch hier hat man es geschafft mit viel Liebe für die Klassiker einen Soundtrack zu generieren, der ohne Probleme mit den Vorgängern mithalten kann. Matthias Kiel ist erneut als Paul Temple zu hören und präsentiert dem Publikum eine junge, dynamische Version des Protagonisten. Eine Anlage seiner Rolle, die im vollen Umfang zündet. Gerne mehr davon. Gleiches gibt es von Katja Keßler zu berichten, die dessen Frau Steve verkörpert und gerade im vorliegenden Fall zeigt, wie viel in dieser Figur steckt. Dazu gesellen sich viele weitere tolle Stimmen, die allesamt dafür sorgen, dass Paul Temple auch im 21. Jahrhundert nicht in Vergessenheit gerät.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Pidax




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 199

Der Ruf im Eimer, die Ehe zerrüttet, die erste Klientin nach dem Knastaufenthalt ermordet… Jessica Jones ist wahrlich nicht zu beneiden.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 199Bevor sich Brian Michael Bendis, der das Marvel-Universum in den 2000ern und 2010ern prägte wie kein anderer Autor, per Exklusivvertrag in Richtung DC verabschiedete, ließ er mit "Civil War II" noch einmal ordentlich die Event-Puppen tanzen. Hachette hat den Nachfolger des wichtigsten Crossovers im "House of Ideas" in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends in den Bänden 187 und 191 seiner Sammelreihe vorgelegt. In Form der vorliegenden Ausgabe gibt es in gewisser Weise nochmal ein Nachspiel, nämlich einen kleineren Storyfaden, den er in der Haupthandlung ausgelegt hat, um ihn in der 2016 (im Vorfeld der Netflix-Adaption) gestarteten zweiten monatlichen Serie von Jessica Jones aufzunehmen.


In "Civil War II" ließ Captain Marvel, die die Fähigkeiten eines Inhuman zur Voraussage zukünftiger Ereignisse etwas zu gewagt einsetzte (und darüber mit Tony Stark in Streit geriet), eine Frau namens Alison Greene verhaften, der sie die Tätigkeit für die Terrororganisation Hydra anlasten wollte. Wie sich damals herausstellte, war besagte Dame unschuldig, taucht jetzt aber bei Jessica Jones auf und will ihr finanziell auf die Beine helfen, wenn sie ihr Insiderinfos zusteckt, um Carol Danvers & Co. um die Ecke zu bringen. Die Privatdetektivin könnte die Scheine gut brauchen, schließlich wurde sie soeben aus dem Knast entlassen und zankt sich mit Ehemann Luke Cage um die gemeinsame Tochter. Als wäre das nicht schon schlimm genug, wird auch noch die erste Klientin, die sich nach ihrer Rückkehr aus der Haft bei ihr gemeldet hat, umgebracht.


Und das wiederum hat mit der vorgeblich unbedeutenden Rolle von normalen Menschen im Kontext der großen, multidimensionalen Veränderungen im Marvel-Universum zu tun, die wir gefühlt alle paar Jahre zu lesen bekommen – während Jessica irgendwie zwischen diesen beiden Welten steht und damit klarkommen muss. Die ersten sechs von 18 "Jessica Jones"-Heften, die dieser Band präsentiert, zeigen das einstige "Alias"-Kreativteam in Hochform: Es braucht keine großartige Action, die liegt ohnehin in den Dialogen von "BMB". Dem Mann reicht es quasi, wenn zwei Leute in einem Raum stehen und reden. Michael Gaydos wiederum liefert zusammen mit Farbenmeister Matt Hollingsworth die perfekte Kulisse für die gedämpfte, von Zynismus durchzogene, Grundstimmung und die Perspektive von unten, die den Charakter ausmacht.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Black Panther 2

Nachdem T`Challa das Vertrauen seines Volkes verspielte, muss er sich als gestürzter König durch den Untergrund seines Landes kämpfen.

Black Panther (2022) 2Seine königliche Überheblichkeit und durch weltweit platzierte Geheimagenten ausgelebte Paranoia kommt dem ehemaligen Herrscher teuer zu stehen. Das eigene Volk hat ihn zurecht verstoßen und auch den Titel des Black Panther musste er schweren Herzens abtreten. Nun macht sich der gefallene Monarch daran, das Vertrauen der Untertanen wiederzugewinnen, was schwer werden könnte, aber immerhin gibt es noch ein paar gewichtige Unterstützerinnen, die ihm den Rücken stärken. Doch die Dinge verkomplizieren sich, als plötzlich eine ominöse Entourage rund um den Colonialist beginnt, die Welt zu erobern und sich der ohnehin angeschlagene Black Panther auch noch als Oberhaupt der Avengers beweisen muss.


Wirkt der erste Teil des zweiten Bandes der neuen Storyline von John Ridley noch ambitioniert im Hinblick auf die Rettung Wakandas und die vielen Fragezeichen zum Demokratieverständnis des ehemaligen und nun reumütigen Königs, so kommt der Plot rund um den Colonialist ein bisschen aufgesetzt daher. Fast schon hat man den Eindruck, dass den Lesern eine Ausgabe mit politisch motiviertem Handlungsstrang nicht zugetraut wurde und deshalb aus Gründen des Spektakels diese bunte, vor Action strotzende Geschichte eingezogen wurde. Man hat schon Schlechteres gelesen, aber abgesehen von der zwar etwas selbstmitleidigen, aber trotzdem glaubhaften Wandlung TʼChallas hält "Auf der Flucht" nur wenig Konsistentes bereit, was den wohlwollenden Tenor im Hinblick auf den ersten Teil dieses Bandes nicht schmälern soll.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Punisher 1

"Alles auf Anfang" heißt es für Frank Castle unter den Fittichen von Autor Jason Aaron, doch auch wenn die Geschichte von Grund auf mit vielen Überraschungen umgekrempelt wird, bleiben die kompromisslose Härte und Gnadenlosigkeit der Figur erhalten.

Punisher (2022) 1Im Punisher-Universum ist Jason Aaron kein Unbekannter, durfte er doch bereits bei "Punisher MAX" das Zepter schwingen und den Antihelden im Blut baden lassen. Der neue Ansatz eröffnet ungeahnte Möglichkeiten und diese werden voll ausgeschöpft, wird Frank Castle doch zum Oberhaupt der kriminellen Mörderbande "Die Hand" ernannt. Als fast mystisch konnotierter Auserwählter steht er nun einer Organisation vor, die er eigentlich bekämpfen sollte, aber der Zweck heiligt die Mittel und dass er mit der Hand nicht immer übereinstimmt, könnte offensichtlicher nicht sein.


Letztlich sind die Ninja-Schergen aber hilfreich und servieren ihm täglich Drogendealer, Mörder und sonstige Ganoven frisch gefesselt und zur Exekution bereit, was zwar uncharmant, aber effektiv ist. Darüber hinaus braucht Frank jede Hilfe, die er kriegen kann, will ihm doch Kriegsgott Ares höchstpersönlich ans Leder.


Man kann den Neustart durchaus als gelungen bezeichnen, hat er doch nichts von seiner ursprünglichen Härte verloren, dafür fehlt es dem Protagonisten etwas von der in seiner Geschichte doch ab und an durchscheinenden Vielschichtigkeit und vom nach Gerechtigkeit schreienden Rächer bleibt nicht viel mehr als ein ehrloser Massenmörder, der Verbrecher zuhauf und der Reihe nach hinrichtet. Andererseits wollte die Figur des Punisher selten ein Sympathieträger sein und als Ersatz für die abhanden gekommenen Aspekte seiner Persönlichkeit widmet sich Aaron Kindheit und Entwicklung von Frank Castle. Das sorgt ebenso für Abwechslung im nicht chronologischen Handlungsablauf wie die stilistische Vielfalt in puncto Artwork.


Alles in allem wird hier ein interessanter und innovativer Neuansatz präsentiert, an dessen Protagonisten man sich aber erst gewöhnen muss – ebenso wie an das neue Punisher-Logo, aber dabei blieb Marvel nicht viel Wahl, wurde das Originallogo doch vor allem in den USA zunehmend von rechten Extremisten genutzt, da kann man Frank Castle einfach nicht länger damit morden lassen…


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 84

Nach einem Eintrag in der ersten Marvel-Reihe von Hachette gibt es in dieser Ausgabe weitere, nicht minder liebenswerte Abenteuer von Doreen Green zu lesen.

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 84In den vergangenen zwei Dekaden ist es bei Marvel fast schon zu einer Obsession geworden, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um einen monatlichen Titel neu zu starten – eine Erstausgabe verkauft sich eben immer besser als ein Heft mit höherer Nummerierung, so offenbar das Kalkül des "House of Ideas". Die Sinnhaftigkeit solcher Marketing-Maßnahmen zu beurteilen sei jedem Fan selbst überlassen, umgekehrt stellt es dann schon eine Besonderheit dar, wenn eine Serie die Marke von 50 Ausgaben erreicht. Genau das passierte Ende 2019 bei "The Unbeatable Squirrel Girl", deren erste sechs US-Hefte sich in Band 157 von Hachettes "schwarzer" Marvel-Sammlung finden.


Dabei handelt es sich übrigens um das zweite Volume, denn schon 2015 waren unter diesem Titel acht Ausgaben erschienen und vom selben Kreativteam gestalten wurden. Im Doreen Green gewidmeten Eintrag der "roten" Marvel-Kollektion bekommen wir die turbulenten Anfänge ihrer studentischen Karriere an der ESU zu lesen, welche sie an Schwergewichte wie Kraven den Jäger, Whiplash und selbst Galactus geraten lassen. Diese geradezu unglaublichen Konfrontationen machen großen Spaß und ringen selbst solch ansonsten bierernsten Charakteren amüsante Seiten ab. Erica Hendersons Stil mit Cartooncharme passt wirklich perfekt zur Story von Ryan North, der verlässlich am Ende jeder Seite die "vierte Wand" durchbricht (und Squirrel Girl wohl nicht zufällig Deadpools Trading Cards über Schurken als Informationsquelle benutzen lässt).


Als kleiner Wermutstropfen bleibt, dass die folgenden drei Ausgaben, die den Abdruck des ersten Volumes von "The Unbeatable Squirrel Girl" vervollständigen würden, nicht enthalten sind, was aber den verfügbaren Rahmen gesprengt hätte. So kommen wir aber gleich zu Beginn in den Genuss des Debüts von Doreen Green aus "Marvel Super-Heroes" 8 vom Winter 1991/92, das noch dazu unter Mitwirkung des legendären Steve Ditko entstand! Die witzige Episode, in der Squirrel Girl versucht zur Partnerin von Iron Man zu werden und dabei sogar Doctor Doom in die Schranken weist, stünde heute lediglich als skurrile Fußnote in der Marvel-Historie, wenn da nicht Dan Slott mit seinen ebenso witzigen "Great Lakes Avengers" (siehe Band 69) gewesen wäre.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

Crossover 2

Noch mehr "meta" geht nicht mehr.

Crossover 2Es ist eigentlich nur logisch, dass "Crossover" bei Image Comics erscheint, dessen Name seit jeher für die Rechte von Künstlerinnen und Künstlern an ihren Kreationen steht, somit stellt diese in jeder Hinsicht außergewöhnliche Serie von Conny Cates und Geoff Shaw auf gewisse Weise eine komprimierte Weise des Prinzips des 1992 gegründeten Verlags selbst dar. Angesichts der Vielzahl an Charakteren, die sich das Duo von der Kollegenschaft ausgeliehen hat, ist andererseits aber auch klar, dass so etwas mit Marvel und DC unmöglich zu realisieren wäre – zu eifersüchtig wachen die "Big Two" schließlich über die Rechte an ihrem Portfolio, an dem kreative Geister ein Wörtchen schreiben und zeichnen, aber eben nicht mitreden dürfen.


Batman, Superman oder Wolverine bekommen wir in "Crossover" somit logischerweise nicht zu sehen, aber irgendwie doch. Wachsame Geister können sie nämlich in geringfügig veränderter Form als eine von zahlreichen, etwas weniger prominent platzierten Referenzen entdecken. Wer sich ansatzweise mit der amerikanischen Comic-Szene und einigen ihrer bekannteren Protagonisten auskennt, dürfte hier und auch in Form diverser textlicher Anspielungen sicherlich des Öfteren schmunzeln. Da einige ausgewählte Figuren nicht bloß eingebaut werden, weil Mr. Cates das dank seiner Connections kann, sondern direkten Einfluss auf die Handlung nehmen, ist es an dieser Stelle sehr schwierig, ohne Spoiler auszukommen.


Daher vielleicht nur so viel: "Die Groschenheft-Plage" lenkt den Fokus etwas weg von den Geschehnissen rund um Ellie und Ryan hin zu einem Aspekt, der bisher eher eine Nebenrolle spielte: Als wären die Probleme mit den "Capes" nicht schon schlimm genug für die Behörden, bringt auch noch jemand Comic-Autoren um. Und "Crossover" wäre wohl nicht "Crossover", wenn das metaphysische Spiel nicht weiter auf die Spitze getrieben und die Verschränkung der fiktiven Welt mit der realen sich bloß auf das Schicksal von Charakteren beschränken würde. Sprich: Noch abgefahrenere Gastauftritte, auch was textlichen und grafischen Input betrifft, dazu beißende Selbstironie und explizite Gewalt.


Wer diesen Band verschlungen hat, wird sich wohl fragen, wie Donny Cates und Geoff Shaw den ganzen Irrsinn, der sich scheinbar über alles hinwegsetzt, was ein Comic mit den Erwartungen seiner Leserschaft machen darf, noch toppen wollen. "Crossover" funktioniert sowohl als cleveres Hinterfragen des seit langem zur Industrie verkommenen Geschichtenerzählens im standardisierten 20-Seiten-Format als auch Liebeserklärung daran. Das Ende schreit nach einer Fortsetzung, bisher sind jedoch keine weiteren Hefte mehr erschienen, was offensichtlich an dem Verkehrsunfall liegt, den der Autor vor einiger Zeit erlitten hat. Gute Besserung, Mr. Cates!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Gruselkabinett 147

In Mythen und Legenden ist oft ein Körnchen Wahrheit verborgen. Eine bittere Erfahrung, die auch die Familie Hargreave macht, als sie inmitten eines Schneesturms auf den zwielichtigen Schörgen-Toni trifft.

Gruselkabinett 147Ein Kongress von Experten für das Übersinnliche führt die Hargreaves 1934 auf den europäischen Kontinent. Anders als zunächst geplant nutzt man nicht den Zug für die Anreise nach Venedig, sondern ein Automobil. Tatsächlich legt die Familie einen beachtlichen Teil der Strecke in kürzester Zeit zurück, doch kurz nachdem sie München hinter sich gelassen hat, schlägt das Wetter um. Im Salzburger Lungau türmt sich der Schnee meterhoch und die Straßen sind unpassierbar. Die Gefahr, im Auto festzusitzen und womöglich zu erfrieren, wächst mit jeder Sekunde, da taucht wie aus dem Nichts ein Pferdeschlitten auf.


Zwar macht der Kutscher, der sich als Schörgen-Toni vorstellt, keinen vertrauenserweckenden Eindruck, aber die Aussicht, die Nacht im Warmen auf dem nahe gelegenen Schloss Moosham verbringen zu können, lässt jeden Zweifel schnell vergessen. Der versprochene Zufluchtsort erweist sich jedoch nicht als das, was man sich erhofft hat. Plötzlich verschwindet Tochter Pamela und die übrigen Familienmitglieder werden von geisterhaften Erscheinungen, die ihnen nach dem Leben trachten, heimgesucht. Zu alledem ist ihr undurchsichtiger Gastgeber wie vom Erdboden verschluckt. Welchen heimtückischen Plan verfolgt er und gibt es noch ein Entrinnen aus dem unheimlichen Gemäuer?


Mittlerweile sind die eigens für das "Gruselkabinett" erdachten Geschichten über das Ehepaar Hargreave und seine übersinnlichen Ermittlungen ein fester Bestandteil der Reihe. Der aktuell vierte Fall stellt allerdings ein absolutes Novum dar, denn man weicht nicht nur davon ab, literarische Vorlagen zu vertonen, sondern kreiert gleichzeitig eine Hommage an eine der absoluten Kulttitel der Hörspiellandschaft: Die Rede ist von der legendären "Gruselserie" aus dem Haus Europa und ganz konkret "Der Pakt mit dem Teufel".


Was im Original an vielen Stellen aufgrund der kurzen Laufzeit skizzenhaft bleiben muss, erfährt hier eine genauere Betrachtung. Viele kleine Episoden fügen sich gekonnt zu einem großen Ganzen zusammen, eingebettet in den Erzählkosmos der Hargreave-Fälle. Nach einem gewohnt eher ruhigen Auftakt nehmen die Ereignisse ihren Lauf und bieten dann auch genau das, was man von solch einer Story erwartet: Knisternde Spannung und eine zentimeterdicke Gänsehaut. Letztere stellt sich allerspätestens dann ein, wenn die kleine Gruppe Gestrandeter Schloss Moosham erreicht und sich den unheimlichen Erscheinungen in den Mauern stellen muss.


Bei der Folge handelt es sich um eine tiefe Verbeugung vor dem Original und stimmige Fortführung von dessen Plot. Wichtig ist in einem solchen Zusammenhang auch, ob es den Machern gelingt, alle Fäden zusammenzuführen und ein Ende zu präsentieren, das glaubwürdig erscheint – Aufgaben, die an dieser Stelle mit Bravour gelöst wurden. Die musikalische Bearbeitung präsentiert sich wieder einmal über jeden Zweifel erhaben und schafft es mühelos, das nötige Gruselfeeling hervorzuarbeiten und die Atmosphäre des eingeschneiten Spukschlosses zu betonen. Die Soundeffekte sind von eher zurückhaltender Natur, aber wie immer exzellent platziert und es bleiben hier keine Wünsche beim Hörer offen.


Stephanie Kellner und Benedikt Weber sind erneut als Ehepaar zu hören, auch Ursula Sieg als streitbare Tante Marilyn ist wieder mit von der Partie und sorgt für die humorvollen Momente dieser Produktion. Dazu gesellen sich einige Sprecher, die zum festen Inventar der Reihe gehören, wie Jacques Breuer, Jean Paul Baeck und Michael-Che Koch, welche ein hohes Maß an Professionalität und Können an den Tag legen. Und dann gilt es natürlich noch das kleine Grüppchen der Altmeister mit klangvollen Namen wie Dagmar von Kurmin, Horst Naumann und Bodo Primus zu erwähnen, die gefühlt in jeder Folge auftreten und hier ebenfalls das gewisse Etwas ausmachen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Batman Graphic Novel Collection 80

An diesem kontroversiellen Klassiker führt für Fledermaus-Fans absolut kein Weg vorbei.

Batman Graphic Novel Collection 80Inmitten des Reigens an animierten "Direct-to-video"-Produktionen, mit denen Warner Bros. in schöner Regelmäßigkeit klassische Stoffe aus dem weitläufigen Batman-Kanon aufgreift, findet sich seit 2020 auch "Batman: Death in the Family". Dabei handelt es sich um einen interaktiven Film, in dem die Zuseher zwischen mehreren alternativen Abläufen jener Geschichte auswählen können, die als Vorlage diente und einst das amerikanische Comic-Fandom in Aufruhr versetzte. Nicht nur das beweist den langen Schatten, den der 1988 erschienene Vierteiler "A Death in the Family" immer noch wirft, völlig losgelöst von der Tatsache, dass die Zeitspanne, seit der Jason Todd als Red Hood wieder unter den Lebenden weilt, bald schon längst ist als die seiner Grabruhe.


Eine Spoilerwarnung können wir uns an dieser Stelle sparen, schließlich sollte der dramatische Höhepunkt von Jim Starlins Story allen bekannt sein, die auch nur ansatzweise mit dem Thema Superhelden im Allgemeinen und dem Dunklen Ritter im Besonderen in Berührung kommen. Ebenso wie bei Gwen Stacy und Jean Grey ist auch der ausgerechnet durch die DC-Leserschaft per Telefonabstimmung herbeigeführte Tod des damals unbeliebten Nachfolgers von Dick Grayson im Kostüm von Robin ein Must-read. Natürlich gibt es viele qualitativ gehaltvollere Bat-Storys, aber nicht zuletzt als Kind seiner Zeit gibt "A Death in the Family" für sich immer noch eine interessante Lektüre ab.


Hinter den vier vom späteren "Hellboy"-Schöpfer Mike Mignola beigesteuerten und nicht minder ikonisch gewordenen Covers von "Batman" 426-429 verbirgt sich eine Verquickung eines seit längerem brodelnden Konflikts zwischen Batman und seinem rebellischen Protegé, einem gewohnt irrsinnigen Plan des Jokers und etwas cheesy angegangener Weltpolitik in Form des Iran, der dem Bat-Erzgegner im Rahmen der Tätigkeit bei den Vereinten Nationen diplomatische Immunität gewährt. Es steht außer Zweifel, dass die Storyline in die Fledermaus-Sammelreihe von Eaglemoss gehört, wenngleich schade ist, dass man hier im Gegensatz zum bereits in der "DC Comics Graphic Novel Collection" erschienenen Pendant das Debüt von Jason Todd unter den Tisch fallen lässt und der Band mit mehreren schwarzen Seiten abschließt, die sich problemlos für den Abdruck des von DC vorbereiteten alternativen Endes im Fall von Robins Überleben geeignet hätten.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Eaglemoss





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.batman-collection.de.


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 198

Im Angesicht von Onslaughts drohendem Sieg wird so manches Kriegsbeil zwischen Helden und Schurken begraben.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 198Mit der vorliegenden Ausgabe geht der Reprint von Marvels Mega-Crossover des Jahres 1996 ins große Finale. Die Tatsache, dass Hachette dem Spektakel insgesamt vier Bände seiner Sammlung einräumt (und damit einen Umfang wie bei keiner anderen Storyline), ist mehr als Beweis genug für dessen Bedeutung. Zunächst liefert "Iron Man" 332 mit der Entwicklung von Psi-Helmen, die vor der Macht von Onslaught schützen, zentrale Hilfmittel für die anstehende Revanche der Rächer, die sich in "Avengers" 402 einen Schlagabtausch mit Post und Holocaust liefern. Letztgenanntes Kapitel wurde ebenso von Mike Deodato Jr. illustriert wie im Anschluss "Thor" 502, wobei der Künstler hier, was das Artwork betrifft, interessante Gegensätze zwischen brachialen Kampfszenen im dem eher ruhigerer, nachdenklicher Stimmung im anderen Tie-in liefert.


Während die in Band 194 abgedruckte "Wolverine"-Ausgabe 104 Details zur Entstehung von Onslaught lieferte, belässt es die hier nun folgende Nummer 105 bei einer Rettungsmission von Logan und dem Zusammentreffen mit Elektras Lehrer Stick, was erzählerisch passabel vonstattengeht, aber im Eventkontext nicht weiter ins Gewicht fällt – ganz im Gegensatz zu "Fantastic Four" 416, bei dem Franklin Richards von Onslaught manipulierter Hilferuf für das Auftauchen diverser Feinde im Baxter Building sorgt.


Doch auch ohne diese Illusionen treten altbekannte Gegner der FF wie Namor und Doctor Doom auf den Plan, um ihre Hilfe anzubieten und den Fehdehandschuh aufgrund des größeren Übels zumindest kurzfristig abzustreifen. Nachdem die beiden "Onslaught"-Masterminds Scott Lobdell und Mark Waid in "X-Men" 56 enthüllen, dass das mächtige Psi-Wesen nun nicht mehr bloß die Menschen vernichten will, schildert das extralange Special "Onslaught: Marvel Universe" aus der Sicht des Beobachters Uatu den endgültigen Showdown mit den X-Men, Avengers, Fantastic Four und ihren Verbündeten.


Dank einer gut abgewogenen Mischung aus Action, Dramatik und Weltuntergangsstimmung wird der Opfermut der Helden, die dabei scheinbar ihr Leben geben, und somit eigentlich die Essenz der von uns so geschätzten Streiter für das Gute fein herausgearbeitet und der Boden für das (spektakuläre, wenngleich teils durchwachsene) "Heroes Reborn"-Projekt bereitet. Dazu und auch zu diversen Comebacks von Onslaught geben die redaktionellen Seiten Auskunft. Abgesehen von wenigen, etwas erzwungen wirkenden "Nebenschauplätzen" hat "Onslaught" den Test der Zeit gut bestanden, Marvel-Fans sollten das Crossover ohnehin fix in ihrem Buchregal haben.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Bill Finger – Der wahre Schöpfer des Dunklen Ritters

Ein tragischer Held und ein Schurke. Klingt nach den typischen Zutaten für einen Comic mit Batman, trifft aber auch das Leben des kreativen Kopfs hinter ihm.

Bill Finger - Der wahre Schoepfer des Dunklen RittersBis heute müssen sich jene, die bei DC und Marvel anheuern, darauf einstellen, dass alles, was sie im Rahmen ihrer Geschichten erfinden, nicht ihnen gehört, sondern geistiges Eigentum des jeweiligen Verlags darstellt. Den eigenen Namen im Abspann einer Filmadaption lesen zu können ist schön und gut, bezahlt aber meistens keine Rechnung von kreativen Köpfen, die den ewigen "Big Two" des amerikanischen Comic-Markts seit mehr als acht Dekaden entsprechende Vorlagen liefern. Mittlerweile hat sich die Lage zumindest etwas gebessert, aber der Umgang, den Publisher mit ihren Ideenlieferanten pflegten, war über lange Zeit schlicht ausbeuterisch.


Heute finden wir in einer Superman-Publikation wie selbstverständlich die Angabe, dass der Mann aus Stahl von Jerry Siegel und Joe Shuster erfunden wurde, tatsächlich waren dafür aber langwierige juristische Auseinandersetzungen erforderlich. Während die Schöpfer des Kryptoniers zumindest noch zu Lebzeiten eine geringe Abgeltung für ihre Arbeit erhielten, war das bei dem ebenfalls für DC tätigen Bill Finger nicht der Fall. Erst seit 2015 findet sich die entsprechende Info ("Batman created by Bob Kane with Bill Finger") bei den Credits der Abenteuer des Mitternachtsdetektivs. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt den Bemühungen des Autors Marc Tyler Nobleman, der mit seinem 2012 erschienenen Buch "Bill the Boy Wonder: The Secret Co-Creator of Batman" die Verdienste des 1974 in Armut verstorbenen Bill Finger heraushob.


Interviewpassagen aus Noblemans Werk und der darauf basierenden Hulu-Dokumentation "Batman and Bill" (2017) sind auch Teil von "Bill Finger – Der wahre Schöpfer des Dunklen Ritters", das nun via Carlsen vorliegt. In der für das Thema geradezu "artgerechten" Form einer Graphic Novel erzählen Julian Voloj (Story) und Erez Zadok (Artwork) vom Schicksal des Künstlers als vor Ideen nur so sprudelnder Comic-Autor, der das Konzept des Dunklen Ritters sowie sein ganzes Umfeld samt zahlreicher ikonischer Schurken schuf und Bob Kane die Skripts für die Zeichnungen lieferte. Der jedoch hielt seinen kreativen Partner an der kurzen Leine, um sich selbst als einziger Mastermind hinter Batman feiern zu lassen und dicke Schecks zu kassieren, während Finger (ebenso wie viele andere) nicht einmal namentlich genannt wurde.


Die Rückblicke, die sich mit Passagen rund um Noblemans umfangreiche und mühsame Forschungen abwechseln, sind sowohl bedrückend aufgrund der schreienden Ungerechtigkeit, die dem geistigen Vater des Mitternachtsdetektivs zuteilwurde, als auch von einem unbändigen Drang nach Gerechtigkeit geprägt – in gewisser Hinsicht also spiegelbildlich für den Charakter, dem Bill Finger über viele Jahre seinen Stempel aufdrückte. Julian Volojs Herangehensweise fängt diesen Gegensatz textlich ebenso gut ein wie Erez Zadoks Artwork, das die jeweilige Stimmung – seien es Optimismus und Tatendrang oder im Gegenteil dazu Resignation und Verzweiflung – fühlbar macht. Zusammen mit den Hintergrundinformationen, die hier geliefert werden, lässt das eine uneingeschränkt empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich für Comic-Geschichtsschreibung im Allgemeinen und Batman im Besonderen interessieren, Gestalt annehmen.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Carlsen Verlag




 


 

Resident Alien 3

Der gute Doktor Vanderspeigle ist nicht der Einzige, der in der Vergangenheit herumstochert – sehr zum Vergnügen der Leserschaft.

Resident Alien 3"Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas." Im Falle unsers außerirdischer Protagonist stimmt das nicht so ganz, schließlich hätten wir sonst zu Beginn des dritten Bandes von "Resident Alien" per Rückblende nichts über einen einstigen Zwischenstopp im allseits bekannten Spielerparadies in der Wüste von Nevada erfahren. Dank eines geknackten Jackpots seiner finanziellen Sorgen entledigt, konnte er so die zu ihm führenden Spuren zwischenzeitlich erkalten lassen, wenngleich sich diese in der Gegenwart langsam wieder zu erwärmen beginnen.


Doch nicht nur Harry Vanderspeigle wähnt sich in der trügerischer Sicherheit, dass ihm niemand auf die Schliche kommen wird. Nachdem er das abgelegene Anwesen am See aufgegeben hat und ins Haus seines Vorgängers einzieht, fördert ein Zufall eine Aktentasche mit zunächst seltsam anmutendem und bei näherer Betrachtung unglaublichem Inhalt zutage. In einer Aktentasche, die Sam Hodges versteckte, findet sich neben schwülstigen Liebesbriefen ein Entwurf für einen unveröffentlichten Roman der vom Doktor äußerst geschätzten Pulp-Agentenserie "Sam Hain" aus der Feder eines gewissen Rex Monday. Als er erfährt, dass die Person hinter dem Pseudonym möglicherweise noch lebt, überdies direkt in Patience, ist die Neugier des Hobbyermittlers einmal mehr geweckt.


"Das Geheimnis von Sam Hain" lässt sich sehr lange Zeit, um den eigentlich unvermeidlichen Kriminalfall, den es aufzuklären gilt, zu präsentieren. Das tut der Qualität der Lektüre in keiner Sekunde Abbruch, ganz im Gegenteil: Jede Dialogzeile und jeder zwischendurch eingeflochtene Blick in die Vergangenheit füllt die Figuren, die Peter Hogan einmal mehr geschickt arrangiert, mit Leben – wobei der gute Doktor paradoxerweise ein Wesen an den Tag legt, das ihn humaner erscheinen lässt als so manchen seiner Mitbürger. All das, garniert mit Steve Parkhouses toll darauf abgestimmten Zeichnungen und Farben, bürgt für beste Unterhaltung, die Spannung, Drama, Melancholie und Witz unwiderstehlich gut ausbalanciert.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 197

2016 schickte das "House of Ideas" ein neues Teenie-Heldenteam mit Idealismus und dem Smartphone in der Hand ins Rennen.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 197Recycling ist eine gute Sache – und auch Marvel lässt sich bekanntlich nicht davon abhalten, den einen oder anderen Namen eines Charakters oder einer Gruppe wiederzuverwenden. Angesichts einer mittlerweile sechs Dekaden umfassenden Kontinuität mag das zwar mitunter in Verwirrung ausarten, stellt bezüglich der Champions allerdings kein Problem dar. Ihre Geschichte fällt nämlich angenehm übersichtlich aus, wie wir aus den (wie immer vorzüglichen) redaktionellen Seiten der vorliegenden Ausgabe erfahren. Es gab bereits 1975-1977 eine kurzlebige Serie namens "The Champions" rund um ein in Los Angeles angesiedeltes Team, das sich aus Herkules, Black Widow, Ghost Rider, Angel und Iceman zusammensetzte.


2016, kurz nach "Civil War II", ließ Autor Mark Waid eine neue Gruppe mit diesem Namen (diesmal ohne das "The" im Titel) antreten, deren Gründungsmitglieder er kurz zuvor aus dem damals ebenfalls von ihm verantworteten "Avengers" sozusagen herausgeschrieben hatte: Ms. Marvel, Miles Morales und Nova sind mit der Weise, wie ihre erwachsenen Kollegen den Kampf gegen das Böse angingen, nicht länger einverstanden, rekrutieren Visions Tochter Viv sowie den damaligen Hulk Amadeus Cho und versuchen den Kern jeglicher superheldischen Tätigkeit wieder freizulegen – nämlich sich für die Menschen einzusetzen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sonstigen Merkmalen, aufgrund derer andere diskriminiert werden.


Zu tun gibt es in dieser Hinsicht viel, denn der hehre Anspruch, die Welt mit jugendlichem Elan ein Stück besser zu machen, muss erst einmal den härtesten Kampf überstehen – und zwar den mit der Realität. Die ersten fünf US-Hefte, die in diesem Band abgedruckt sind, führen nicht nur den schon in Waids "Avengers" betonten Generationenkonflikt fort, sondern sind auch voll von flapsigen Sprüchen und Humor, wie sich das für einen Titel mit Teenagern als Protagonisten gebührt. Der unverkennbare Stil von Zeichner Humberto Ramos passt perfekt zu den quirligen Charakteren der Serie, die gekonnt den schmalen Grat zwischen leichtfüßiger Unterhaltung und ernstem Hintergrund beschreitet.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Phantastische Geschichten: Das Schiff Teil 1 & 2

Eine unvorhergesehene Auseinandersetzung mit einem Verbrechersyndikat zwingt Core und seine Freunde zu einer überhasteten Flucht.

Phantastische Geschichten: Das Schiff Teil 1Core, Raw und Cosma sind Glücksritter, agieren immer am Rande der Legalität und manchmal auch darüber hinaus. Auf einer Raumstation, die sich unter der Autorität eines Verbrechersyndikats befindet, kommt es zu einer unerwarteten Konfrontation mit den selbst ernannten Ordnungshütern. Die einzige Option, um das eigene Leben zu retten, stellt die Flucht dar. Der Sprung in den Überlichtantrieb erfolgt ohne jegliche Koordinaten. Doch das Glücksgefühl, den Feinden entgangen zu sein, dauert nur kurze Zeit, denn es fordert einen hohen Preis.


Urplötzlich befindet man sich in einem Raumsektor, der auf keiner Karte verzeichnet ist. Die Flüchtlinge stoßen dort auf ein unbekanntes Raumschiff, das ein dunkles Geheimnis birgt. Schnell erkennen die Überlebenden, dass sie das gewaltige Vehikel unter ihre Kontrolle bringen müssen, um dem Tod von der Schippe springen zu können. Keine einfache Aufgabe, wenn das Raumschiff der Feind jeden Lebens an Bord ist...


Phantastische Geschichten: Das Schiff Teil 2Im Booklet wird erwähnt, dass diese Story auf Wilhelm Hauffs "Das Gespensterschiff" basiert. Notiert und im Bordlogbuch vermerkt. Natürlich gibt es Berührungspunkte mit der Geschichte des deutschen Autors und sicherlich folgt man grob skizziert seiner Story, erschafft jedoch etwas Eigenständiges. Mit dem Intro von Wolfgang Pampel, der deutschen Synchronstimme von Han Solo, atmet "Das Schiff" von der ersten Minute an die große Science-Fiction-Welt des Blockbuster-Kinos von Hollywood. Was zu Beginn von der Begrifflichkeit her total überdimensioniert klingt, macht jedoch umgehend Sinn. Man fühlt sich einfach mittendrin statt nur dabei. Egal ob Raumkampf oder Überleben im menschenleeren Raumschiff, hier greift eines ins andere. Die kreierte Soundkulisse begeistert. Grandios!


Die Story ist temporeich, ohne Winkelzüge erzählt und schafft es, den Hörer binnen weniger Minuten zu fesseln. Auf Schnörkel und unnötiges Zierwerk wird von der ersten Minute an verzichtet und die Handlung konsequent vorangetrieben, wobei man Nebenschauplätze vermeidet, um die Ereignisse zu verdichten und nochmals spannender aufzubereiten. Der Plot bleibt bis zum Ende interessant und zeigt einmal mehr die Erzählkunst des Autors. Die Dialoge sind authentisch und mit einem überzeugenden Sprachgebrauch der Zukunft vermengt, was zum Glück zu keiner Zeit peinlich, sondern überzeugend wirkt.


Die Soundeffekte entspringen der Champions League der Branche und können einmal mehr mit dem Prädikat großartig überschrieben werden. Hörspiele stehen und fallen mit dem Sprecherensemble, dieses bestimmt immer über den Erfolg oder Niedergang einer Produktion. Auch an dieser sensiblen Stelle geht Imaga keine Kompromisse ein und bietet einen exzellenten Cast auf. So sind in den Hauptrollen großartige Stimmen wie die von Peter Flechtner, Marie Bierstedt, Michael Iwannek und Esra Meral zu hören. Dazu gesellen sich in den Nebenrollen klangvolle Namen wie Santiago Ziesmer, Bernd Vollbrecht und Thomas Nero Wolff. Wer gerade Schaum auf eine gelungene und in allen Belangen überzeugende Science-Fiction-Produktion hat, die ein altes Gruselstück in neuem Gewand erstrahlen lässt, ist hier genau richtig.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Imaga



 



 

Aquaman: Andromeda

Potenziell außerirdische Intelligenz, ein geheimnisumwittertes Super-U-Boot, Aquaman und Black Manta, was kann da schon schiefgehen?

Aquaman: AndromedaDas Eindringen eines nicht identifizierbaren Flugobjekts in die Erdatmosphäre macht militärische und wissenschaftliche Kapazunder ordentlich nervös. Als das unerklärliche Objekt am abgelegensten Ort der Welt mitten im Meer untergeht, wird ein Team unterschiedlichster Charaktere zusammengestellt und auf ein geheimnisvolles Forschungsschiff gebracht, mit dem sie danach suchen und etwaigen Erstkontakt herstellen sollen.


Doch nicht nur die Militärs haben Kenntnis davon und so dauert es nicht lange, bis sich auch Aquaman und sein skrupelloser Widersacher Black Manta für das ominöse Objekt zu interessieren beginnen. Der deterministische Kampf der beiden Wasserratten gerät alsbald zur Nebensächlichkeit, denn in den Crewmitgliedern offenbaren sich tiefe Abgründe. Schnell wird klar, dass die Besatzung scheinbar viel weniger übereinander weiß als angenommen und die gesamte Mission läuft Gefahr zur tödlichen Falle zu werden.


