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Interview mit DISTURBED (Part 2)

Im zweiten Teil des Interviews mit DISTURBEDs Dan Donegan plaudert der Gitarrist über den Aufenthalt der Band in Camp Buehring (Kuwait) und über das Umdenken im Musikbusiness...

SLAM: Ihr seid ja auch selbst schon in Kuwait gewesen und habt für die Truppen gespielt; gemeinsam mit JESSICA SIMPSON und…

DISTURBED (c) Warner Music Group / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDan Donegan (lacht): Ja, es war ein etwas seltsames Line-Up. Wir hatten damit nichts zu tun, aber ich gehe mal davon aus, dass die Soldaten auch verschiedene Musikrichtungen mögen, deshalb konnten sie nicht ausschließlich eine Hardrockband wie uns dorthin schicken. Wir wurden über MySpace kontaktiert und gefragt, ob wie dabei sein wollen. Sie wussten, dass wir die Truppen immer unterstützt haben und wir sagten natürlich ja. Im Endeffekt waren wir dort, die PUSSYCAT DOLLS, JESSICA SIMPSON und FILTER. Und es war toll! Wir sind dorthin gekommen und haben den Truppen einen Raum gegeben, um mal von ihrer Realität dort unten etwas entfliehen zu können und für ein paar Stunden eine gute Zeit zu haben.

Wie habt ihr persönlich die Zeit im Camp empfunden. Seid ihr beunruhigt gewesen oder war es eher relaxed?

Wir waren schon etwas betroffen. Immerhin sind wir direkt über Bagdad geflogen und wir bekamen vom Verteidigungsministerium eine Liste, was wir tun durften und was nicht. Das hat uns schon ein klein wenig paranoid DISTURBED (c) Reprise Records / Zum Vergrößern auf das Bild klickengemacht, aber als wir dann an unserem Ziel angekommen waren, haben wir uns eigentlich recht sicher gefühlt. Camp Buehring ist mitten in der Wüste und inmitten der Truppen hat man nicht mehr das Gefühl, dass einem etwas passieren könnte. Uns hat diese Erfahrung aber auch die Augen geöffnet, weil wir erleben konnten, wie die Soldaten dort wirklich leben. Jeder, der in den Irak bestellt wird, muss in dieses Camp, weil dort die letzten zwei Wochen des Trainings absolviert werden. Wir schliefen in denselben Baracken, wir aßen das gleiche Essen… eigentlich haben wir deren Leben für ein paar Tage quasi mitgelebt. Das war irgendwie überwältigend, weil wir sahen, worauf sie verzichten und was sie da für eine Verpflichtung eingehen. Wir waren immer gegen diesen Krieg, aber für unsere Soldaten. Ich will damit sagen, dass das Männer und Frauen sind, die einfach ihren Job machen. Wir zeigten immer, dass wir hinter ihnen stehen. Fast die ganze Welt war gegen diesen Krieg und das ist ok so und auch wir sehen das so. Trotzdem gebührt den Soldaten unser Respekt.

Inwieweit habt ihr euch mit den Soldaten und Soldatinnen unterhalten?

Wir haben einige Bekanntschaften geschlossen, sind mit manchen auch noch in E-Mail-Kontakt. Einige waren dazu abberufen, uns das Camp zu zeigen, uns herumzuführen und immer in unserer Nähe zu bleiben. Zudem haben wir stundenlang Autogramme geschrieben, Fotos gemacht und haben wirklich viel Zeit mit ihnen verbracht. Das ging ein paar Tage lang so und schien kein Ende zu nehmen, aber es war toll. Vor allem war es spannend zu sehen, wie aufgeregt sie waren.

Gab’s irgendein Erlebnis, dass euch emotional sehr mitgenommen hat?

