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Krieg der Welten 1

1900. Der Aufbruch in ein neues Jahrhundert, in dem alles möglich zu sein scheint.

(C) Folgenreich/Universal Music / Krieg der Welten 1 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenBeschwingt von einem Besuch der Weltausstellung in Paris kehrt Simon Schuster zurück in sein ruhiges Leben ins ländliche England. Der junge Journalist ist von den vielen technischen Neuerungen zwar fasziniert, steht ihrem Einzug in die Alltagswelt jedoch kritisch gegenüber. Nichtsdestotrotz begleitet er seine Zufallsbekanntschaft Professor Ogilvy nur allzu gern, um die seltsamen Eruptionen auf der Marsoberfläche durch ein Teleskop zu beobachten. Im Laufe der nächsten Tage wird es zu einer Art Volkssport, den Nachbarplaneten im All zu beobachten, bis das Interesse bald wieder zum Erliegen kommt.


Da geht plötzlich ein unbekannter Flugkörper unweit von Simons Wohnort nieder. Die Menschen pilgern von Neugier getrieben zur Absturzstelle auf einem Acker. Doch wo zunächst die Atmosphäre eines Volksfests herrscht, macht sich alsbald blankes Entsetzen breit. Der niedergegangene Zylinder entpuppt sich als Raumkapsel, deren Reisende nur ein Ziel kennen – die Menschheit auszulöschen und die Erde zu unterjochen. Weltweit landen weitere Kapseln und beginnen mit einem Feldzug der Zerstörung. Simon wird unfreiwillig zu einem der Chronisten der schrecklichen Ereignisse, die die Spezies Mensch in Gefahr bringen, ihr ureigenes Terrain einer anderen Lebensform überlassen zu müssen. Doch noch regt sich Widerstand.


Seitdem die Romane und Texte von H. G. Wells frei verfügbar und keine horrenden Summen für etwaige Rechte zu zahlen sind, erfahren die oft fantastischen Stoffe des Autors eine Renaissance, insbesondere bei der Vertonung als Hörspiel. Einer der bekanntesten dürfte sicherlich "Krieg der Welten" sein, schließlich hat sich Hollywood seiner bereits mehrmals angenommen und mal mehr, mal weniger gut auf die Leinwand gebracht.


Im Gegensatz zu einigen anderen Adaptionen hat man hier am ursprünglichen historischen Setting festgehalten, den Plot im Jahr 1900 belassen und auf eine zeitliche und auch örtliche Verschiebung verzichtet, was im Hinblick auf Genauigkeit sicherlich zu begrüßen ist. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass man der Story Zeit gibt, sich zu entfalten, auf gravierende Kürzungen verzichtet und auch Wert auf kleine Details legt, die im Roman vorhanden sind, in anderen Veröffentlichungen jedoch keinerlei Berücksichtigung fanden.


Bevor die Marsianer das erste Mal ihr Vernichtungspotenzial zum Einsatz bringen, etabliert man ein Bild der Menschheit, die fasziniert ist vom Fortschritt und in sich selbst als Höhepunkt der Entwicklungsgeschichte des Planeten sieht. Ein Bild, das später innerhalb weniger Minuten negiert wird, aber umso schwerer nachwiegt, weil man sich die Zeit gegeben hat zu zeigen, wie die Menschen um 1900 tatsächlich dachten und fühlten. Eine Bedrohung, die dem Homo sapiens tatsächlich ernsthaft schaden könne, war undenkbar. Eine Denk- und auch spätere Handlungsweise, die diese Produktion erstaunlich gut einfängt.


Obwohl man sich in einen bewaffneten Konflikt mit Lebensformen eines anderen Planeten begibt, werden die Gräuel des Krieges nur allzu bald deutlich und schaffen es den Hörer emotional mitzunehmen. Exemplarisch für die geschilderten schrecklichen Ereignisse sei hier nur das Bild eines brennenden Pferds genannt, das reiterlos über einen verwüsteten Acker streift. Schrecklich großes Kino für den Kopf!


Ein großer Teil der Spannung speist sich aus dem Überlebenskampf des Protagonisten und der bangen Frage, ob er den außerirdischen Häschern entkommen kann. Dazu gesellt sich die Hoffnung, dass es den Menschen gelingen könnte, den Aggressoren aus dem All doch die Stirn bieten zu können. Genauso diese Gefühlslage aus Hoffnung, Verzweiflung und bedingungsloser Bereitschaft, das Letzte zu geben, fängt dieses Hörspiel mit seiner gleichermaßen dichten wie überzeugenden Stimmung und Aufbereitung des Originalstoffs ein.


Wenn man den Angriff eines unbekannten Feindes vom Mars glaubwürdig inszenieren möchte, bedarf es einer Menge an Spezialeffekten und Geräuschen, die so in der Natur und unserer Alltagswelt nicht existieren, aber dennoch überzeugen müssen. Genau dies ist hier geschehen, all jene Sounds, die mit dem Auftauchen der Fremden verbunden sind, erscheinen nicht nur fremdartig, sondern auch im höchsten Maße beängstigend und beklemmend. Genau das, was nötig ist, um eine solche Geschichte richtig zu erzählen.


Wenn es dann noch gelingt, Stimmen zu verpflichten, die es schaffen mit ihrer unverwechselbaren Art ein Hörspiel zu prägen, hat man bereits die halbe Miete im Sack. Wenn es dann noch mit solchem Eifer wie im Fall von Dietmar Wunder und Peter Groeger geschieht, hat man auf ganzer Linie gewonnen. Dazu kommen viele weitere bekannte Stimmen, die allesamt bereits große Erfolge im Synchronbereich feiern durften. Der Auftakt der dreiteiligen Interpretation eines Klassikers des großen Visionärs Wells ist hier vollauf gelungen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Folgenreich/Universal Music




 


 
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