Die Storyline an sich ist schon beeindruckend, vor allem weil Autor Ram V einen zwar spektakulären, aber letztlich simplen Hauptstrang verfolgt, der durch die persönlichen Geschichten der Protagonisten um viele tragische Details erweitert wird und dem Abenteuer jede Menge Tiefe und Facettenreichtum beschert. Durch die vielfältigen Details in der Figurenkonzeption entfalten die dramatischen Ereignisse erst ihre gesamte Wirkung und setzen dabei auch die gängigen Moralvorstellungen außer Kraft.


Was ist wirklich böse? Kann jemand, der Böses getan hat, zu einem guten Menschen werden? Hängt alles von der Schwere oder dem Grad der moralischen Verwerflichkeit der begangenen Tat ab? Ja, man merkt schnell, dass "Aquaman: Andromeda" alles andere als leichte Kost darstellt, doch ist einem diese Bedeutsamkeit ob der fantastischen Optik und des schnellen Erzählflusses oft nicht einmal bewusst.


Künstler Christian Ward sorgt für ein grafisches Fest, eine spektakuläre Inszenierung, die sich in ihrer Wirksamkeit der ambitionierten Handlung keineswegs unterordnen muss, sondern gleichwertiger, wenn nicht überlegener Partner in einer effektiven Symbiose aus Erzähl- und Zeichenkunst ist. Fesselnd, beeindruckend und nachdenklich lässt einen dieser in sich abgeschlossene Sammelband nicht mehr los und schickt sich an, in der Favoritenliste für die ambitioniertesten Projekte der jüngeren Vergangenheit ganz nach oben zu wandern.


                          
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 196

Ein Feind muss im Kampf gegen einen gemeinsamen, noch mächtigeren Feind noch lange kein Freund sein – speziell wenn er Mr. Sinister heißt!

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 196Mit dem dritten von vier Bänden, die Hachette Marvels Mega-Crossover "Onslaught" aus dem Jahr 1996 einräumt, werden neun weitere US-Hefte als Wegstücke zum unvermeidlichen Finale geliefert. Die Situation für die versammelten Helden könnte nicht schlechter sein: Nach einem ersten Schlagabtausch hat sich das Team um die Avengers zurückgezogen, um seine Wunden zu lecken und an einem Schlachtplan zu arbeiten, der die sogenannten Xavier-Protokolle miteinschließt. Dank dieser von Muir Island geholten Pläne, in denen Professor X insgeheim festhielt, wie (auch) er zu besiegen sei, könnte der Bau einer Psi-Rüstung, die vor Onslaughts Macht schützt, möglich sein.


Während sich die brillanten Köpfe rund um Reed Richards an die Arbeit machen, versucht Susan Richards die Rettung ihres Sohnes Franklin, dessen realitätsverändernde Kräfte ihn zur Beute des Gegners werden ließen. Während ihr Cable zur Hilfe eilt und beide dabei ein Zweckbündnis mit dem undurchsichtigen Apocalypse eingehen müssen, greift an anderer Stelle Mr. Sinister nach der Macht von Nate Grey, der von ihm in der Parallelwelt des "Age of Apocalypse" als Waffe gegen den uralten ägyptischen Mutanten konzipiert wurde. Jeweils zwei Hefte von "X-Man" und "X-Force" schildern den Versuch des bösartigen Genetikers vom Dienst, dieses für in einzigartige Studienobjekt in die Hände zu bekommen.


Der Hulk wiederum muss erkennen, dass ein ungestümer Angriff auf Onslaught, der ihn vor kurzem noch manipulierte (siehe dazu den vorangegangenen Band) und mittlerweile in einer Festung im New Yorker Central Park residiert, keinerlei Aussicht auf Erfolg hat. Auch eine Ausgabe von Frank Castles damaliger Serie fungierte als Tie-in, wenngleich "Punisher" 11 im Gegensatz zum übrigen abgedruckten Material nicht wirklich viel zum großen Ganzen beiträgt: Die Tatsache, dass Sentinels den SHIELD-Helicarrier zum Absturz bringen, hätte auch in weitaus gestraffter Form abgehandelt werden können, von daher bleibt diese erzwungen wirkende Episode eher blass im Gegensatz zu den übrigen Kapiteln.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Gruselkabinett 146

Angst: Ein Gefühl, so alt wie die Menschheit, nicht sicht- und greifbar. Doch gibt es Orte, an denen sie sich manifestiert und die Kraft besitzt, einen Menschen zu töten?

Gruselkabinett 146Schloss Lorraine eilt sein Ruf voraus. Seit dem mysteriösen Ableben des Sohnes der Herzogin steht das alte Gemäuer nahezu leer und eine Reihe von Gerüchten ranken sich seitdem um den roten Raum – ebenjenes Zimmer, in dem man die Leiche des jungen Mannes fand und das in der Vergangenheit bereits Ort seltsamer Todesfälle war. Angelockt von den unglaublichen Geschichten bittet der alleinstehende Wissenschaftler Simon Price um die Erlaubnis, eine Nacht in der Räumlichkeit verbringen zu dürfen.


Nur widerwillig gibt die trauernde Aristokratin ihr Einverständnis zu dem waghalsigen Unterfangen. In der Obhut der verbliebenen Dienerschaft macht sich Price an die Umsetzung seines Experiments. Zunächst gibt er sich überzeugt, dass es kein übernatürliches Phänomen innerhalb der Mauern von Schloss Lorraine zu bestaunen gibt, doch als er endlich den abgelegenen Raum betritt, ist er sich nicht mehr so sicher. Treibt doch ein mörderischer Spuk in dem Zimmer sein Unwesen und treibt die Bewohner in den Tod?


Seit die Rechte an den Texten von H. G. Wells frei verfügbar sind, gastiert der bekannte Autor recht häufig im "Gruselkabinett". Nachdem bereits seine bekanntesten Werke wie "Die Zeitmaschine" oder "Krieg der Welten" Einzug in die Reihe gehalten haben, wurde nun ein eher unbekannter Text des Schriftstellers vertont. Und dieser hat es wahrlich in sich, denn an Gänsehautmomenten und knisternder Spannung mangelt es der Geschichte beileibe nicht.


Bereits die vielfach ausgesprochenen Warnungen der wenigen verbliebenen Bewohner des Schlosses sorgen für ein ungutes Gefühl in der Magengegend, das sich nochmals deutlich steigert, wenn die Hauptfigur ihrer Nacht im roten Raum entgegensieht. Die Erwartung, was sich wohl hinter der grünen Samttür verbergen mag, steigert sich mit jeder verstreichenden Minute. Die Vorgänge im Zimmer werden im Bericht des Protagonisten geschildert und sorgen zusätzlich für ein wohliges Gruselgefühl.


Atmosphäre schreibt dieses Hörspiel tatsächlich in großen Lettern, was auch bei mehrmaligem Genuss für den erhofften Schauer sorgt. Es gilt allerdings auch anzumerken, dass dem Stück etwas Fragmentarisches anhaftet. Wer erwartet, den Auslöser für die mysteriösen Ereignisse in dem alten Gemäuer präsentiert zu bekommen oder erfahren möchte, was letztendlich den roten Raum heimsucht, dürfte enttäuscht zurückbleiben, denn diese Fragen überlässt der Autor der Fantasie des Publikums.


Die musikalische Gestaltung ist dieses Mal eindeutig darauf ausgelegt, die Atmosphäre auf Schloss Lorraine nochmals zu verdichten und den der Geschichte innewohnenden Schrecken hervorzuarbeiten. Eine Aufgabe, die auf vortreffliche Weise gelöst wurde. Die verwendeten Soundeffekte sind eher zweitrangig und lediglich gut arrangiertes Beiwerk, um die wirklichen Gruselmomente des Hörspiels nochmals zu verstärken und die jeweiligen Szenen plastischer zu gestalten.


Ein Blick ins Booklet sorgt für Staunen, denn lediglich fünf Stimmen sind erforderlich, um dieses Kleinod der klassischen Schauergeschichte passend zu inszenieren. Allerdings haben es die Namen der Sprecher in sich, denn hier zeigt mit Dagmar von Kurmin, Horst Naumann und Bert Stevens ein Trio von Altmeistern sein ganzes Können. Alle drei machen dieses Hörspiel mit ihrem Auftritt zu etwas Besonderem. Dazu gesellt sich die noch unverbraucht und frisch klingende Stimme von Valentin Stroh in der Rolle des Simon Price und Ursula Sieg als Herzogin rundet das Ensemble ab. "Der rote Raum" ist ein herrliches Gruselhörspiel, das seinen Platz in dieser Reihe absolut verdient.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Batman Graphic Novel Collection 79

Auch wenn Eaglemoss ihn in neue Schläuche packt, bleibt Grant Morrisons alter Bat-Wein nach wie vor schmackhaft.

Batman Graphic Novel Collection 79Da Eaglemoss sowohl bei der vorangegangenen DC-Kollektion als auch im Rahmen der Nachfolgereihe den Anspruch verfolgt, die besten Storys zu veröffentlichten, lässt sich die eine oder andere Wiederholung zwangsläufig nicht vermeiden – dass das bei zwei aufeinanderfolgenden Bänden der Fall ist, erzeugt dann aber vielleicht doch eine nicht ganz günstige Optik. Allen, die Cover und Titel von Ausgabe 79 seltsam bekannt vorkommen, irren sich natürlich nicht, denn diese prangen auch schon auf Ausgabe 67 der "DC Comics Graphic Novel Collection". Wer selbige sein Eigen nennt, eine Kaufentscheidung nur von den Storys selbst abhängig macht und eine Lücke im Rückenmotiv der Bat-Sammlung verschmerzen kann, muss also nicht zugreifen.


Abgesehen von der in besagtem DC-Band abgedruckten Bonusstory aus "Detective Comics" 110, die in der mit Extras sehr knauserig umgehenden Fledermaus-Reihe fehlt, wurde dasselbe US-Material abgedruckt, sprich "Batman" 667-669 und 672-675 mit weiterem Material aus den frühen Tagen von Grant Morrisons erzählerischer Regentschaft in Gotham, das direkt an den letzten Band anschließt. Mit einem Dreiteiler, der Batman zu einem Treffen des sogenannten Clubs der Helden auf der abgelegenen Insel des exzentrischen Milliardärs John Mayhew führt, verknüpfte der schottische Starautor nicht nur ein klassisches "Whodunit" mit seiner Vorliebe für liebevolle Skurrilitäten des "Silver Age", sondern legte auch den Grundstein zur "Batman R.I.P."-Storyline.


Während dabei J. H. Williams III Kostproben seines einzigartigen grafischen Talents ablieferte, ging es anschließend (und in der Bat-Chronologie nach "Die Auferstehung Ra`s Al Ghuls", siehe Band 57 und 58) mit Tony Daniel weiter, der den Kampf des Dunklen Ritters gegen den Dritten im Bunde der Batman-Imitatoren aus den Reihen der Polizei in routiniertes Artwork verpackte. Wer sich auf Mr. Morrisons mitunter fordernde Erzählweise einlässt, welche hier mitunter zwischen Erinnerungen und der Jetztzeit herumspringt, bekommt gutes Entertainment geboten, das optisch lediglich im letzten Kapitel bei Zeichner Ryan Benjamin merklich abfällt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Eaglemoss





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.batman-collection.de.


 

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 83

Sowohl das Debüt als auch einer seiner (leider) seltenen Auftritte als Protagonist bietet diese Beta Ray Bill gewidmete Ausgabe.

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 83Nur wenige kreative Lenker werden derart mit einem bestimmten Marvel-Charakter assoziiert wie Walter "Walt" Simonson mit Thor. 1983 übernahm er mit Nummer 337 dessen monatliche Serie und blieb ihr – mit kleineren Unterbrechungen und längere Zeit als Autor und Zeichner in Personalunion – bis Nummer 382 (1987) treu. Gleich zu Beginn seiner von vielen Fans immer noch als die prägendste Ära für den nordischen Donnergott angesehenen Arbeit konfrontierte er die verdutzte Leserschaft mit einem wahren Hammer: Selbigen, nämlich Mjolnir, machte nämlich Beta Ray Bill dem blonden Nordmann streitig und schaffte es sogar, diesen im von Odin persönlich angeordneten Duell zu besiegen.


Das Debüt des Helden mit dem pferdeähnlichen Haupt, bei dem es sich um einen Vertreter des von der Auslöschung bedrohten Volkes der Korbiniter handelt, sowie die besagte Konfrontation der beiden "Donnerer" aus "Thor" 337 und 338 leiten den vorliegenden Band ein und lassen Neulinge der Materie erahnen, welche Qualitäten in Simonson Run liegen. Anschließend musste Bill jedoch sowohl unter der Regie seines Schöpfers als auch bei dessen Nachfolgern ein Leben als Nebendarsteller fristen, obwohl er doch mit Sturmbreaker (auf Deutsch als "Sturmbringer" übersetzt) einen eigenen Hammer erhielt und von Thor sowie den Göttern Asgards als Waffenbruder angesehen wurde.


Bis heute sind die Solo-Veröffentlichungen leider immer noch rar gesät, die erzählerischen Möglichkeiten, die der tragische Background dieses außerirdischen Thors bietet, verdeutlicht jedoch das Herzstück dieser Ausgabe, die sechsteilige Miniserie "Stormbreaker: The Saga of Beta Ray Bill" von 2005. Mit Michael Avon Oeming ("Powers") und Dan Berman sowie Zeichner Andrea Di Vito nahm sich ebenjenes Team, das kurz zuvor in "Thor" 80-85 Ragnarök (siehe Band 4) und das (zwischenzeitliche) Ende von Asgard eingeleitet hatte, des weiteren Schicksals von Bill an, der nun binnen eines Tages nicht nur den Verlust der Götterfreunde, sondern auch die Vernichtung der zwischenzeitlich gefundenen neuen Heimat seines Volkes erdulden muss.


Der Grund für Letzteres ist ein im Marvel-Universum allseits bekanntes Wesen mit mächtigem Appetit, dessen Herold noch dazu im Kampf eine Dämonin aus einer anderen Dimension hinaufbeschwört. Mächtig viel los also im All und nur wenig Zeit für Bill, um Trauerarbeit zu leisten und über seine Rolle als vermeintlicher Heilsbringer der Korbiniter zu reflektieren. Andrea Di Vito bekommt reichlich Gelegenheit, den Stift für Actionszenen zu schwingen, da erscheint das unspektakuläre Schlusskapitel mit Spider-Man auf der Erde fast schon als Erholung. Nicht nur ein tolles Pendant zum Thor-Eintrag der "roten" Sammlung, sondern auch Appetitmacher auf mehr von Beta Ray Bill.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

Usagi Yojimbo 21

Ein angeblicher Pockenausbruch sucht ein Gebiet an der Grenze heim, doch das ist erst der Auftakt einer gefährlichen und für Tomoe äußerst persönlichen Angelegenheit.

Usagi Yojimbo 21Auch nach nunmehr 20 fantastischen Bänden von "Usagi Yojimbo" erweist es sich als schwierig bis schlicht unmöglich, einen Favoriten unter den beiden grundlegenden Erzählweisen auszuwählen, mit denen Stan Sakai seine Leserschaft erfreut: Sowohl die kurzen, manchmal wunderbar melancholischen oder mit Einblicken in die Lebensweisen des alten Japan versehenen Episoden als auch die epischen Mehrteiler mit jeder Dramatik und Action haben ihren ganz eigenen Reiz. In die letztere Kategorie fällt "Die Mutter des Gebirges", dessen sieben Kapitel im US-Original 2005 erschienen und brisante politische Entwicklungen mit gewohnt toller Charakterarbeit verbinden.


Der namensgebende Berg wird zum Schauplatz von Ereignissen, die nicht nur den fragilen Frieden bedrohen, sondern auch die tragische familiäre Hintergrundgeschichte von Tomoe aufdecken. Den unmittelbaren Anlass dazu liefern die Nachrichten einer Pockenepidemie in einem Ort der abgelegenen Geishu-Provinz, die an den Hof von Fürst Noriyuki gelangen und von der alten Freundin unseres Hasen-Ronins untersucht werden sollen. Tatsächlich wütet die Seuche in dem entvölkerten Landstrich, doch dahinter steckt nicht mangelnde Hygiene oder der Zorn der Götter, sondern ganz und gar weltliche Gier.


Lediglich fünf Seiten mit knappen Worten genügen Stan Sakai, um Tomoes Gegenspielerin und ihr wenig gewinnendes Wesen zu charakterisieren, anschließend dürfen sich geneigte Fans sozusagen an die Klippen heranwagen, um zusammen mit Usagi und seiner Verbündeten einen Blick in den Abgrund aus Intrigen, Erpressung, der Ausbeutung Unschuldiger und persönlicher Rachsucht zu werfen. Leider ist dieser Band wieder schneller ausgelesen als einem lieb sein kann, aber angesichts der üblichen Qualität und der Aussicht auf baldigen Nachschub darf das als Luxusproblem betrachtet werden, das sich verschmerzen lässt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Dantes Verlag




 


 

Gruselkabinett 145

Der passionierte Antiquitätensammler Mr. Dillet kann sein Glück kaum fassen, als er ein von meisterlicher Qualität gefertigtes Puppenhaus zum Spottpreis angeboten bekommt.

Gruselkabinett 145Nur allzu gern frönt Mr. Dillet der Jagd nach außergewöhnlichen Antiquitäten. Einer seiner besten Lieferanten ist der geschäftstüchtige Mr. Chittenden, dem es immer wieder gelingt Kostbarkeiten für den dankbaren Kunden zu akquirieren. Im neuesten Fall handelt es sich um ein Puppenhaus von geradezu ungewöhnlicher Qualität in der Fertigung. Bis ins kleinste Detail wirkt das Miniaturgebäude absolut lebensnahe. Dillet verliebt sich sofort in das handwerkliche Kleinod und erwirbt es für seine Kollektion.


Alles erscheint perfekt, bis die Uhr erstmals auf Mitternacht vorrückt. Mit Schrecken müssen der Sammler und seine Frau feststellen, dass die vielen äußerst lebendig gestalteten Figuren urplötzlich zum Leben erwachen und eine düstere Familiengeschichte zu erzählen beginnen. Dillet ist gleichermaßen abgestoßen wie fasziniert und fest entschlossen, dem Puppenhaus sein Geheimnis zu entreißen. Noch ahnt der neue Besitzer nicht, welche Abgründe hinter der handwerklichen Ausnahmeleistung verborgen liegen.


Mit M. R. James kehrt ein gern gesehener Gast ins "Gruselkabinett" zurück, der bereits mehrere ungewöhnliche Stoffe zu dieser Reihe beigetragen hat. Zwar sind alle seine bisher veröffentlichten Geschichten dem Gruselgenre zuzuordnen, verzichten jedoch auf klassische Figuren wie Untote, Werwölfe und Vampire. Im Zentrum stehen häufig die Magie und bösartige, geisterhafte Erscheinungen, die ihre Präsenz in die Welt der Menschen ausdehnen. Dass dies zum Nachteil der Protagonisten geschieht, versteht sich dabei von selbst.


"Das unheimliche Puppenhaus" ist ebenfalls eine Story aus dieser Kategorie, die heile und geordnete Welt des Antiquitätenhändlers Dillet bekommt ohne Vorwarnung Risse, als ein soeben erworbenes Schmuckstück zu unheilvollem Leben erwacht. Die Atmosphäre der Handlung wird urplötzliche eine andere und die eher heitere Stimmung tritt zurück hinter einen anhaltenden Moment des Grauens.


Leider kann die Geschichte an dieser Stelle nicht die ganze Stärke ausspielen, welche ihr in gedruckter Form sicher innewohnt. Die Ereignisse, die sich nun zu nächtlicher Stunde in dem Modellhaus zutragen, werden ausschließlich von den Personen erzählt, die den Vorgang miterleben, dadurch geht viel an Spannung und Dramatik verloren, zumal man auch fast komplett auf eine soundtechnische Untermalung an dieser Stelle verzichtet. Hier wirkt sich der zurückhaltende Einsatz von Soundeffekten nachteilig aus.


Es folgt eine durchaus ansprechende Recherche über Herkunft und Besitzer des Puppenhauses, was nochmals das Interesse des Hörers schürt. Man erwartet einen weiteren Höhepunkt, wird jedoch von einem abrupten Ende überrascht, das so sicherlich nicht alle Teile des Publikums zufriedenstellen dürfte, zu viele Fragen bleiben unbeantwortet und lassen eine Menge an Interpretationsspielraum. Tatsächlich ergeben sich einige philosophische und vielleicht sogar theologische Fragen aus dem Gehörten: Kann das Erschaffen von etwas Neuem als Abbitte für Sünden aus der Vergangenheit dienen, wenn man es als Mahnmal für Nachfolgende versteht, nicht dieselben Fehler zu begehen? Sicherlich interessante Ansätze, die aber vielleicht nicht jeder Hörer verfolgen möchte und sich ein weniger offenes Ende gewünscht hätte.


Die musikalische Gestaltung ist erneut über jeden Zweifel erhaben und weiß die jeweilige Stimmung der einzelnen Szenen gekonnt herauszuarbeiten. Geräusche kommen nur äußerst dosiert, aber immer passend zum Einsatz, was viele Hörspiele der Reihe auszeichnet. Matthias Lühn und Bodo Primus drücken mit ihren unverkennbaren Stimmen dieser Produktion einen Stempel auf und machen sie zu etwas Besonderem. Dazu gesellen sich weitere Akteure, die für Qualität bürgen, so sind in weiteren Rollen Dagmar von Kurmin, Sigrid Burkholder und Thomas Balou Martin zu hören. Eine gute und solide Episode, die jedoch nicht alle inhaltlichen Stärken voll ausspielen kann.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 195

Cap in Diensten von Hydra? Unglaublich, aber so stand es 2016 in "Captain America: Steve Rogers" geschrieben.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 195Heutzutage müssen sich Marvel-Kreative schon ordentlich anstrengen, um die Leserschaft bei der Stange zu halten. Wie lässt sich am besten Aufmerksamkeit für diesen oder jenen Titel oder Charakter generieren? Das Thema Tod (samt unvermeidlich folgender Wiederauferstehung) ist schon reichlich abgedroschen und lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor (respektive vor die Verkaufstheke), warum also nicht im Rahmen einer kontroversen Storyline bisherige Gewissheiten auf den Kopf und somit in Frage stellen? Superhelden-Fans sind im Grunde Gewohnheitstiere, also stellen plötzliche Änderungen des Status quo wohl die beste Möglichkeit dar, um sie herauszufordern.


Solche oder ähnliche Gedanken mochten um 2016 in der Redaktion gewälzt worden sein, wo man in der Vergangenheit bereits allerlei Erfahrungen mit umstrittenen Änderungen im Leben beliebter Figuren gesammelt hatte. Was für Spider-Man die "Klonsaga", die Annullierung von Peter Parkers Ehe mit Mary Jane Watson ("One More Day") und "Superior Spider-Man" gewesen waren, sollten für den obersten Patrioten jene Entwicklungen werden, die die Serie "Captain America: Steve Rogers" anstieß, um 2017 im Crossover "Secret Empire" zu kulminieren. Autor Nick Spencer hatte bereits im Event "Avengers: Standoff!", das sich in den Bänden 166 und 170 von Hachettes Marvel-Sammelreihe findet, die Grundlagen gelegt, auf denen er nun – sehr zum Ärger vieler Hardcore-Fans – Steve Rogers` Schläferdasein als Agent von Hydra enthüllte.


In der vorliegenden Ausgabe, welche die ersten sechs US-Hefte enthält, wird auf zwei Zeitebenen erzählt, wie dies passieren konnte und es möglich war, dass das brisante Geheimnis während des zweiten "Civil War" nicht aufgedeckt wurde. Lässt man die Geschichte selbst außen vor, dann stellt Spencers Handlung definitiv einen der explizitesten Kommentare zum damaligen Zeitgeschehen dar, als sich Populisten wie Donald Trump allerorts auf dem Vormarsch befanden. Allein diese Tatsache beweist, dass das "House of Ideas" trotz allen fantastischen Brimboriums immer noch nahe am Puls unserer Lebensrealität und die Affäre um "Stevil" vor allem deshalb eine außergewöhnliche Angelegenheit ist.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Phantastische Geschichten: Unter dem Messer

Eine der letzten großen ungeklärten Fragen der Menschheit ist sicherlich jene, was uns nach dem Tod erwartet.

Phantastische Geschichten: Unter dem MesserPlötzlich steht das Leben kopf. Eben noch geht alles seinen gewohnten Gang und von einer Sekunde auf die andere ist alles anders. So ergeht es auch Hoyt, er muss sich einer komplizierten Operation unterziehen. Niemand kann sagen, ob er den folgenschweren Eingriff überleben wird. Obwohl sein bester Freund die Operation durchführen soll und versucht, seine Bedenken auszuräumen, verliert Hoyt seinen Lebensmut und beginnt sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Es kommt, wie es kommen muss, während er sich unter das Messer begibt, kommt es zu Komplikationen. Trotz aller Bemühungen gelingt es den anwesenden Medizinern nicht, sein Leben zu retten. Hoyt verstirbt auf dem OP-Tisch, sein Geist ist jedoch immer noch anwesend. Der Beginn einer Reise, an deren Ende vielleicht Antworten darauf warten, was mit der menschlichen Seele geschieht.


"Unter dem Messer" bildet den Auftakt zur zweiten Staffel der "Phantastischen Geschichten" und soll den Hörer auf die kommenden Episoden einstimmen. Tatsächlich weicht die vorliegende Geschichte doch erheblich von vielen anderen Produktionen von Oliver Döring ab. Zwar finden sich auch hier einige bekannte Trademarks seiner Hörspiele wieder, wie etwa ein epischer und bombastischer Soundtrack oder die Auswahl exquisiter Sprecher, um die Dialoge mit Leben zu füllen, aber man verzichtet auf die oft gewaltigen und pompösen Soundeffekte, die sich als Markenzeichen herauskristallisiert haben.


Stattdessen präsentiert sich "Unter dem Messer" als ruhige und durchaus nachdenkliche Geschichte, die einst von H. G. Wells erdacht wurde und sich mit einigen tiefgründigen Fragen des menschlichen Seins beschäftigt. Woher kommen wir und wohin gehen wir nach dem Tod? Gibt es eine menschliche Seele? Was geschieht nach unserem Ende mit ebenjenen Dingen, die einen Menschen in seinem Leben auszeichneten? Oliver Döring liefert hier ein Hörspiel, das sich mit einer Reihe von philosophischen Fragen befasst, die jeden von uns in seinem Leben bereits beschäftigt haben dürften. Trotz des recht hohen Erzählanteils ist daraus ein ungewöhnliches, aber doch enorm faszinierendes Stück Tonkunst entstanden, das zeigt, dass Döring auch die leisen und zurückhaltenden Töne beherrscht und es ihm immer wieder aufs Neue gelingt, sein Publikum zu überraschen.


Die kurze Laufzeit von etwa 20 Minuten ist vollkommen ausreichend, um eine Story zu erzählen, die uns in die Grenzbereiche des menschlichen Wissens entführt. Norman Matt schlüpft in die Rolle des Hoyt und nimmt den Hörer mit auf eine außergewöhnliche Reise von den Gestaden der Nacht hinaus ins Unbekannte. Jede seine Erzählpassagen ist bestens inszeniert und vermitteln oft ein Gefühl der Einsamkeit und Leere, was angesichts des Stoffs durchaus passend und gewollt erscheint. In den wenigen Dialogszenen stellt Imaga ihm weitere markante Stimmen wie etwa die von Jaron Löwenberg oder Gordon Piedesack an die Seite, die ebenfalls alles Notwendige unternehmen, um auch diese Produktion zu etwas ganz Besonderem zu machen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Imaga




 


 

Batman Graphic Novel Collection 78

Es ist nicht leicht als Vater eines Sohns, der von der League of Assassins trainiert wurde!

Batman Graphic Novel Collection 78Bereits im achten Band seiner "DC Comic Graphic Novel Collection" widmete Eaglemoss Damian al Ghul, den Grant Morrison 2006 gleich zu Beginn seiner langjährigen Fledermaus-Autorenschaft der verdutzten Leserschaft vorstellte (und diesen damit aus seiner ursprünglichen "Elseworlds"-Herkunft in die reguläre Kontinuität holte), einen eigenen Eitnrag namens "Batmans Sohn". Bedingt durch den Anspruch, die besten und bedeutendsten Storys des Dunklen Ritters auszuwählen, erleben wir mit der vorliegenden und mit "Batman und Sohn" verwechselnd ähnlich betitelten Ausgabe ein Déjà-vu, was das darin enthaltene US-Material angeht.


Zunächst kommen nämlich ebenfalls "Batman" 655-658 zum Abdruck, in dem Talia al Ghul dem verdutzten Mitternachtsdetektiv den aus einer lange zurückliegenden intimen Begegnung vor die Nase setzt, nachdem sie ihm dank unfreiwilliger Hilfe von Kirk Langstrom eine Armee von Man-Bat-Ninjas auf den Hals gehetzt hat. Sie lässt Sohnemann Damian bei ihm zurück, der sich als arroganter und besserwisserischer kleiner Drecksack präsentiert, mit dem Morrison die Fans damals gekonnt vor den Kopf stieß und den steinigen Weg vorbereitete, den er und sein Vater (inklusive der Bat Family) in den nächsten Jahren mit- und teils gegeneinander gehen sollten.


Die von Zeichnerlegende Andy Kubert formidabel in Szene gesetzte Story pumpt jedenfalls von der ersten Seite an frisches Blut in den Fledermausmythos und liefert astreine Unterhaltung. Mit seinem Pendant aus der DC-Kollekton hat dieser Band ebenfalls "Batman" 664 und 665 gemein – während jener noch Talias Debüt von 1971 enthielt, gibt es hier Heft 663 zu lesen, eine mit Artwork von John Van Fleet versetzte Prosaerzählung mit dem Joker, die ein interessantes Experiment darstellt, aber im Kontext dieser Ausgabe eher wie ein Fremdkörper wirkt. Und weil sich offenbar auch die Eaglemoss`sche Veröffentlichungsgeschichte wiederholt, fehlt auch diesmal die "satanische" US-Nummer 666, die stattdessen viel besser gepasst hätte.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Eaglemoss





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.batman-collection.de.


 

Dorian Hunter – Dämonen-Killer 48.1

Die Flucht ist gelungen, doch zu welchem Preis?

Dorian Hunter - Dämonen-Killer 48.1Das Martyrium nimmt kein Ende. Zwar ist es Dorian Hunter gelungen Coco Zamis aus den Klauen des Duk-Duk-Kults zu entreißen, doch die Flucht steht unter keinem guten Stern. Ein Entkommen mit dem Flugzeug scheitert und man sieht sich gezwungen, mit einem Schlauchboot ohne Wasser und Proviant auf den Pazifik hinauszusteuern. Die Lage wird immer prekärer. Erschöpfung, Durst und die gnadenlose Sonne fordern ihren Tribut. Tage und Nächte verschwimmen, es dürfte nur noch eine Frage weniger Stunden zu sein, bis der Tod den Dämonenjäger und seine Gefährtin in die kalten Arme schließt.


Zunächst scheint es nur ein weiterer Traumfetzen im Delirium zu sein, doch tatsächlich werden Hunter und Coco in letzter Sekunde von Mitgliedern des Widerstands gerettet und zunächst nach Indien gebracht, um sich zu erholen und die Reise nach England fortzusetzen. Die Lage bleibt jedoch trügerisch, denn die potenziellen Verbündeten erweisen sich keinesfalls als vertrauenswürdig und dann betritt auch noch eine weitere Figur das Spielfeld, die nicht an die Schwarze Familie gebunden ist und eigene Ziele verfolgt.


"Dorian Hunter" hat sich schon immer als eine Serie erwiesen, die die verschiedenen Handlungsebenen äußerst komplex anlegt und manchmal erst einige Folgen später logisch zusammenführt, um so den einen oder anderen Aha-Effekt für die Hörer bereitzuhalten. Der Auftakt des neuesten Zweiteilers dürfte für das aufmerksame Publikum geradezu gespickt sein mit solchen Momenten.


Wir erhalten Auskunft darüber, welche Motivation Coco antrieb, vorgeblich ins Lager von Olivaro zu wechseln, ebenso wird nun klarer, wie es zu ihrer Schwangerschaft gekommen sein könnte und wie weit die Kontakte ihres Vaters tatsächlich reichten. Doch damit nicht genug, weitere Rätsel werden gelöst und dürften mehrmals für Verblüffung sorgen. Das große Ganze entwickelt sich konsequent weiter und hebt sich darin wohltuend von anderen Serien des Metiers ab.


Der Hauptstrang der Handlung bietet wieder einmal alles, was die Serie ausmacht, eine gute Mischung aus Action und düsteren, ja geradezu beklemmenden Momenten, angereichert mit einer kleinen Prise schwarzen Humors. Dazu wählt man erneut ein vollkommen unverbrauchtes Setting als Kulisse der Ereignisse und kann auch an dieser Stelle punkten. Die musikalische Gestaltung nahm schon seit jeher eine Sonderstellung ein. Zu den bereits bekannten harten Industrial-Beats und den verstörenden Geräuscharrangements, die für ein permanentes Unwohlsein sorgen, gesellen sich dieses Mal eine melancholische Gitarrenmelodie und Stücke, die die Brücke zum Handlungsort Indien schlagen. Die Soundeffekte passen hervorragend zum Geschehen und sorgen für einen realistischen und authentisch anmutenden Background der Dialoge.


Thomas Schmuckert ist und bleibt die Idealbesetzung für die Rolle des abgebrühten Dämonenjägers, die ordentliche Mischung an Rotz in der Stimme gepaart mit einer gehörigen Menge an Coolness, angereichert mit einer angemessenen Messerspitze an Sarkasmus und Zynismus, ist einfach nicht zu überbieten und macht seine Performance zu etwas Besonderem. Claudia Urbschat-Mingues bekommt ein wenig mehr Raum und kann wieder als Coco Zamis glänzen.


Wolfgang Häntsch tritt auch hier in der Rolle des Erzählers in Erscheinung und verleiht mit seiner außergewöhnlichen Stimmfärbung der Produktion noch einmal eine ganz eigene Note. In weiteren Rollen sind Katharina Gast, Jan-David Rönfeldt, Karin Rasenack und Wolfgang Sprenger zu hören, deren Auftritte ebenfalls keine Wünsche offenlassen. Die Qualität der Drehbücher bleibt konstant hoch und man schafft es mühelos, die Konkurrenz auf die Plätze zu verweisen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Zaubermond




 


 

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 82

Besser spät als nie: Endlich feiert auch das Debüt der Thunderbolts aus dem Jahr 1997 seine deutschsprachige Premiere.

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 82In unseren Tagen ist es schwierig bis fast schon unmöglich, die Superhelden-Fangemeinde zu überraschen – einerseits durch die Verlagsankündigungen von Heften, die teils mehrere Monate vor deren eigentlichem Erscheinen erfolgen, andererseits durch den Faktor Internet: Oft sind schon die Inhalte bekannt, bevor die gedruckte Geschichte die Verkaufsregale erreicht hat. 1997 sah die Sache noch etwas anders aus, da die schöne neue Online-Welt (mit all ihren positiven wie negativen Begleiterscheinungen) noch nicht bis in den letzten Winkel respektive Haushalt vorgedrungen war, folglich konnte das "House of Ideas" im Frühjahr mit der neuen Serie "Thunderbolts" einen veritablen Coup landen.


Während sich Helden wie die Fantastic Four und Avengers im Kampf gegen Onslaught scheinbar geopfert hatten (dazu mehr in der "schwarzen" Marvel-Sammlung), um unter dem Banner von "Heroes Reborn" und der Regie der Image-Mitbegründer Jim Lee und Rob Liefeld eine (letztlich durchwachsene) Frischzellenkur zu erhalten, trug das reguläre Marvel-Universum Trauer ob ihres Verlusts. Mit dem Versprechen, die Reihen im Kampf gegen Verbrecher und Superschurken zu verstärken, trat mit den Thunderbolts ein neues Team auf den Plan, das jedoch ein brisantes Geheimnis verbarg. Selbiges wurde erst auf den letzten beiden Seiten von "Thunderbolts" 1 enthüllt und erwischte viele Fans mit seinem Twist auf dem falschen Fuß.


Ab diesem Moment legt die Story rund um Citizen V und seine Mitstreiter unterhaltungstechnisch erst richtig los, wobei die übliche Action eigentlich nur als bloßes Beiwerk für die Aufarbeitung der persönlichen Beziehungen und Spannungen in den Reihen der Thunderbolts selbst wirkt. Autorenveteran Kurt Busiek hält das erzählerische Ruder ebenso gekonnt in der Hand wie der nicht minder legendäre Mark Bagley den Zeichenstift (wie wir im redaktionellen Teil erfahren, verplauderte er sich damals übrigens bezüglich des großen Geheimnisses der Debütausgabe etwas). Neben den ersten fünf US-Heften und dem Annual, das die Entstehung der Gruppe schildert, ist als i-Tüpfelchen "The Incredible Hulk" 449 enthalten, das hier in deutscher Erstveröffentlichung endlich eine Lücke für hiesige Fans schließt!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

Hulk 1

Dass Wut eine sehr mächtige und gleichermaßen gefährliche Emotion ist, weiß wohl niemand besser als Dr. Bruce Banner.

Hulk (2022) 1Weil er die Schnauze voll hat von dieser Welt und ihren Menschen, baut das Genie den Hulk kurzerhand zu einem monströsen Weltraum-Schlachtschiff um. Gesteuert durch den grandiosen Geist Banners und angetrieben von der Wut seines grünen Alter Egos tingelt der Wissenschaftler mit dem ominösen Gefährt durch die kosmische Einsamkeit, was ihn aber nicht davon abhält sich mit Iron Man anzulegen, um sich danach durch ein Portal in eine alternative Wirklichkeit zu verabschieden. Dort scheint Banner sein Leben besser im Griff zu haben, doch der Schein trügt und schnell wird klar, dass die Probleme nur anders gelagert sind.


