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Die Denkmaschine 2

Wird es Professor van Dusen gelingen, sich allein mit der Kraft seines Geistes innerhalb einer Woche aus einer Todeszelle zu befreien?

Die Denkmaschine 21906, es ist einer jener Abende, an denen Prof Dr. Dr. van Dusen zu einem exklusiven Diner unter Freunden in sein Haus eingeladen hat. In geselliger Runde werden die verschiedensten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen diskutiert. Bei einer dieser seltenen Gelegenheiten stellt der Professor eine kühne Behauptung in den Raum, die schließlich in eine folgenschwere Wette mündet. Er stellt die wahnwitzige These auf, sich innerhalb einer Woche aus einer Zelle des Todestrakts eines der sichersten Gefängnisse des Landes befreien zu können. Van Dusens Gäste sind sich ihrer Sache mehr als sicher und stimmen der ungewöhnlichen Wette zu.


So bezieht die Denkmaschine am folgenden Tag die legendäre Zelle Nummer 13, aus der noch nie ein Häftling entkommen konnte. Die Zuversicht unter den Gästen des Professors wächst stetig, den dessen erste Bemühungen, dem Gefängnis zu entfliehen, scheinen schon im Ansatz zu scheitern. Ist es möglich, dass die Denkmaschine erstmalig ihre geistigen Fähigkeiten maßlos überschätzt hat? Noch bleibt dem Amateurkriminologen weniger als eine Woche Zeit, um den Gegenbeweis anzutreten.


Erneut greift die noch junge Reihe eine Originalgeschichte von Jacques Futrelle auf, die bereits in der klassischen "Professor van Dusen"-Reihe vertont wurde und hier nun in einer kompletten Neubearbeitung die zweite Folge der WinterZeit-Serie darstellt. "Das Rätsel von Zelle 13" ist sicherlich kein Kriminalfall im herkömmlichen Sinn, denn die Fähigkeiten der Denkmaschine werden nicht benötigt, um ein Verbrechen aufzuklären. Die Hörer bekommen es hier eher mit einem Schaulaufen zu tun, in dem Professor van Dusen die Genialität seines Geistes unter Beweis stellen darf oder besser seinen Einfallsreichtum, um einem als unüberwindlich geltenden Gefängnis zu entkommen.


Natürlich wird es nun sicherlich den einen oder anderen geben, der sich die Frage stellt, ob sich die Episode zurecht in dieser Reihe befindet. Diese kann man getrost bejahen, denn schließlich dient das Geschehen dazu, den überragenden Intellekt der Hauptfigur zu veranschaulichen und das auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise. Einen großen Reiz zieht die Geschichte aus dem Umstand, dass lange Zeit im Dunklen bleibt, welchen Weg van Dusen wirklich verfolgt, um Zelle 13 verlassen zu können. Die Aufklärung, die wir schließlich aus der Hand von Miss Hatch erhalten, ist sicherlich verblüffend und unterhaltsam zugleich.


Damit einher geht natürlich immer die alles überragende Frage, ob es dem großen Kriminologen gelingen wird, den eigenen Worten gerecht zu werden und seinen Worten auch Taten folgen zu lassen. Zusätzlichen Reiz zieht die neue Serie aus ihrer Figurenkonstellation, die deutlich von den klassischen Bearbeitungen abweicht und der Figur von Hatch eine viel stärkere Rolle zuweist als die des ewigen Stichwortgebers (wie etwa Dr. Watson), nämlich die einer äußerst aktiven Assistentin, der eine entscheidende Rolle zufällt, damit der Plan van Dusens wirklich gelingen kann.


Erzählt wird die Story sowohl aus der Sicht van Dusens, wenn er sein Quartier im Todestrakt bezieht, als auch jener von Miss Hatch, die uns in der zweiten Hälfte schildert, wie die Dinge wirklich lagen. "Das Rätsel von Zelle 13" ist eine spannende Geschichte darüber, was der menschliche Geist zu leisten vermag, immer mit einem Augenzwinkern und einem humoristischen Unterton. Nichtsdestotrotz hat sich WinterZeit entschieden eine Adaption eng am ursprünglichen Text Futrelles umsetzen, natürlich einmal davon abgesehen, dass man kurzerhand aus dem Assistenten van Dusens eine Assistentin machte und diese nun an seiner Seite ermittelt.


Diese Veränderung steht dem Originalstoff gut zu Gesicht und verleiht den Dialogen zusätzlichen Charakter, wenn sich die beiden wieder einmal die verbalen Bälle zuspielen, was zugegeben in der vorliegenden Folge nur eingeschränkt möglich ist, da der Professor ja in einer Zelle weilt. Daneben bietet Holly Hatch die Möglichkeit, Themen in die Geschichte zu weben, die auch in der heutigen Zeit nichts von ihrer Brisanz verloren haben, etwa wenn sich plötzlich die Frage stellt, in welchen Berufsfeldern Frauen eigentlich arbeiten können und sollten.


Bei der Musikauswahl wurde erneut nichts dem Zufall überlassen, sondern ein Soundtrack erschaffen, der geradezu maßgeschneidert wirkt, fängt er doch die Stimmung der Reihe gekonnt ein und verleiht jeder Szene das nötige Feeling, um die Atmosphäre zu verdichten und zu den Hörern zu transportieren. Dazu ist es gelungen auch für diese junge Serie eine Titelmelodie zu komponieren, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzt und sofort vermittelt, dass man ein "Professor van Dusen"-Hörspiel vor sich hat.


Die Soundeffekte sind eher dezenter Natur, aber dort, wo sie benötigt werden, erfüllen sie ihren Zweck im besten Sinne des Wortes. Anne Helm übernimmt zum zweiten Mal die Rolle der Holly Henrietta Hatch und vermag es erneut auch dieser Episode ihren Stempel aufzudrücken, es macht einfach Spaß ihren Dialogen und Ausführungen zu folgen. Ihre freche und direkte Art, ihre Figur anzulegen, ist eine Bereicherung für die Serie und schafft es, die Überhöhung der Figur des van Dusen im Gegensatz zum Original etwas abzumildern, was keineswegs verkehrt erscheint.


Thomas Nero Wolff interpretiert Professor van Dusen etwas anders als seine Kollegen, die diesen Part in der Vergangenheit übernahmen und liefert eine eigenständige Darstellung der Figur, die durchaus zu gefallen weiß, bei einigen Puristen vielleicht aber für Stirnrunzeln sorgen könnte – wovon man sich aber keinesfalls beirren lassen sollte, denn gerade neue Wege können einer Idee genau das geben, was man bisher vermisst hat. In weiteren Rollen sind Felix Würgler, Kim Hasper und Ekkehardt Belle zu hören sowie ein weiteres halbes Dutzend guter Stimmen, die ebenfalls mit großem Eifer bei der Sache sind. Die zweite Folge von "Die Denkmaschine" macht genau dort weiter, wo die erste endete und liefert dem Hörer über eine Stunde beste Krimiunterhaltung.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: WinterZeit


 
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