Moorcock griff dafür entweder selbst zum Instrument, steuerte Lyrics bei oder gab diese zur Verwendung durch andere kreative Geister frei. Als sehr aufgeschlossen zeigte er sich auch, was die Überführung des literarischen Werks in das Medium Comic betraf: So war seine wohl bekannteste Schöpfung Elric von Melniboné bereits 1971, zehn Jahre nach ihrem Debüt in der Erzählung "The Dreaming City", erstmals in Panelform zu sehen (in "Spirits" 1 von Michel Demuth und Philippe Druillet). Ein anderer tragischer Held fernab der ansonsten in Bereich "Sword and Sorcery" meist üblichen klaren Abtrennung zwischen Gut und Böse ist Prinz Corum Jhaelen Irsei, dessen Abenteuer zwischen 1986 und 1989 vom US-Verlag First Comics adaptiert wurden und nun dank Cross Cult endlich auch in deutscher Übersetzung vorliegen.
Der Auftaktband enthält die ersten vier Hefte der zwölfteiligen Serie "The Chronicles of Corum" (1986-1988), welche die Handlung des Romans "The Knight of the Swords" wiedergeben. In einer Welt, die lange Zeit dominiert war durch das Ringen der Vadhagh und Nhadragh, wird der namensgebende Protagonist unversehens und auf dramatische Art zum Letzten seiner Art. Die Mabden, wie sich die Menschen nennen, sind der Elfenbeinturm-Mentalität der beiden uralten Rassen leid, löschen sie gnadenlos aus und nehmen ihr Land in Besitz. Prinz Corum muss im Schnelldurchgang am eigenen Leib nicht nur Schmerz, sondern auch weitere ihm bisher unbekannte Gefühlsregungen wie Trauer und Hass erlernen, die ihm die Konfrontation mit dem grausamen Glandyth-A-Krae abnötigt.
Er verliert neben seiner naiven Unschuld nicht nur seine Familie, sondern auch eine Hand und ein Auge, doch die Liebe zu Markgräfin Rhalina ist Grund genug, um sich auf eine Queste mit ungewissem Ausgang durch gefährliche Lande und sogar andere Ebenen der Realität zu begeben. So wie seine Herzensdame keine klassische "damsel in distress" ist, handelt es sich auch bei Prinz Corum – einem von zahlreichen "Eternal Champions" aus der Feder Michael Moorcocks – um eine tragische Figur mit jeder Menge Grauschattierungen. Für ungewolltes Blut, das seine (Anti)Heldenkarriere befleckt, sorgt nicht zuletzt seine verzauberte Ersatzhand mit unheimlichen sechs Fingern, die ein Eigenleben führt.
"Wir Vadhagh glauben… glaubten, dass Glücklichsein der Normalzustand für vernunftbegabte Wesen ist." Sätze wie dieser (von Corum) sind es, denen eine berührende Anmut innewohnt. Es spricht für die universelle Gültigkeit der Erzählung, dass auch in der Welt des scharlachroten Prinzen Menschen sowohl zur Barbarei als auch zu Großmut und Herzensgüte fähig sind und so der von Moorcock immer wieder angesprochenen Balance zwischen den Mächten des Chaos und der Ordnung entsprechen. Die Waage in Richtung uneingeschränkter Qualität bewegen die beiden anderen Michaels – nämlich Autor Mike Baron und Mike Mignola, dessen ikonisch-reduktionistischer "Hellboy"-Stil zwischen dem barocken Artwork-Glanz schon durchschimmert. Und mit den im Batman-Kontext wichtigen Rick Burchett und Kelley Jones sind zwei weitere Topleute involviert, was will man also mehr? Es gibt keine Ausreden: "Corum" muss einen guten Platz im Buchregal erhalten.
# # # Andreas Grabenschweiger # # #
Publisher: Cross Cult Verlag





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