Fest steht auch, dass die völlige Trennung zwischen ihm und dem Hulk nicht auf lange Zeit gut gehen kann, schon deshalb nicht, weil die besondere Art der Fortbewegung aufgrund der notwendigen Aggression durchaus als unmenschlich bezeichnet werden darf, muss der grüne Rabauke dafür doch quasi ständig provoziert werden, um seine Wut "ernten" zu können. Es stellt sich lediglich die Frage, wann die Situation eskaliert und wie lange Bruce Banner den bis ins Unermessliche gereizten Hulk unter Kontrolle behält.


Genie und Wahnsinn – ein Paar, das sich in keiner Erscheinungsform besser zeigen könnte als bei Bruce Banner und dem nur schwer zu kontrollierenden Gamma-Ungetüm. Aber hier verrutschen die Grenzen und gekonnt verlagert Autor Donny Cates beim Neustart der Serie die Attribute. War Banner bisher das Genie und der Hulk Ausdruck des Wahnsinns, wird der geniale Wissenschaftler aufgrund seiner rücksichtslosen und grausamen Nutzung der Hulk-Energie immer mehr zum Monster, das nicht nur sich selbst gefährdet, sondern auch unabsehbaren Schaden für die Menschheit billigend in Kauf nimmt.


Einerseits mag das die vor Schuld und Wut zerrissene Seele eines Mannes sein, der die Kontrolle über seinen Körper nur schwer behalten kann, andererseits ist es aber das Porträt eines von Größenwahn geplagten, egomanischen Wissenschaftlers, der meint sich über alle Grenzen und (Natur-)Gesetze hinwegsetzen zu können. Eindrucksvoll in Szene gesetzt und dramatisch aufbereitet wird der Serienauftakt zur überraschend anspruchsvollen wie vielschichtigen Lektüre, die teils nachdenklich stimmt, aber auch große Lust auf mehr macht.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Küsten-Krimi 4 & 5

Bei der Rückkehr in seine alte Heimat wird Hark Hagendorn Zeuge eines brutalen Frauenmordes. Dem Täter gelingt unerkannt die Flucht. Warum wurden der Toten die Fingerkuppen abgetrennt?

Küsten-Krimi 4Aus beruflichen Gründen kehrt Hark Hagendorn in seine alte Heimat an der norddeutschen Ostseeküste zurück. Der Tag in der ländlichen Idylle unweit der dänischen Grenze nimmt jedoch einen komplett anderen Verlauf als erwartet. Anstatt die Expertise über die Böden eines Baugrundstücks zu erstellen, wird Hark Zeuge des brutalen Mordes an einer jungen Frau, dem Täter gelingt unerkannt die Flucht. Doch damit nicht genug, dem kaltblütig erwürgten Opfer wurden auch postum sämtliche Fingerkuppen entfernt. Die Tat eines Wahnsinnigen oder steckt doch Kakül hinter der ganzen Angelegenheit?


Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, aber niemand scheint über ein Tatmotiv zu verfügen. Gerade als sich Hark wieder seinen eigentlichen Aufgaben zuwenden will, macht er die Bekanntschaft der Tierärztin Meike Bischoff. Die Ermittlungen der Kriminalbeamten fördert zutage, dass sie das Mordopfer kannte. Viele Jahre bestand kaum Kontakt, was führte die Tote zu dem abgelegenen Haus an der Steilküste? Hagendorns Interesse ist geweckt, insbesondere als er erkennen muss, dass auch seine Familie eine Rolle in dem mysteriösen Fall zu spielen scheint.


Marc Freund dürfte in Hörspielkreisen kein Unbekannter mehr sein, schließlich zeigte er sich in der Vergangenheit bereits für diverse Serien als Autor verantwortlich und erfreut sich gerade bei Krimifreunden großer Beliebtheit. "Knick Geflüster" weicht jedoch von der Norm ab, denn das Skript beruht auf dem gleichnamigen Roman des Autors. Daraus erklären sich gleich mehrere Besonderheiten dieses Hörspiels. Da wäre zunächst die Länge der Story, die sich über zwei CDs erstreckt, was jedoch vollkommen angemessen ist, um der komplexen Handlung den Raum zu geben, den sie benötigt, um sich angemessen entfalten zu können. Hinweise auf die Identität des Mörders deuten in die verschiedensten Richtungen und nicht selten wird der Hörer gekonnt auf eine falsche Fährte geführt.


Dann wäre da noch die angenehme Tiefe der agierenden Charaktere, welche die vorliegende Produktion wohltuend von vielen anderen abhebt. Die Motivation der verschiedenen Personen ist zu jeder Zeit schlüssig und gibt trotzdem die Möglichkeit für Spekulation beim Publikum, wer der Mörder sein könnte. Um zusätzliche Tiefe beim Plot zu schaffen, wählt man die Perspektive eines Ich-Erzählers, in diesem Fall Hark Hagendorn, um den Fall zu schildern und zusätzlich Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Hauptfigur zu liefern.


Küsten-Krimi 5Wie wichtig es sein kann, wenn die Örtlichkeiten der Geschichte dem Autor tatsächlich bekannt sind, wird hier über die Maßen deutlich, es sind die kleinen, liebevoll eingestreuten Details, die für Glaubwürdigkeit und Authentizität sorgen. Ein interessantes Detail am Rande ist sicherlich, dass auch in diesem Hörspiel das Haus am Abgrund seine Erwähnung findet und wieder mit einem Verbrechen in Verbindung steht.


Die musikalische Gestaltung wird einerseits von der markanten Titelmelodie geprägt, die den Hörer direkt auf die maritime Umgebung der Handlung einschwört, und andererseits durch eine gute Auswahl an weiteren Kompositionen, die auf die jeweiligen Szenen abgestimmt sind und die vorherrschende Stimmung betonen. Die Soundeffekte fangen die besondere Atmosphäre der Ostsee ebenso gut ein wie die kalte Kulisse der Winterlandschaft und den Klang der ganz profanen Dinge des Alltags, die es in Szene zu setzen gilt.


Die Liste der Sprecher fällt nicht eben kurz aus, aber zuerst muss man hier Marc Bremer nennen, der mit seiner warmen und tiefen Stimme dieser Produktion seinen Stempel aufdrückt und eine glaubwürdige Interpretation von Hark Hagendorn liefert. Mit dabei ist ein berlinernder Wolfgang Bahro, dem der Balanceakt gelingt, nicht ins Lächerliche abzudriften. In weiteren Rollen sind so großartige Stimmen wie die von Lisa Cardinale, Luisa Wietzorek, Tim Knauer und Jannik Endemann zu hören. "Knick Geflüster" erfüllt den Wunsch nach kurzweiliger Krimi-Unterhaltung mit maritimem Flair.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Contendo Media


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 194

Neben den Mutanten werden zusehends auch andere Ecken des Marvel-Universums mit Onslaughts Angriff konfrontiert.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 194Im ersten von vier Bänden, den Hachette einem der ambitioniertesten Crossovers des "House of Ideas" in den 1990ern in seiner Kollektion einräumt, wurde zunächst die Identität des ominösen Gegenspielers der X-Men enthüllt und die Schule in Westchester verwüstet. Nach den Fantastic Four und Avengers gibt es in der vorliegenden Ausgabe weitere Tie-ins zu lesen, die die Auswirkungen des als Spätfolge der dramatischen 1993er Saga "Fatal Attractions" konzipierten Events auf andere Marvel-Helden zeigen: Im Fall von "Excalibur" 100 und "Sensational Spider-Man" 8 beschränkt sich dies auf einige wenige Seiten, die wichtige Infos für das Verständnis der Geschehnisse liefern, während mit den US-Heften 125 und 126 gleich zwei Kapitel von "X-Force" enthalten sind.


Bevor wir darin den lange erwarteten Showdown zwischen (dem zu Onslaught übergelaufenen) Dark Beast und Hank McCoy von Erde-616 zu sehen bekommen, folgt ein Schlagabtausch innerhalb des damals unter der Kontrolle der US-Regierung stehenden Teams rund um Forge. Als Vehikel dafür dient nicht nur die vorangegangene Manipulation der beiden Mitglieder Havok und Random, sondern auch das Mitmischen von Mystique und Sabretooth, die ihresgleichen bekanntlich eher weniger auf der Seite des Guten stehen. Unterdessen bekämpfen die beiden Spider-Men Ben Reilly und Peter Parker in New York ebenso die zur Jagd auf Metawesen umprogrammierten Sentinels wie Phil Urich, dessen kurze Heldenkarriere als neuer Green Goblin wenig später endet.


Nachdem er in den Reihen der X-Men den ersten Angriff von Onslaught miterlebte, koppelt sich Wolverines Weg im abgedruckten Kapitel seiner Soloserie von den allgemeinen Geschehnissen ab, steuert aber ein nicht unwichtiges Detail zur Entstehung der Psi-Entität während des Showdowns zwischen Charles Xavier und Magneto in "Fatal Attractions" dar. Die Liste der bei den diesmal enthaltenen Heften beteiligten Autoren fällt sehr lange aus und umfasst solide bis sehr gute Leistungen, was im engen Korsett eines verlagsweiten Crossovers keine Selbstverständlichkeit darstellt. Optisch wird ein nicht minder großer Bogen gespannt, wobei besonders das detailverliebte Artwork von Ian Churchill in der ersten Hälfte des zweiteiligen Showdowns zwischen Cable und dem Hulk ins Auge sticht.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Classicomics 2

Das bewährte Prinzip des vorangegangenen Bands wird fortgeführt: Zwei Adaptionen von Klassikern aus der Feder Jules Vernes und tolles Bonusmaterial.

Classicomics 2Mit der Integral-Ausgabe der Mitte der 1970er Jahre bei Schwager & Steinlein erschienenen Reihe "Classicomics", die Umsetzungen berühmter Werke der Abenteuerliteratur enthielt, wird der Beweis erbracht, dass es nicht nur bloß Novitäten sein müssen, die mit anspruchsvollen Bearbeitungen bekannter Stoffe glänzen. Der zweite Band der liebevollen Edition enthält nicht minder großzügig bebilderte, erhellende Informationen sowohl zu den Hintergründen der abgedruckten Geschichten als auch den zweiten Teil der Biografien von Jules Verne.


Die Käuferschaft wird dabei zunächst ein weiteres Mal vor die Qual der Wahl gestellt, ob es die reguläre Ausgabe sein soll, die "Der Kurier des Zaren" auf dem Cover präsentiert, oder die limitierte und nummerierte Variantausgabe, der "20.000 Meilen unter dem Meer" vorbehalten ist. Letzteres, das den vorliegenden Band eröffnet und eine deutschsprachige Erstveröffentlichung darstellt, zählt zu den berühmtesten und wohl auch einflussreichsten Erzählungen von Monsieur Verne und wurde von Ramón de la Fuente in gewohnt ansehnlichem Strich und einer wunderbar dazu passenden, ausdrucksstarken Kolorierung zu Papier gebracht.


Die Entscheidung, der unfreiwilligen Mitreise von Professor Pierre Aronnax, seinem Diener Conseil und dem Harpunier Ned Land auf der Nautilus die nicht minder dramatischen, wenngleich weniger an fantastische denn historische Ereignisse angelehnten Abenteuer von Michael Strogoff, dem Kurier des Zaren, folgen zu lassen, birgt aus gegenwärtiger Perspektive einen amüsanten Widerspruch: Während Kapitän Nemo die sogenannte zivilisierte Welt verachtet und sich gegen Unterdrückung auflehnt, erscheint anschließend ausgerechnet das absolutistische russische Imperium als dessen letzter Vorposten gegen die als Barbaren gebrandmarkten Tataren. Eine damals (wie heute) romantisierende Vorstellung, die absolut nichts mit der Realität zu tun hat, aber natürlich keinesfalls etwas an der grundlegenden Qualität der Erzählung an sich ändert.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Kult Comics




 


 

Die drei ???: O du finstere

Weihnachten – Zeit für Ruhe und Entspannung, nicht jedoch für die drei Fragezeichen. Auf einer abgelegenen Berghütte werden die Gäste Opfer bösartiger Scherze des archaischen Weihnachtsdämons.

Die drei ???: O du finstereEndlich einmal wirkliche Ferien ohne die Ablenkung durch einen neuen Fall. Eine Vorstellung, die die drei Detektive durchaus reizvoll finden, da kommt der Vorschlag von Tante Mathilda, die Feiertage auf einer einsamen Berghütte im Schnee zu verbringen, gerade richtig. Die Stimmung ist heiter und die gebuchte Unterkunft übertrifft alle Erwartungen. Die ausgelassene Urlaubsatmosphäre findet jedoch ein jähes Ende. Peter wird auf einer Skitour von einem Unbekannten verfolgt. Der zweite Detektiv bekommt es mit der Angst zu tun, denn der Fremde scheint kein Mensch zu sein, sondern eine unheimliche Kreatur mit Fell und Hörnern.


Es kommt, wie es kommen muss: Peter verirrt sich in den dichten Wäldern und es bedarf einmal mehr eines genialen Einfalls von Justus, um ihn zu finden. Peters Geschichte weckt das Interesse der Detektive, man beschließt Nachforschungen anzustellen, doch die Ereignisse überschlagen sich. Im Hotel kommt es zu weiteren mysteriösen Vorkommnissen und boshaften Streichen. Steckt tatsächlich ein heidnischer Teufel aus alten europäischen Legenden hinter den Ereignissen? Justus, Peter und Bob sind entschlossen, dem ominösen Krampus das Handwerk zu legen.


Schon seit einiger Zeit erscheinen neben der regulären Serie Sonderfolgen zu den drei Fragezeichen, in diese Kategorie fällt auch das vorliegende Weihnachtsspecial, das sich diesen Namen in jedweder Hinsicht verdient. Alles, was viele von uns mit Weihnachten und der dunklen Jahreszeit verbinden, findet sich in diesem Hörspiel wieder und wird zusätzlich angereichert mit einer ordentlichen Portion Grusel und einer heidnischen Legende aus vergessener Zeit.


Die Atmosphäre fängt die Vorfreude auf Weihnachten perfekt ein: Eine entlegene Berghütte in tief verschneiter Landschaft, die drei Fragezeichen in festlicher Stimmung, die sich sogar in einer Gesangseinlage wiederfindet und dazu alle Accessoires, die die Feiertage eben ausmachen. Dazu gesellt sich eine spannende Story mit vielen Verdächtigen und einigen falschen Fährten, die das Können der Juniordetektive mehr als nur einmal auf die Probe stellt. Hier schafft man es problemlos, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten und letztendlich eine Auflösung zu präsentieren, die in sich schlüssig erscheint und durchaus logisch daherkommt.


Schon immer gab es unheimliche Momente bei den drei Freunden aus Rocky Beach, was man ruhig als Markenzeichen der Serie verstehen darf. Peters abendlicher Skiausflug toppt viele dieser Szenen jedoch um Längen, hier gelingt es tatsächlich eine Gänsehaut zu erzeugen, was sicherlich auch daran liegen dürfte, dass jeder eine solche Situation, in der man von einem Unbekannten durch einen nächtlichen Wald verfolgt wird, bestens nachvollziehen kann. Die Soundeffekte passen gut zur verschneiten Atmosphäre, in der das Hörspiel angesiedelt ist, und transportiert das Weihnachtsfeeling in die eigenen vier Wände.


Die musikalische Ausstattung knüpft hier nahtlos an. Es gelingt, die ganz unterschiedlichen Stimmungen dieser Produktion einzufangen und an geeigneter Stelle noch zu verstärken. Die Hauptakteure präsentieren sich einmal mehr in Hochform, selbiges gibt es von Karin Lieneweg und Rüdiger Schulzki als Tante Mathilda und Onkel Titus zu berichten, die einen nicht unerheblichen Anteil daran haben, dass man Lust auf Weihnachten verspürt. Die Freude in ihren Stimmen ist geradezu ansteckend. Dazu gesellen sich viele weitere großartige Sprecher, die ebenfalls auf hohem Niveau agieren und die Qualität dieses Hörspiels nochmals steigern. Mit Fug und Recht darf man "O Du finstere" als eines der besten Weihnachtshörspiele überhaupt bezeichnen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Europa/Sony Music




 


 

The Department of Truth 3

"Realität ist etwas ganz Anderes als die Wahrheit, oder nicht?"

The Department of Truth 3Allen, die sich fragen, warum in den beiden ersten Bänden der deutschsprachigen Fassung von "The Department of Truth" die US-Ausgaben 6 und 7 gefehlt haben, obwohl sie laut dem Backcover enthalten sein sollten, sei versichert, dass es sich diesbezüglich selbstverständlich um keine Verschwörung des Splitter Verlags handelt. Die beiden Kapitel werden nämlich mit dem vorliegenden dritten Streich der konspirativen Achterbahnfahrt von James Tynion IV und Martin Simmonds nachgereicht, überdies kommen auch die Hefte 14-17 zum Abdruck.


Um dem Zeichner etwas Luft beim Einhalten der Deadlines zu verschaffen, aber auch um eine an verschiedenen Punkten angesiedelte Parallelhandlung einzuziehen, wurde auf die Hilfe zahlreicher Künstlerkolleg:innen zurückgegriffen. Im Zentrum steht dabei die frühe Geschichte jener geheimen Regierungsbehörde, der sich Cole Turner in der Gegenwart anschließen und in deren bizarren Kampf um das Formen eigener und Bekämpfen unerwünschter Realitäten verwickelt wird. Den weitesten Sprung in die Vergangenheit macht der Auftakt, der uns nach 1000 n. Chr. zurückversetzt und übrigens die Theorie aufgreift, dass die katholische Kirche über 300 Jahre (inklusive Karls des Großen) nachträglich erfunden haben soll (siehe dazu Heribert Illigs Buch "Das erfundene Mittelalter").


Nicht minder fantastisch geht es weiter, mitten hinein in den Hype um Ufos, den Mothman und die berühmten Männer in den schwarzen Anzügen, wenn die frühe Karriere von Lee Harvey Oswald erhellt wird, dessen Wege sich mit jenen des eingeschworenen Aluhutfans Dalton "Doc" Hynes kreuzten. So unterschiedlich wie die eingeflochtenen Verschwörungstheorien ausfallen, die auch Aleister Crowley, L. Ron Hubbards Scientology und die Gegenkultur nicht auslassen, so vielfältig präsentiert sich auch der optische Bogen, den die beteiligten Kreativkräfte spannen – von Elsa Charretiers Artwork, das wohltuende Erinnerungen etwa an Darwyn Cooke weckt, bis hin zu den ganzseitigen Gemälden von David Romero. "The Department of Truth" ist inmitten all seines faszinierenden Irrsinns ein unglaublich intelligenter Comic, zumindest das steht unverrückbar fest.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Gruselkabinett 144

Das menschliche Gehirn: Seit jeher ist der Mensch von seinem wichtigsten seiner Organe fasziniert.

Gruselkabinett 144Moralische Grenzen sind Dr. Raymond fremd, am Ende des Tages zählt allein der wissenschaftliche Erfolg. Sein alter Freund Mr. Clarke traut seinen Ohren nicht, als dieser ihm offenbart, bei welch zweifelhaftem Experiment er ihn als Zeugen dabeihaben will. Mary, ein junges Mädchen, das Raymonds Obhut anvertraut wurde, soll der Schädel geöffnet werden, um Manipulationen am Hirn vorzunehmen. Der wissbegierige Mediziner will so den Beweis antreten, dass es möglich ist, mit dem Reich des mystischen Gottes Pan in Kontakt zu treten. Bereits die alten Griechen sprachen von einer Möglichkeit, mit der Gottheit Verbindung aufzunehmen, ein Vorgang, der nun unter wissenschaftlichen Voraussetzungen wiederholt werden soll. Clarke hegt die größten Bedenken gegenüber dem Eingriff und soll rechtbehalten. Die Probandin windet sich unter den größten Qualen und bleibt als geistig zerrüttetes Wrack zurück – ein Ereignis, das Clarke noch viele Jahre begleiten wird.


Jahrzehnte später kommt es in der höheren Gesellschaft London zu einer Reihe mysteriöser Todesfälle. Bei allen Betroffenen handelt es sich um angesehene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die keinerlei Grund zu haben schienen, um selbst aus dem Leben zu scheiden. Alle verbindet jedoch die Gemeinsamkeit, kurz vor ihrem Tod mit einer Frau in Kontakt gewesen zu sein, die sich durch ihre ausschweifenden Lebensumstände einen gewissen Ruf erworben hat. Allerdings scheint es sich um verschiedene Frauen zu handeln, die an unterschiedlichen Orten aktiv sind. Nachdem auch ein alter Bekannter den Freitod wählt, beginnt der junge Mr. Villiers Nachforschungen anzustellen. Noch ahnt er nicht, welches Grauen hinter den verschlossenen Türen der Londoner Gesellschaft auf ihn wartet.


Auf den ersten Blick scheint Titania Medien einen absolut klassischen Stoff der Horror- und Gruselliteratur für das "Gruselkabinett" ausgewählt zu haben: Ein größenwahnsinniger Wissenschaftler, der keinerlei Grenzen akzeptiert, um an sein Ziel zu gelangen. Dabei mutet auch sein Wirkungsfeld geradezu kanonisch an, schließlich widmet er sich dem menschlichen Gehirn, jenem Organ, das die Menschen schon jeher faszinierte und zu den wildesten Spekulationen einlud, welche fantastischen Leistungen mit diesem Teil des Körpers noch möglich und erreichbar seien. Dass die Produzenten aber des Öfteren gewillt sind, ihr Publikum zu überraschen und auf eine falsche Fährte zu locken, ist ebenso bekannt und so reibt man sich verwundert die Augen, als nach einigen Minuten ein Zeitsprung von mehreren Jahrzehnten erfolgt und ein Handlungsfaden anschließt, der in keinerlei Verbindung zum bisherigen Geschehen zu stehen scheint.


Doch damit nicht genug, wähnte sich die Hörerschaft anfänglich sofort in einer ausgewiesenen Schauergeschichte der klassischsten Prägung, wird sie nun mit einem klassischen Vertreter der Kriminalliteratur konfrontiert. Mehrere scheinbare Suizide erregen die Aufmerksamkeit einer Gruppe von Ermittlern, die Indizien sammeln, um ihre These, dass es sich um Mord handelt, zu belegen und den Täter zu überführen. So ist es durchaus legitim, über weite Strecken von einem "Whodunit" zu sprechen.


Großes Interesse schöpft die Geschichte aus der Frage, wie die beiden so verschieden anmutenden Stoffe letztendlich in Verbindung stehen könnten. So viel darf verraten werden: Das Finale wartet mit einem unerwarteten Paukenschlag auf, der so nicht zu erwarten ist. Der Weg dorthin bleibt jederzeit spannend und kann bis zur letzten Minute überzeugen. Wie immer lässt man es sich nicht nehmen, die gesellschaftlichen Moralvorstellungen und Ansichten durchblitzen zu lassen, die dem Hörspiel einen ganz eigenen Reiz verleihen. "Der gewaltige Gott Pan" stellt eine Schauergeschichte dar, die das Beste zweier verschiedener Gattungen in sich zu einem unterhaltsamen Ganzen vereint. Die musikalische Gestaltung ist wie immer ein stilistisches Mittel, die vielschichtige Handlung an den richtigen Stellen zu betonten und zu verstärken.


Das für die Produktion versammelte Ensemble wirkt wie das Treffen alter Bekannter, handelt es sich doch bei allen um langjährige Stammsprecher des Labels, die gehobene Qualität und Spannung garantieren. So sind hier Michael-Che Koch, Thomas Balou Martin, Bodo Primus, Detlef Bierstedt und viele weitere bekannte Stimmen zu hören. "Der gewaltige Gott Pan" ist ein hochklassiger Vertreter innerhalb einer stetig wachsenden Reihe großartiger Hörspiele.             


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 193

Was ist Wahn und was Wirklichkeit? Eine Frage, die nicht nur Moon Knight, sondern auch alle umtreibt, die diese Story lesen.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 193In Band 43 der "roten" Marvel-Sammelreihe fand sich (neben seinem Debüt aus "Werewolf by Night" 32 von 1975) mit dem Start der 2014 unter dem "All-New Marvel NOW!"-Banner erschienenen "Moon Knight"-Serie ein Highlight aus der jüngeren Geschichte der "Faust von Khonshu". Nach Warren Ellis übernahm Brian Wood für den zweiten Storybogen die Autorenschaft, während der Zeichenstift von Declan Shalvey an Greg Smallwood weitergereicht wurde. Letzterer war dann wiederum auch für das Artwork des nächsten Volumes verantwortlich, das 2016 loslegte und (mit einer rund halbjährlichen Unterbrechung) dank der findigen "Legacy"-Nummerierung bis zur Jubiläumsausgabe 200 reichte.


Die Handlung für die ersten 14 Hefte steuerte Jeff Lemire bei, der sich ebenso wie seine Vorgänger auf die "dank" zahlreicher verschiedener Persönlichkeiten zerrüttete Psyche von Moon Knight konzentrierte. Im Auftakt "Welcome to New Egypt" findet sich der Mann, der sich für den Diener des ägyptischen Gottes Khonshu hält, in einer psychiatrischen Anstalt wieder, in der auffälliges Benehmen mit Übergriffen des Personals und Elektroschocks geahndet wird. Marc Spector soll hier seit seinem zwölften Lebensjahr eingesperrt und die Identität als kostümierter Antiheld folglich bloße Einbildung sein, aber die Begegnungen mit alten Bekannten und Momente der Klarheit sprechen eine andere Sprache… oder sind sie bloße Wahnvorstellungen?


Zusammen mit dem Protagonisten wird die Leserschaft den gesamten Fünfteiler über im Unklaren gelassen, was nun eigentlich Fantasie und was Realität ist. Jeff Lemire spielt dabei nicht nur geschickt mit den einzelnen Facetten von Mr. Knight und Konsorten, sondern lässt auch Verweise auf die Arbeiten seiner Vorgänger an dem weißgekleideten Ritter der Nacht einfließen. Greg Smallwood macht einen nicht minder feinen Job, der in einigen Panels wohl nicht zufällig stilistische Erinnerungen an Bill Sienkiewicz ("Stray Toasters") weckt, welcher bekanntlich für die allererste monatliche Serie tätig war. Jordie Bellaires Kolorierung schließlich rundet eine weitere spannende Interpretation von Moon Knight gelungen ab.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Black Panther: Wakandas größter Held – Die Black Panther-Anthologie

Er ist einer der einflussreichsten Helden im Marvel-Universum und wahrscheinlich derjenige mit der größten politischen Wirkung auf die reale Welt.

Black Panther: Wakandas größter Held - Die Black Panther-AnthologieDie Leserinnen und Lesern bekommen auf satten 324 Seiten nicht nur einige der spannendsten Abenteuer des Katzenkriegers präsentiert, sondern zwischendurch auch die Entstehung und Geschichte des Helden durch informative Essays vermittelt. Das wirft einerseits Licht auf die frühe Arbeit von Stan Lee und Jack Kirby im noch recht jungen Marvel-Universum, andererseits wird auch die politische Tragweite aufgezeigt und erklärt, wie wichtig es war, dass endlich eine Person of Colour zum Titelhelden avancierte.


Dabei verbunden ist das Aufräumen mit dem Missverständnis, dass der Name des Titelhelden etwas mit der politischen Black Panther Party zu tun hat, welche erst im Oktober 1966 (und somit drei Monate nach dem ersten Auftritt von T`Challa) gegründet wurde. Die Reise beginnt im Juli besagten Jahres, als die Fantastic Four erstmals nach Wakanda gelangten und das Publikum Black Panther anfangs noch nicht als großen Sympathieträger kennenlernte – schließlich degradiert er seine Gäste zur Jagdbeute, um seine Stärke zu demonstrieren. Erst danach beginnt sich eine freundschaftliche Beziehung aufzubauen.


Über die Jahrzehnte werden unterschiedliche Geschichten in unterschiedlichsten Stilen erzählt, wobei die dazwischenliegenden Essays dafür sorgen, dass die Gesamtentwicklung der Figur stets im Fokus bleibt. Besonderes Augenmerk gilt der charakterlichen Entwicklung und Veränderung des Helden, die nicht immer positiv ist. Von der tragischen Kindheit bis zu seiner Stellung als König und Beschützer seines Landes, den Wechsel zu den Avengers, die Zeit als liebender Ehemann, aber auch die Gewaltexzesse als brutaler und gnadenloser Feldherr offenbaren sich zahlreiche Facetten des Kriegermonarchen, ohne sie zu beschönigen.


So etwa im atemberaubenden Dreiteiler "Wakanda sehen und sterben", in dem die Skrulls eine Invasion starten, aber schnell wie Mäuse dem Monster Katze gegenüberstehen. Unabhängig davon ist besagte Trilogie besonders zu beachten, beleuchtet sie doch beide Kriegsparteien mit viel Emotion, lässt die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmen, stellt das moralische Dilemma eines Schlachtfelds in den Mittelpunkt und gerät so zu einem in ihrer Ehrlichkeit erschütternden Anti-Kriegs-Epos.


Man muss ob der Fülle und Vielfältigkeit der gelieferten Geschichten und dazugehörigen Infos nicht extra betonen, dass diese Anthologie eine wahre Fundgrube an historischen Comic-Schätzen ist, die sowohl Einsteigern als auch Veteranen in puncto Black Panther zur stundenlangen Unterhaltung dient und obendrauf noch Licht auf die Machart und die Menschen hinter den Comics und ihren Entstehungsgeschichten wirft.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

The Unbelievable Unteens

Liest du noch Comics oder (er)lebst du sie schon?

The Unbelievable UnteensMit "Black Hammer: The End" wird Jeff Lemire in Kürze die dritte Phase und das (vorläufige) Finale seines "Hammerverse" einläuten, doch zuvor bekommen wir dank Splitter sowohl die beiden fehlenden Drittel der zwölf Kapitel umfassenden Serie "Black Hammer: Reborn" als auch "The Unbelievable Unteens" in die Hände. Letztgenannter Vierteiler verdeutlicht alleine schon aufgrund seines Titels, welche Ära dieses Mal referenziert wird, und verfestigt diesen Eindruck quasi ab der ersten Seite: Die 1980er waren die Blütezeit der Teen Titans und X-Men, mit denen die ewigen Konkurrenten DC und Marvel um die Gunst der jungen Leserschaft buhlten. Es bedarf keiner allzu großen Expertise, um sich einen Reim auf die zentrale Grundlage für das Team, das Dr. Miles Moniker (welch ein Name!) unter seine Fittiche genommen hat, zu machen.


Die Abenteuer der jugendlichen Mitglieder, die einerseits mit großen Kräften und andererseits fleißig sprudelnden Hormonen zurechtkommen müssen, erzählt Jane Ito im gleichnamigen Comic, dessen Abgabetermin sie im Jahr 1997 wieder einmal hinterherläuft (respektive -zeichnet). Die Künstlerin wähnt sich schon am Rande des Wahnsinns, als mit Jack Sabbath ein Charakter aus den eigenen Erzählungen auftaucht und behauptet, dass es sich dabei in Wahrheit um ihre Erinnerungen handeln würde und sie selbst Teil der Unbelievable Teens gewesen sei. Der geisterhafte Ex-Kollege, der "Hammerverse"-Connaisseuren bereits begegnet ist, hat kürzlich Erinnerungen an eine dramatische Episode zurückerhalten, die das Team nicht nur sprichwörtlich durch die Hölle gehen ließ und für dessen Auflösung sorgte.


Wie so oft bei "Black Hammer" liegen liebevolle Superhelden-Versatzstücke, das Einfangen des Zeitgeists, eine Prise Metaphysik (noch metaphysischer wäre wohl nur mehr gewesen, Jeff Lemire selbst bei der eingangs geschilderten Signierstunde zu erblicken) und berührende Charakterstudien nahe beieinander – all das vereint sich auch bei "The Unbelievable Unteens" zu einem harmonischen Ganzen, das diesmal besonders die unbändige Kraft der Fantasie betont, mit der uns das Spandexgenre seit Dekaden aus dem oft grauen Alltag ausbrechen lässt. Tyler Crooks charmantes Artwork, in dessen Entstehung der Bonusteil interessante Einblicke gewährt, trägt zum Lesegenuss ebenso bei wie die einleitende "FCBD"-Kurzstory mit Zeichnungen von David Rubín.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Dorian Hunter – Dämonen-Killer 47

An den entlegenen Orten der Welt überdauern gelegentlich Dinge, die anderswo längst der Vergangenheit angehören: Finstere Gebräuche und grausame Rituale.

Dorian Hunter - Dämonen-Killer 47Kann es wirklich sein, dass Coco Zamis noch am Leben ist? Alles scheint dagegen zu sprechen, schließlich musste Dorian Hunter selbst mitansehen, wie die junge Hexe von den Propellern eines Flugzeugs in Stücke gerissen wurde. Dennoch befindet sich der Dämonenjäger nun auf einer kräftezehrenden Reise ans andere Ende der Welt. Neubritannien, eine Insel im Nordosten Papua-Neuguineas: An diesem gottverlassenen Ort sollen Hinweise auf den Verbleib Cocos zu finden sein. Eine reale Chance oder doch nur eine falsche Fährte des undurchsichtigen Demur Alkahest?


In den Ruinen der ehemaligen Hauptstadt Rabaul mehren sich die Anzeichen, dass Zamis mit dem undurchsichtigen Duk-Duk-Kult in Berührung gekommen ist und in den Dschungel verschleppt wurde. Welche Ziele verfolgt Olivaro mit dessen Anhängern? Hunter ist entschlossen Coco zu befreien, doch die Zeit drängt, denn scheinbar soll sie im Rahmen einer widerwärtigen Zeremonie geopfert werden. Besteht noch Hoffnung? Frag den Duk Duk!


"Dorian Hunter" war und ist in jeglicher Hinsicht immer noch die etwas andere Horrorserie auf dem Markt. Sicherlich entführen einige Helden ihre Hörer an entlegene und abseitige Orte, der Dämonen-Killer wusste allerdings schon jeher mit Handlungsplätzen aufzuwarten, die eine gewisse Exotik versprühen. An dieser Stelle setzt bei der Konkurrenz häufig das Versagen ein, denn es gelingt nur selten Besonderheiten eines solchen Ortes auch wirklich zu nutzen und Horror und Grauen beim Publikum zu erzeugen.


Wie das Gegenbeispiel aussehen kann, zeigt "Duk Duk". Mit einer enormen Leichtigkeit gelingt es eine bedrohliche und unheimliche Kulisse vor einer unwirklichen Dschungellandschaft zu inszenieren, die einen sofort gefangen nimmt. Ein Kult mit bizarren Ritualen und Riten, der eine ganze Region unter seine Knute zwingt, ist nur die Ausgangsgrundlage für ein dicht gestricktes Abenteuer des Dämonen-Killers, das der Rahmenhandlung, in deren Mittelpunkt der Kampf gegen Olivaro steht, ein weiteres aufregendes Kapitel hinzufügt.


Ein anhaltendes Gefühl der Verunsicherung und ständigen Bedrohung prägt die Story. Dass es allein schon gelingt, derartige Emotionen bei den Hörern hervorzurufen, lässt "Dorian Hunter" aus der Flut der Veröffentlichungen hervorstechen. Dazu gesellen sich der oft finstere Humor, der diese Serie auszeichnet, und wie gewohnt eine gehörige Portion Action. Die Dialoge wissen zu überzeugen und zeichnen sich durch ein hohes Maß an Authentizität aus, die verwendeten Soundeffekte lassen nichts zu wünschen übrig. Ohne Umschweife befindet man sich inmitten einer Ruinenstadt in der Tiefe des Urwalds. Jedes Geräusch ist passend gewählt und kann die Fremdartigkeit der Szenerie einfangen und zum Publikum transportieren.


Mittlerweile ist es bereits ein Markenzeichen geworden, wenn erforderlich Rollen mit Native Speakern zu besetzen, was die Glaubwürdigkeit einer Geschichte nochmals ordentlich pusht – eine Grundidee, auf die auch hier zurückgegriffen wird und der Handlung gut zu Gesicht steht. Thomas Schmuckert brilliert wieder einmal in der Rolle des rastlosen Dämonenjägers, Claudia Urbschat-Mingues präsentiert eine neue, verletzlichere Facette von Coco Zamis, während Regina Lemnitz und Tim Kreuer als Mrs. Pickford und Philipp ganz eigene Akzente zu setzen. Der Trend setzt sich fort, Dorian Hunter präsentiert sich in jeder Hinsicht seit einigen Episoden in absoluter Topform. Bitte schnell mehr davon.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Zaubermond




 


 

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 81

Ein Quantum(band) Trost!

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 81Ein toller Nebeneffekt der beiden Marvel-Sammelreihen ist, dass sich analog zum steigenden Output von Hachette auch die Wahrscheinlichkeit von Querbindungen zwischen dem veröffentlichten Material erhöht – die vorliegende Ausgabe stellt das wieder einmal unter Beweis. Sie widmet sich Wendell Vaughn alias Quasar, der seine Heldenrolle mittlerweile aufgegeben hat, zwischen 1989 und 1994 aber Protagonist einer monatlichen Serie war, die es auf beachtliche 60 Ausgaben brachte. Die ersten neun von ihnen finden sich im vorliegenden Band, wobei die Debütnummer bequemerweise die Origin enthält und damit auch eine weitere der eingangs erwähnten Querbindungen.


Bevor der gute Mann mit den Quantumbändern nämlich zum Mitglied der Avengers wurde (und als solcher unter anderem auch Teil des Crossovers "Operation: Galactic Storm"), arbeitete er als Sicherheitschef beim streng geheimen Projekt Pegasus, wo zwischendurch auch Ben Grimm von den Fantastic Four anheuerte – das Zusammentreffen der beiden, das sich in Band 66 nachlesen lässt, bescherte ihm jedoch einen Knick im Selbstbewusstsein, der nun mit einer neuen Rolle wieder ausgebügelt werden soll. Die kosmische Entität Eon, der er im Weltall begegnet, verpasst ihm die Ausgabe als Beschützer des Universums und warnt ihn davor, dass in absehbarer Zeit ein wenig freundlicher Alien auf der Erde auftauchen wird.