DISTURBED (c) Warner Music Group / Zum Vergrößern auf das Bild klicken Ja sicher. Weißt du, ich habe einen Sohn, der vor einer Woche seinen ersten Geburtstag feierte und den hab ich versäumt, weil ich hier in Europa auf den Festivals spiele. Das ist echt ein schreckliches Gefühl, aber dieses Opfer musste ich bringen. Und ich denke, dass die Soldaten noch viel größere Opfer bringen müssen. Manche haben ihre Familien und Kinder seit über einem Jahr nicht mehr gesehen! Andere haben Kinder zu Hause, die sie noch gar nie zu Gesicht bekommen haben, weil sie während ihres Einsatzes geboren wurden. Ich kann mich also eigentlich nicht beschweren, weil ich mache das, was ich liebe, nämlich Musik und natürlich vermisse ich mancherlei Dinge, aber das steht in keinem Verhältnis zu den Verzichten der Truppen. Das war schon sehr berührend, immer wieder mitzukriegen, wie sehr sie ihr zu Hause und ihre Familien vermissen.

Ihr als Band habt euch für ein Musikmagazin vor Panzern und mit Waffen fotografieren lassen. Manch einer könnte das vielleicht etwas kontrovers sehen…
DISTURBED indestructible (c) Reprise/Warner / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
 Ja, die Leute von diesem Magazin hatten diese Idee, dass sie unseren Aufenthalt im Camp dokumentieren wollten und der Albumtitel "Indestructible" passte da dann auch ganz gut dazu irgendwie. Ein Redakteur war dabei und hat so eine Arte Tagebuch darüber geführt und das wurde dann zur Coverstory gemacht. Deswegen auch diese exklusiven Fotos, die aber nicht unsere offiziellen Promo-Fotos zum neuen Album gewesen sind.

Als abschließende Frage noch ein anderes Thema: Wie denkt ihr über neue Vertriebswege, weil ja momentan doch ein sehr großes Umdenken unter den Bands und allgemein im Musikbusiness herrscht.

Ich finde diese Entwicklung an sich super. Viele Musiker versuchen damit ganz einfach kreativere Wege zu finden, wie sie ihre Musik den Fans nahe bringen können. Ich denke, bis jetzt hat allerdings noch niemand eine echte Lösung dieses DISTURBED (c) Warner Music Group / Zum Vergrößern auf das Bild klicken"Problems" gefunden. Vor ein paar Jahren, als die ganze Download-Geschichte ins Rollen kam, haben die Major-Labels total panisch reagiert und ganz einfach nicht gewusst, wie sie damit umgehen sollten. Die Verkaufszahlen gingen den Bach runter. Die Antwort darauf ist aber nicht, 13-jährige Kids zu verklagen, die sich die Musik ihrer Lieblingsbands aus dem Internet runtersaugen! Das war eine absolut falsche Reaktion! Don’t bite the hand that feeds you! Jetzt, wo sie es glaube ich verstanden haben, müssen sie nach kreativen Lösungen suchen. Solche Entwicklungen hat es ja schon immer gegeben. Wir sind von Schallplatten auf Kassetten umgestiegen, dann von Kassetten auf CDs und jetzt sind es eben MP3s. Die technologische Entwicklung lässt sich nicht stoppen und damit muss man leben. Jetzt heißt es eben, den Fans besondere Angebote zu machen, wie etwa Bonus-Footage, Extra-Tracks, Videos oder sonstige Dinge, die sie vielleicht DISTURBED (c) Warner Music Group / Zum Vergrößern auf das Bild klickeninteressieren könnten. Das wichtigste ist aber immer noch, ein fantastisches Album zu machen. Es genügt nicht, ein oder zwei gute Songs auf einer Platte zu haben, die dann im Radio gespielt werden. Wir stecken echt unser ganzes Herzblut in jeden einzelnen Song mit dem Ziel, ein tolles Album zu veröffentlichen. Das, was ich persönlich an Downloads nicht mag ist, dass die Kids nicht mehr Fan eines ganzen Albums werden, sondern nur von einzelnen Songs begeistert sind. Mir wäre es lieber, wenn sie das ganze Paket lieben und dadurch verstehen. Bei Platten wie AC/DCs "Back In Black" oder GUNS N` ROSES`  "Appetite For Destruction" brauchst du ganz einfach jeden einzelnen Song, um das Album schätzen zu können. Wir hatten bislang sehr viel Glück, weil unsere Fans die Musik immer noch kauften. Ich danke, weil sie einfach das Original haben wollten und das Booklet mit den Lyrics dazu – das Gesamtpaket eben.

Vielen Dank für das Gespräch!

###Stephanie Bürgler###
(Juni 2008)

Hier geht`s zu Part 1 des Interviews!
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