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LOCRIAN, SCOTT KELLY & CHVE

18.01.2016
Jubez, Karlsruhe

(C) LOCRIAN/Relapse Records / LOCRIAN / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWas für ein kongeniales Package! Gleich drei Ausnahmekünstler laden an einem klirrend kalten Montagabend nach Karlsruhe ein. Der Saal mit knapp 100 Besuchern ist hingegen nur spärlich besucht – ob es am eiskalten Schneetreiben vor der Haustür liegt? Dabei entfaltet die hier dargebotene Experimental-Musik erst recht bei diesem Ambiente ihren vollen Zauber. Den Anfang macht AMENRA-Frontpriester CHVE, der sein halbstündiges Drone-Mantra ("Rasa", 2015 via Consouling Sounds veröffentlicht) auf einer Drehleier zum Besten gibt. Schnell wird es ganz still im Publikum. Jede Bewegung, jeder Tritt stört die dargebotene Ruhe und zutiefst sakrale Grundstimmung. CHVE, hochkonzentriert, sitzt auf seinem Stuhl, die Augen geschlossen, und gibt sich seiner Welt aus Minimal-Drone, vielschichtigen Loops und Naturmystik hin, während die Visuals im Hintergrund mit einer dunklen Waldlandschaft und Feuerstelle die minimalistische Performance atmosphärisch unterstreichen. Selbst, wenn man nicht auf Ambient oder Instrumentalmusik steht – die religiös-anmutende Darbietung des Belgiers nimmt gefangen – dafür spricht auch der im Nachhinein belagerte Merchstand.


Im Anschluss gibt NEUROSIS-Mastermind Scott Kelly seine düsteren Americana-Balladen zum Besten. Stimmlich ganz an JOHNNY CASH erinnernd, besingt er seine apokalyptischen Visionen diesmal ohne Hauptband, bewaffnet nur mit Westerngitarre und Bierkrug. Sympathisch, dass Kelly auch dem großen Lemmy mit einem MOTÖRHEAD-Shirt die letzte Ehre erweist. Dennoch wirkt das Set langatmig. Zu ähnlich sind sich die Stücke, zu wenig Variation innerhalb der Songs – diese funktionieren wohl besser bei einem Drink in einer verrauchten Blues-Bar. Erst im letzten Drittel kommt mit groovigeren Nummern etwas Fahrt auf. Highlight ist der Abschlusstrack, bei dem Kelly CHVE zurück auf die Bühne bittet und mit dessen Verstärkung die melancholische Ballade "Tecumseh Valley" von TOWNES VAN ZANDT zum Besten gibt. Für CHVE als glühenden NEUROSIS-Verehrer und Vorbild sicher ein großer Moment.


Die finale Destruktion übernehmen dann ganz elegant LOCRIAN aus den USA. Mit ihren kaputten und bedrückenden Noise-Wänden aus Synthies, Schlagzeug und Gitarre vertonen sie Momente der endgültigen Apokalypse. Der Band merkt man die Hingabe und Spielfreude deutlich an – es dominieren Songs aus ihrem letzten Album "Infinitive Dissolution". Stellenweise ohrenbetäubend laut, dann wieder in sich versunken und melancholisch bietet das Trio eine erwartbar solide Show. LOCRIAN spielen nicht, sie zerstören und bieten die perfekte Manifestation von moderner, vorwärts denkender und experimenteller Musik.  Auch wenn ihr maximal düsterer-cineastischesr Black Metal-Post-Rock eher unter die Erde als auf die Bühne gehört.


 
# # # Dimitrios Charistes # # #


 
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