Die Suche nach dem zukünftigen außerirdischen Gegner war für Autorenlegende Mark Gruenwald, der übrigens sämtliche "Quasar"-Ausgaben verfasste, ein cleverer Kniff, um bekannte Charaktere aus dem Marvel-Fundus wie Venom, Warlock, Red Ghost oder den zwischendurch mit einem "kosmischen Upgrade" versehenen Spider-Man einzubauen. Ihre Auftritte fügen sich aber erfreulicherweise ebenso ungezwungen in die Handlung ein wie die zwei Tie-ins zum Crossover "Acts of Vengeance" oder ein scherzhaft auf dem US-Cover als "absolutely the last Secret Wars tie-in" beworbenes Nachspiel zur Mutter aller Crossover.


Gruenwalds Story ist perfekt ausbalancierte Superhelden-Kost, die auch den als – was sonst? – Chef einer Sicherheitsfirma durchstartenden Privatmann Wendell Vaughn und dessen Sorgen berücksichtigt. Ein ungemein sympathischer Progatonist wirkt hier als tolles Gegengewicht zu den gewaltigen Kräften, mit denen er ausgestattet wurde, was unter der Regie eines weniger talentierten Schreibers sehr schnell zu langweiligen Kraftdemonstrationen verkommen hätten können. Das Artwork von Paul Ryan trägt ein ordentliches Scherflein zum Unterhaltungswert bei und der Übergang zu seinem Kollegen Mike Manley ab "Quasar" 8 fällt fast gar nicht auf.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

Something is Killing the Children 5

Die Abtrünnige des Hauses Slaughter wird von der Jägerin zur Gejagten.

Something is Killing the Children 5Die aktuellen Verkaufszahlen belegen, dass sich "Something is Killing the Children" immer noch konsequent über die Mechanismen der amerikanischen Comic-Industrie hinwegsetzt. Anders lässt sich nicht erklären, dass das Interesse und damit einhergehend die Auflage nicht wie üblich mit steigender Zahl an veröffentlichten Heftnummern zurückgeht, sondern konstant hochbleibt. Zwischen den einzelnen Storybögen, die auch hierzulande jeweils einen Sammelband füllen, vergehen jeweils einige Monate, die folglich die Wartezeit auf die Fortsetzung stets zu einer quälenden Angelegenheit machen.


Gut Ding braucht eben Weile – und immerhin gibt es mit dem nicht minder tollen Spin-off "Something is Killing the Children: House of Slaughter" nun zusätzlichen Lesestoff, um die Fans von Erica Slaughter bei der Stange zu halten und überdies so manche brennende Frage zur Beschaffenheit der gefährlichen Welt, in der (nicht nur) sie sich bewegt, zu beantworten. Nachdem der vierte Band der Hauptserie die Vergangenheit unserer Protagonistin beleuchtete, geht es mit den diesmal abgedruckten US-Ausgaben 21 bis 25 in der Gegenwart und den dramatischen Konsequenzen der Geschehnisse in Archer`s Peak weiter.


Erica taucht im verschlafenen Möchtegern-Touristenort Tribulation, New Mexico auf, dessen Thermalquellen einen gleichermaßen ungebetenen wie bizarren Gast angelockt haben. Ein Monster, mit dem sich selbst erfahrene Jäger nur ungern anlegen sollten, ist verantwortlich für mehrere Tote, die örtliche Polizei heillos überfordert. Als die gesamte Familie der jungen Gabi ausgelöscht wird, erregt die vorgebliche Reporterin, als die sich die Abtrünnige des Hauses Slaughter ausgibt, besonderes Misstrauen… und im Hintergrund beginnt bereits die tödliche "Aufräumarbeit" des Ordens des Heiligen Georgs.


"The Road to Tribulation", so der Originaltitel des vorliegenden Mehrteilers, wirkt in vielerlei Hinsicht wie eine Reflektion der Geschehnisse in Archer`s Peak: Auch hier steht ein emotional erschütterter Teenager im Zentrum einer blutigen Mordserie, während die Begegnungen der Erwachsenen mit der von außen in die nicht mehr ganz so heile Welt einer Kleinstadt eindringenden Monsterjägerin Gelegenheit für nicht minder spannende Charakterarbeit liefern. Für die besondere Würze sorgt diesmal die nicht allzu sympathische Dame, die das Kapitel Erica Slaughter gewaltsam schließen soll. Der Hype um "SiKtC", das auch optisch auf höchstem Niveau bleibt, ist also weiterhin völlig gerechtfertigt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Fables Deluxe Edition 3

Die märchenhafte Parallelgesellschaft sieht sich mit Spionage und politischen Machtkämpfen konfrontiert, aber nichts vereint eine zerrüttete Gesellschaft so sehr wie eine drohende Invasion...

Fables Deluxe Edition 3Als vom Krieg in ihrer Heimat gezeichnete Flüchtlinge sind die Bürger vom mitten in New York versteckten Fabletown besonders auf ihre Sicherheit bedacht. Kein Wunder also, dass sie mit allen Mitteln dafür kämpfen, dass dem Feind und Unterwerfer ihrer verlorenen Märchenwelt keinerlei strategische Informationen über die Beschaffenheit und Befindlichkeit des magischen Staats in die Hände fallen. Andersherum setzt die finstere Gegenseite natürlich alles daran, um genau solche Kenntnisse zu erlangen, und so beginnt ein Verwirrspiel, in dem Agentinnen unter Einsatz aller ihnen zur Verfügung stehender Mittel einen Vorteil für die jeweilige Konfliktpartei herauszuholen versuchen.


Dabei wartet die eine oder andere nur schwer zu verkraftende Überraschung auf so manchen Bürger der Bullfinch Street. Aber nicht nur im urbanen Teil breiten sich die Vorboten eines erneuten Krieges aus, auch die im ruralen Upstate New York auf einer Farm untergebrachten Bürger Fabletowns müssen zur Verteidigung ihrer Zuflucht ausrücken, steht doch der alte Feind vor den Toren der neuen Welt. Stellt sich nur die Frage wie man es anstellen soll, dass die Menschen von all dem nichts mitkriegen…


Mastermind Bill Willingham versteht es auch im dritten Band der Deluxe Edition gekonnt durch seinen vielschichtigen Mikrokosmos zu führen. Mit viel Einfühlungsvermögen dirigiert er die Leserschaft durch die amourösen, gesellschaftlichen sowie politischen Wirrungen seines Staates im Staat und investiert dabei viel Energie in den emotional ausgefeilten Aufbau seiner Figuren und deren Beziehungen, schreckt aber auch nicht davor zurück, diese zu opfern. In Kombination mit dezenten Farben und einem prägnanten, nicht zu fordernden Zeichenstil gerät auch Runde drei zu einer fesselnden Reise durch eine Märchenwelt, wie man sie bisher noch nicht kannte.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Küsten-Krimi 3

Ein einsames Haus an der deutschen Ostseeküste. Ein ungezwungenes Wochenende unter Geschäftspartnern nimmt ohne Vorwarnung eine vollkommen unerwartete Wendung.

Küsten-Krimi 3Hennings Karriere steht am Scheideweg, mit ein bisschen Glück hat er gute Karten in die Führungsetage seines Unternehmens aufzusteigen. Ein gemeinsames Wochenende mit seinem Chef in einem kleinen, intimen Kreis soll die Chancen auf eine Beförderung noch einmal deutlich erhöhen. Um möglichst ungestört zu sein, mietet man ein abgelegenes Ferienhaus unweit der Ostseeküste. Hennigs Plan, seine berufliche Situation zu verbessern, scheint aufzugehen. Jeder in der Gruppe scheint die Auszeit am Meer zu genießen.


Dies ändert sich jedoch schlagartig, als ein weiterer unerwarteter Gast das Haus an der Steilküste besucht. Die Stimmung kippt, denn die junge Frau ist für einige der Anwesenden keine Unbekannte. Doch bevor diese ihre Forderungen an Hennig und seine Geschäftspartner stellen kann, findet sie auf brutale Weise den Tod. Eine schreckliche Erkenntnis nimmt Gestalt an, der Mörder kann nur einer von ihnen sein. Eine folgenschwere Entscheidung wird getroffen, doch anstatt wie erhofft ein Verbrechen unter den Teppich kehren zu können, ist dies der Auftakt für einige weitere beunruhigende Ereignisse, die nicht alle der Anwesenden überleben.


Man merkt von der ersten Sekunde an, dass der Autor dieses Hörspiels mit der gewählten Kulisse sehr vertraut zu sein scheint. Es gelingt binnen Sekunden, die raue und windige Landschaft der Ostseeküste vor dem inneren Auge Gestalt annehmen zu lassen. Die Reihe "Küsten-Krimi" ist zweifellos dem seit einiger Zeit erfolgreichen Subgenre des Regionalkrimis zuzuordnen, lokale Örtlichkeiten und Besonderheiten einer Region werden mit einem Krimiszenario verwoben. Dies gelingt mal mehr, mal weniger erfolgreich, bei "Endstation Steilküste" geht dieses Konzept jedenfalls mühelos auf.


Für die Handlung wählt man als Ausgangslage ein klassisches Setting, innerhalb eines kleinen Personenkreises ereignet sich ein Mord und im Verlauf der Geschichte scheint nahezu jeder der Anwesenden über ein Motiv dafür zu verfügen. Marc Freund schafft es immer wieder neue Wendungen in seinen Plot einfließen zu lassen, die Spannung bis zum großen Finale unvermindert hochzuhalten und wieder andere mögliche Täter ins Spiel zu bringen. Schnell wird deutlich, dass keiner der Akteure über eine weiße Weste verfügt und alle zu einem Mord fähig wären. Der Auftakt zu einem nervenaufreibenden Verwirrspiel angereichert mit einer ordentlichen Portion Action und einer Menge falscher Fährten.


Ein weiterer Pluspunkt sind die ausgefeilten Dialoge, die durch Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe zu überzeugen wissen. Bei der musikalischen Gestaltung fließt immer wieder ein maritimes Thema ein und unterstreicht nochmals das gewählte Konzept dieses Krimis. Dazu kommen einige weitere Stücke, die die Atmosphäre der Story gekonnt betonen oder den Übergang zu einer neuen Szene markieren. Die Soundeffekte sind perfekt gewählt und vermitteln dem Hörer ein gutes Gefühl für die nahe Küste, Möwenkreischen und heulender Wind inklusive. Zu einem besonderen Erlebnis wird dieses Hörspiel jedoch erst mit einem Kopfhörer, wo die Effekte nochmals entschieden besser rüberkommen.


Bei der Auswahl der Sprecher hat man großes Fingerspitzengefühl bewiesen, denn nahezu alle Stimmen passen hervorragend zu den jeweiligen Charakteren. Es wurden hier so großartige Schauspieler wie Matthias Keller, Melanie Manstein, Thomas Balou Martin und Michael-Che Koch vor dem Mikro versammelt und mit ihren Auftritten dieses Hörspiel veredelt. "Endstation Steilküste" ist gelungene Krimiunterhaltung mit vielen Wendungen, die den Hörer bis zum Schluss gefangen nehmen!


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Contendo Media



 



 

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 80

Der zentralen Figur der berüchtigten Klonsaga in einem Band gerecht werden zu wollen gleicht der Quadratur des Kreises, bürgt aber nichtsdestotrotz für tollen Lesestoff.

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 80Fällt in Bezug auf Spider-Man das Stichwort "Klonsaga", lässt sich die Reaktion von allen, die zur Mitte der 1990er die Abenteuer des Wandkrabblers verfolgten, auf zwei Extreme beschränken: Entweder leuchtende Augen und seliges Zurückblicken auf eine turbulente Zeit, in der jeden Monat aufs Neue mit den Erwartungen der Fans gespielt wurde, oder ein Würgereflex aufgrund einer zunächst auf wenige Monate angelegten Story, die durch die Einmischung der Marketingabteilung von Marvel völlig aus dem Ruder lief. Wohl nicht wenige dürften heilfroh gewesen sein, dass die Chefredaktion des "House of Ideas" schließlich Ende 1996 einen Schlussstrich zog und Ben Reilly den Heldentod sterben ließ.


Endgültig ist natürlich nichts im Superhelden-Genre, folglich durfte Peter Parkers Klon vor einigen Jahren wieder zurückkehren und kürzlich einmal mehr das Kostüm des Originals überstreifen (Stichwort "Beyond"), wenngleich ebenfalls von Kontroversen begleitet – die Geschichte wiederholt sich also. Die Klonsaga ist fast drei Dekaden nach ihrer Veröffentlichung (1994-1996) immer noch ein hervorragender Anlass für Diskussionen zwischen Liebhabern und Gegnern sowie eine für Außenstehende mitunter verwirrende Materie. Die Frage, wer nun das Original war und wer der Doppelgänger, erscheint hier noch als die einfachste. In "Spider-Man" 75, mit dem Marvel einst einen vorläufigen Schlussstrich unter das Reizthema zog, fungierte Norman Osborn als "deus ex machina", um jeden Zweifel an Peter Parkers Status als Original auszuräumen.


Mit dieser Ausgabe beschließt Hachette den vorliegenden Band, der sich Ben Reilly und dessen zwischenzeitlichem Alter Ego Scarlet Spider widmet, was eine logische Wahl darstellt, um die eigentlich unmögliche Aufgabe zu schaffen, seine Geschichte auf eine überschaubare Seitenanzahl zu komprimieren. Am anderen Ende der Ausgabe steht "Amazing Spider-Man" 149, die erste Hälfte der originalen Klonsaga der 1970er, in dem Spideys Double durch die Machenschaften von Miles "Schakal" Warren eingeführt wurde. Da dies tatsächlich sein Debüt darstellte, geht das ebenfalls in Ordnung – alternativ wäre auch die vierteilige Backup-Story "The Double" rund um Ben Reillys tatsächliche Geburt und die emotionale Misshandlung durch seinen Schöpfer (zu finden beispielsweise hier) interessant gewesen.


Geschrieben wurde diese von Jean Marc deMatteis, seines Zeichens der Psychologe unter den Spidey-Autoren, dessen Zusammenarbeit mit Zeichner Mike Zeck und Tuscher Bob McLeod wir auch den Netzschwinger-Meilenstein "Kraven`s Last Hunt" verdanken. Hier schließt sich der Kreis, denn genau diese personelle Konstellation verantwortete auch das Herzstück des Hachette-Bands, nämlich die kurz vor dem Finale der "Klonsaga" erschienene Miniserie "Spider-Man: Redemption", welche die Tragik von Ben Reilly und vor allem jene seines fehlerhaften "Klonbruders" Kaine in vier Kapiteln wiedergab und sie aus wechselnden Perspektiven schilderte. So oder so gehört dieser Band in jede ernsthafte Arachno-Bibliothek!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

Captain Swing und die elektrischen Piraten von Cindery Island

Ein-Mann-Powerhouse Josua "Josch" Dantes hat binnen zweier Jahre mehr aus dem Œuvre von Warren Ellis auf Deutsch zugänglich gemacht als andere Verlage in einer ganzen Dekade.

Captain Swing und die elektrischen Piraten von Cindery IslandNach der "Gravel"-Saga und den "Apparat"-Storys gibt es einen von Raulo Cáceres ebenso meisterhaft wie detailreich zu Papier gebrachten Nachschlag, der sich gewaschen hat. Ein junger Bobby namens Charlie Gravel (!) wird Zeuge, wie eine elektrifizierte Version des Spring Heeled Jack durch das London von 1830 hüpft, und in deren Kampf gegen das Establishment verwickelt.


Trotz spritzender Hirnmasse und verteiltem Gedärm entzückt der Vierteiler von 2010/11 als romantisches Plädoyer für ein Miteinander im Zeichen sozialer Gleichberechtigung und entfaltet sogar mit wie die Rohrspatzen fluchenden Charakteren für Poesie – "Captain Swing" schafft dieses Kunststück!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Dantes Verlag




 


 

Arn

Für den Seefahrer Arn sind Träume dazu da, um Wirklichkeit zu werden.

Arn"Oh so handsome
Oh so strong
Tell me stories of distant shores
All night long"


(TURBONEGRO, "Sailor Man")


Mit den "Geschichten aus dem unerzählbaren Reich" hat sich der spanische Schriftsteller, Kolumnist und Rezensent Házael González seine ganz eigene Ecke der Fantasy geschaffen, in der sowohl Seemansgarn, Piraten und karibisches Flair als auch spitzohrige Elfen, Zwerge und diversen Fabelwesen Platz finden. In Form von "Arn" ankern die "Historias de la Tierra Incontable", so der Originaltitel seiner literarischen Schöpfung, erstmals im Hafen der Neunten Kunst und bieten anhand der Geschichte des Seefahrers Arn einen Einstieg in diese Welt.


Josua "Josch" Dantes darf sich einmal mehr als unverbesserlicher Wiederholungstäter in puncto hochqualitativer Lektüre schuldig bekennen, denn die Erzählung mit Standalone-Charakter versteht es mit jeder Seite zu wachsen. Sind es zunächst die wunderschönen Schwarzweiß-Zeichnungen des im Verlagsprogramm prominent vertretenen Raulo Cáceres ("Gravel", "Crécy", "Captain Swing und die elektrischen Piraten von Cindery" und "Code Pru"), die für Staunen sorgen, schließt die gleichermaßen poetische Sprache alsbald zu ihrem grazilen Charakter auf und präsentiert sich als berührendes Gleichnis über menschlichen Entdeckungsdrang und dessen Folgen – im Guten wie im Schlechten.


Arn ist angetrieben von einer unbändigen Lust, den Horizont zu erreichen und dann noch etwas weiterzugehen, während in seinem Windschatten allmählich ein Utopia zunächst ideell und dann physisch Form anzunehmen beginnt, das Schranken zwischen den Menschen und den ihnen (aus wohl guten Gründen) nicht immer wohlgesonnenen Wesen überwinden könnte – bis aus ihm ein Getriebener seiner an den Klippen der Realität zerschellenden Träume wird. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten und stattdessen eine nachdrückliche Empfehlung ausgesprochen, die Segel in Richtung "Arn"-Lektüre zu setzen. Die Reise lohnt sich definitiv!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Dantes Verlag


 

Die drei ??? 207

Das Unvorstellbare ist eingetreten. Jemand gibt sich für die drei Fragezeichen aus und besitzt auch noch die Unverfrorenheit, in ihrem Namen Fälle zu übernehmen.

Die drei ??? 207Bob mag es kaum glauben, während eines Baumarktbesuchs wird der dritte Detektiv zufällig Zeuge, wie sich ein Unbekannter als eines der drei Fragezeichen ausgibt. Wer ist der Fremde und welche Ziele verfolgt er? Scheinbar hat jemand die Identität der Juniordetektive aus Rocky Beach angenommen und schreckt auch nicht davor zurück, Ermittlungen in ihrem Namen zu führen. Bob gelingt es in Erfahrung zu bringen, wo die falschen Detektive die Arbeit aufgenommen haben. Als die übrigen Fragezeichen von ihren Doppelgängern erfahren, sind sie entschlossen, diesen das Handwerk zu legen.


Unverzüglich suchen Justus, Peter und Bob das abgelegene Haus in den Bergen auf, in dem Mrs. Willard versucht, mit Hilfe der Betrüger das Erbe ihres jüngst verstorbenen Onkels zu finden. Unter einem Vorwand verschaffen sich auch die drei Fragezeichen Zutritt zum Anwesen und beginnen der alleinstehenden Frau bei der Suche zu helfen. Wird es ihnen gelingen, den rätselhaften Text, den der Verstorbene hinterlassen hat, zu entschlüsseln und zu klären, wer für die mysteriösen Geistererscheinungen im Haus verantwortlich ist?


In der langen Geschichte der Reihe gab es schon unzählige verschiedene Szenarien, wie es dazu kommt, dass die drei Fragezeichen einen neuen Fall übernehmen. Häufig sind es zufällige Ereignisse und Begegnungen, dass jedoch jemand die Dreistigkeit besitzt, ihnen die Identität zu stellen und auch noch unter ihrem Namen Fälle zu lösen, ist tatsächlich ein Novum und schafft so eine vollkommen neue Ausgangslage für die Ermittlungen von Justus, Peter und Bob.


Der Einstieg in die Story mutet zunächst etwas befremdlich an und ließ mich kurzzeitig innehalten, ob mir dieses neue Abenteuer Spaß machen würde. Man sollte eine Geschichte aber in ihrer Gesamtheit beurteilen und nicht nach ihrem Auftakt, denn "Die falschen Detektive" bedient sowohl die Hörer der ersten Stunde als auch Neueinsteiger mit einem abwechslungsreichen und zunächst undurchschaubaren Plot, der viele Ingredienzien beinhaltet, die die drei Fragezeichen dorthin gebracht haben, wo sie heute stehen.


Spannung, gelungene Rätsel und eine gute Portion ergeben eine gelungene Hörspielmischung, die die ansteigende inhaltliche Qualität seit dem großen Jubiläum bestätigen. Die Soundeffekte drängen sich zu keiner Zeit in den Vordergrund, dienen lediglich dazu, die Handlung für den Rezipienten plastischer zu gestalten, und können mit ihrer realistischen Ausprägung jederzeit überzeugen. Die musikalische Bearbeitung bietet eine ausgewogene Mischung aus bereits bekannten Soundcollagen und neuen Stücken, die die Stimmung der Story gut einfangen.

 
Mittlerweile ist Axel Milberg endgültig in seiner Rolle als Erzähler der drei Fragezeichen angelangt und eine absolute Bank der Serie. Gleiches gilt es natürlich von den drei Hauptakteuren zu berichten, die einmal mehr ihre Klasse unter Beweis stellen. Womit wir bei den Gegenspielern der Fragezeichen angelangt wären: Obwohl viele die Brüder Mues für großartige Sprecher halten, bleiben sie hier im direkten Vergleich blass und austauschbar, vielleicht wären markantere Stimmen von Vorteil gewesen. Natürlich agiert man auf einem hohen sprachlichen Niveau, aber es gelingt nicht, den Originalen das Wasser zu reichen. Eine gute Folge, die auch zum wiederholten Hören einlädt.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Europa/Sony Music




 


 

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 79

Unter den Fittichen von Banshee und Emma Frost ging 1994 ein neues Team jugendlicher Mutanten mit der richtigen Mischung an Dramatik und Humor an den Start.

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 79Mit "Marvel Exklusiv" schuf Panini – damals erst wenige Monate und noch unter dem Namen Marvel Deutschland auf dem hiesigen Comic-Markt aktiv – eine äußerst langlebige Reihe, die es bis zu ihrer Einstellung 2017 auf sage und schreibe 122 Ausgaben (plus einer Nullnummer mit dem Crossover "Devil`s Reign" und einigen Specials) brachte. Hier kamen in tadelloser Qualität vor allem in den ersten Jahren viele berühmte Storylines und Must-reads aus dem "House of Ideas" zum Abdruck, die der vorangegangene Lizenznehmer Condor-Interpart entweder in seiner berüchtigt schlampigen Weise veröffentlicht oder gleich ganz unter den Teppich gekehrt hatte.


Doch nicht Klassiker wie "Kraven`s Last Hunt" oder "Weapon X" wurden für die Debütausgabe ausgewählt (diese folgten in den beiden nächsten Nummern), sondern die vergleichsweise junge Serie "Generation X", die in den USA Ende 1994 startete und eine neue Gruppe von Teenagern versammelte, deren Mitglieder hauptsächlich kurz zuvor im Event "Phalanx Covenant" in Erscheinung getreten waren. Um genügend Aufmerksamkeit unter der X-affinen Leserschaft zu erzeugen, nahm überdies Jubilation "Jubilee" Lee Abschied von Professor Xaviers Schule, um in der von den ebenfalls besten bekannten Aufsichtspersonen Sean Cassidy (alias Banshee) und Emma Frost (White Queen) geleiteten Lehranstalt ihre Kräfte beherrschen zu lernen.


Dass dies bitter nötig sein würde, bewies einerseits das Auftreten des wunderbar gruseligen Energievampirs Emplate, aus dessen Gefangenschaft die traumatisierte Penance befreit wurde, andererseits die Auseinandersetzung mit Gene Nation, bei denen es sich um radikalisierte Überlebende des Massakers an den Morlocks handelte. Die Begegnung mit Letzteren trug sich in "Generation X" 5 und 6 zu, die hier übrigens ihre deutschsprachige Premiere feiern, denn beim besagten "Marvel Exklusiv"-Band war nach vier Kapiteln Schluss. X-Connaisseure werden sicher den zeitlichen Sprung bemerken, der sich dazwischen ereignete (bedingt durch den Meilenstein "Age of Apocalypse") und unter anderem Hank McCoys böses Pendant, das hier kurz im Hintergrund intrigierend zu sehen ist, in die Marvel-Hauptwelt brachte.


Die Einbindung in die allgemeinen Geschehnisse bei Marvels Mutanten läuft wie geschmiert, ist aber für das Verständnis der Handlung nicht weiter erforderlich und macht die Story des damaligen X-Masterminds Scott Lobdell auch für Neueinsteiger zur kurzweiligen Lektüre. Die Düsternis von Charakteren wie Chamber und Penance wird aufgelockert durch humorige Einlagen und flapsige Teenagersprüche, zu denen sich erste sprudelnde Hormone gesellen. Chris Bachalos Artwork, getuscht von Mark Buckingham ("Fables", "Hellblazer"), lässt hier erst Ansätze seines späteren, charakteristisch schroffen Stils erkennen und entfaltet aufgrund des vergleichsweise weichen Strichs einen ganz eigenen Charme. Zeitlos lesenswert!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

Little Monsters 1

Warum immer nur an öden Ratten knabbern, wenn Menschen doch viel besser schmecken? Pech nur, wenn sich diese wehren!

Little Monsters 1In den letzten Jahren hat sich Splitter im Grunde zum deutschsprachigen Stammverlag von Jeff Lemire entwickelt, wofür unter anderem das fleißig gewachsene und allmählich seinem großen (vorläufigen?) Finale zusteuernde "Hammerverse" sorgt. Ebenfalls bei den Bielefeldern beheimatet sind die beiden miteinander verbundenen Geschichtenzyklen "Descender" und "Ascender", die in Zusammenarbeit mit dem kongenialen Zeichner Dustin Nguyen entstanden. Es stellt also keine allzu große Überraschung dar, dass sich auch die neueste Kooperation dieses dynamischen Duos des US-Comics im Verlagsprogramm wiederfindet, wobei "Little Monsters" mit zwölf Kapiteln vergleichsweise überschaubar ausfällt.


Das muss a priori natürlich nichts über die Qualität aussagen – und tut es auch nicht, denn die erste Hälfte macht passend zur vampirischen Thematik ordentlich Lust darauf, sich auch in den hoffentlich bald nachgereichten Abschluss zu verbeißen. Dafür sorgt das plötzliche Auftauchen eines Fremden, das den langweiligen postapokalyptischen Alltag mehrerer Kinder ordentlich durcheinanderbringt. Billy und seine Freunde sind schon mehrere Jahrhunderte alt und haben fast schon vergessen, dass sie von ihren älteren Begleitern in einer Stadt zurückgelassen wurden, die außer Ratten zum Essen und den stets gleichen Spielen als Zeitvertreib nichts zu bieten hat.


Einmal auf den Geschmack des süßen Nektars gekommen, der durch die Adern eines Menschen fließt, ist plötzliche alle Vorsicht vergessen und sozusagen alles für ein womöglich schnelles Ende des ewig scheinenden Lebens angerichtet. Dustin Nguyen hat diesmal die Wasserfarben zur Seite gelegt und setzt Jeff Lemires schnörkellos inszenierte Story über den gefährlichen Gegensatz zwischen der trägen Sicherheit der Routine und dem Reiz am Unbekannten in stilvollen Grautönen in Szene, die lediglich hie und da vom roten Lebenssaft (und Tomies quer über die Stadt verteilten Kritzeleien) durchbrochen werden. "Little Monsters" macht es jedenfalls verdammt schwer, Sympathie für die meisten seiner in kindlicher Unschuld gefangenen Protagonisten aufkommen zu lassen, was klar für die Story spricht. Mjam!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Gruselkabinett 143

Eine scheinbar harmlose Einladung entwickelt sich zu einer Reise mit einem vollkommen unerwarteten Ende.

Gruselkabinett 143Die alleinstehende Maisie Lewelyn kann ihr Glück kaum fassen, als sie eine Einladung der Millionärin Mrs. West erhält. Ohne zu zögern reist sie ins ländliche Kent, um ein paar unbeschwerte Tage auf dem neuerworbenen Landsitz der Wests zu verbringen. Gleich bei ihrer Ankunft kommt es zu einer seltsamen Begegnung mit einer alten Frau aus dem naheliegenden Dorf. Woher stammt deren ablehnende Haltung gegenüber dem restaurierten Anwesen und dem neu erbauten Turm von Wolverden Hall?


Mrs. West kümmert sich rührend um ihren Gast, sodass die vielen Eindrücke und die traumhafte Winterlandschaft ein Übriges tun, um das Zusammentreffen mit der merkwürdigen Alten schnell vergessen zu machen. Zudem lernt Maisie bald zwei junge Frauen kennen, die sie schnell als ihren Freundinnen betrachtet. Wie soll sie auch ahnen, dass die beiden ebenso wie das gesamte Anwesen ein dunkles Geheimnis umgibt?


Mit schnellen Schritten nähert man sich dem nächsten Jubiläum und bald kann Titania Medien auf die Veröffentlichung von 150 "Gruselkabinett"-Folgen zurückblicken. Umso erstaunlicher, dass es dem Produktionsteam immer noch gelingt interessante Stoffe zu entdecken, die das Etikett "Grusel" wahrhaft verdienen, klassische Elemente der Schauerliteratur abdecken und tatsächlich immer noch neue Aspekte hinzufügen.


Eine ebensolche Episode ist "Der Wolverden-Turm". Hier verknüpft sich das Unheimliche des Übersinnlichen mit den archaischen Sitten und Gebräuchen der Kelten, die ihren Ursprung in grauer Vorzeit haben und bis in die heutige Zeit überdauern konnten. Ganz langsam schleicht sich das Grauen in das Leben von Maisie, lange Zeit unbewusst und subtil zieht sich die Schlinge enger, um sie schließlich mit in den Abgrund zu reißen.


Dem Hörer bleibt trotz der geradlinigen Erzählstruktur zunächst verborgen, woher der jungen Frau Gefahr droht, sie ist latent vorhanden, aber nicht fassbar. Somit erfährt die Geschichte einen besonderen Reiz, der tatsächlich bis zum Schluss gehalten werden kann, obwohl natürlich irgendwann augenscheinlich wird, welches Schicksal Maisie erwarten soll. Neben einer ganzen Reihe von Geistern und Gespenstern, die in dieser Folge ihren wohl berechtigten Platz finden, beschäftigt sich die Handlung mit der Idee der freiwilligen Selbstaufgabe, dem Tod des Einzelnen zum Wohle aller. Der Glaube, dass das Opfer eines Einzelnen viele vor Gefahr, Hunger und Tod schützt, existiert bereits seit Jahrtausenden und ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit.


Was auf dem Papier sicherlich einfach zu beschreiben ist, bedeutet im Hörspiel einiges mehr, um die Glaubwürdigkeit zu erzielen, derer es bedarf, wenn sich ein Mensch aufgibt, um viele andere zu schützen. Im Falle von "Der Wolverden-Turm" wurden alle möglichen Gefahren einer solchen Bearbeitung außen vorgelassen. Der Wandel der Figur, deren Leben schon von Beginn eher unbedeutend erscheint, geht glaubwürdig vonstatten und die Dialoge sowie die gut gewählten Sprecher unterstreichen die große inhaltliche Qualität der Produktion. Immer wieder sind es genau diese Geschichten mit einem unerwarteten Tiefgang, die das "Gruselkabinett" zu etwas Besonderem machen.


Der Erzählung angemessen fällt die musikalische und soundtechnische Gestaltung eher zurückhaltend aus und beschränkt sich darauf, die richtigen Stellen des Inhalts zu betonen. Bei den Sprechern hat man aus den Vollen geschöpft. Beate Gerlach tritt hier als die rüde, undurchsichtige Bessie in Erscheinung und drückt mit einer knapp am Wahnsinn vorbeischrammenden Performance ihren Stempel auf. Großartig! Annina Braumiller-Jest überzeugt als unsichere junge Frau, der ein großes Verhängnis droht, an ihrer Seite agieren so große Stimmen wie die von Dagmar von Kurmin, Peter Weis, Bodo Primus und Reinhilt Schneider. Ein absoluter Genuss für die Ohren!


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Batman Graphic Novel Collection 77

"Gothtopia" ist eines jener seltenen Beispiele für ein Crossover, das ruhig epischere Dimensionen vertragen hätte können.

Batman Graphic Novel Collection 77Als im Zuge der "New 52" das zweite Volume von "Detective Comics" die Heftnummer 27 erreichte, drängte sich eine Jubiläumausgabe als Referenz an den allerersten Batman-Auftritt von 1939 geradezu auf. DC ließ sich die Gelegenheit 2014 natürlich nicht entgehen, nutzte die zusätzliche Aufmerksamkeit aber auch für den Start einer neuen Storyline, die insgesamt zwei Handvoll an Bat-Titeln von Januar bis März des Jahres umfassen sollte und auf einer ebenso einfachen wie cleveren Prämisse fußte: Was wäre, wenn Gotham nicht wie üblich das gefährlichste Pflaster und die Stadt mit der höchsten Verbrechensrate wäre, sondern sauber, friedlich und fast ohne Kriminalität?


Willkommen in der Welt von "Gothtopia", wo genau dies Wirklichkeit geworden und Batman nicht als Dunkler Ritter, sondern sogar in einem freundlichen, hellen Kostüm unterwegs ist. Es gibt wenig zu tun für ihn und seine Partnerin (und Liebhaberin) Selina alias Catbird, doch als er sich bei einem Kampf gegen Poison Ivy eine Verletzung zuzieht, beginnt die Fledermaus an dem fast perfekten Leben zu zweifeln. Kann es sein, dass Pamela Isley die Wahrheit gesagt hat und Friede, Freude, Eierkuchen in Gotham nur eine Lüge und bloße Fassade darstellen?


Es wurden in der Vergangenheit bekanntlich schon ganz andere Ideen, denen man eine kürzere, komprimiertere Erzählweise gewünscht hätte, zu monatelangen Crossovers auswälzt. Bei "Gothtopia" verhält es sich jedoch anders, denn hier ist es schade, dass dem Konzept von John Layman ("Chew") nicht noch mehr Platz eingeräumt wurde – abgesehen von einigen Tie-ins findet die Story, die wehmütige Erinnerungen an die einstige "Elseworlds"-Schiene weckt, nämlich in gerade einmal drei Heften Platz ("Detective Comics" 27-29), solide respektive formidabel gezeichnet von Aaron Lopresti und Jason Fabok.


Kaum beginnt man die spannende Illusion und die verschiedenen umgekehrten Vorzeichen, die hier vor Helden und Schurken gesetzt werden, mit Neugier zu erkunden, macht sich der (hier eher Helle statt) Dunkle Ritter daran, das Experiment auch schon wieder zu beenden. Andererseits stellt sich natürlich die Frage, ob eine längere Erzählform ein ähnliches Qualitätslevel erreicht hätte? Fragen über Fragen also! Eine davon hat sich Eaglemoss wohl zumindest bezüglich des ansonsten sehr knappen Umfangs gestellt und deshalb auch noch zu Beginn die ebenso kurzweiligen "`tec"-Ausgaben 25 und 26 abgedruckt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Eaglemoss





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.batman-collection.de.


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 192

Zum Auftakt eines der größten Marvel-Crossover der 1990er wurde endlich geklärt, wer oder was sich hinter dem mysteriösen Onslaught verbarg.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 192Wer den gegenwärtigen Output des "House of Ideas" verfolgt, wird durch die mittlerweile gefühlt im Halbjahrestakt auftretenden Crossover, die sich auf unzählige monatlichen Titel auswirken, wohl nicht mehr sonderlich überrascht werden. In den turbulenten 1990er Jahren verhielt sich das noch etwas anders, denn zwar war es seit "Marvel Super Heroes Secret Wars" immer wieder zu größeren Events gekommen, die meist jedoch nicht das ganze Verlagsprogramm für sich einnahmen. Umso spektakulärer fiel 1996 "Onslaught" aus, das auf dem Erfolg des Meilensteins "Age of Apocalypse" (Infos dazu hier und hier) aufbauen und gleichzeitig den Bogen zum (kontroversen) Reboot "Heroes Reborn" schlagen sollte.


Ganze vier Bände seiner ersten Marvel-Sammelreihe widmet Hachette dem Ereignis, in dessen Vorfeld schon über Monate hinweg Hinweise zur Identität des geheimnisvollen Schurken gestreut worden waren (übrigens unter ganz eigenen Bedingungen, wie wir aus den redaktionellen Seiten der vorliegenden Ausgabe erfahren). Nach einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse sind wir hautnah dabei, wie es Jean Grey mit dem mächtigen Psi-Wesen zu tun bekommt, das sie zunächst auf seine Seite ziehen will. Kurze Zeit später steht fest, dass sich die Befürchtung des einst aus der Zukunft in die Jetztzeit gelangten Bishop, der die X-Men vor einem Verräter in den eigenen Reihen warnen wollte, soeben bewahrheitet hat.


Da Onslaught seine Finger auch nach Reed Richards Sohn Franklin ausstreckt, werden weitere prominente Player des Marvel-Universums in die Angelegenheit verwickelt. Die Event-Masterminds Scott Lobdell und Mark Waid sowie Tom DeFalco als Autoren der in diesem Band versammelten Storys ("X-Men" 53 und 54, "Uncanny X-Men" 334 und 335, "Onslaught: X-Men", "Avengers" 401 und "Fantastic Four" 415) machen einen sehr guten Job, die vielen Probleme, die die einzelnen Teams und deren Mitglieder mit sich herumschleppen, mit dem großen Ganzen und der von den Kubert-Brüdern Adam und Andy, Joe "Mad" Madureira", Carlos Pacheco, Mike Deodato Jr. und Dan Green in der typisch ungestümen Optik der 1990er umgesetzten Action zu verbinden.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Wolverine: Patch

Der Kälte des Nordens überdrüssig schlägt sich Logan unter dem Codenamen Patch im Dschungel Madripoors durch und versucht nur wenig Aufmerksamkeit zu erregen.

