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Trees 1 & 2

In der Zukunft, wie sie sich Warren Ellis hier ausmalt, sind die Bäume gekommen, um zu bleiben. Und möglicherweise ihre unfreiwilligen Gastgeber abzuservieren.

Trees 1Wenn Großbritanniens wichtigster Comic-Futurist mit einer neuen Vision der möglichen Zukunft vorstellig wird, ist ein genauer Blick angesagt. Im Fall von "Trees" hat es zwar bis zur vorliegenden deutschsprachigen Veröffentlichung etwas länger gedauert, da die Serie bereits von 2014-2016 erschien und 2019/20 mit einem Fünfteiler fortgesetzt wurde, aber jetzt steht der Lektüre der insgesamt drei Bände aus dem Hause Cross Cult ja nichts mehr im Wege. Der Ausgangspunkt der von Jason Howard gezeichneten und stimmig kolorierten Handlung lässt sich kurz und bündig zusammenfassen: Vor zehn Jahren landeten an mehreren Punkten rund um den Globus Außerirdische, die sich wie gigantische Bäume in der Erde verankerten.


Die Besucher aus dem All waren und sind offenbar nicht an Kontakt mit der Menschheit interessiert oder messen dieser möglicherweise keine Bedeutung zu, sodass man sich mit ihrer Anwesenheit abgefunden hat. Ein normales Leben zu führen ist seitdem nur noch für die wenigsten möglich, wie wir aus den ersten acht Kapiteln erfahren. Fünf parallel verlaufende Handlungsstränge geben Einblicke in Orte, an denen sich die Aliens festgesetzt haben: In China entdeckt der junge Künstler Tian Chenglei die verheißungsvollen Freiheiten, die die Sonderkulturzone Shu ihren Bewohnern zu bieten hat, im sizilianischen Cefalù macht sich die junge Eligia Gatto an die Machtübernahme einer postfaschistischen Bande von Schlägern und Erpressern, in New York schmiedet der frischgebackene Bürgermeister ehrgeizige Pläne, während der somalische Präsident "seinen" Baum für einen Krieg ausnutzt.


Besonderen Anlass zur Sorge bieten wiederum die Vorgänge, die sich in der Kälte Spitzbergens zutragen. In der Nähe der Beobachtungsstation Blindhail, die den lokalen Baum im Auge hat, beginnen aus dem eisigen Boden schwarze Blumen zu wachsen – als wäre das noch nicht unheimlich genug, finden sich auch metallische Fäden in den mysteriösen Gewächsen. Als Doktor Jo Greasy und die anderen Forscher bemerken, dass ihr Kollege Marsh mehr über die Sache herausgefunden hat als er preisgibt, ist es bereits zu spät und die Station dem Untergang geweiht. Im Finale von "Ein Feind", so der Titel des ersten Bands, bricht nicht nur in Norwegen die Hölle los.


Trees 2"Zwei Wälder" reduziert im Anschluss die Anzahl der Schauplätze, um sich zwei Protagonisten ausführlicher zu widmen: Dr. Greasy, die einzige Überlebende des Blindhail-Zwischenfalls, wird nach längerer Rekonvaleszenz auf die schottischen Orkney-Inseln entsandt, um beim dortigen Baum Ausschau nach den gefährlichen Blumen zu halten, in New York werden die Umrisse des Racheplans des neuen Bürgermeisters klarer, die eng mit dem Verhalten des NYPD während der Landung der Aliens in der Stadt zu tun haben. Über all dem schweben die omnipräsenten Drohnen, die sich bekanntlich nicht nur zur Überwachung eignen, sondern auch mit schweren Waffen bestückt werden können…


Freunde klassischer "Aliens erobern die Erde"-Szenarios dürften ihre liebe Not haben, denn Warren Ellis hat offenbar keine Eile, die Erzählebenen auf ein sich am Horizont abzeichnendes Ziel in dieser Richtung zusteuern zu lassen. Und trotzdem passiert sehr viel rund um die Bäume, deren statische Bedrohlichkeit die Menschen unter ihnen geradezu zu Dynamik zu zwingen scheint. "Trees" verzichtet auf Antworten zu Herkunft, Sinn und Motivation der außerirdischen Invasoren und stellt seinen Lesern stattdessen ungleich spannendere Fragen – etwa nach menschlichen Verhaltensweisen zwischen dem individuellen Drang nach Freiheit oder Macht und welche Wahrheiten Regierungen ihren Bürgern zumuten können (oder vielmehr wollen).


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Cross Cult Verlag




 


 
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