Wolverine: PatchEigentlich verbringt Wolverine seine Zeit am liebsten in der Bar, doch von irgendetwas muss auch leben und die Drinks bezahlen sich nicht von alleine, also nimmt er ab und an kleinere Aufträge an. Mit einem ebensolchen beginnt eine anfangs unspektakuläre Aufklärungsmission im Dschungel, aber ehe Patch weiß, wie ihm geschieht, fliegen ihm schon die Kugeln um die Ohren. Ein korrupter General und die halbe Streitmacht der Russen jagen im Dschungel eine geheimnisvolle Familie, wobei Logan nicht tatenlos zusehen kann. Aber was haben die Ureinwohner des Dschungels damit zu tun und weshalb kreist SHIELD mit jeder Menge Feuerkraft über dem zum Kriegsschauplatz avancierten Regenwald, ohne auch nur einen Finger zu rühren?


Diese Fragen werden von Autor Larry Hama zwar gestellt, aber nur spärlich beantwortet, was nicht an Unvermögen oder Unwillen liegt, sondern vielmehr ein generelles Problem des nicht sehr umfangreichen Handlungsrahmens zu sein scheint. Erst selten wurden in einem so überschaubaren Plot so viele Menschenleben geopfert und auch wenn es bei Wolverine-Storys oftmals darum geht, dass sich Haudrauf-Hallodris die Seelen aus dem Leib prügeln, hätte dieses durchaus vielversprechende Abenteuer ruhig ein etwas konsistenteres erzählerisches Gerüst vertragen.


Zeichner Andrea Di Vito versucht zwar sein Bestes, dem weitestgehend sinnbefreiten Gemetzel zumindest eine künstlerisch-spektakuläre Ebene angedeihen zu lassen, aber obwohl er seinen Stift sehr gekonnt schwingt, ist er noch lange kein Zauberer. So kommt es, dass Patch im Dschungelfieber zwar unterhaltsam und mit jeder Menge Coolness vor sich hin kämpft, es sich aber irgendwie anfühlt, als würde hier ganz großes Potenzial verschenkt werden.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Der Vampir 1 & 2

London ist nicht mehr sicher. Ein irrer Frauenmörder durchstreift die Straßen nach immer neuen Opfern. Dann gelingt es Scotland Yard endlich, den Täter zu stellen.

Der Vampir 1 & 2Die Medien kennen kein anderes Thema mehr. Die britische Hauptstadt wird von einer Mordserie erschüttert, in immer kürzeren Abständen sucht ein Verrückter nach Opfern. Stets sind es Frauen, an denen der Killer seine kranken Fantasien auslebt. Vergleiche mit dem berüchtigten Jack the Ripper werden laut, doch dann gelingt Scotland Yard ein unerwarteter Durchbruch. Die junge Polizistin Malicia Bennet kann sich durch einen Zufall an die Fersen des Täters heften und ihn schließlich stellen.


Die Stadt atmet auf – ein fataler Fehler, denn bereits kurz nach der Festnahme tauchen erste Hinweise auf, die an der Theorie eines Einzeltäters zweifeln lassen. Sind die grausamen Morde nur ein kleines Mosaikstück eines geplanten Verbrechens ganz anderen Ausmaßes? Schnell muss Bennet erkennen, dass sie im Mittelpunkt einer Reihe beunruhigender Ereignisse steht.


Oliver Döring kann man ohne Probleme zu den kreativen Köpfen zählen, die die deutsche Hörspiellandschaft seit vielen Jahren prägen und immer wieder neue Impulse zu setzen wissen. So verwundert es kaum, dass nach dem Epos "Foster" nun bereits das nächste Großprojekt auf den Hörer zurollt. Und das hat es in sich! Wer auf komplexe Handlungsstrukturen abfährt und nicht alle Details nach 20 Minuten auf dem Silbertablett präsentiert bekommen möchte, kommt hier auf seine Kosten. Langsam und manchmal im Detail versteckt nimmt hier eine düstere Horrorstory ihren Anfang, die vorerst noch offenlässt, wohin die Reise eigentlich gehen soll, aber die Neugier ist definitiv geweckt und lässt der Fortsetzung entgegenfiebern.


Döring präsentiert seinem Publikum eine Melange aus Großstadtthriller, angereichert mit einigen subtilen Horrorelementen und ersten Verweisen auf eine weitreichende Verschwörung, die sich durch sämtliche gesellschaftliche Kreise zu ziehen scheint. Der Bombast früherer Produktionen aus dem Hause Imaga ist dabei noch nicht tragendes Moment der Geschichte, was sicherlich daran liegen dürfte, dass es sich hier gerade einmal um die beiden ersten Folgen der Serie handelt. In Sachen Action und Geschwindigkeit dürfte man hier noch einige Pfeile im Köcher haben.


Bei den Figuren wird offenbar Wert auf Entwicklung und Tiefe gelegt, da man nur in kleinen Dosen etwas über die Hauptcharaktere der Story preisgibt und erst im späteren Handlungsverlauf mehr verraten dürfte. Die Dialoge sind wie gewohnt ein weiteres großes Plus dieses Hörspiels. Sie wirken natürlich und aus einem Guss und erscheinen nie unnatürlich oder gestelzt. Die musikalische Gestaltung dient zwar dem Spannungsaufbau, ist aber ein eher untergeordnetes Element dieser Produktion.


Schon immer waren die Soundeffekte ein markantes Trademark jeden Hörspiels, bei dem Oliver Döring seine Finger im Spiel hat. Der Auftakt von "Der Vampir" macht hier natürlich keine Ausnahme und bietet ein Sounddesign, das sich mit jeder großen Kinoproduktion messen kann. Bei den Sprechern hat man erneut nichts anbrennen lassen und viele bekannte Stimmen vor dem Mikro versammelt, die man allesamt zur Spitze der deutschen Synchronsprecher zählen darf.


Einige davon scheinen zum Stammensemble des Labels zu zählen, denn ihre markanten Stimmen finden sich in zahlreichen Veröffentlichungen der vergangenen Jahre wieder. So verwundert es kaum, dass auch dieses Mal Bernd Vollbrecht, Santiago Ziesmer und Claudia Urbschat-Mingues zu vernehmen sind. In der Hauptrolle glänzt Katrin Fröhlich als Malicia Bennet und kann ihrer Rolle einen eigenständigen Charakter verleihen. Das Fundament wurde gelegt, nun darf man gespannt sein, wohin die Reise gehen wird.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Imaga




 


 

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 78

Die ersten Soloabenteuer von Kanadas eigener Heldentruppe aus der Feder von John Byrne sind einwandfreies Popcorn-Kino in Panelform.

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 78In den späten 1970ern und 1980ern lief der kreative Motor bei Chris Claremont und John Byrne auf Hochtouren, unter ihrer Ägide traten die einige Jahre zuvor neu formierten X-Men den stetigen Aufstieg in der Gunst der Leserschaft und der Verkaufswertungen an. Da Wolverine von Anfang an eines der berühmtesten Mitglieder der zweiten Inkarnation der Mutantengruppe war und man sich damals bezüglich seiner Vergangenheit eher bedeckt hielt, bot sich sein Leben vor dem Eintritt in Professor Xaviers Team wunderbar an, um ihn mit dem Auftritt eines neuen Superheldenteams zu verknüpfen.


Den vorliegenden Band leitet "Uncanny X-Men" 120 ein, das Alpha Flight einführte und dessen Versuche schilderte, Logan mit Gewalt in seine Reihen zurückzuholen. Das Debüt kam bei den Fans sehr gut an und 1983 erhielt John Byrne schließlich die Gelegenheit, die schon länger vorhandenen Ideen mit jeder Menge Bezug zum nördlichen Nachbarland der USA, in dem er aufgewachsen war, im Rahmen eines monatlichen Titels zu verwirklichen. Der Künstler fungierte dabei als Autor und Zeichner in Personalunion und lieferte Material für etwas mehr als zwei Jahre ab, bevor er sich anderen Aufgaben zuwandte.


Dank Hachette bekommen wir "Alpha Flight" 1-6 der ersten (und auch langlebigsten) Serie rund um James MacDonald Hudson und seine Mitstreiter zu lesen, dazu noch im Rahmen der Zweitgeschichten mit den Ursprüngen des Teams einige Seiten aus den beiden nächsten Ausgaben. Interessanterweise startete Byrne mit der Auflösung des Teams durch die Behörden, die er geschickt nutzte, um die diversen Selbstzweifel und Probleme der Mitglieder in Szene zu setzen. Neben einem Gastauftritt von Namor und Sue Storm und dem Master of the World sind es in Form von Tundra und Kolomaq vor allem uralte Monster, die für Ärger sorgen und an Marvel-Kost der frühen 1960er mit entsprechenden Antagonisten erinnern.


Mit dem kleinwüchsigen Puck und Marrina gesellen sich auch zwei Neue ins Team, wobei es schade ist, dass Letztere nach einem dramatischen Showdown im ewigen Eis binnen weniger Panels kurzerhand aus der Serie geschrieben wurde – ihre außergewöhnliche Herkunft hätte sicherlich Stoff für weitere dramatische Verwicklungen geboten. Alles in allem bietet John Byrne aber astreine Unterhaltung, die auf die Charakterarbeit nicht vergisst und schnell eine Verbindung mit den einzelnen Figuren herstellt. Und wenn man an "Alpha Flight" 6 denkt, in dem er das Geschehen auf sechs Seiten ohne Artwork der Fantasie der Leser überließ, nimmt sich das nicht nur für Marvel-Verhältnisse ziemlich avantgardistisch aus, sondern zeigt auch, was er sich damals aufgrund seiner künstlerischen Qualitäten erlauben durfte.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

High School Generation 2

Nicht nur unter der Sonne Kaliforniens, sondern auch auf den schneebedeckten Pisten von Aspen geht es heiß her.

High School Generation 2Mit dem vorliegenden Band wird die Integral-Fassung von Christian Denayers Geschichte einer von jeder Menge Drama begleiteten Schulclique nicht nur abgeschlossen, sondern auch die Frage beantwortet, was Kult Comics unternommen hat, um das Ganze angesichts des noch verfügbaren Materials in puncto Seitenzahlen nicht allzu dünn ausfallen lassen. Da im Auftakt schon drei der insgesamt fünf Originalalben enthalten waren, wurde nun noch etwas in jene Trickkiste gegriffen, auf der ganz groß "Bonusmaterial" steht.


Zunächst gibt es ein aus dem Jahr 2021 stammendes Interview mit dem Künstler zu lesen, in dem dieser weitere Hintergründe zur Entstehung und Ideenfindung der im Original "Generation College" betitelten Serie gibt, garniert mit Studien und Illustrationen von ihm, seiner nicht minder begabten Tochter Christelle und selbst Enkelin Naomi. Am anderen Buchende wiederum findet sich das komplette Skript zum geplanten sechsten Band, der aufgrund finanzieller Turbulenzen des Verlags Lombard nie realisiert wurde und die Handlung nach Frankreich geführt hätte.


Diese interessanten Extras rahmen die beiden letzten Alben ein, in denen es sowohl an der Carmel High School als auch bei einem zwischenzeitlichen Ausflug ins Skiressort Aspen zu den für "Generation High School" üblichen Turbulenzen kommt. Während Scott Beaulieu in "Texas" gegen die Machenschaften einer überstrengen (und lustigerweise deutschen) Jusprofessorin antritt und im Kampf für die Gerechtigkeit eine veritable Revolution am Campus auslöst, präsentiert er sich anschließend als waschechter Rassist angesichts des neuen Mitschülers Jeff, einem Schwarzen. Doch Texas ist beileibe nicht der Einzige mit einem Toleranzdefizit, das sich keineswegs nur auf die Hautfarbe bezieht.


Bei "Black", so der Name des abschließenden Kapitels, handelt es sich fraglos um die spannendste und reifste Episode der Reihe, verlaufen hier doch die Bruchlinien, die für Konflikte sorgen, nicht nur wie bisher entlang der gewohnten Einkommensgrenzen. Alltäglicher und struktureller Rassismus werden eindringlich thematisiert und ganz nebenbei noch einige Kostproben von Monsieur Denayers formidabler Darstellung fahrender Untersätze geboten. In dieser Hinsicht wäre es vielleicht ohnehin sehr schwer geworden, das fünfte Album nochmals zu toppen.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Kult Comics




 


 

Cinema Purgatorio

Nicht in Technicolor, aber stilvollem Schwarzweiß beschwören Alan Moore und Kevin O`Neill die goldene Ära Hollywoods ausgerechnet in der Enge eines versifften, unheimlichen Kinos herauf.

Cinema PurgatorioAvatar Press, 1996 ins Leben gerufen, war über Jahre hinweg ein heißer Tipp für unkonventionelle, an ein erwachsenes Publikum gerichtete Titel und brachte unter anderem Indiehits wie "Gravel" und "FreakAngels" von Warren Ellis oder die postapokalyptische Saga "Crossed" hervor. Mittlerweile fällt der Verlag im monatlichen "Previews"-Vorschaukatalog allerdings nur mehr durch den Abverkauf alter Lagerbestände auf, aus seinem untoten Leib hat sich Josua Dantes schon das eine oder andere Filetstückchen herausgeschnitten und das hiesige Publikum mit zahlreichen deutschsprachigen Erstveröffentlichungen versorgt.


Den letzten großen Wurf von Avatar stellte die Anthologieserie "Cinema Purgatorio" dar, die unter der Schirmherrschaft von niemand Geringerem als Comic-Gott Alan Moore zahlreiche hochkarätige Kreativkräfte versammelte. Die im US-Original episodisch erschienen Storys wurden jeweils in einem Band kompakt abgedruckt, nach "The Vast", "Modded", "Code Pru" und "A More Perfect Union" folgt als großes Finale die titelgebende Reihe, für die sich der Meister höchstpersönlich mit Kevin O`Neill, seinem kongenialen Kompagnon von "The League of Extraordinary Gentlemen", zusammentat.


Eine mögliche Erklärung, warum sich der Dantes Verlag dieses Herzstück des Projekts für den Schluss aufgehoben hat, beginnt der geneigten Leserschaft wohl zu dämmern, sobald sie die ersten der wie auch bei den Vorgängern wenige Seiten langen Kapitel hinter sich haben – und die dazugehörigen Anmerkungen, für die Jens R. Nielsen einen ungeheuren Aufwand betrieben haben muss, der ihn über bloßes Übersetzen hinaus fast schon in die Position eines Universalgelehrten entrückt. Das Dechiffrieren geht sogar so weit, dass manche Anmerkungen mehr Seiten füllen als das ihnen zugrunde liegende Quellenmaterial – in den Augen derer, die sich ihre Comics nicht gern erklären lassen, dürfte das wohl einer Perversion gleichkommen, für alle anderen eine edukative Vollbedienung darstellen.


Informativer, spannender und augenzwinkernder lässt sich das ungemein referenzreiche Material von Alan Moore eigentlich nicht mehr aufschlüsseln – eine großartige Leistung, die den Lesegenuss maßgeblich befördert und offenbart, dass hier mit charmantem Vorsatz oftmals Gerüchte und Verschwörungstheorien als Wahrheit ausgegeben werden. Über die Erzählung selbst brauchen nicht allzu viele Worte verloren werden, der in den letzten Jahren qualitativ mitunter schwankende Engländer präsentiert sich hier in Hochform und verquickt Motive eines guten halben Jahrhunderts an Filmgeschichte miteinander. Dieses erleben wir aus der Perspektive einer uns unbekannten (weiblichen) Person mit, welche sich ins namensgebende Lichtspielhaus "verirrt" und gefangen von einer Mischung aus Faszination und Abscheu immer wieder dorthin zurückkehrt.


Und alle sind sie dabei: Die frühen Stummfilmgrößen, die Stars und Sternchen, die großen Mogule und viele längst vergessene Vergessene samt ihren Triumphen, Tragödien und Skandalen, die namenlosen Wasserträger des Filmgeschäfts und die vom Geld angezogenen Motten aus der Unterwelt, gefangen in einem untoten Panoptikum, das uns in der entseelten Netflix-Bequemlichkeit die einstigen Wunder eines Kinosaals, und sei er noch so versifft, bestenfalls erahnen und in gewisser Hinsicht sogar riechen lässt. Dieser Band war die Wartezeit allemal wert und lädt geradezu ein, es der (un)freiwilligen Kinogeherin gleichzutun und immer wieder zu kommen!

 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Dantes Verlag




 


 

Aria 8

Trotz aller Fantasy sind die Probleme, denen sich unsere Heldin stellen muss, wieder einmal äußerst realistisch.

Aria 8Langsam aber sicher nähert sich die fantastische Integral-Ausgabe von "Aria" ihrer Vollendung, was die Lektüre aufgrund der beständigen Qualität nur noch mehr zu einer bittersüßen Angelegenheit werden lässt. Abschied zu nehmen gilt es diesmal zumindest schon von "Stéréo-Land", dem Frühwerk von Michel Weyland, mit dessen beiden letzten Episoden von 1968/69 der achte Band aus dem Hause Kult Comics erzählerisch eingeleitet wird. Das erste von wie immer vier abgedruckten französischen Originalalben, "La Poupée aux yeux de lune" (deutscher Titel "Die Puppe mit den Mondaugen") aus dem Jahr 2007, führt unsere Protagonistin zurück ins heimatliche Arnolite, um dort nach dem Rechten zu sehen.


Sie kommt keine Minute zu früh an, denn Rexanne, die sich um ihr Schloss kümmert, wurde soeben zum neuesten Opfer einer Diebesbande, die Menschen mit Hilfe besonderer Steine hypnotisiert und anschließend umbringt. Zum Glück kann eine Frônesse-Heilerin das Schlimmste verhindern, doch Arias gesamtes Vermögen ist zusammen mit den Tätern verschwunden. Dank aufmerksamer Beobachter kann sie deren Spur aufnehmen und mehrere von ihnen ausschalten, doch ausgerechnet die gefährliche Trichie könnte ihr nun zum Verhängnis werden.


Nicht minder gefährlich geht es im Anschluss in der zweiteiligen Geschichte zu, die sich aus "Renaissance" ("Wiedergeburt") von 2008 und "La Mamaïtha" ("Die Mamaïtha") von 2009 zusammensetzt und Aria ins Land Ovéron führt, das Frauenrechte nicht allzu sehr schätzt. Die Bevölkerung leidet unter den vor einiger Zeit zugewanderten Trigyres, die zunächst als Flüchtlinge willkommen geheißen wurden, nun aber die kulturelle Identität der eingesessenen Bewohner auszulöschen drohen – was sich als subtiler Kommentar zu unkritischer Toleranz und den Gefahren für eine offene Gesellschaft lesen lässt, der hier noch dazu mit dem historischen Motiv der Jéanne d`Arc vermengt wird.


Aria verliert nämlich durch einen Unfall das Gedächtnis und nimmt gewissermaßen die Identität von Sacrale an, einer einst im Kampf gegen die Trigyres auf den Scheiterhaufen gelandeten Widerstandskämpferin. Zunächst sträubt sie sich dagegen, als Gallionsfigur für einen Volksaufstand zu dienen, fügt sich dann doch in ihre Rolle und beginnt das Regime mit Nadelstichen zu traktieren. Die große Auseinandersetzung mit der Führungselite stellt dann jedoch ein ganz anderes Kaliber dar, das mit der Hilfe einer wahrhaft furchteinflößenden Waffe einhergeht.


Den Reigen an Storys, bei denen sich am ansonsten tadellosen Lektorat diesmal leider ein paar Fehlerchen vorbeigeschlichen haben, beschließt das Wiedersehen Arias mit Sohnemann Sacham, der in "Le Diable recomposé" ("Der wiederhergestellte Teufel") von 2010 erneut krank und zum Gejagten geworden ist. Zusammen mit seiner Mutter versucht er hartnäckigen Verfolgern zu entkommen, die den "Dämon" vernichten wollen und besonders effektive Spürhunde einsetzen. Für die übliche Melange an Frauenpower, Spannung, Referenzen an die Gegenwart der Leserschaft sowie leichte Prisen an Humor und Erotik ist somit ein weiteres Mal gesorgt. "Aria" funktioniert prächtig als ungemein einnehmende Lektüre weit über bloße Fantasy hinaus.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Dune 2

Wo eine Wille ist, da ist auch ein Weg… selbst inmitten einer tödlichen Wüste voller Sandwürmer.

Dune 2Fast zwei Jahre Geduld waren vonnöten, um das (wieder einmal mit einem fantastischen Titelbild von Altmeister Bill Sienkiewicz ausgestattete) zweite Drittel der Umsetzung von Frank Herberts Sci-Fi-Klassikers "Dune" als Graphic Novel in den Händen halten zu dürfen. Versüßt wurde die Wartezeit aber glücklicherweise durch "Geschichten aus Arrakeen" und das Prequel "Dune: Haus Atreides", überdies ist weiteres Material bereits am Veröffentlichungshorizont von Splitter zu sehen und beschert sowohl Connaisseuren als auch Neulingen goldene Zeiten – von selbigen können Paul Atreides und seine Mutter Jessica in der vorliegenden Fortsetzung hingegen nur träumen.


Sie befinden sich auf der Flucht vor den Häschern der Harkonnen und müssen nun den Weg durch die schier endlose Wüste antreten, durch die bekanntlich die monströsen Würmer ziehen und mit jenen, die sich unbedacht bewegen, kurzen Prozess machen. Dank der Hilfe von Liet-Kynes, dem Sohn des imperialen Planetologen Pardot Kynes, und Duncan Idaho gelangen Mutter und Sohn zu den Fremen, von denen ihnen jedoch nicht alle wohlgesonnen gegenüberstehen. Als nützlich stellt sich eine Prophezeiung heraus, die das Eintreffen der beiden heraussagt, als Gefahr für Paul Atreides das Duell, dem er sich unversehens stellen muss.


Dank des wieder einmal in Hochform agierenden künstlerischen Gespanns lässt "Muad`Dib", benannt nach dem Namen des frischgebackenen Angehörigen der Fremen, die todbringende Einöde des Wüstenplaneten ebenso superb aussehen wie die Residenz von Baron Harkonnen, in der weiterhin fleißig an Intrigen gesponnen wird. Die Dialoge und nicht zuletzt die Gedankengänge vor allem des Erben des Hauses Atreides und seiner Mutter harmonieren ebenso gut mit den Actionsequenzen wie die Zeichnungen und Farbgebung von Raùl Allen, Patricia Martín und Jesús R. Pastrana, die sich dem jeweiligen Schauplatz der Handlung perfekt anpassen. Zweifellos die bestmögliche Umsetzung in Panelform, die man einer solch schwergewichtigen Vorlage angedeihen lassen kann.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Gruselkabinett 142

Erzürne nicht die Götter! Ein Ratschlag, der auch auf dem indischen Subkontinent beherzigt werden sollte.

Gruselkabinett 142Allein in einem fremden Land und auch noch an einem Feiertag – das kann durchaus aufs Gemüt schlagen. Um solche Schwermut gar nicht erst aufkommen zu lassen, beschließen die beiden alten Freunde Kipling und Strickland, den soeben aus Großbritannien eingetroffenen Fleete zu ihrer alljährlichen Silvesterparty einzuladen. Das muntere Treiben findet erst in den frühen Morgenstunden ein Ende. Insbesondere der Neuankömmling Fleete hat ordentlich über die Stränge geschlagen, sodass sich Strickland und Kipling gezwungen sehen, den neugewonnenen Freund auf dem Nachhauseweg zu begleiten.


Der Weg der drei Männer führt an einem Hindutempel vorbei, der dem Affengott Hanuman geweiht ist. Aufgrund der enormen Mengen an Alkohol, die Fleete während der Party in sich hineinschüttete, kommt es zu einer Schändung des Tempels, der seitens der Priesterschaft nicht unbemerkt bleibt. Es kommt zu einigen unschönen Szenen, die in einer Auseinandersetzung mit einem Aussätzigen gipfeln. Unter großen Schwierigkeiten gelingt es Fleete nach Hause zu schaffen. Am kommenden Morgen sind die Ereignisse der vergangenen Nacht schnell vergessen, bis man bei ihm einige beunruhigende Veränderungen feststellt, die mit jeder verstreichenden Stunde weiter fortschreiten. Ist Fleete aufgrund seiner Taten das Opfer eines Fluchs geworden?


Die in unserem Sprachraum eher unbekannte Geschichte "Das Zeichen der Bestie" stammt von niemand Geringeren als Rudyard Kipling, der sich auch für den Welterfolg "Das Dschungelbuch" verantwortlich zeigte. Im vorliegenden Fall begab sich der Autor jedoch auf ein vollkommen anderes Terrain, wobei er aber seiner großen Liebe Indien treublieb. Die geradlinige Story, die ein wenig Zeit braucht, um Fahrt aufzunehmen, schildert, was geschehen kann, wenn man die mannigfaltige Götterwelt Indiens gegen sich aufbringt. Im Fokus steht dabei die körperliche und geistige Veränderung Fleetes, der immer mehr von seiner Menschlichkeit einbüßt und zusehends das Verhalten eines tollwütigen Tiers an den Tag legt.


Hier offenbart sich der ganze Horror dieser kurzweiligen Story. Wer das Schicksal herausfordert und die Götter gegen sich aufbringt, muss mit drakonischen Strafen rechnen. Die Handlung ist eingebettet in die exotische Kulisse Indiens, die ihr noch einmal eine ganz eigenständige Note verleiht. Auf Nebenschauplätze wird komplett verzichtet und man beschränkt sich auf die Erlebnisse der drei britischen Gentlemen während der Silvesternacht und des Neujahrstags, was der ganzen Angelegenheit eine gewisse Kompaktheit verleiht, die ihr gut zu Gesicht steht. Längen werden somit vermieden, während man sich auf das Wesentliche konzentriert.


Die musikalische Gestaltung ist sehr ansprechend ausgefallen, stimmt sie doch gekonnt auf den fernen Handlungsort ein und weiß zudem gerade die unheimlichen Momente der Geschichte gut einzufangen. Die wenigen Soundeffekte sind an den richtigen Stellen zu finden und schaffen es, die Ereignisse in der Silvesternacht zu betonen und die düsteren Passagen herauszustreichen.


Im Kern sind es gerade einmal drei Stimmen, derer es bedarf, um "Das Zeichen der Bestie" ins richtige Licht zu rücken. Claus Thull-Emden schafft es nahezu perfekt, den rasch voranschreitenden geistigen Verfall von Fleetes für das Publikum greifbar zu machen. Thomas Balou Martin als Kipling und Rolf Berg als Strickland tun ein Übriges, um auch dieses Hörspiel auf das gewohnte Qualitätslevel von Titania Medien zu hieven. In weiteren Rollen sind zudem die markanten Stimmen von Horst Naumann, Peter Weis und Sascha von Zambelly zu hören, die allesamt fester Bestandteil des Labelensembles sind und einen fantastischen Job abliefern. Eine weitere gute Folge innerhalb des "Gruselkabinetts".


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 191

Eine weitere unheilvolle Zukunftsvision leitet den dramatischen Schlussakt des Konflikts zwischen Tony Stark und Carol Danvers ein.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 191Mit seiner Variante eines Bürgerkriegs innerhalb der Superhelden-Community von Marvel knüpfte Brian Michael Bendis an den Widerspruch zwischen der Freiheit des Einzelnen und dem Wohle vieler an, dem sich eine Dekade zuvor Autorenkollege Mark Millar gewidmet hatte, ging aber erzählerisch einen anderen Weg, der weniger an politische Aspekte der Gegenwart anknüpfte, sondern ein ethisches Grundproblem behandelte: Ist es moralisch vertretbar, jemanden für eine Untat zu bestrafen, die er noch nicht begangen hat – oder vielleicht gar nicht begehen wird? Die Visionen des Inhuman Ulysses, an denen sich der Konflikt zwischen Tony Stark und Carol Danvers entzündet hat, scheinen nämlich lediglich Wahrscheinlichkeiten und keine unvermeidlich eintretenden Ereignisse abzubilden.


Captain Marvel als einem der obersten Sicherheitsorgane reicht die nun aufgezeigte Möglichkeit, dass Miles Morales keinen Geringeren als Captain America ausgerechnet vor den Stufen des Kapitols töten wird, vollkommen aus, um den jungen Spider-Man in Gewahrsam nehmen zu wollen. Wie sein Vorgänger lässt es auch "Civil War II" offen, welchem der beiden Kontrahenten und ihren jeweiligen Argumenten die Leserschaft rechtgeben will – wer sich jedoch im ersten Helden-Bürgerkrieg an der Seite von Steve Rogers wähnte, dürfte nun wohl eher die Position von Tony Stark, dessen damaligem Gegner, einnehmen. Ein cleveres Spiel mit vertauschten Vorzeichen, das Bendis hier mit seiner gewohnten Stärke für Dialoge verbindet.


Eingerahmt werden die im vorliegenden Band abgedruckten Kapitel aus den US-Ausgaben 5-8 der Hauptstory von zwei Specials. In "Civil War II: The Fallen" mit Artwork von Veteran Mark Bagley kommt es zum Begräbnis und der Testamentsvollstreckung in Sachen Bruce Banner, was angesichts der versammelten Gamma-Familie eigentlich nur Greg "Planet Hulk" Pak schreiben konnte, während "Civil War II: The Oath" einen Epilog darstellt, der einen Vorgeschmack auf das darauffolgende Event "Secret Empire" unter der Regie von Nick Spencer liefert. Als Ganzes atmet "Civil War II" zwar den Geist seines über alle Maßen erfolg- und einflussreichen Vorgängers, geht aber auf gelungene Weise genug eigene Wege, um nicht als bloßer Abklatsch bereits durchgekauter Ideen zu gelten.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Batman Graphic Novel Collection 76

"Die Maske des Schreckens" schließt den Kreis, was das erste Jahr von "Detective Comics" am Beginn der "New 52" angeht.

Batman Graphic Novel Collection 76Die Ära des Reboots "The New 52" ist in der Fledermaus-Sammelreihe von Eaglemoss äußerst prominent vertreten, wenngleich die Reihenfolge der Veröffentlichung all jenen, die die Storys noch nicht aus der Erstverwertung durch Panini kennen, so manchen Spoiler und mitunter Verwirrung bescheren dürfte. Dieser "Tradition" folgend schließt die vorliegende Ausgabe eine weitere Lücke, die bisher zwischen den Bänden 4 und 46 klaffte, in denen sich Material aus "Detective Comics" findet. Mit den US-Heften 8-12 liegt nun das erste Jahr der Serie, das Tony S. Daniel betreute, komplett vor.


Aufgrund der Doppelbelastung als Autor und Texter einer monatlichen Serie, der sich damals an anderer Stelle im Bat-Universum auch schon Kollege David Finch beugen musste, sprangen hier in der Story rund um Mr. Toxic, der eine radioaktive Spur des Todes hinterlässt und mit einem Wissenschaftler in Verbindung steht, der ausgerechnet im Wayne Tower an Zeitreisetechniken (und sich selbst) forscht, Künstlerkollegen wie Ed Benes und Julio Ferreira ein. Sie machen ihre Sache gut, wenngleich das wie immer unglaublich dynamische Artwork von Tony Daniels optisch die Nase vorn hat.


Auch so bekommt der Dunkle Ritter viel zu tun, dafür sorgen eine vorgetäuschte Geiselnahme von Scarecrow sowie die Psychospielchen von Roman Sionis alias Black Mask, der letztlich gegen einen weiteren Meister der Gedankenkontrolle und bestens bekannten Vertreter der weitläufigen Bat-Schurkengalerie antreten muss. Als vergleichsweise zerfahren und wirr präsentiert sich die ebenfalls abgedruckte Backup-Story um Two-Face, bei der lediglich der gewohnt düstere Strich von Szymon Kudranski punkten kann. Alles in allem bietet diese Ausgabe also viel Licht und etwas Schatten – respektive umgekehrt, um im Kontext von Gotham City zu bleiben.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Eaglemoss





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.batman-collection.de.


 

King of Spies – König der Spione

Dem gewissenlosen Geheimagenten Roland King wächst angesichts seiner eigenen Sterblichkeit plötzlich ein Gewissen und er beschließt die Welt von den Monstern zu befreien, die er sein Leben lang beschützte.

King of Spies - König der SpioneDer alternde britische Agent mag vieles sein – gewissenloser Killer, eiskalter Attentäter, politischer Intrigant, rücksichtsloser Betrüger, verantwortungsloser Frauenheld und abwesender Vater, aber eines sicher nicht: Ein guter Kerl. Ganz im Gegenteil sorgte er im Auftrag Ihrer Majestät sein gesamtes Leben lang dafür, dass die Mächtigen an der Macht blieben, die Grausamen weiterhin ihren Grausamkeiten frönen durften und unliebsame Aufwiegler, ehrliche Politiker, Staatschefs oder Aufdecker in flachen Gräbern verschwanden. Nun jedoch ist er alt und krank, hat nur noch sechs Monate zu leben, wird sich moralisch wenig wirksam seiner Sünden bewusst und schickt sich an, all die Ungeheuer, die er im Laufe seiner vielen Dienstjahre beschützt, ausgebildet oder in Machtpositionen installiert hat auszulöschen. Und das auf möglichst kreative Art und Weise.


Kultautor Mark Millar liefert mit "King of Spies" einen zwar unterhaltsamen Gewaltausbruch, zu seinen großen Arbeiten zählt die etwas uninspiriert wirkende Tour der Force jedoch nicht. Der in letzter Sekunde geläuterte Agent, der nach einem von Gleichgültigkeit dominiertem Leben plötzlich sein Gewissen entdeckt, wirkt als grundlegende Idee zu platt und eindimensional, auch wenn sie mit Roland King gekonnt umgesetzt wurde. Die wenig tiefgründige Handlung an sich würde keine drei Seiten einnehmen, also dreht sich vieles um die durchwegs einfallsreichen Tötungsmethoden und die oft zum Schmunzeln verleitenden Identitäten der zur Strecke gebrachten menschlichen Monster.


Da das wenig überraschend nicht genug Handlung war, tritt auch noch ein stark vernachlässigter Sohnemann samt Daddy-Issues aufs Parkett der Grausamkeiten und schlägt dem Fass durch die Vorhersehbarkeit seiner Handlungen den Boden aus. Grafisch packend in Szene gesetzt zaubert Mark Millar seinen LeserInnen zwar das eine oder andere Lächeln auf die Lippen, aber nach dem vorhersehbaren Verlauf dieser Gewaltorgie will sich eine umfassende Befriedigung ob der Lektüre nicht so recht einstellen.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Foster 17

Der Niedergang der menschlichen Spezies verläuft in einem atemberaubenden Tempo. Binnen weniger Stunden sind die Spuren der Zivilisation fortgewischt.

Foster 17Trotz immenser Bemühungen des Widerstands sind Cebuls Pläne aufgegangen. Das Portal im Herzen Londons wurde geöffnet, unsichtbar für das menschliche Auge marschieren die Heerscharen hindurch und beginnen mit ihrer blutigen Ernte. Selbst ein Komplott aus den Reihen seiner Vertrauten scheitert kläglich. Nichts scheint ihn nun noch aufhalten zu können. Die öffentliche Ordnung bricht nach wenigen Stunden zusammen. Die britische Hauptstadt verwandelt sich in den Vorhof der Hölle, Tod und Zerstörung sind allgegenwärtig. Inmitten dieses Chaos versuchen General Cooper und Kramer die wenigen verbliebenen Kräfte zu koordinieren und einen verzweifelten Gegenschlag durchzuführen. Unter den wenigen, die sich Cebul entgegenstellen, befindet sich auch Foster, allerdings ist er schwer verletzt und seine Kräfte schwinden schnell. Ein Sieg gegen das Böse scheint unmöglich, doch dann stellt sich den Menschen im letzten Gefecht ein unerwarteter Verbündeter an die Seite. Kann es doch noch gelingen, den Dämonen Einhalt zu gebieten?


"Endzeit" löst das Versprechen, das sein Titel gibt, zu 100% ein. Die abschließende 17. Folge von "Foster" ist das furiose Finale eines Actionfeuerwerks par excellence. Dramatik, Pathos und Action, immer wieder Action leuchten in überdimensionalen Buchstaben über dem Geschehen. Was bei vielen anderen Produktionen übertrieben und vielleicht sogar fehl am Platz gewesen wäre, ist hier genau richtig. Von wem, wenn nicht Oliver Döring, erwartet man ein Serienfinale, das den gesamten Planeten in Schutt und Asche legt? Eben!


Sämtliche Handlungsstränge laufen nun zusammen und endlich wird dem Hörer offenbart, was Cebul und seine Begleiter zu ihrem Handeln veranlasst. Die Auflösung ist schlüssig und nachvollziehbar. Jede Serie läuft Gefahr auf den letzten Metern in Banalitäten zu versinken, die den vorher über etliche Folgen betriebenen Aufwand zu keiner Zeit rechtfertigen. Döring ist es gelungen, diese Klippe zu umschiffen und eine Story zu präsentieren, die alle wichtigen Ingredienzien bereitstellt, um "Foster" zum Erfolg werden lassen. Der brutale und blutgierige Dämon wird urplötzlich zur tragischen Figur, die mit dem eigenen Schicksal ringt. Auch hier beweist Döring einmal mehr, wie man die wahrhaft großen Geschichten erzählt.


Wie mutet der Weltuntergang akustisch an? Zum Glück hat niemand von uns eine Vergleichsmöglichkeit, doch die Soundkulisse von "Endzeit" vermittelt einen guten Eindruck davon, wie es klingen könnte, wenn unsere Zivilisation in ihr Endstadium tritt. Eine wahre Flut von Soundeffekten ergießt sich über den Hörer und katapultiert ihn binnen weniger Sekunden mitten hinein in die Apokalypse. Man findet nicht nur die richtigen Worte, sondern auch den richtigen Sound für den Untergang. Auf diesem Gebiet sind die Produktionen aus dem Hause Imaga wegweisend.


Die musikalische Gestaltung spielt eher eine untergeordnete Rolle und kommt entweder innerhalb einer bestimmten Szene zum Tragen oder beschränkt sich auf wenige wichtige Momente der Story, die eine zusätzliche Gestaltung durchaus vertragen können. Kommt man auf die Besetzung dieses Hörspiels zu sprechen, wird es zu einer verdammt schweren Aufgabe, einzelne Akteure zu benennen, denn alle Sprecher sind absolut fokussiert und an dieser Stelle zeigt sich, was eine gute Regie zu leisten vermag. Natürlich drückt Thomas Nero Wolff auch dem letzten Kapitel der Geschichte seinen Stempel auf. Selbiges gilt ebenso für Klaus-Dieter Klebsch, Asad Schwarz und Bodo Wolf, die einen erheblichen Anteil daran haben, das große Finale würdig zu gestalten. Daneben agieren viele weitere großartige Sprecher, die ohne jeden Qualitätsverlust selbst die kleinste Nebenrolle hörenswert machen. Eine großartige Serie verlässt definitiv zu früh die Bühne.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Imaga




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 190

Laut Uatu ist die Erde zum Untergang verdammt, doch nicht nur sein Nachfolger scheint anderer Meinung zu sein.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 190Aaron Stack alias Machine Man wurde im Prolog von "Earth X", mit dem in Band 188 der Marvel-Sammelreihe eines der erfolgreichsten Projekte des "House of Ideas" in den 1990ern seinen Ausgang nahm, auf den Mond versetzt, um dort Uatus Job als Beobachter zu übernehmen. Dieser erblindete vor 20 Jahren, als sich eine Seuche auf der Erde ausbreitete, die allen Menschen Superkräfte verlieh und Helden im Grunde obsolet machte. Beide Zwischenfälle annähernd zur selben Zeit waren kein Zufall, überdies weiß Uatu mehr als er zugeben will. Wie das Kreativteam um Alex Ross, Jim Krueger und John Paul Leon in den weiteren Kapiteln enthüllt, ist er allerdings nicht der einzige Geheimnisträger.


Vieles bisher Verborgene kommt nach und nach ans Licht, doch womöglich kann das Wissen, das X-51 nun ansammelt, nichts mehr am Verlauf des Schicksals ändern, das der Erde vor Äonen zugedacht wurde. In diesem Lichte erscheinen die Vorgänge, die es dort zu beobachten gilt, im Grunde sinnlos, denn wozu sollte Captain America noch eine Koalition aus den letzten verbliebenen Helden gegen den neuen Skull schmieden, wenn die Zerstörung des ganzen Platen ohnehin unausweichlich sein dürfte? Da der neue Beobachter aber seine menschliche Programmierung entgegen dem Wunsch von Uatu nicht gelöscht hat und die Menschheit sehr wohl retten will, gibt es selbst im Angesicht des Untergangs noch Hoffnung, für die nicht nur die vordergründig gescheiterten Genies Reed Richards und Tony Stark stehen.


"Earth X" darf ohne Umschweife als eine der besten Erzählungen überhaupt betrachtet werden, die Marvel jemals hervorgebracht hat. Die gigantische Kulisse, die Ross/Krueger hier entfalten, umfasst nicht mehr und nicht weniger als einen kompletten Schöpfungsmythos für das Marvel-Universum, der viele Einzelaspekte aus dessen reichhaltiger Historie zu einem großen Ganzen zusammenfügt, quasi nebenher eine Geschichtsstunde zu den bekanntesten Charakteren bietet und nicht wie so oft bloß die Frage nach dem Wesen des Heldentums stellt, sondern (unter anderem exemplarisch durch X-51) auch, was einen Menschen ausmacht und wie er durch seine eigenen Entscheidungen ein angeblich unabwendbares Schicksals beeinflussen kann.


Die Reife der von John Paul Leon und seinen künstlerischen Mitstreitern in unglaublich atmosphärischen Bildern festgehaltenen Erzählung verdeutlicht nicht zuletzt, dass sie auf die im Superhelden-Kontext übliche Action fast komplett verzichtet, sich die Dramatik primär in den Dialogen entfaltet und ihr ein visionärer Geist innewohnt: Spätere Entwicklungen im regulären Marvel-Universum wie das Zünden einer Terrigen-Bombe, eine weibliche Thor oder Storm und Black Panther als Eheleute werden hier ebenso vorweggenommen wie das im Grunde ideologiefreie Böse des neuen Skull, der in Populisten wie Donald Trump seine Entsprechung in unserer realen Welt findet. Ein Meisterwerk auf vielen Ebenen, dessen Comeback in deutscher Übersetzung zur Perfektion lediglich (ausgerechnet!) die dazugehörige "Wizard"-Halbnummer gefehlt hätte.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Die drei ??? 206

Was hat es mit dem mysteriösen Mottenmann auf sich? Kann es tatsächlich sein, dass Mr. Huntington von einer indianischen Sagengestalt heimgesucht wird?

Die drei ??? 206Im Villenviertel von Rocky Beach geht die Angst um. Eine mysteriöse Schreckensgestalt treibt ihr Unwesen, insbesondere scheint sie es auf den betagten Mr. Huntington abgesehen zu haben. In seiner Verzweiflung wendet sich der alte Mann an die drei Fragezeichen. Die Juniordetektive zögern keine Sekunde und beginnen mit den Ermittlungen. Scheinbar stehen die jüngsten Ereignisse in der Nachbarschaft von Mr. Huntington mit dessen Vater in Verbindung. In seinen Tagebüchern berichtet dieser von einer lange zurückliegenden Begegnung mit dem Mottenmann – einem Wesen aus den alten Überlieferungen eines Indianerstamms der kanadischen Westküste, denen er auf einer seiner Reise begegnete.


Kann es sein, dass der Mottenmann tatsächlich existiert und nach mehreren Jahrzehnten den Weg nach Rocky Beach gefunden hat, um Mr. Huntington für ein Verbrechen büßen zu lassen, das womöglich sein Vorfahre an den Indianern begangen hat? Wie immer verlassen sich die drei Detektive auf ihren gesunden Menschenverstand und beginnen Licht ins Dunkel zu bringen. Die Nachforschungen führen sie tief in die Vergangenheit. Justus, Peter und Bob stoßen auf ein dunkles Geheimnis, das viele Jahre darauf wartete gelüftet zu werden.


Immer wieder gibt es in der langen Geschichte der drei Fragezeichen Folgen, die sich durch ihre besondere Atmosphäre und Erzählstruktur von anderen abheben. "…und der Mottenmann" ist genau eine solche Episode und vereint gleich beide Attribute auf sich. Da ist einerseits die schauerliche Horrorgestalt, die ein ganzes Viertel durch ihre unheimlichen Besuche in Atem hält und von der ersten Sekunde an für einen unheimlichen Moment sorgt, der auch tatsächlich lange Zeit erhalten bleibt. Ein Pluspunkt gegenüber einigen anderen Abenteuern der drei Fragezeichen, wo die düsteren Szenarien schnell ihren Schrecken verlieren.


Dazu gesellen sich die von Bob vorgetragenen Tagebucheinträge von Mr. Huntingtons Vater, die Erinnerungen an "Die drei ???: Der Nebelberg" wachrufen und dem Geschehen eine ganz eigene, manchmal mystisch anmutende Note verleihen. Die Story ist geradlinig erzählt und trotzdem gelingt es, die Spannung lange Zeit aufrechtzuhalten und die wahren Hintergründe über das Erscheinen des Mottenmannes zu verschleiern. Ebenso verzichtet man auf eine lange Aufklärung seitens Justus, die einigen Folgen der jüngeren Vergangenheit ihrer Dynamik beraubten und Langeweile verbreiteten. "…und der Mottenmann" ist ein solider Kriminalfall, der das Publikum zum Miträtseln einlädt und dabei viele kleine Details in die Handlung einwebt, die insbesondere die ersten 40 Fälle der drei Fragezeichen auszeichneten. Eine Eigenschaft, die sicherlich nicht nur die Hörer der ersten Stunde zu schätzen wissen.


Die musikalische Gestaltung passt sehr gut zum Geschehen und schafft es nochmals, die unheimlichen und mysteriösen Momente zu betonen. Selbiges lässt sich über die eingesetzten Soundeffekten berichten, die bestens in die Geschichte integriert wurden. Wolfgang Häntsch stellt hier wohl den heimlichen Helden dar, denn gerade seine Performance hat einen erheblichen Anteil daran, dass sich diese Folge so wohltuend von vielen anderen Fällen unterscheidet. Dazu kommt ein bestens aufgelegtes Trio in den Hauptrollen, das einmal mehr zeigt, warum die Serie über all die Jahrzehnte immer noch existiert und zu etwas Besonderem gereift ist. Auch alle übrigen Protagonisten wissen in ihren Rollen zu überzeugen und runden den positiven Gesamteindruck ab. Eine weitere wirklich gute Episode jenseits der 200er Marke. So darf es gerne weitergehen!


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Something is Killing the Children: House of Slaughter 1

"In unserer Welt, Aaron... tötet Liebe nur."

Something is Killing the Children: House of Slaughter 1Gegenwärtig scheint James Tynion IV. irgendwie nichts falsch machen zu können: Der gute Mann liefert einen Hit nach dem anderen ab und bekommt die Eisner Awards förmlich nachgeschmissen. Allem voran rangiert "Something is Killing the Children", das er gemeinsam mit Zeichner Werther Dell`Edera geschaffen hat und einen der größten Erfolge des US-Comics in jüngerer Vergangenheit darstellt. Wer die Gesetzmäßigkeiten des Markts auch nur annähernd kennt, weiß natürlich, dass ein aus wenigen handverlesenen Kreativkräften bestehendes Team nur einen bestimmten Output bewerkstelligen kann, was oft nicht ausreicht, um die entfachte Gier der Leser- und Käuferschaft nach weiterem Material zu befriedigen. Gleichzeitig gäbe es natürlich viele weitere Geschichten, mit denen sich das Universum einer Serie erweitern und vertiefen ließe.


Hier kommt naturgemäß ein Spin-off ins Spiel, das nicht lange auf sich warten ließ und in deutscher Übersetzung ebenfalls beim Splitter Verlag erscheint, in dessen Portfolio der New Yorker auch mit dem nicht minder empfehlenswerten "The Department of Truth" vertreten ist. Im Grunde kommt dem Auftakt von "House of Slaughter" die gleiche Aufgabe zu wie dem vierten Band der Hauptserie, der die Vergangenheit von Erica Slaughter aufrollt – hier erfahren wir nun nicht minder tragische Details über die Vita ihres "großen Bruders" Aaron Slaughter. Auf zwei parallelen Zeitebenen entfaltet sich eine Liebesgeschichte, die in einem toxischen Umfeld wie dem Orden des Heiligen Georg nicht funktionieren und nur blutig enden kann.


"Das Mal der Schlächter" fängt die Atmosphäre von "Something is Killing the Children" sowohl in textlicher als auch zeichnerischer Hinsicht sehr gut ein, was zu einem gewissen Teil natürlich daran liegt, dass mit den Herren Tynion IV., Dell`Edera und nicht zu vergessen Kolorist Miquel Muerto die Masterminds ihre Finger im Spiel haben. Das soll die Leistung ihrer Mitarbeiter aber keinesfalls schmälern, schließlich hat Co-Autor Tate Brombal bereits bei "Barbalien: Roter Planet" (einem weiteren Serienableger, diesmal von Jeff Lemires "Black Hammer") seine Klasse beim Schildern emotionaler Ausnahmezustände bewiesen, während Chris Shehan albtraumhafte Monster ebenso gut einfängt wie die von Traumata, Mobbing und unterdrückten Gefühlen gezeichneten Gesichter der jungen Protagonisten. Es wird definitiv interessant zu sehen, welche Richtung "House of Slaughter" künftig einschlägt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Die Welt ohne Doctor Strange

Stephen Strange ist tot und die Welt hat damit nicht nur ihren größten Magier verloren, sondern auch einen maßgeblichen Schutz gegen allerlei bösartige Widrigkeiten.

Die Welt ohne Doctor StrangeEgal ob Spider-Man, Black Cat, Blade, Black Knight, White Fox, die Avengers oder X-Men, sie alle müssen ran, um die Lücke zu füllen, die Doctor Stranges Ableben hinterlassen hat. Mit dem Erlöschen seiner Magie erlosch nämlich auch der Schutz vor jeder Menge Gefahren und erst jetzt wird klar, an wie vielen Fronten er zeit seines Lebens kämpfte. Seien es Bedrohungen aus anderen Dimensionen, dressierte Alligatoren im Kanalnetz oder hordenweise Vampire, all das und noch viel mehr wurde bisher in Zaum gehalten und droht nun mit voller Gewalt auszubrechen.


Dabei steht auch schon mal das Schicksal dieser Welt auf dem Spiel und die tapferen Protagonisten müssen erkennen, dass nicht immer alles so ist, wie es zu sein scheint. Aber die magische Eskalation dreht sich nicht immer nur um dramatische Kämpfe auf Leben und Tod, nein, abseits von Zeter und Mordio müssen etwa Spider-Man und Black Cat auch einfach nur mit einer älteren, einsamen Dame auf den Bus warten, ihr Gesellschaft leisten und eine Brezel spendieren.


Das zeigt zwar posthum die Menschlichkeit des obersten Magiers und weckt Sympathien über das multidimensionale Grab hinaus, doch den Fluss der schlichtweg zu abgeteilten Erzählungen in diesem Band kann das auch nicht retten. Für sich alleine ist jede Story gut gelungen, aber als Ganzes funktionieren sie aufgrund fehlender Überleitungen und stilistischer Unterschiede nur mäßig. So wird "Die Welt ohne Doctor Strange" zur Sammlung unzusammenhängender, aber durchaus unterhaltsamer Kurzgeschichten, welche lediglich durch den alle Protagonisten vereinenden Tod des Meistermagiers und dem Antreten von dessen Erbe verbunden sind.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Howard Phillips Lovecraft – Chroniken des Grauens 4

Können Orte einfach aufhören zu existieren? Lassen sich Erinnerungen an eine bestimmte Straße und eine Person einfach aus dem kollektiven Gedächtnis der Menschen löschen?

Howard Phillips Lovecraft - Chroniken des Grauens 4Randolph Carter begibt sich auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit, die Erinnerungen kurz nach dem Ersten Weltkrieg wirken im Nachhinein wie aus einem Fiebertraum. In Paris hofft er sein Gedächtnis wieder schärfen zu können und eine Person zu treffen, die seine Zeit in der französischen Metropole nachhaltig prägte – Erich Zann, ein deutscher Musiker. Dieser bewohnte dasselbe heruntergekommene Haus und entlockte seiner Geige Nacht für Nacht sonderbare Melodien, die den Amerikaner Carter in kürzester Zeit in ihren Bann schlugen.


Kann Zann den Kampf gegen die dunklen Mächte vielleicht mit seiner Musik in eine neue Richtung lenken? Carter ist entschlossen, dem alten Mann sein Geheimnis zu entlocken. Aber auch an anderen Punkten der Geschichte stellt sich eine kleine Schar den Schergen der Großen Alten entgegen, doch die Zeit wird knapp, denn ihr Bote Nylahotep ist bereits dabei, alles für ihre Rückkehr vorzubereiten. Wird es gelingen, seine Pläne in letzter Minute zu durchkreuzen und die Menschheit vor Versklavung und Tyrannei zu bewahren?


Mit großen Schritten eilt die Serie auf das erste Staffelfinale zu und es gelingt tatsächlich, alle Handlungsfäden logisch miteinander zu verknüpfen. Als Ausgangsbasis dient auch der vierten Folge eine Kurzgeschichte von Howard Phillips Lovecraft. Der Kampf eines alten Mannes, der mit seiner Musik versucht, die Geschöpfe der Finsternis am Übertritt in unsere Realität zu hindern, ist lediglich der Kern, um den herum sich der komplexe Serienkosmos entspinnt und schildert, wie der Kampf gegen die Großen Alten auf vielen verschiedenen Ebenen geführt wird.


Endlich gewähren die Produzenten ihrem Publikum Einblick, in welchem Bezug die einzelnen Handlungsebenen zueinanderstehen und man bekommt die erhofften Antworten, welche Ereignisse der vorherigen Folgen in einem neuen Licht erscheinen lassen. Ein konzentriertes Zuhören ist dringend empfohlen und zieht auch den oder anderen überraschenden Aha-Effekt mit sich. Die Pläne der finsteren Mächte werden ebenso greifbarer wie die Motivation der verschiedenen Personen, die sich ihnen entgegenstellen. Wer bisher Mühe hatte zu verstehen, auf welche Art die verschiedenen Zeitebenen miteinander in Verbindung stehen, bekommt nun eine logische Antwort präsentiert und auch die Frage, wie der Erfinder des Cthulhu-Mythos Einzug in seine eigenen Geschichten halten konnte, klärt sich dank eines raffinierten Kniffs.


Neben einer gelungenen Story ist es natürlich auch der Rahmen, in dem der Plot etabliert wird, auch auf dieser Ebene hat WinterZeit einmal mehr äußerst akribisch und viel Liebe für Details gearbeitet. Die Dialoge wissen auf jeder Zeitachse zu überzeugen und kommen flüssig und natürlich daher. Die verwendeten Geräusche ermöglichen es dem Publikum, sich binnen weniger Augenblicke ein Bild von den Handlungsorten zu schaffen, egal ob es sich dabei um ein baufälliges Gemäuer irgendwo in Paris handelt oder einen finsteren Keller unter dem Anwesen eines treuen Dieners der Großen Alten. Die Soundeffekte erschaffen eine sehr detailreiche und jederzeit glaubwürdige Kulisse für das große Finale der ersten Staffel.


Selbiges gibt es von der musikalischen Gestaltung zu berichten, die eingesetzten Stücke betonen die Stimmung der jeweiligen Szene und heben dramatische Momente gekonnt hervor. Wolfgang Ziffer ist als Erich Zann zu hören und liefert eine zutiefst überzeugende und gleichzeitig beunruhigende Performance als getriebener Musiker ab, auf dessen Schultern das Schicksal der Menschheit ruht. Wolfgang Pampel agiert mit einer unverwechselbaren Stimme einmal mehr als großartiger Erzähler, während Tommy Morgenstern in der bereits vierten Folge seine bisher beste Sprecherleistung vorlegt, daneben wissen unter anderem auch Rainer Gerlach, Engelbert von Nordhausen und Detlef Bierstedt zu gefallen. "Die Musik des Erich Zann" ist gleichzeitig das bisherige Highlight der Serie und krönendes Saisonfinale. Angesichts dieses Niveaus kann man nur hoffen, dass die zweite Staffel schnell in den Startlöchern steht.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: WinterZeit




 


 

Sherlock Holmes 48

Ein tragischer Unfall entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als heimtückischer Mord. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden, die Beweislast erdrückend.

Sherlock Holmes 48Sherlock Holmes und Dr. Watson haben ihre Unterkunft in der Baker Street 221b verlassen, um in einem der besseren Restaurants der Stadt zu Abend zu essen. Ein entfernter Bekannter des Meisterdetektivs unterbricht das Dinner jedoch jäh und bittet um Hilfe bei einem Mordfall. Ein älterer Herr wurde beim Angeln offenbar Opfer eines tragischen Unfalls, doch schnell stellt sich heraus, dass der unbeliebte und von der Dorfgemeinschaft gemiedene Alte durch Fremdeinwirkung zu Tode kam.


Die Tätersuche der örtlichen Polizei dauert nur kurz, denn der Schuldige scheint schnell gefunden: Ein junger Gentleman, der ein Auge auf die bedeutend jüngeren Frau des Verblichenen geworfen hat. Die Beweislast scheint erdrückend und eine Mordanklage unausweichlich. Niemand zweifelt an der Schuld von Christopher Stern mit Ausnahme von Sherlock Holmes` neuem Klienten. Das Interesse des beratenden Ermittlers ist geweckt und so begibt er sich mit seinem getreuen Freund und Assistenten hinaus aufs Land, um den wahren Mörder seiner gerechten Strafe zuzuführen.


Bei "Der Gezeitenstrom" handelt es sich einmal mehr um die Bearbeitung eines Kriminalromans von Herman Cyril McNeile, dessen Hauptfigur durch Sherlock Holmes ersetzt wurde. Umso erstaunlicher, wie gut sich die Story für ein Abenteuer des Meisterdetektivs eignet, schließlich sind viele kleine Details, die sich in "Der Gezeitenstrom" wiederfinden, ebenjene, die eine Holmes-Geschichte ausmachen. Wie das Original zeichnet sich auch hier die Handlung durch ihren gemächlichen Aufbau und ruhigen Charakter aus. Hinzu kommt ein Detektiv, der nicht bereit ist, das Offensichtliche als das Richtige zu akzeptieren, und eigene Nachforschungen anstellt, geradezu ein Markenzeichen der Spürnase. Die Überführung des Mörders erfolgt schließlich durch das Mittel der Deduktion und akribische Ermittlungsarbeit.


Der Plot fällt unterhaltsam aus und hält durch die Detektivarbeit des Londoner Spürhunds einige Wendungen bereit, bis schließlich der Täter seiner abscheulichen Tat überführt wird. Wer die Originalgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle zu seinen Favoriten zählt, kann hier nichts falsch machen und wird mit einem überzeugenden Kriminalfall klassischer Prägung belohnt. Die musikalische Gestaltung ist wie gewohnt über jeden Zweifel erhaben und zeichnet sich durch ihren ruhigen Charakter aus, der bestens zur vorliegenden Geschichte passt. Wo nötig kommen Musikstücke zum Einsatz, die es problemlos schaffen, die Atmosphäre der jeweiligen Szene zu betonen.


Die Soundeffekte spielen bei dieser Produktion eine untergeordnete Rolle, was aber zu keiner Zeit ins Gewicht fällt, denn die Essenz dieser Geschichte sind die Dialoge. Es gelingt mühelos, den Sprachstil des ausklingenden 19. Jahrhunderts einzufangen, ohne altbacken zu wirken. Natürlich kommt auch der gewohnte Wortwitz im verbalen Wechselspiel zwischen Holmes und Watson nicht zu kurz. Mit großen Schritten eilt die Reihe ihrem ersten Jubiläum entgehen. Bald sind es 50 Folgen, die Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt gemeinsam als Sherlock Holmes und Dr. John Watson bestritten haben, was man dieser Produktion auch anhört. Hier agiert ein eingespieltes Duo auf höchstem Niveau.


Wirft man einen Blick ins Booklet, so wird deutlich, dass nichts dem Zufall überlassen wurde, so agieren in weiteren Rollen Sprecher wie Bodo Primus, Peter Weis, Patrick Bach und Helmut Zierl. Allesamt Namen, die den Kenner mit der Zunge schnalzen lassen. "Der Gezeitenstrom" hält alle Zutaten für einen gelungen Krimiabend bereit. Die Reihe ist schon lange aus dem Schatten des "Gruselkabinetts" getreten und hat sich zum zweiten Zugpferd im Stall von Titania entwickelt. Und das zurecht!


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Black Panther 1

Trotz all seiner Macht und Stärke hat T`Challa Probleme mit Veränderung umzugehen, was angesichts der neuen politischen Situation in seinem Land gefährlich zu werden scheint.

Black Panther 1König T`Challa hat die Krone seines Landes abgegeben und sieht eher widerwillig zu, wie die Demokratie Einzug hält und ein nicht gerade vor Entschlusskraft strotzendes Parlament die Geschicke des Landes zu steuern versucht. Black Panthers Unvermögen, der neuen Regierungsform als auch irgendjemand sonst auf dieser Welt zu vertrauen, wird auch dadurch offenbart, dass er über den gesamten Planeten verstreut Schläfer positionierte, die im Geheimen agieren und nur auf sein Kommando warten, um ihr Land seinen Vorstellungen entsprechend zu verteidigen und die dubiosesten Aufträge zu erledigen.


Unangenehm wird die ganze Misere für den abgetretenen König, als jemand beginnt, diese Schläfer der Reihe nach auszuschalten, was insofern problematisch ist, da niemand außer ihm und den geheimen Agenten selbst von der Angelegenheit Kenntnis haben sollte. Nicht wissend, wem er trauen kann, mutiert die Rettungsaktion zum persönlichen wie auch politischen Spießroutenlauf, der ihn bis zu seiner Ex Storm auf den kolonialisierten Mars bringt.


Von der Vergangenheit gezeichnet und offenbar mit Vertrauensproblemen belastet versucht der ehemalige König sein Land zu beschützen, koste es, was es wolle. Dass er dabei nur seine eigene Meinung gelten lässt, eine demokratische Regierungsform als eher unfähig abstempelt und auch der Einsatz von geheimen Killern auf der ganzen Welt als notwendiges Übel dargestellt wird, lässt Black Panther mehr als machtgierigen Despoten denn als großen Beschützer erscheinen.


Aber hey, noch ist der schwarze Katzenkrieger kein Lukaschenka und auch T`Challa merkt schnell, dass er die Rechnung für sein Handeln vom eigenen Volk präsentiert bekommt. Vielleicht folgt die Läuterung und Akzeptanz einer demokratischen Regierung ja im zweiten Teil dieser mit "Schattenkrieger" betitelten, durchaus spannenden Kombination aus Superhelden-Epos und Spionagekrimi.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Resident Alien 2

Sein erwachter kriminalistischer Spürsinn lässt Harry Vanderspeigle aus der Deckung gehen und eine Reise raus aus der Komfortzone antreten.

Resident Alien 2Da in den USA mehrere "Resident Alien"-Miniserien vorlegen, zu denen sich kürzlich (nach dem eigentlich geplanten Abschluss) wegen des Erfolgs der TV-Adaption von Syfy noch eine weitere hinzugesellt hat, sollte der Abstand zwischen den deutschsprachigen Bänden nicht allzu groß ausfallen. So sind zwischen dem Auftakt und dem vorliegenden Band lediglich zwei Monate verstrichen, was dem Verlangen nach weiteren Erlebnissen des auf der Erde gestrandeten Außerirdischen, der sich als Harry Vanderspeigle ausgibt und von den Patienten der interimistisch geleiteten örtlichen Klinik sehr geschätzt wird, sehr entgegenkommt.


In "The Suicide Blonde", dem zweiten Vierteiler des wunderbar harmonierenden Kreativteams Peter Hogan (Text) und Steve Parkhouse (Zeichnungen und Farben), entschließt sich der gute Doktor zu einem Trip nach Seattle. Der Grund ist denkbar dramatisch, denn pikanterweise war ausgerechnet der Bürgermeister der Letzte, der sich mit einer Studentin traf und ihr noch dazu Geld gab – nun liegt Shannon Riley tot auf einem Motelbett, offenbar durch eine beabsichtigte Kombination aus Alkohol und Tabletten verstorben. Harry, überzeugt von der Unschuld seines Bekannten, macht sich auf den Weg, um die Wahrheit herauszufinden.


Begleitet wird er von Asta, die als Krankenschwester in seiner Klinik arbeitet und sich ebenso für ihn interessiert wie die Mitarbeiter einer ominösen Regierungsbehörde. Nicht nur deren Agenda, sondern auch weitere Einblicke, wie aus dem Alien-Bruchpiloten Harry Vanderspeigle wurde, enthüllen weitere Rückblicke, die zwischen die einmal mehr mit einer tragikomischen Note versehenen Ermittlungsarbeiten des Hobbydetektivs aus dem All eingefügt sind. Dass er verletzungsbedingt mit einem Gehstock unterwegs ist, lässt beinahe "House"-Feeling aufkommen, wenngleich dieser "Doc" wesentlich umgänglicher daherkommt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Die Marvel-Superschurken-Sammlung 3

Neben seinem Debüt und der Origin gibt es hier eine wendungsreiche Gaunergeschichte rund um das Riesenhirn M.O.D.O.K. zu lesen.

Die Marvel-Superschurken-Sammlung 3Unter den zahlreichen sinistren Organisationen, die ihr Unwesen im Marvel-Universum treiben, nimmt A.I.M. (Advanced Idea Mechanics) eine prominente Rolle ein, schließlich macht sie diversen Helden schon seit 1966 das Leben schwer. Eng mit ihrer Geschichte verknüpft ist M.O.D.O.K., der im Folgejahr in "Tales of Suspense" 94 erstmals auftrat, nachdem er in der vorangegangenen Ausgabe nur als Stimme per Übertragung zu hören war. Mit beiden Heften startet der dritte Band der Superschurken-Reihe innerhalb der "roten" Marvel-Kollektion von Hachette und bietet Durchschnittskost des Spitzenduos Stan Lee und Jack Kirby.


Im Anschluss folgt "Captain America" 133 (mit Coverdatum Januar 1971), wo Lee auf gerade einmal zwei Seiten die Ursprünge des Schurken mit dem überdimensionierten Haupt und den gefährlichen mentalen Kräften schilderte. In puncto Comic-Historie spielt die Story zumindest für die Zusammenarbeit von Steve Rogers und Sam Wilson eine Rolle, da die Serie ab dem nächsten Heft unter dem Banner "Captain America and The Falcon" firmierte, bleibt aber ansonsten ebenfalls eher unauffällig. Über dreieinhalb Dekaden später erschien 2007 die fünfteilige Miniserie "Super-Villain Team-Up: MODOK`s 11", deren Titel nicht zufällig an schlitzohrige Heist-Movies à la "Ocean`s Eleven" anspielte.


Der in besagter früher Origin noch namenlose A.I.M.-Agent, der inzwischen den Namen George Tarleton erhalten hatte und sich mittlerweile in einer Fehde mit seinen ehemaligen Untergebenen befindet, versammelt darin mehrere Schurken aus den hinteren Reihen wie Armadillo, Nightshade, Spot und Living Laser, um ein mächtiges Artefakt, das an einem bestimmten Zeitpunkt aus der Zukunft kommend in China auftauchen soll, in seine Kontrolle zu bringen. Autor Fred van Lente lässt diese sich gegenseitig ordentlich hinters Ohr hauen, was für eine flotte und unterhaltsame Lektüre sorgt, die von Francis Portela tadellos auf Papier gebracht wurde und die Herkunftsgeschichte des wie so oft im Hintergrund agierenden M.O.D.O.K. augenzwinkernd mit einem peinlich-amourösen Detail ausschmückt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

Joe Hill: Ein Kühlschrank voller Köpfe

Auf Brody Island rollen aufs Neue die Köpfe und es wundert nur wenig, dass es abermals die magische Wikingeraxt ist, welche die Köpfe vom Sterben abhält.

Joe Hill: Ein Kühlschrank voller KöpfeMit "Ein Korb voller Köpfe" lieferte Stephen Kings Sohn Joe Hill ("Locke & Key") nicht nur einen fulminanten Start seines eigenen DC-Labels Hill House Comics, nein, er schaffte es auch mit herrlich nostalgischer Horrorästhetik einen modernen Klassiker zu erschaffen, der nun seine Fortsetzung findet. Waren es im ersten Teil noch June und Sheriffgehilfe Liam, die 1983 ihren frivolen Inselurlaub antraten, hat besagte Dame nach dem folgenden Massaker das Eiland längst verlassen und die Axt, die angeblich Gottvater Odin selbst vom Weltenbaum Yggdrasil schnitt, liegt am Grund des Ozeans.


Ein Jahr später breitet die Fortsetzung ein ähnliches Szenario vor der Leserschaft aus, nur dass es diesmal Arlene und Calvin sind, die in der wieder eingekehrten Ruhe auf Brody Island ein Buch schreiben wollen. Alles nur Fassade, klar, denn in Wahrheit suchen die beiden Pseudoliteraten nach exakt der Axt, die June nach ihrem Gewaltexzess im Meer versenkte. Doch sind sie nicht die Einzigen, die hinter dem schnittigen Beil her sind, das sie – so viel sei verraten – auch schnell in die Finger kriegen… und so beginnen sich im Handumdrehen die Köpfe zu stapeln. Der Unterschied: Diesmal werden sie im Kühlschrank gesammelt, nicht im Körbchen.


Die herrliche 1980er Horrornostalgie des ersten Teils wird auch im Sequel beibehalten und obendrauf ergänzt Hill seinen sexy Retrocharme um die eine oder andere cineastische Referenz, was der allgemeinen Stimmung nur zugutekommt. Stilistisch bleibt er den Anfängen seiner Story treu, eskaliert aber gemäß den Gesetzen für Fortsetzungen im Hinblick auf Action und Brutalität. Fazit: Gleicher Charme, mehr Blut und viel mehr Köpfe.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Die drei ??? 205

Eine bekannte Künstlerin hinterlässt den drei Fragezeichen eines ihrer Bilder, obwohl sie Justus, Peter und Bob gar nicht kannte.

Die drei ??? 205Einmal mehr erreicht die drei Fragezeichen der Anruf einer Unbekannten, doch anders als wie so oft zuvor bleiben die Identität und Motivation der Person im Dunklen. So wundert es kaum, dass das Telefonat schnell wieder in Vergessenheit gerät. Andere Dinge verlangen nach Aufmerksamkeit, Justus, Peter und Bob erfahren zu ihrem Erstaunen, dass sie im Testament der kürzlich verstorbenen Caroline di Santo berücksichtigt wurden. Die bekannte Malerin hinterlässt den Freunden aus Rocky Beach eines ihrer Werke.


Zunächst wissen die drei Freunde nicht wirklich, was sie mit der unerwarteten Erbschaft überhaupt anfangen sollen, denn das Bild ist mehr als unkonventionell und wenig ansprechend. Dies ändert sich jedoch schlagartig, als noch weitere Personen beginnen sich dafür zu interessieren. Es kommt zu einer Reihe sonderbarer Ereignisse, die allesamt in Verbindung mit der Hinterlassenschaft stehen. Birgt das Kunstwerk ein Geheimnis? Als klar wird, dass die mysteriöse Anruferin niemand Geringerer als die jüngst verstorbene Malerin selbst war, wähnen sich die drei Fragezeichen bereits mitten in den Ermittlungen eines neuen Falls.


Der Einstieg ins dieses Abenteuer von Justus, Peter und Bob ist gut gewählt, ohne große Anlaufzeit befindet man sich mitten im Geschehen. Der mysteriöse Anruf und das unerwartete Erbe machen direkt Lust auf die Geschichte und lassen die Spannungskurve bereits nach wenigen Minuten nach oben schnellen. Leider gelingt es nicht, die geweckten Erwartungen an den Fall auch einzulösen, denn anstatt die Handlung weiter voranzutreiben, tritt sie eine gefühlte Ewigkeit auf der Stelle. Zwar sind die drei Detektive ständig in Bewegung und agieren an mehreren Orten, doch man hat das Gefühl, dass nichts Entscheidendes geschieht. Dadurch macht sich leider Langeweile breit.


Als man dann endlich versucht, dem mysteriösen Bild sein Geheimnis zu entreißen, keimt die Hoffnung auf, dass das Ende den Hörer doch noch versöhnlich stimmen könnte, doch weit gefehlt, wieder fällt man in das bereits bekannte Muster zurück, die eigentliche Auflösung in einem Gespräch nachzuliefern. Schade, denn eigentlich schien es, dass man dieses Ärgernis jenseits der 200er Marke abgestellt habe. Soundtechnisch fällt diese Episode erstaunlich spartanisch aus, obwohl die Nachforschungen an diversen Orten betrieben werden, fällt es schwer, die jeweiligen Lokalitäten unterscheiden zu können. Ebenfalls zwiespältig ist die musikalische Gestaltung dieser Folge ausgefallen. Auf der einen Seite finden sich einige Kompositionen, die wirklich gut zum Geschehen passen, während andere jegliche Stimmung des Hörspiels zerstören. Das konnte man in der Vergangenheit häufig weitaus besser lösen.


Wie gewohnt sind Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich eine Bank, man merkt einfach, wie sehr den dreien ihre Rollen in Fleisch und Blut übergegangen sind. Daneben ist Gertie Honeck zu hören, die große Bekanntheit als Synchronsprecherin von Captain Janeway ("Star Trek: Voyager") erlangte und auch diesem Hörspiel ihren Stempel aufdrückt. Katrin Decker übernimmt Trish, deren Stimme frisch und sympathisch herüberkommt und sehr gut zur Rolle passt. Weiters sind Karin Lieneweg, Oliver Böttcher, Stephan Schad und Romanus Fuhrmann dabei und machen ebenfalls einen ordentlichen Job. Im Gegensatz zu den Folgen nach dem großen Jubiläum kann die vorliegende die hohe Qualität leider nicht halten, was sie allerdings keinesfalls schlecht macht, sondern zu einem Fall im soliden Mittelfeld der Serie.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Europa/Sony Music




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 189

Old Man Logan ist nicht der Einzige, der mit seiner Vergangenheit (respektive Zukunft) hadert.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 189Einer sowohl von den Fans als auch Kritikern hochgelobten Erzählung eine Fortsetzung angedeihen zu lassen stellt eine knifflige Herausforderung dar. Jeff Lemire ist sie 2015 im Verbund mit dem kongenialen Künstler Andrea Sorrentino 2015 gelungen, als der gealterte Wolverine aus der Realität von "Old Man Logan" als Folge des Mega-Crossovers "Secret Wars" auf Erde-616 verfrachtet wurde. Wie sich in Band 177 mit den ersten sieben Ausgaben der Serie nachlesen lässt, versuchte dieser Wolverine zunächst, die mit seinem tragischen Schicksal in der Einöde verbundenen Superschurken präventiv zu eliminieren.


Was uns unzählige Zeitreisen im Marvel-Universum lehren, nämlich dass die Zukunft keineswegs feststeht, musste Logan vor allem durch sein in ein blutiges Massaker mündendes Auftauchen in Killhorn Falls lernen. Mitverantwortlich dafür war Lady Deathstrike, die er nun aufspürt und dabei in eine vom sogenannten Silent Order ausgelegte Falle tappt. Der gute Mr. Howlett kennt die Vereinigung von kriegerischen Mönchen, hat er sie doch bereits in seiner Realität auseinandergenommen, doch Sohei und sein Meister wissen dank einer Prophezeiung ebenfalls Bescheid und wollen die Angelegenheit "vorbeugend" regeln.


Auch diesmal verschränken sich Rückblicke in die Zukunft mit den Ereignissen der Jetztzeit auf eine ebenso einnehmende Art und Weise wie das fantastische Artwork mit einer Erzählung, die den geistigen Reifeprozess des Protagonisten vorantreibt. Dieser spiegelt sich dieser nicht nur in der Erkenntnis wieder, dass nichts vorherbestimmt ist, sondern auch im Versuch, die Dinge anders und mit deutlich weniger Gewalt zu lösen als beim ersten Aufeinandertreffen mit einem Gegner, von dessen starrem Blick auf das Kommende sich der Mann mit den Krallen bereits gelöst hat. Feine Kost, die im Anhang auch noch die übrigen der von Andrea Sorrentino für die Serie gestalteten Titelbilder präsentiert.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Dune: Geschichten aus Arrakeen

Die Erinnerungen, die Soldaten auf gegenüberliegenden Seiten in sich tragen, stehen im Zentrum der in diesem Band geschilderten Nebenschauplätze der Schlacht von Arrakeen.

Dune: Geschichten aus ArrakeenDer kontinuierliche Output an Comic-Adaptionen des weitläufigen "Dune"-Universums, der via Splitter auch in unsere Regale gelangt, wirft mit dem vorliegenden Band weiteres Lesefutter ab. Während die Fortsetzung des Hauptwerks von Frank Herbert bereits ihren Schatten vorauswirft und das Prequel "Haus Atreides" mittlerweile komplett vorliegt, widmet sich "Geschichten aus Arrakeen" zwei Episoden, die mit einer der zentralen Ereignisse von "Dune" verknüpft sind – nämlich dem Angriff der Truppen von Baron Harkonnen auf die Hauptstadt des Wüstenplaneten Arrakis, um dem konkurrierenden Haus Atreides die Kontrolle über die lukrativen Spice-Vorkommen zu entreißen. Bekanntlich mischen auch als Harkonnen verkleidete Elitetruppen des Imperiums mit und verleihen dem Überfall die entscheidende Durchschlagskraft.


"Das Blut der Sardaukar" schildert die Kampfhandlungen aus der Perspektive von Jopati Kolona, einem dieser Soldaten. Er ist der letzte Angehörige des Herrscherhauses Kolona, das einst ausgerechnet von Leto Atreides` Vater gestürzt wurde, und hat somit noch eine Rechnung mit den Atreides zu begleichen. Seine Gedanken offenbaren uns jedoch, dass Gut und Böse zwei Seiten einer Medaille sein können, die hier das Imperium fest in den Händen hält. Auf der Verliererseite der Schlacht findet sich Sergeant Hoh Vitt von der Atreides-Wache wieder, der in "Die Meere von Caladan" mit seinem Neffen und einigen Soldaten in einer Höhle eingeschlossen ist. Angesichts des nahenden Todes bleibt ihnen nur die Erinnerung an die Heimat…


So gegensätzlich auch die in den hier abgedruckten Oneshots eingenommenen Perspektiven (und irgendwie dazu passend die Zeichenstile von Adam Gorham und Jakub Rebelka) ausfallen, so stark sind sie doch durch das erzählerische Motiv verbunden, das Brian Herbert und Kevin J. Anderson ihnen zugrunde gelegt haben: Die Gedanken an früher können sowohl peinvolle als auch schöne Erinnerungen zu Tage fördern, die aus Soldaten, die um Leben und Tod kämpfen, menschliche Wesen mit so unterschiedlichen Empfindungen wie Rache und Sehnsucht machen. Insofern liefern die "Geschichten aus Arrakeen" (neben einer Covergalerie und Einblicken in den Entstehungsprozess) zwei kleine, aber nichtsdestotrotz feine Puzzlestücke zum großen Ganzen namens "Dune".


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Eifel-Krimi 5.2

Wer steckt hinter dem spektakulären Überfall, bei dem 20 Millionen Mark erbeutet wurden? Sind kurdische Separatisten verantwortlich oder führt die Spur ins Frankfurter Drogenmilieu?

Eifel-Krimi 5.2Die Eifel kommt nicht zur Ruhe. Noch immer gibt es keine heiße Spur, wer hinter dem Überfall auf dem Geldtransporter stecken könnte. Auch der brutale Mord an einem Bankangestellten aus einem der umliegenden Dörfer bringt keine neuen Erkenntnisse, sondern wirft im Gegenteil neue Fragen auf. Plötzlich nehmen die Ereignisse eine neue Wendung, mehrere Personen in der Region werden mit großzügigen Geldgeschenken bedacht. Schnell ist klar, dass die kleinen Beträge allesamt aus dem Überfall stammen. Welches Ziel wird mit diesen Begünstigungen verfolgt? Die örtlichen Ermittler geraten aufgrund ausbleibender Ergebnisse unter Druck.


Mittlerweile interessieren sich auch einflussreiche Personen aus der Politik für die kriminalistische Arbeit im Fall der verschwundenen Millionen. Somit verwundert es nicht, dass man sich lieber auf erfolgversprechendere Spuren konzentriert, die auf kurdische Separatisten oder Personen aus dem Frankfurter Drogenmilieu hindeuten. Siggi Baumeister ist anderer Ansicht und beginnt mit seinen Mitstreitern die Geldgeschenke unter die Lupe zu nehmen. Es mehreren sich zunehmend Hinweise, dass die wahren Täter ganz woanders zu finden sind und Ziele verfolgen, die viele in den Reihen der Polizei schlichtweg für unmöglich halten.


Mit dem vorliegenden zweiten Teil füllt "Eifel-Gold" nun insgesamt vier pralle CDs und sobald die letzten Dialoge verklungen sind, macht sich die Gewissheit breit, dass diese opulente Laufzeit absolute Berechtigung hat. Die vorliegende Produktion ist ein Beispiel dafür, wie sich eine Romanadaption für ein neues Medium aufbereiten lässt, sondern es glückte auch, die Merkmale des Lokalkrimis zu erhalten und zu transportieren. Die Besonderheit der Eifel, die Landschaft und der Charme ihrer Bewohner wird wiedergegeben und mit viel Liebe zum Detail als Hörspiel inszeniert.


Gerade dieser Fall zeigt, wie wichtig es ist, das Lokalkolorit dieser Gegend einzufangen, damit alle Aspekte der Handlung im richtigen Licht erscheinen. Daneben schafft es das Produktionsteam auf beeindruckende Art, die Stimmung und das Lebensgefühl der ausklingenden 1980er und frühen 1990er Jahre einzufangen. Gerade diese kleinen, liebevoll herausgearbeiteten Details sorgen dafür, dass die unterhaltsame Krimihandlung den Rahmen bekommt, um ihre volle Wirkung und ihren ganz speziellen Reiz entfalten zu können.


Natürlich werden die wichtigen Accessoires eines guten Krimis nicht vernachlässigt, so tummelt sich hier eine muntere Truppe möglicher Verdächtiger in den Dörfern der Vulkaneifel und ebenso wenig verzichtet Berndorf auf einige heiße Fährten, die den Hörer auf den Holzweg führen sollen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die fantastischen Dialoge, die einen großen Anteil daran haben, die tiefgründigen und vielschichtigen Charaktere an Kontur gewinnen zu lassen, allen voran hier natürlich die Figur des desillusionierten Journalisten Siggi Baumeister.


Die Soundeffekte sind gut gewählt und schaffen es, die jeweiligen Szenen nochmals besser auszugestalten und für den Hörer greifbarer zu machen (in diesem Zusammenhang sei nur die Brandszene erwähnt). Die musikalische Gestaltung greift die Themen der vorherigen Folgen auf, es gelingt einen hohen Wiedererkennungswert zu erzeugen und gleichzeitig die besondere Stimmung dieser Hörspielreihe nochmals zu betonen.


Matti Klemm ist einmal mehr die Idealbesetzung für Siggi Baumeister. Jede gesprochene Silbe ist zutiefst glaubwürdig und die Grenzen zwischen Sprecher und Figur verwischen. Dazu kommen über zwei Dutzend großartige Stimmen, die alle mit viel Eifer und Herzblut bei der Sache sind, darunter bekannte Namen wie Bodo Wolf, Stefan Krause und Konrad Bösherz. Eine der besten kommerziellen Krimi-Produktionen der letzten Jahre, die endlich die Aufmerksamkeit verdient hat, die ihr schon so lange zusteht.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: WinterZeit




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 188

In einer trostlosen Zukunft ist X-51 gezwungen, dem drohenden Untergang der Menschheit als neuer Beobachter beizuwohnen.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 188In den 1990er Jahren stellte "Wizard" die primäre Informationsquelle für Comic-Fans in den USA dar, deren Einfluss so weit reichte, dass mancher Trend nicht nur aufgegriffen, sondern teilweise sogar überhaupt erst kreiert und – wie sich rückblickend kritisch anmerken lässt – in gewisser Hinsicht auch zu der spätestens Mitte der Dekade geplatzten Spekulationsblase beigetragen wurde. Für aufstrebende Stars, die sich und ihrem Werk die nötige Aufmerksamkeit verschaffen wollten, führte in jenen Tagen kein Weg an dem Magazin vorbei. Alex Ross war einer von ihnen und seit "Marvels" (1994) und "Kingdom Come" (1996) ein gern gesehener Gast auf den Seiten des monatlich erscheinenden Meinungsmachers.


1997 fragte "Wizard" bei ihm einen Artikel an, der gealterte, zukünftige Versionen prominenter Marvel-Charaktere zeigen sollte. Dieser schlug so ein, dass aus der Sache schließlich eine eigene, nicht minder erfolgreiche Heftbeilage hervorging. 1999 erhielten Ross, der für die Entwürfe hinzugezogene Autor Jim Krueger und John Paul Leon als Wunschkandidat der beiden für die Artworks grünes Licht von Marvel für die Maxiserie "Earth X" rund um die ursprüngliche Idee, die eigentlich als Jux begonnen hatte. Insgesamt 14 Hefte erschienen bis 2000, wie damals oft üblich eingeleitet von einer Nullnummer, der zwölf Kapitel und der passenderweise mit "X" nummerierte Anschluss folgten.


Fast 20 Jahre nach der deutschsprachigen Erstveröffentlichung ist die Saga als einer der besten Outputs, die das "House of Ideas" in den (qualitativ bekanntlich nicht immer koscheren) 1990ern hervorgebracht hat, dank der "schwarzen" Hachette-Sammelreihe wieder hierzulande zugänglich. Der erste von zwei Bänden enthält neben dem Prolog die ersten sechs US-Ausgaben und führt uns zusammen mit Aaron Stack auf den Mond. Dorthin hat ihn der mittlerweile erblindete Uatu geholt, um seinen Job als Beobachter der Erde fortzusetzen. Diese ist nämlich dem Untergang geweiht, wie dem auch als X-51 bekannten Machine Man nun enthüllt wird. Vor 20 Jahren erhielten alle Menschen durch eine mysteriöse Seuche Superkräfte.


Tragischerweise führte dieser Umstand, dass nun alle theoretisch gleich sind, eben nicht zu jenem Utopia, wie ihn sich Visionäre wie Charles Xavier stets erhofft hatten. Ganz im Gegenteil: Ein junger Nachfolger des Red Skull vergrößert seine willenlose Anhängerschaft in den Vereinigten Staaten, welche von Präsident Norman Osborn regiert werden. Dieser wiederum paktiert mit Tony Stark, dem Anführer der aus künstlichen KIs der Originale bestehenden Iron Avengers, um den Machenschaften von Hydra Einhalt zu gebieten. Andere einstige Helden wie Peter Parker oder Wolverine sind bedeutungslos geworden, während sich Reed Richards die Schuld an der globalen Infektion gibt.


Vor den Augen der Leserschaft wird eine faszinierende Welt aufgebaut, die offenbar ausgerechnet von einem ihrer ehemals größten Helden zum Untergang verdammt wurde – doch so einfach ist die Antwort auf die vielen Fragen nicht, welche sich nicht nur der neue Beobachter stellt, der im Gegenzug für einen enormen Wissensschatz seine Emotionen und das Bedürfnis, den Menschen zu helfen, aufgeben muss. "Earth X" ist ein Lesegenuss sondergleichen, schildert eine üppig ausgeformte alternative Zukunft des Marvel-Universums und verbindet diese gleichzeitig mit vielen von dessen erzählerischen Grundfesten. Das macht das Ganze nicht zuletzt zur unbedingten Empfehlung für Marvel-Rookies, abgerundet vom fantastischen Artwork von John Paul Leon und üppigen Bonusseiten mit Dialogen zwischen X-51 und Uatu, die teils in faszinierende philosophische Diskurse ausarten.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

The Department of Truth 2

Was und vor allem wen kann Cole Turner noch glauben?

The Department of Truth 2Schon ein Vergleich zwischen der Rückseite des vorliegenden Bands und seinem tatsächlichen Inhalt könnte glatt die Verschwörungstheorie entstehen lassen, warum uns Splitter die beiden US-Ausgaben 6 und 7 von "The Department Truth" vorenthält, obwohl diese laut den Angaben eigentlich abgedruckt sein sollten. Sind hier gar düstere Machenschaften made in Bielefeld am Werk? Könnten die beiden ausgelassenen Kapitel gar das Weltbild der Leserschaft so sehr ins Wanken bringen wie jenes von Cole Turner, dem neuesten Mitarbeiter der titelgebenden Behörde? Mitnichten, es darf Entwarnung gegeben und von einem schlichten Fauxpas ausgegangen werden, der dem Verlagsteam unterlaufen ist – außerdem finden sich die besagten Hefte, bei denen diverse Kreative für Zeichner Martin Simmonds eingesprungen sind, dann einfach im dritten Band.


Problem gelöst! So einfach hat es der Protagonist nicht, der immer mehr und damit auch immer beunruhigendere Einblicke in die Tätigkeiten seines aktuellen Arbeitgebers bekommt. Überdies ist sein Engagement der gegnerischen Organisation Black Hat nicht verborgen geblieben, doch zuerst steht ein Treffen mit einem Herrn auf dem Programm, der eine auffällige Kappe trägt und sich als Hawk Harrison vorstellt. Turner bekommt von ihm eine veritable Geschichtsstunde über das Zustandekommen von Verschwörungstheorien und den Mechanismen dahinter verpasst, wobei von Freimauern über Reptiloiden bis hin zu Kryptozoologie so ziemlich alles abgedeckt wird, was konspirativen Geistern feuchte (Alb)Träume beschert. Noch weiß er jedoch nicht, dass ihn sein Gegenüber bereits seit langem kennt und nicht nur bestens über sein Kindheitstrauma Bescheid weiß.


Getragen von Martin Simmonds` einzigartigen Bildern, die schon für sich alleine stehend die Synapsen zu sprengen drohen, setzt James Tynion IV. seinen Parforceritt über die realen Gefahren fiktiver Ideen beeindruckend fort und widmet sich ganz dem, was Lügen, die oft genug geglaubt werden, mit uns machen. Doch das ist noch längst nicht alles, was das brillante Storytelling diesmal bereithält, das es im Bigfoot & Co. gewidmeten Zweiteiler "Ein Jagdtagebuch" auf berührende Art und Weise schafft, die Gedankengänge eines "Gläubigen" bis hin zur Zerrüttung nicht nur einer Generation einer Familie zu schildern. Alle Versprechungen, die der Auftakt gemacht hat, werden mehr als eingelöst, die Fortsetzung mit einem erneuten Sprung in den konspirativen Kaninchenbau kann also nicht schnell genug erscheinen.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Batman Graphic Novel Collection 75

Als wäre Hush, der sich als Bruce Wayne ausgibt, nicht schon genug Ärger für Batman und Robin, sorgen Firefly und Mr. Zsasz zusätzlich für Gefahr.

Batman Graphic Novel Collection 75Mit dem bereits 75. Band der (über die ursprünglich geplanten 60 Ausgaben hinaus) in die Verlängerung gegangenen Fledermaus-Sammelreihe gibt es weiteres Material aus "Batman: Streets of Gotham" zu lesen. In fast schon traditioneller Manier vollzieht Eaglemoss auch diesmal einen Sprung in der Chronologie – bot der vorangegangene Eintrag den Mehrteiler "Heart of Hush" von 2008 aus "Detective Comics", enthielt Band 68 "House of Hush", mit dem die ab 2009 erschienene Serie "Batman: Streets of Gotham" 2011 abgeschlossen wurde. Sobald alle Bände in der vom Verlag geplanten Lesereihenfolge vorliegen, werden sich diese Storys wunderbar am Stück genießen lassen, so aber gibt es zwangsweise Spoiler, die schon bei den jeweiligen Einleitungstexten beginnen.


Diese etwas seltsame Veröffentlichungsweise ließe sich besser lösen, die Qualität des abgedruckten Materials ist hingegen auch diesmal über alle Zweifel erhaben. In "Streets of Gotham" 1-4, 7, 10 und 11 präsentiert Paul Dini zusammen mit Dustin Nguyen, der wunderbar stimmige Zeichnungen abliefert, eine durchgehend unterhaltsame und geschickt inszenierte Verquickung zwischen der Gothamer Unterwelt und den Umtrieben psychopathischer Superschurken, für die der Amerikaner bekanntlich ein sehr gutes Händchen hat. Dick Grayson, der die Nachfolge des zum damaligen Zeitpunkt totgeglaubten Bruce Wayne angetreten hat und noch dazu den ungestümen neuen Robin Damian Wayne unter Kontrolle behalten muss, bekommt es zunächst mit Firefly zu tun.


Während der Pyromane, der ahnungslose Mitbürger in Flammen aufgehen lässt, die Zusammenarbeit mit Gangsterboss Black Mask beendet, bekommt dieser ausgerechnet von Mr. Zsasz eine rettende Hand gereicht. Als Belohnung für seine Hilfe darf sich der Mörder mit den zahlreichen Narben auf dem Körper über jede Menge Geld freuen, die ihm bei der Verwirklichung seiner kranken Träume helfen. Als Humpty Dumpty tote Kinder aus dem Fluss zu fischen beginnt, beginnen sich deren Ausmaße für das frischgebackene Dynamische Duo abzuzeichnen. Doch nicht nur Damian muss um Zurückhaltung im Kampf für Gerechtigkeit ringen, sondern auch ein neuer Spieler namens Abuse, der wenig zimperlich gegen das lokale Verbrechen austeilt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Eaglemoss





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.batman-collection.de.


 

Gruselkabinett 141

Während des Aufenthalts an Bord eines Schiffs kommt es zu einer schicksalsträchtigen Zusammenkunft zwischen Colonel Rowan und einem anderen zwielichtigen Passagier.

Gruselkabinett 141Colonel "Hippy" Rowan reist gemeinsam mit seinem treuen Butler auf Einladung eines osmanischen Geschäftsfreunds nach Istanbul. Anstatt der beschwerlichen Fahrt mit der Eisenbahn hat man ein Flusskreuzfahrtschiff als Transportmittel auserkoren. An Bord weckt ein anderer Gast ihre Aufmerksamkeit, ein junger Mann, der nur in den Abendstunden an Deck kommt und sein Antlitz stets hinter Tüchern bis zur Unkenntlichkeit verbirgt. Die beiden Briten ziehen Erkundigungen über den undurchsichtigen Passagier ein und ziehen sich damit dessen Unmut zu.


Die Situation eskaliert in der Nacht derartig, dass sogar ein Duell im Raum steht. Nur das beherzte Eingreifen des Kapitäns kann Schlimmeres verhindern. Der aus dem fernen Moldawien stammende Mann mit dem Namen Isaac Lebedenko ist jedoch keineswegs beschwichtigt und schwört Colonel Rowan blutige Rache für seine Unverfrorenheit. Bei der Ankunft am Bosporus geraten die Ereignisse zunächst in Vergessenheit, bis man in geselliger Runde auf eine alte Legende vom Balkan zu sprechen kommt. Plötzlich sind die zurückliegenden Vorkommnisse wieder sehr präsent, was den englischen Gentleman jedoch nicht davon abhält eine folgenschwere Wette einzugehen.


Es ist schon erstaunlich, wie es den Produzenten dieser Reihe immer wieder gelingt interessante Geschichten ans Tageslicht zu fördern, die in unseren Breitengraden nur wenigen Menschen bekannt sein dürften. Eine solche liegt nun mit "Der Judas-Kuss" von Julian Osgood Field vor, die dem Vampirmythos neue, spannende Aspekte hinzufügt. Zwar siedelt der Autor die Handlung ebenfalls auf dem Balkan an, schafft aber eine vollkommen andere Ausgangsgrundlage für die Herkunft der dort beheimateten Blutsauger. Als Fundament dient hier die bereits aus der Bibel bekannte Figur des Judas Iskariot, der Jesus verrät und dafür mit 30 Silberstücken entlohnt wird. Eine Tat, die nicht nur für ihn, sondern sämtliche seiner Nachfahren weitreichende Folgen hat. Fortan sind sie dazu verflucht sich am Blut der Lebenden zu laben.


Tatsächlich präsentiert sich "Der Judas-Kuss" als stimmige Gruselstory mit einem exotischen Einschlag, deren Ausgang zwar keine Überraschung darstellt, aber gut zu unterhalten weiß. Neben der gut gewählten literarischen Ausgangsposition ist es natürlich einmal mehr die kreierte Atmosphäre, die diesem Hörspiel innewohnt. Egal ob an Bord des Schiffs, dem Haus des türkischen Geschäftsmanns oder später im Schloss in Transsylvanien, es gelingt immer mit Hilfe der eingesetzten Soundeffekte ein Bild der jeweiligen Orte zu imaginieren. Rolf Berg übernimmt die Rolle von Colonel Hippy Rowan und macht dabei eine äußerst passable Figur. Glaubhaft inszeniert er den englischen Ex-Militär als Mann mit Prinzipien, der es gewohnt ist seinen Willen zu bekommen und seine Interessen durchzusetzen. Tom Raczko agiert als Butler Adams, der seinem Dienstherrn auch in brenzligen Situationen nicht von der Seite weicht.


In weiteren Rollen sind die beiden alten Haudegen Peter Weis und Bert Stevens zu hören, die mit ihren Stimmen die Geschichte zusätzlich veredeln. Bei außergewöhnlichen Stimmfärbungen ist es oft ein Balanceakt zwischen überzeugender Darbietung oder Lächerlichkeit. Im vorliegenden Fall schlägt das Pendel eindeutig in erstgenannte Richtung. Die krächzende und sich manchmal überschlagende Stimme von Jean Paul Baeck passt hervorragend zum fluchbeladenen Isaac Lebedenko. Bei seinen Auftritten kann man sich eines Fröstelns nur schwer entziehen. "Der Judas-Kuss" ist ein überzeugender Beitrag des "Gruselkabinetts", der zeigt, dass die Geschichte der Vampire noch lange nicht zu Ende erzählt worden ist und immer noch neue Stoffe auf ihre Entdeckung warten.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Crossover 1

Ein cleveres Konzept, eine mitreißende Story und viele Gaststars – dieser Comic erfüllt drei Wünsche auf einmal. Nicht nur die von Superhelden-Fans!

Crossover 1Donny Cates dürfte hierzulande primär der Marvel-Anhängerschaft bekannt sein, schließlich hat er in jüngerer Vergangenheit unter anderem die verlagsweiten Events "Absolute Carnage" und "King in Black" orchestriert. Bei Cross Cult wiederum erschien kürzlich seine Eigenkreation "God Country", die das "House of Idea" auf den aus Dallas, Texas stammenden Autor aufmerksam machte und in gewisser Weise auch eine Rolle in seinem neuesten, ebenfalls mit Zeichner Geoff Shaw umgesetzten Projekt spielt. Der Titel "Crossover" ist nämlich Programm, schließlich gibt hier nicht nur das Schwert Valofax aus "God Country" ein Gastspiel, sondern auch so manche Schöpfung anderer Comic-Kreativer.



Offensichtlich verfügt Mr. Cates über beste Connections, um beispielsweise einem Kapazunder wie Mike Allred die Erlaubnis zur Verwendung von Madman abzuringen. So wie Frank Einstein sind viele Figuren, die sich vor allem für Kinder der 1990er im Allgemeinen und Image-Fans im Besonderen wie ein wahrgewordener feuchter Traum anfühlen dürften, aber keineswegs ausschließlich wegen der Schauwerte in die Handlung eingebaut worden, sondern ein wesentlicher Teil der Erzählung über die gefährliche Reise, die die junge Ellipse "Ellie" Howell antritt. Sie gehört zur vom Aussterben bedrohten Spezies der Comic-Fans in den USA, wo Superhelden und -schurken unvermittelt aufgetaucht sind und Denver, Colorado anno 2017 ins Chaos gestürzt haben.


Seit den katastrophalen Ereignissen umgibt eine undurchdringbare Kuppel die Stadt, außerhalb derer die Regierung jagt auf alles macht, was durch Rasterpunkte auf der Haut als "fiktiver" Charakter erkennbar ist. Zu ihnen zählt die junge Ava, die Ellie vor einem wütenden Mob religiöser Fanatiker in Sicherheit und zurück zu ihren Eltern bringen will. Doch das klappt nur mit der Hilfe einiger Superhelden und ausgerechnet dem jungen Ryan, dessen Vater an vorderster Front Stimmung gegen die "Capes" macht.



Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, denn die von Geoff Shaw ansehnlich illustrierte Story punktet bei allen Referenzen an die Comic-Geschichte, besagten Gaststars, einigen Überraschungen und diversen Metaebenen, die bereits im Verlauf der ersten sechs im Auftaktband abgedruckten Kapitel erklommen werden, auch mit spannenden Überlegungen über die Macht der Fantasie, die oftmals beklemmende Tristesse der Realität… und nicht zu vergessen wunderbar kurzweiliger Unterhaltung, für die wir die Neunte Kunst eben alle lieben.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Midnight Tales 20

Kann man dem Tod sprichwörtlich in letzter Sekunde noch von der Schippe springen?

Midnight Tales 20Clara ist sicherlich alles andere als der Inbegriff der älteren Dame, die sich bei Freunden und Familie gleichermaßen großer Beliebtheit erfreut. Eher wirkt sie wie eine entfesselte Naturgewalt, die ohne Vorwarnung über ihre Mitmenschen hereinbricht. Wo auch immer sie in Erscheinung tritt, ergießt sich ein stetiger Strom von Schimpfwörtern der übelsten Sorte in den Äther und treibt jeden in ihrer Nähe binnen weniger Minuten in den Wahnsinn.


Das mürrische Naturell Claras hat sich noch weiter verdüstert, denn zurzeit ist sie im Krankenhaus ans Bett gefesselt. Das Pflegepersonal und ihre Verwandtschaft ächzen unter der unerträglichen Laune der alten Giftspritze – eine Erfahrung, die auch die zwei sonderbaren Herren machen müssen, die Clara an ihrem Krankenbett aufsuchen. Wie gewohnt überzieht sie auch ihre neuesten Opfer mit einer wahren Kanonade von Fäkalsprache, muss jedoch stutzen, als die beiden Männer den Grund ihres Hierseins offenbaren.


Immer wieder schaffen es die "Midnight Tales", das Publikum zu überraschen. Auch der Ausgangspunkt des Plots verspricht eine unterhaltsame Angelegenheit zu werden, nimmt er doch eine vollkommen neue Position ein, die neben makabren Elementen auch humoristische Ansätze einbindet. Natürlich ist die Idee eines faustischen Pakts nicht neu, die vorliegende Umsetzung jedoch durchaus originell. Die Hauptfiguren sind allesamt stark überzeichnet und erinnern mehr als nur einmal an Karikaturen, was die Story zu einem Balanceakt macht, bei dem jederzeit die Gefahr besteht, den Bogen zu überspannen.


Genau dies passiert nämlich bei der Hauptfigur. Was in den ersten zwei, drei Minuten vielleicht noch lustig sein mag, entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einer absoluten Nervenprobe. Nahezu jeder Satz endet mit einer neuen Auswahl an Beleidigungen und Schimpfwörtern. Es mag Menschen geben, die dies aus dem Mund einer älteren Frau über eine Dreiviertelstunde amüsant finden, das Gros der Hörer dürfte sicherlich mehrfach gepeinigt zur Stopptaste blicken. Sorry, aber das ist einfach zu viel des Guten.


Ungewöhnlicherweise trägt sich das gesamte Hörspiel lediglich an einem einzigen Ort zu, dem Krankenbett der alten Frau. Was zunächst ernüchternd klingt, macht hier tatsächlich durchaus Sinn. Das eingeschränkte Sujet der Figuren verdichtet die Geschichte und lässt zu keiner Zeit Langeweile aufkommen, denn auch wenn der Handlungsort sich auf ein einziges Zimmer beschränkt, so geschieht doch dauerhaft eine ganze Menge in der Enge des Raums. Die Soundeffekte sind eher schlichter Natur, wo sie jedoch benötigt werden, wissen sie zu überzeugen. Selbiges gibt es von den verwendeten musikalischen Kompositionen zu berichten, die allesamt gut zum Plot passen.


Eine derart wortgewaltige Rolle wie die der Clara braucht eine außergewöhnliche und raumergreifende Stimme, um sie glaubhaft mit Leben zu füllen. Eine schwierige Aufgabe, und dennoch wurde sie mit Bravour gemeistert. Katja Brügger ist mit ihrer rauen und tiefen Stimme die Idealbesetzung für die Figur. Sie pöbelt und poltert sich durch ihre Texte, dass es eine wahre Freude ist, andere Sprecherin wären an dieser Aufgabe sicherlich verzweifelt. An ihrer Seite agieren Bert Stevens als Morty und Thomas Balou Martin, deren Stimmen ebenfalls hervorragend passen, um dem Teufel und seinem guten Kumpel, dem Tod, Gehör zu verschaffen. Bei der Besetzung hat man tatsächlich nichts dem Zufall überlassen. Die "Midnight Tales" wissen auch nach mehr als 20 Episoden immer noch mit frischen und unverbrauchten Geschichten zu überraschen. Wer sich von den sprachlichen Entgleisungen nicht abschrecken lässt, bekommt auch hier beste Unterhaltung geboten.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Contendo Media




 


 

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 77

Philadelphia ist nicht New York, aber auch hier hat Flash Thompson seine liebe Not mit der stetig wachsenden Symbiontenfamilie.

Die Marvel-Superhelden-Sammlung 77Dank der Events "Absolute Carnage" (2019) und "King in Black" (2020/21) rückten die Symbionten quasi ins Zentrum des Marvel-Universums, nachdem ihr Mythos in den vergangenen Jahren ordentlich ausgebaut worden war. Wer sich nur marginal mit der Welt des Netzschwingers befasst, dürfte primär wohl Eddie Brock mit den Namen Venom in Verbindung bringen, schließlich war der vom Daily Bugle aufgrund unseriöser Arbeitsweise geschasste Reporter der Erste, der ins kleine Schwarze schlüpfte und in den 1990ern zu einem der beliebtesten Antihelden im "House of Ideas" mit zahlreichen Miniserien und Gastauftritten avancierte. Hachette widmete seinen Ursprüngen bereits einen Band seiner ersten Sammelreihe, über die Jahre wechselte der ursprüngliche Symbiont den Besitzer wie andere die Unterhosen, ganz zu schweigen von diversen Ablegern wie Carnage.


Als bekanntester Träger neben Brock darf Flash Thompson gelten, der schwer verwundet aus dem Irak-Krieg heimkehrte, durch ein geheimes Projekt zum neuen Venom wurde und für das Militär geheime Aufträge ausführte. Nachdem in Band 98 der ersten Marvel-Kollektion bereits dessen erste Missionen aus der 2011 gestarteten monatlichen Serie zu finden waren, enthält der vorliegende "Amazing Spider-Man" 574, in dem auf eindringliche Weise das tragische Ende seiner Soldatenkarriere geschildert wird. Danach folgt (nochmal) die Debütausgabe von "Venom" (Vol. 2), bevor es mit den US-Nummern 31-35 weitergeht. Hier ist Flash gerade frisch in Philadelphia angekommen, wo er Abstand von seinem bisherigen Leben und der damit verbundenen Dramatik gewinnen will.


Selbstverständlich bleibt es nicht lange ruhig, denn der frischgebackene Aushilfscoach an einer Schule gerät nicht nur an einen technoorganischen Gegner, der unschuldige Menschen entführt, sondern auch Eddie Brock, der mittlerweile als Toxin unterwegs und nicht gerade gut auf ihn zu sprechen ist. Mit Andi Benton lernen wir überdies eine junge Dame kennen, die in weiterer Folge als Mania eine weitere Rolle in der expandierenden Symbiontenfamilie spielen wird. Die Story von Cullen Bunn, sehenswert illustriert von Declan Shalvey ("Moon Knight"), weiß nicht nur mit geradliniger Action zu gefallen, sondern führt das Motiv der Abhängigkeit des ehemaligen Alkoholikers Flash in Form seines "Anderen" auf spannende Art weiter. Tadellose Lektüre!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 

Fables Deluxe Edition 2

Die magische Welt der Tiere ist schon lange in unserer Realität etabliert und bildet eine versteckte, bunte Parallelgesellschaft, die sich mit ihren ganz eigenen Problemen konfrontiert sieht.

Fables Deluxe Edition 2Der Staat im Staat befasst sich in erster Linie mit der Geheimhaltung seiner Existenz vor den Menschen, doch genau um dieses Unterfangen zu unterminieren, zeigt ein findiger Reporter Ehrgeiz und wird zur Zielscheibe. Damit nicht genug brodeln im Führungsapparat der magischen Gesellschaft weiterhin Intrigen, Komplotte und finstere Pläne, in die nicht nur die üblichen Verdächtigen involviert sind. Letztlich werden Bigby Wolf und Snow White auf Campingurlaub geschickt, der jedoch nur als Vorwand dient, um sie dezent aus dem Weg räumen zu können.


Abgesehen von der gegen sie gerichteten Tötungsabsicht sind die beiden in freier Natur zusätzlich mit ganz anderem, animalischem Verlangen konfrontiert. Zwischen den Episoden aus der erzählten Gegenwart werden immer wieder mehr oder weniger tragische Ereignisse aus der Vorkriegs- und Kriegszeit geschildert, als das Märchenland noch das Zuhause der unterschiedlichsten Sagengestalten war. So erfährt man durch das geschickte Verweben mit aktuellen Ereignissen, was es mit den Gerstenbräuten auf sich hat, was der Traurigkeit des in Melancholie versinkenden Boy Blue zugrunde liegt und wie die letzten Schlachten in der Heimat gefochten wurden.


Die Storys greifen ineinander über und mag ihre Handlung noch so weit entfernt von der des Vorgängers sein, schafft es Bill Willingham mit seinem überaus begabten Kreativteam, nahtlos von einem Abenteuer ins nächste zu führen und dabei auch die Hintergründe für aktuelle Entwicklungen ans Tageslicht zu bringen. Wunderschön in Szene gesetzt, spannend, derb, erotisch und voller gut durchdachter Geschichten wird "Faibles" immer mehr zu einer hochqualitativen Mischung aus Gesellschaftsstudie, niveauvoller Soap Opera, kulturellem Märchenwelt-Exkurs, Traumabewältigung und Anti-Kriegs-Statement.

 

# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Space Usagi

In der fernen Zukunft, in noch ferneren Welten… treffen wir auf alte Tugenden und bekannte Charaktere.

Space Usagi2024 wird sich das Debüt von Stan Sakais langohrigem Ronin zum sage und schreibe 40. Mal jähren – es darf als Glücksfall und Segen betrachtet werden, dass der Meister seiner Schöpfung treu bleibt und damit einen der Werte, um die sich seine Geschichten immer wieder drehen, auch selbst hochhält. Nichtsdestotrotz braucht aber auch ein genialer Geist Ablenkung und etwas Urlaub von dem erzählerischen Korsett, das ein im 17. Jahrhundert angesiedeltes Szenario bei aller künstlerischer Freiheit mit sich bringt. Im konkreten Fall fällt der Apfel aber gar nicht so weit vom Stamm, denn bei "Space Usagi", das in einem besonders umfangreichen Band endlich auch in deutscher Übersetzung vorliegt, handelt es sich um die Erlebnisse eines Nachfahren von Miyamoto Usagi.


Dieser trägt den gleichen Namen wie er und folgt denselben Prinzipien, wie sie einst die Samurai verkörperten. Daher verwundert es kaum, dass er seinem Eid nachkommt, den jungen Anführer des Hirohoshi-Clans zu beschützen, nachdem dessen Vater durch einen seiner eigenen Gefolgsleute verraten wird. Fürst Kiyoshi soll die Prinzessin des verbündeten Mino-Clans heiraten, um die Allianz gegen das feindliche Kajitori-Reich zu stärken, überdies ist er als Einziger im Besitz wertvoller Informationen, die es um jeden Preis zu schützen gilt. Als er seine Mission antritt, ahnt Usagi noch nicht, dass neben heftigen Kämpfen auch Tragik auf ihn wartet, die sprichwörtlich auch nicht vor seinem Herz haltmacht.


Mehr sei an dieser Stelle gar nicht mehr verraten, denn die fast 300 Seiten sind ein weiterer Leckerbissen, dem man geradezu anmerkt, wie viel Spaß Stan Sakai dabei gehabt haben muss, seine in gewisser Hinsicht epischste Geschichte überhaupt auf das Papier zu bringen. Hier gehen Samuraiwerte und Schwertkämpfe mit futuristischer Technik und Schlachten im Weltall ebenso eine unterhaltsame Verbindung ein wie sorgsam eingestreute emotionale Passagen mit altbekannten Gesichtern – bis hin zu Gen, der in dieser Space Opera den Han Solo gibt. Abgerundet mit zwei Kurzgeschichten sind die abgedruckten, jeweils dreiteiligen und von 1992-1996 erschienenen "Space Usagi"-Miniserien für Fans ohnehin ein Muss und für alle anderen eine (weitere) fantastische Möglichkeit, um sich auf "Usagi Yojimbo" anfixen zu lassen.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Dantes Verlag




 


 

Night of the Living Cat 1

Eine mysteriöse Seuche breitet sich in der Welt aus und lässt alle Menschen, die mit Katzen in Berührung kommen, zu ebensolchen werden. Was sich wie eine flauschige Utopie anhört, wird selbst für Katzennarr Kunagi schnell zur schrecklichen Dystopie.

Night of the Living Cat 1Früher arbeitete Kunagi in einem Katzen-Café, sein Gedächtnis hatte er verloren, aber zeichnete sich durch eine besondere Liebe zu den eigensinnigen Vierbeinern aus. Kaoru und ihr Bruder, die beiden Besitzern des Cafés, nahmen ihn warmherzig auf und es sah so aus, als würde er sich langsam wieder ein Leben aufbauen können, doch dann kam die Seuche. Es fing mit einem Fremden an, der sich im Café plötzlich in eine Katze verwandelte und griff schnell auf die ganze Welt über. Die Zivilisation brach zusammen, Kunagi, Kaoru und eine kleine Gruppe Überlebender kämpfen um ihr menschliches Dasein, aber der Widerstand gegen die Abertausenden von Katzen wird ihnen vor allem aufgrund der Herzigkeit der verspielten Feline schwer gemacht und nach und nach werden die Menschen auf dieser Erde immer seltener.


Die Idee hinter der Geschichte ist relativ einfach und kombiniert die klassische Zombie-Apokalypse mit einer Vorliebe für Katzen im Manga-Format. Ökonomisch recht gut überlegt, sind doch beide Aufhänger für sich regelrechte Kassenschlager, aber die Umsetzung fällt etwas zu geradlinig aus. Vor dem Hintergrund der Katzenpandemie gerät die Handlung und das Geheimnis rund um Kunagi zu sehr in den Hintergrund und zu gewollt ist die Konzentration auf die tierische Hauptattraktion, als dass sich eine echte Spannung aufbauen könnte. So bleibt "Night of the Living Cat" ein mäßig unterhaltsames Unterfangen, das nur von seiner Grundidee zu leben versucht, für Samtpfoten-Liebhaber wird die Lektüre aber trotzdem zufriedenstellend sein.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Black Hammer: Visions 2

Auch der zweite Schwung an Kurzgeschichten aus der Feder diverser künstlerischer Gäste fällt ebenso abwechslungsreich wie unterhaltsam aus.

Black Hammer: Visions 2Um sich selbst und vor allem den beteiligten Zeichnern für die Hauptstory etwas Luft zu verschaffen, gleichzeitig weitere Facetten seiner Schöpfung präsentieren und schließlich auch die Leserschaft bei Laune halten zu können, bieten sich Spin-offs unter Beteiligung von Künstlerkollegen immer als nette Abwechslung an. Jeff Lemire schuf zu diesem Zweck das insgesamt acht US-Hefte umfassende Spin-off "Black Hammer: Visions", dessen erste Hälfte von Grusel über Komik bis hin zu komplett schrägen Einfällen einen weiten Bogen spannt.


Die Fortsetzung lässt sich ebenfalls nicht lumpen, was die beteiligten Comic-Kreativkräfte und die Atmosphäre der Storys betrifft, die sie erzählen: Kelly Thompson und Leonardo Romero schildern das Aufeinandertreffen von Skulldigger und einer ebenso verführerischen wie diebischen Dame, dem im Gegensatz zu den referenzierten Vorbildern in Gotham City aber kein Happy End beschert ist. Cullen Bunn lässt Cthu-Lou gemeinsam mit dem Artwork-Team Malachi Ward und Matthew Sheean im Konflikt mit seinem ungeliebten Boss nicht nur über seinen abgewetzten Stammplatz vor dem heimischen Fernseher hinauswachsen (und sogar einigen stark an die RAMONES erinnernden Fans des Großen Alten begegnen).


Anschließend gibt es ein (leider nur kurzes) Wiedersehen mit Inspector Insector, der selbst nur eine Gastrolle in einer Story spielt, die sich um das Schicksal von Nebenfiguren dreht und eine ordentliche Dosis Metaphysik bereithält, ansonsten aber keinen markanten Abdruck hinterlässt. Abgerundet wird der Band dann aber von niemand Geringerem als Scott Snyder, der zusammen mit dem im "Hammerverse" bestens bewanderten David Rubín ("Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels") in Gestalt des Horseless Rider eine Warnung an alle abfeuert, die sich an den Wertsachen von Toten vergreifen wollen. Wer die Hände hingegen (auch) an diesen Band legt, ist zumindest unterhaltungstechnisch wieder auf der sicheren Seite…


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

Howard Phillips Lovecraft – Chroniken des Grauens 3

Randolph Carter droht die Todesstrafe, doch da kommt plötzlich Hilfe von unerwarteter Seite.

Howard Phillips Lovecraft - Chroniken des Grauens 3Randolph Carters Schicksal ist eng verflochten mit dem Erbe der Großen Alten, deren Diener ihre Rückkehr akribisch vorantreiben. Während eines nächtlichen Friedhofbesuchs verschwindet Carters Freund Harley Warren spurlos in einem kurz zuvor geöffneten Mausoleum. Man beginnt Fragen zu stellen und die Justiz präsentiert alsbald einen Schuldigen: Carter hat seinen Freund in einem günstigen Augenblick verschwinden lassen. Nun droht ihm unweigerlich die Todesstrafe.


Kurz vor der Verkündung des Urteils verschafft sich ein Unbekannter Zutritt zu Carters Zelle und spricht über Dinge aus dessen Vergangenheit, die niemand außer ihm selbst wissen kann – insbesondere jene schicksalhaften Ereignisse auf der mysteriösen Insel. Der Fremde lässt ein Manuskript zurück, einen Reisebericht über eine Expedition in die arabische Wüste. Die Suche nach der namenlosen Stadt weist verblüffende Parallelen zu Carters eigenen Erlebnissen auf. Zufall oder steckt doch mehr dahinter? Und welche Ziele verfolgt der Mann mit dem seltsam klingenden Namen, der mühelos zu ihm vordringen konnte?


Mit "Die namenlose Stadt" liegt nunmehr die dritte Episode der noch jungen Serie vor und kann sowohl das enorm hoch angesiedelte Niveau ihrer Vorgänger halten als auch die geweckten Erwartungen beim Hörer einlösen. Das gilt hinsichtlich der beiden mit viel Liebe zum Detail aufbereiteten Originalstorys sowie der auf verschiedenen Zeitebenen agierenden Rahmenhandlung, die beides zu einem neuen, faszinierenden Ganzen zusammenfügt. Bei den Stoffen aus der Feder Lovecrafts blitzt sofort jenes ganz ureigene, morbide Gefühl auf, das den Geschichten anhaftet und sie zu etwas Besonderem macht.


Ganz unmerklich legt sich der Geschmack von Fäulnis und Verwesung auf die Zunge, wenn man sich auf die düsteren Texte des Altmeisters einlässt. WinterZeit ist es gelungen, ebenjene spezielle Atmosphäre auch ins Hörspiel einfließen zu lassen. Doch damit nicht genug, die neu erschaffenen Anteile der Produktion haben es ebenfalls in sich und wissen zu begeistern. Die Story verlangt zwar nach großer Aufmerksamkeit, belohnt diese aber mit einem wendungsreichen und temporeich inszenierten Plot.


Die auf verschiedenen Zeitachsen etablierten Handlungsstränge werden an den ersten Stellen verknüpft und lassen erahnen, in welche Richtung sich die Ereignisse entwickeln könnten. Kleine Puzzleteile fügen sich zusammen, während neue hinzukommen. Dazu gesellt sich ein Sounddesign, das seinesgleichen sucht. Selten zuvor ist es gelungen, für ein Horror-Hörspiel ein derart dichtes und beunruhigendes Korsett aus Geräuschen und Effekten zu kreieren wie im Fall von "Die namenlose Stadt". Zusammen mit der wirklich tollen musikalischen Gestaltung und der überzeugenden Geschichte ergibt sich einzigartiges, dunkelbuntes Spektakel.


Als Sahnehäubchen kommt zum guten Schluss noch der Cast dieser Produktion hinzu. Wolfgang Pampel ist einmal mehr der große Chronist, der durchs Geschehen führt und gerade dieses Mal beim Hörer einige Reminiszenzen an "Indiana Jones" heraufbeschwört. Tommy Morgenstern setzt weitere Akzente als Randolph Carter und fügt seiner Figur einige neue Aspekte hinzu. Eine überzeugende Besetzung. Dazu kommen viele weitere großartige Stimmen wie die von Engelbert von Nordhausen, Joachim Pukass, Detlef Bierstedt oder Stefan Krause, die der Produktion ihren Stempel aufdrücken. "Howard Phillips Lovecraft – Chroniken des Grauens" beschreitet den eingeschlagenen Weg konsequent weiter und bereichert das Genre als eine der besten Serien der vergangenen Jahre. Mehr davon bitte!


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: WinterZeit




 


 

Classicomics 1

Mit Adaptionen zweier Klassiker von Jules Vernes legt eine weitere Integral-Serie aus dem Hause Kult Comics einen formidablen Start hin.

Classicomics 1Angesichts des unaufhörlichen Nachschubs an Comics, die literarische Meilensteine (und mitunter weniger bekannte Geheimtipps) in die Sphären der Neunten Kunst überführen, sollte nicht vergessen werden, dass auch schon so manche Generation vor uns in den Genuss entsprechender Umsetzungen kam und es sich durchaus lohnt, die eine oder andere von ihnen dem Staub der Vergangenheit zu entreißen und dem Markt wieder zugänglich zu machen. Dieser Ansicht ist offensichtlich auch Kult Comics, wo die Edition liebevoller Integral-Ausgaben Zuwachs erhalten hat: "Classicomics" nannte sich eine zwischen 1974 und 1978 bei Schwager & Steinlein erschienene Reihe, die Adaptionen diverser Klassiker in Albenform präsentierte.


Ebendiese darf ein Comeback in jener Manier feiern, wie wir sie beispielsweise von der fantastischen Werkausgabe von Michel Weylands Opus magnum "Aria" kennen. Das heißt, dass dabei nicht einfach nur die Originalalben zum Abdruck kommen, sondern diese auch mit einer umfangreichen, toll bebilderten Einleitung und vielen zusätzlichen Informationen daherkommen, die für sich eigentlich schon die halbe Miete in puncto Leserservice darstellen. Die ersten beiden Bände präsentieren jeweils zwei Comic-Adaptionen aus der Feder von Ramón de la Fuente. Seine Biografie ebenso beleuchtet wird wie jene von Jules Verne, dessen Romane "In 80 Tagen um die Welt" und "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" diesmal enthalten sind.


Klarerweise stellte es für den 1984 leider viel zu früh verstorbenen spanischen Künstler eine Herausforderung dar, die Essenz der beiden berühmten Werke auf gerade einmal etwas mehr als 50 Seiten herauszuarbeiten. Gelungen ist ihm das allemal, auch wenn vieles notwendigerweise in geraffter oder stark vereinfachter Form vonstattengeht – am augenfälligsten wird dies wohl in der Reise von Phileas Fogg und seinem Diener Jean Passepartout, die im Laufe nur einer Seite vom Startpunkt London nach Suez in Ägypten gelangen. Wer das Original nicht kennt (und hoffentlich nun entsprechend Blut geleckt hat), sollte damit keine Probleme haben, Connaisseure des Originals hingegen dürfen überprüfen, wo sich Señor de la Fuente zu Kürzungen veranlasst sah.


Während Mr. Fogg um den Globus reist, begibt sich der deutsche Gelehrte Otto Lidenbrock zusammen mit seinem Neffen Axel in die Erde selbst, um eine dechiffrierte Geheiminformation eines isländischen Alchemisten auf ihren (fantastischen) Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Die Vermischung von harten Fakten und überbordender Fantasie funktioniert auch hier prächtig und lustigerweise präsentiert sich ausgerechnet ein Zitat des Professors gegenüber der aktuellen Flut an religiösen Spinnern, Schwurblern und Welterklären als wunderbar passend: "Wenn die Wissenschaft gesprochen hat, wird geschwiegen." Nicht nur deshalb erweist sich die in eine frühzeitliche Wunderwelt führende Expedition, die übrigens (im Gegensatz zur ersten Geschichte) eine deutsche Erstveröffentlichung darstellt, als wunderbar zeitlos.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Kult Comics




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 187

Ein Inhuman mit einer ganz besonderen Gabe löste anno 2016 den zweiten Superhelden-Bürgerkrieg im "House of Ideas" aus.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 187Wenn etwas erfolgreich ist, dann versuche es zu wiederholen. Angesichts dieses in der bisherigen Geschichte von Marvel oftmals (und mit qualitativ variierenden Resultaten) beherzigten ungeschriebenen Gesetzes stellte die Ankündigung von "Civil War II" eigentlich keine sonderlich große Überraschung dar. Das Original von 2006/07 gilt als eines der besten Marvel-Crossover überhaupt und wusste nicht nur mit langfristigen Auswirkungen auf das Verhältnis der Superhelden unter sich, sondern auch als zeitgeschichtlicher Kommentar zu gefallen. Marketingtechnisch schlau platziert im Vorfeld des Kinostarts von "Captain America: Civil War", das Elemente des von Mark Millar orchestrierten Spektakels aufgriff, hatte die Fortsetzung ziemlich große Fußstapfen zu füllen.


Brian Michael Bendis, einer der zentralen Lenker der Marvel-Geschicke seit Mitte der 2000er (und wenig später vom ewigen Rivalen DC unter Vertrag  genommen), wählte dafür eine zunächst simple Frage, die aber zu keinen einfachen Antworten führt: Was wäre, wenn sich durch eine Person, die in die Zukunft sieht, Angriffe von Schurken und Bösewichten im Vorhinein vereiteln ließen? Eine solche ist nämlich der aufgrund der Terrigen-Nebel frisch aus dem Kokon geschlüpfte Inhuman Ulysses, den Visionen einer verwüsteten Erde und zahlreichen toten Superhelden plagen. Dank seiner Gabe gelingt die Abwehr einer Invasion aus einer anderen Welt, doch als Medusa & Co. offenbaren, woher sie davon im Vorfeld wussten, nimmt das Zerwürfnis seinen Lauf.


Carol Danvers alias Captain Marvel, die Katastrophen und Leid verhindern will, bevor sie überhaupt eintreten, leckt Blut und lauert aufgrund einer neuerlichen Voraussage von Ulysses mit ihrem Team Thanos auf, der im Kampf jedoch ihren Geliebten Jim "War Machine" Rhodes tötet und damit Iron Man gegen sich aufbringt. Ausgerechnet der ausgewiesene Futurist Tony Stark warnt eindringlich davor, dass es ein moralisches Problem ersten Ranges darstellt, jemanden für eine noch gar nicht eingetretene (oder aufgrund der Unsicherheit der Prophezeiung womöglich nie eintretende) Handlung zur Rechenschaft zu ziehen. Spätestens als Carol Danvers den Hulk durch eine weitere Vision von Ulysses zur Gefahr erklärt und dieser auf tragische Art aufgehalten wird, lassen sich die Risse in ihrem Verhältnis zu Tony Stark nicht mehr kitten.


"Zukunft muss passieren, sonst ist es keine Zukunft". Diese Aussage von Bruce Banner fasst das Dilemma perfekt zusammen, um das herum Bendis seine Geschichte konstruiert. Wie "Civil War" behandelt auch das Sequel das Thema der persönlichen Freiheit, obwohl dies hier weniger an politische Gegebenheiten zum Zeitpunkt seines Erscheinens anknüpft als vielmehr an eine philosophische Diskussion, die aber nichtsdestotrotz ebenso fundamentale Grundrechte tangiert. Wenngleich die Konsequenzen von "Civil War II" für das Marvel-Universum weniger dramatisch ausfielen als ein Jahrzehnt davor, bietet die hier abgedruckte erste Hälfte intelligente Action, die dank David Marquez auch zeichnerisch was hermacht. Ebenfalls enthalten sind das "Free Comic Book Day"-Kapitel zum Event und der Oneshot "Civil War II: The Accused", in dem Daredevil quasi gegen sich selbst ermittelt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.


 

Sherlock Holmes 47

Mr. Sinclair möchte in seinem neuen Domizil den wohlverdienten Lebensabend verbringen. Doch jemand hat ein großes Interesse daran, dass er seiner Immobilie fernbleibt.

Sherlock Holmes 47Es kommt nur äußerst selten vor, dass Sherlock Holmes versucht ist einen Auftrag abzulehnen. Bei seinem neuesten Klienten sind es jedoch gleich zwei Dinge, die ihn zögern lassen. Das arrogante und selbstgefällige Auftreten des älteren Herrn stellt seine Geduld ordentlich auf die Probe, umso schwerwiegender scheint jedoch der Umstand zu sein, dass das Anliegen des Mannes nur schwer das Interesse des großen Detektivs erregen kann. Das ändert sich jedoch schlagartig, als Mr. Sinclair endlich zum Kern seiner Geschichte vordringt.


Anstatt den neu erworbenen Alterssitz beziehen zu können, kommt es immer wieder zu Ereignissen, welche die Renovierungsarbeiten in dem lange leer stehenden Gebäude immer wieder verzögern. Doch Sinclair lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und setzt die Arbeiten fort. Die Vorfälle verschärfen sich und münden in offene Drohungen, die auch vor Mord nicht zurückschrecken. Die Polizei scheint nicht in der Lage zu sein, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Der ehemalige Geschäftsmann ist mit seinem Latein am Ende und wendet sich an den Detektiv. Dieser hat nach dem Bericht seines Klienten bereits einen ersten Verdacht, was hinter den Vorkommnissen stecken könnte, und beginnt mit seinen Ermittlungen.


Erneut greift man auf eine Vorlage von Herman Cyril McNeile zurück, um sie Sherlock Holmes auf den Leib zu schreiben. Das funktioniert wie in bereits vorangegangenen Episoden erstaunlich gut, allerdings benötigt diese einige Zeit, um an Fahrt zu gewinnen, was auch das Ermittlerduo an passender Stelle quittiert. Bis man zum eigentlichen Fall vordringt, ist eine erstaunliche Zeitspanne verstrichen, in der inhaltlich nur wenig geschieht. Eine Straffung hätte dem Plot an dieser Stelle sicher nicht geschadet. Dann jedoch kristallisieren sich alle jene wichtigen Elemente heraus, die eine gelungene Holmes-Geschichte ausmachen: Ein altes, leer stehendes Haus mit einem dunklen Geheimnis, ein unbekannter Widersacher, der aus dem Verborgenen heraus operiert und mit allen Mitteln verhindern will, dass das Gemäuer wieder bewohnt wird. Die Frage, wer hinter den Vorkommnissen stecken könnte und welches Motiv ihn dabei leitet, hält die Spannung bis zur unerwarteten Wendung am Schluss aufrecht.


Die eigentliche Ermittlungsarbeit geschieht dieses Mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da auch Dr. Watson von den entscheidenden Nachforschungen des beratenden Detektivs ausgeschlossen wird, ein Trick, der zweifellos notwendig wird, um das Ende im logischen Kontext präsentieren zu können. "Das verlassene Haus" ist solide Krimikost für zwischendurch und reiht sich im gehobenen Mittelfeld der Reihe ein. Einen sicherlich nicht unerheblichen Anteil daran hat einmal mehr auch die liebevolle musikalische Gestaltung, die einen schnell ins viktorianische Zeitalter entführt und die Spannung an den richtigen Stellen zu konzentrieren weiß. Die Soundeffekte sind eher spärlich gesät, was aber nichts ausmacht, denn der Dialoganteil fällt erstaunlich hoch aus und bedarf keiner weiteren Kulisse. Wo eine Gestaltung jedoch notwendig ist, entspricht sie zu jeder Zeit dem gewohnt hohen Titania-Niveau.


Peter Weis glänzt als geschäftsorientierter Makler, der gerne ein zusätzliches Pfund aus seinen Klienten quetscht. Im Synchronbereich lieh Willi Röbke bereits vielen Hollywood-Stars seine Stimme, in puncto Hörspiel ist er noch ein eher unbeschriebenes Blatt, liefert aber hier als Mr. Sinclair eine äußerst überzeugende Leistung ab. Das gilt auch für alle weitere Rollen dieses kurzweiligen Kriminalhörspiels. Über Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt als Holmes und Watson muss man nicht mehr als zwei Worte verlieren – sehr gut. Ein Fall in der Tradition der Originalgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle, der alle Voraussetzungen für eine Stunde beste Unterhaltung mitbringt.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Dune: Haus Atreides 3

Die Entscheidung über Leben und Tod von Leto Atreides fällt... vor Gericht!

Dune: Haus Atreides 3Wie sich aus dem Finale der Comic-Adaption des "Dune"-Prequels "Haus Atreides" erfahren lässt, kann die Lebensspanne eines Padishah-Imperators beeindruckend lange ausfallen. Um jene des aktuellen Regenten Elrood IX. unnatürlich zu verkürzen, öffnete Sohnemann Shaddam bekanntlich das Giftschränkchen, was nun endlich den gewünschten Erfolgt zeitigt: Nach 138 Jahren wird es wieder zu einer imperialen Krönungszeremonie in der Hauptstadt kommen, zu der alle strömen, die in den Sphären der Politik Rang und Namen haben. Leto Atreides, noch vom Tod seines Vaters gezeichnet und dessen Nachfolger als Vorsteher des Fürstenhauses, steht ebenfalls auf der Gästeliste.


Er will als Fürsprecher von Rhombur und Kailea, den Kindern des durch eine Intrige auf Ix gestürzten Grafen Vernius, auftreten und um eine Amnestie für sie bitten. Mit seiner Reise nach Kaitain, wo Shaddam Corino zu Shaddam IV. gekrönt werden soll, begibt sich der junge Herzog mitten in eine Schlangengrube, die sein Leben unmittelbar bedroht. Einmal mehr sind es die Intrigen der Harkonnen, welche ausgerechnet in einer dem Protokoll nach neutralen Zone für eine Provokation sorgen und Leto Atreides die Schuld am Angriff auf ein Raumschiff der Tleilaxu in die Schuhe schieben. Durch ein sogenanntes Verwirkungsverfahren will er die Wahrheit ans Licht bringen, doch der Ausgang scheint schon im Vorhinein festzustehen.


Wie üblich hält sich die Erzählung nicht allzu lange an einem Schauplatz auf, um den Fokus gegen Ende hin ganz auf das Gerichtsverfahren von Leto Atreides zu lenken – das schließt auch mit ein, dass es nur einen kurzen Blick auf Arrakis gibt, wo der (einstige) imperiale Planetologe und nunmehrige Familienvater Pardot Kynes seine Vision eines blühenden Wüstenplaneten unbeirrbar vorantreibt. Dev Pramanik und Alex Guimarães liefern auch diesmal wieder gefälliges Artwork nach dem Skript der beiden Masterminds Brian Herbert und Kevin J. Anderson ab, was den Abschied von "Dune: Haus Atreides" zu einer bittersüßen Angelegenheit macht. Aber immerhin erstrahlt ja schon neues Comic-Futter zum Franchise am Splitter`schen Veröffentlichungshorizont…


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

The Scumbag 1

Der drogenabhängige und unsympathische Ernie Ray Clementine ist alles, was die Welt vor einer Katastrophe phänomenalen Ausmaßes retten kann.

The Scumbag 1Ihn als Antihelden zu bezeichnen wäre untertrieben, und als ihm – während er sich auf offener Straße mit runtergelassenen Hosen sein Heroin aufkocht – unkontrolliert die Scheiße aus dem Arsch fliegt, hält man ihn wenig überraschend immer noch nicht für einen großen Wohltäter. Aber das Schicksal will es, dass er durch ein Injektionsmissverständnis zum absoluten Superspion wird.


Theoretisch zumindest, denn persönlich bleibt er derselbe abgefuckte und egoistische Motherfucker, der er immer war, nur dass das Schicksal der Welt nun in seinen Händen liegt. Ohne jegliche Ahnung um die eigene Bedeutsamkeit wird Ernie in den Kampf gegen die globale Terroristengruppe Scorpionus hineingezogen und so müssen nicht nur die SCORPIONS als Zielscheibe für seinen Unmut herhalten, sondern die gesamte Menschheit.


In grafischer, verbaler, sexueller und jeglicher anderer Hinsicht ins Extrem gesteigert, versucht Autor Rick Remender vordergründig einen Antihelden zu zeichnen, aber letztlich gelingt es ihm durch das Übermaß an Explizität lediglich zu amüsieren, ohne seinem Protagonisten auch nur einen einzigen glaubhaften, positiven Charakterzug angedeihen zu lassen. Das mag aufgrund der Junkienatur Ernies zwar Absicht sein, was es dem Leser aber nicht einfacher macht, den Drecksack in all seiner absoluten Dummheit zu ertragen. So muss man Remender zu einem gelungenen Schachzug gratulieren, mehr Spaß hat man beim Lesen des Auftaktbands "Kokainfinger" trotzdem nicht, was aber nicht an der grundsätzlich originellen Story liegt, sondern lediglich an der Unerträglichkeit des Protagonisten.


Von Lewis Larosa über Andrew Robinson, Eric Powell und Roland Boschi bis hin zu Wes Craig wurde jedes Kapitel von einem anderen Künstler ästhetisch in Szene gesetzt – und wenn schon nicht der lediglich in seiner politischen Grundeinstellung sympathisch erscheinende Antiheld für Abwechslung sorgt, so tun es zumindest die fünf unterschiedlichen Zeichner.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Resident Alien 1

Hinter Dr. Harry Vanderspeigle verbirgt sich nicht das, was uns ein Jahrhundert an Science-Fiction über auf der Erde gelandete Außerirdische weiszumachen versucht.

Resident Alien 1Angesichts einer wahren Flut an Comics, die Netflix & Co. in den letzten Jahren für den Bildschirm umgesetzt haben, beschleicht einen manchmal das Gefühl, dass die Kreativen der Neunten Kunst die Vorlagen für neue Adaptionen gar nicht so schnell liefern können wie die jeweiligen Rechte verkauft werden. Ein toller Nebeneffekt ist jedoch zweifellos, dass durch die crossmediale Aufmerksamkeit, welche die Streaming-Dienste dem gedruckten Original bescheren, vieles über den großen Teich zu uns kommt, das es ohne einen solchen Marketing-Rückenwind möglicherweise nicht geschafft hätte.


Zu diesen Titeln zählt auch "Resident Alien", dessen TV-Umsetzung seit 2021 auf Syfy läuft. Da die Schöpfung von Autor Peter Hogan und Zeichner Steve Parkhouse im US-Original bereits seit 2012 erscheint, legt Splitter die deutschsprachigen Sammelbände in angenehm kurzen Abständen vor. Los geht`s mit der ersten, aus drei Ausgaben samt vorangehender Nullnummer bestehenden Miniserie, die uns in das beschauliche Örtchen Patience führt. Die Ruhe dort hat sich allerdings erledigt, als Doktor Hodges brutal ermordet wird und die Bevölkerung nun ohne ärztliche Betreuung dasteht.


Die Polizei bittet den pensionierten Arzt Harry Vanderspeigle, für ein paar Tage einzuspringen, bis eine neue medizinische Fachkraft ihren Dienst aufnimmt – nicht wissend, dass es sich bei dem Doktor in Wahrheit um einen vor drei Jahren auf der Erde bruchgelandeten Alien handelt. Dank seiner mentalen Kräfte kann er sein Äußeres verbergen und beginnt sich nicht nur für seine neue Aufgabe zu begeistern, sondern auch für die Hintergründe der Bluttat – erst recht, als es sich der Polizeichef mit der Klärung des Falls allzu leicht macht und ein womöglich Unschuldiger hinter Gitter kommen soll.


Das einzig Negative an "Willkommen auf der Erde!" ist, dass es schneller durchgelesen ist als es einem lieb sein kann – diesbezüglich lässt sich dem Kreativteam natürlich kein Vorwurf machen, denn die Erzählung macht wirklich alles richtig, was die grundlegende Prämisse erhoffen lässt: Ein Protagonist, der von der ersten Seite weg ans Herz wächst und Sympathie für seine missliche Lage weckt, interessante Nebenfiguren unterschiedlichster Prägung, mit denen er sich auseinandersetzen muss, einige kurze Flashbacks in die Vergangenheit und ein klassischer Kriminalfall, dies alles von einem Artwork getragen, das besonders die unterschiedlichen Stimmungen seiner Akteure toll einfängt. Achtung, Suchtgefahr!


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 

She-Hulk 1

Zeitlich passend zum Start der Streaming-Serie steht für Jennifer Walters alias She-Hulk ein Neuanfang an. Dieser gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht...

She-Hulk 1Nachdem sie bei den Avengers mit purer Körperkraft für Recht und Ordnung sorgte, ist es nun an der Zeit als Anwältin das Gesetz zu vertreten. Doch auch wenn auf dem juristischen Feld weniger Fäuste fliegen, hat Jennifer Probleme Fuß zu fassen. Einerseits mag das an ihrer nicht gerade warmherzigen Chefin liegen, die obendrein keine Superhelden als Kunden vertreten will, andererseits hindert sie auch die eigene Vergangenheit daran, die Qualitäten als gewiefte Anwältin adäquat zum Einsatz zu bringen.


Vor allem aber ist es ihre Gutherzigkeit, die sich als Hemmnis erweist, denn obwohl sie etwa von Erzrivalin Titania angegriffen wird, erkennt She-Hulk die innere Zerrissenheit der Kontrahentin und offenbart eine nicht ganz friktionsfreie Freundschaft zwischen den beiden, die vor allem die geteilte Freude am Kampf verstärkt. Daher dauert es auch nicht lange, bis man sich auf die Gründung eines amikalen Fight Clubs einigt. Damit nicht genug taucht der totgeglaubte Gammastrahlen-Sauger Jack of Hearts überraschend lebendig, dafür ohne Erinnerung in Jennifers Wohnung auf und gemeinsam versuchen sie seinem Dilemma auf den Grund zu gehen.


Mit spürbarem Spaß an der Sache dirigiert Autorin Rainbow Rowell ihre Protagonistin durch neue Abenteuer und schnell machen sich der Einfluss und die Erfahrung aus dem Verfassen ihrer Kinder- und Jugendromane bemerkbar. Die erzählerische Konzentration liegt dabei nicht auf den zwar durchaus stattfindenden Kämpfen, sondern vielmehr auf den Personen, ihren Problemen und den Versuchen, diese gemeinsam zu bewältigen. Die gemeinsame Lösung oft weltlicher Probleme – sei es nun bei Jack of Hearts, Titania oder Ben Grimm als Handlungsschwerpunkt – ist spannend gewählt, hätte doch gerade She-Hulk auch einen reinen Haudrauf-Comic samt Alien-Invasion, Weltzerstörungsszenario oder sonstigen Extremsituationen füllen können. Dass Rowell das eben nicht tut, stärkt den Charakter der Figuren, verleiht ihnen mehr Tiefe und gibt den LeserInnen einen fundierteren Einblick in das echte Leben von Jennifer Walters, der dabei mindestens ebenso unterhaltsam und fesselnd gerät wie ein Action-Feuerwerk mit Avengers- oder FF-Unterstützung.


 
# # # Christoph Höhl # # #



Publisher: Panini Comics




 


 

Gruselkabinett 140

Edward Dunning führt das ruhige Leben eines Wissenschaftlers. Die ändert sich jedoch, als sein Rat als Experte zur Ablehnung eines Manuskripts führt.

Gruselkabinett 140Nicht jeder ist in der Lage mit Kritik umzugehen, eine Erfahrung, die auch der Verleger Fred Gayton machen muss, als einer seiner bestellten Experten das Manuskript des ausgewiesenen Alchemisten und Okkultismus Mr. Karswell ablehnt. Ein ausgedehnter Briefwechsel gewinnt zunehmend an Schärfe. Obwohl seine Identität seitens des Verlags geheim gehalten wird, kommt es zu zunächst subtilen, dann immer offeneren Drohungen gegen Edward Dunning, ebenjenen Mann, dessen Expertise Karswells Ausarbeitung zerriss und ins Reich der Mythen und Legenden verbannte. Zunächst ist vollkommen unklar, wer sich hinter den Übergriffen gegen ihn verbirgt.


Schnell weichen erste Vermutungen der Gewissheit, dass der rachsüchtige Karswell bereit ist über Leichen zu gehen, damit er sein Ziel erreicht und Genugtuung erfährt. Gayton und Dunning benötigen dringend Hilfe, um ihre Leben zu retten und die Pläne ihres Gegenspielers zu vereiteln. Wird es gelingen, die finsteren Schachzüge des ausgewiesenen Satanisten Karswell noch zu durchkreuzen?


Mit "Runenzauber" gibt ein weiterer Altmeister des gediegenen viktorianischen Grusels innerhalb dieser Reihe erneut seine Visitenkarte ab und bereichert sie mit einer atmosphärischen und durchaus düsteren Schauergeschichte. M. R. James liefert hier eine Story ab, die alle wichtigen Ingredienzien enthält, welche für eine amtliche Gänsehaut notwendig sind. Einen Gegenspieler, der mit allen Wassern gewaschen ist und aus dem Verborgenen heraus operiert, um seine Pläne in die Tat umzusetzen. Ein spannender Plot mit einer Reihe von gelungenen Wendungen wird garniert mit übersinnlichen Phänomenen, finsteren magischen Ritualen und Begegnungen mit dem Unfassbaren.


Umso überraschender, dass diese Geschichte keinen höheren Bekanntheitsgrad genießt und somit zu den eher unverbrauchten Vertonungen des "Gruselkabinetts" gezählt werden darf. Auf jeden Fall der richtige Ort, um sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, denn Fans des Genres werden begeistert sein.


Die Handlung schreitet eher gemächlich voran, was jedoch für ihren Entstehungszeitraum absolut normal und der Qualität keinesfalls abträglich ist. Insbesondere die musikalische Gestaltung fällt äußerst gelungen aus, denn das Produktionsteam vermag es quasi von der ersten Minute an, eine bedrohliche und unheimliche Soundkulisse zu erzeugen, die beim Hörer für eine anhaltende Verunsicherung führt und jederzeit eine weitere Bedrohung erahnen lässt. Mehr kann man von einem Soundtrack nicht erwarten.


Die eingesetzten Effekte unterstreichen die mysteriösen Momente des Hörspiels und sind gut gewählt. Einziger Wermutstropfen ist das verwendete Kindergeschrei, das leider eher künstlich klingt und durch den mehrmaligen Einsatz einem Fremdkörper gleichkommt, doch das sei nur als kleines Detail am Rande erwähnt.


Bei der Besetzung der Rollen hat man tatsächlich keine Kosten und Mühen gescheut und bringt über ein Dutzend erstklassiger Sprecher an den Start. Darunter finden sich so illustre Namen wie Horst Naumann, Bodo Primus, Reinhilt Schneider, Dagmar von Kurmin, Petra Nadolny und Sascha von Zambelly. Horst Naumann wird als Mr. Karswell zum Inbegriff des Bösen, eine absolute Idealbesetzung. Jede Minute, in der er zu hören ist, kauft man ihm den streit- und rachsüchtigen Okkultisten ohne Einschränkungen ab. Sascha Zambelly verkörpert Edward Dunning und schafft es, die zunehmende Bedrohung für sein Leib und Leben auf das Publikum zu übertragen. Großartig.


Insgesamt gibt es im gesamten Ensemble keinen Ausfall zu verzeichnen, jeder versteht sein Handwerk und macht "Runenzauber" zu einem großen Hörvergnügen. Nach dem vorangegangenen Blackout findet das "Gruselkabinett" zu alter Stärke zurück und präsentiert sich in jener Qualität, die es einst groß gemacht hat.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 186

Der finale Band zum großen Avenger-Crossover des Jahres 1992 lässt der Leserschaft die Wahl zwischen einem schlimmen und einem katastrophalen Ende.

Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 186Mit den letzten beiden Kapiteln von "Avengers: Galactic Storm", die die vorliegende Ausgabe einleiten, entscheidet sich auf dramatische Weise, ob die Bemühungen der von Captain America ins Weltall geführten Teams, den Krieg zwischen Shi`ar und Kree zu beenden und damit auch die Erde zu retten, von Erfolg gekrönt ist. Um Spoilern vorzubeugen, soll an dieser Stelle nicht weiter ins Detail gegangen werden, nur so viel sei verraten: Durch die vorangegangene Enthüllung einer dritten Fraktion, die maßgebliches Interesse daran hat, dass die mächtige Nega-Bombe das Kree-Imperium in Schutt und Asche legt, werden alle bisherigen Pläne über den Haufen geworfen und nach einem dramatischen Showdown die Reihen der Rächer, als es um das Schicksal der Obersten Intelligenz der Kree geht, erst recht entzweit.


Da zwei US-Hefte logischerweise etwas zu wenig wären, um einen Band zu füllen, lässt uns Hachette mit zwei im Anschluss an das Event erschienenen "Quasar"-Ausgaben auch noch die Konsequenzen des intergalaktischen Dramas spüren, dessen einzelne Abschnitte von den beteiligten Teams bis zum Schluss sehr gut aufeinander abgestimmt worden sind – eine Koordination, die nicht alle Crossovers dieser Größenordnung (und besonders aus jenen Tagen) für sich verbuchen konnten. Nachdem sich Quasar zusammen mit seinem Kumpel Makkari von den Eternals und Her dem Schicksal von unzähligen verstorbenen Seelen der Kree widmet, gibt es mit "What If?" (Vol. 2) 55 und 56 eine alternative Version der Geschehnisse zu lesen.


Als Punkt, an dem der Kree/Shi`ar-Krieg hier einen anderen Verlauf nimmt, dient das in Band 184 geglückte Attentat von Deathbird auf die zweiköpfige Führung des Kree-Imperiums. Hier kann Captain America rechtzeitig einschreiten, ebnet damit aber letztlich Ael-Dan den Weg zur alleinigen Macht und muss nicht nur die (in diesem Fall wirklich endgültige) Vernichtung der Obersten Intelligenz mitansehen, sondern auch die der Erde. Viele weitere Welten und Avengers müssen sterben, um den Konflikt nach mehreren Jahren zu beenden. Ein Happy End sieht natürlich anders aus, was auch für die "reale" Hauptstory gilt, fällt aber ebenso kurzweilig aus. Im redaktionellen Teil wird dann mit Mark Gruenwald noch einer der zentralen Marvel-Lenker der 1980er und 1990er ausgiebig gewürdigt.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





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