Bei "XCT" handelt es sich nicht um einen Buchstabendreher beim Wort Ecstasy (obwohl das ja auch passen würde), sondern um die Abkürzung für "X-City", eine Stadt, die für junge Leute geschaffen wurde. Hier betreibt eine resolute Dame namens Corky eine Bar, muss nun aber die Beine und ihre Knarre in die Hand nehmen, um sich dem Zugriff eines Gangsters und seiner Handlanger zu erwehren. Und dass obwohl Waffen seit einer UN-Resolution geächtet sind und Sprengstoff wiederverwertet wird, um daraus ein lustförderndes Verhütungsmittel zu erzeugen.
Klingt wie ein Widerspruch, ist aber ganz normal in einer Welt, in der Aids besiegt wurde und die Einwohnerschaft von XCT wahlweise unter dem Einfluss diverser, mittlerweile legalisierter bewusstseinserweiternder Substanzen oder den Verlockungen des Cyberspace steht. Und auch versteckte Sprengsätze sind noch lange kein Grund für eine offenbar vom Leben und Erfolg gelangweilte Band und ihr 25.000 Menschen umfassendes Publikum, den Konzertsaal zu räumen. Ein bisschen Appetit auf Selbstzerstörung hat schließlich noch niemandem geschadet!
Leser, die auch nach mehreren Seiten auf dem Schlauch stehen, brauchen nicht um ihre Rezeptionsfähigkeiten fürchten. Bis die Prämisse der Story erläutert wird, die die Entstehung von XCT mit dem umfangreichen Waffenversteck einer Sekte verknüpft, taumelt man durch allerlei skurrile Ausdrücke und Zukunftsvisionen von 1996/97, die mitunter gar prophetische Gaben des Kreativteams vermuten lassen: Da wird etwa die Sorge um die Netzneutralität geäußert zu einer Zeit, in der so mancher der heutzutage durch die Weiten des WWW marodierenden Youtube-Zombies noch nicht einmal geboren war.
Viele Themen, welche die vielzitierte Generation X beschäftigten, blitzen in rascher Abfolge auf, sei es Perspektivlosigkeit, Drogen, Aids, virtuelle Realität oder einfach die nächste angesagte Band, die es zu entdecken gilt. Dem Zeitgeist entsprechend hektisch fällt auch die Montage der Bilder aus, die am von etlichen Sinneseindrücken geröteten Auge des Betrachters vorbeiziehen – von Maestro Timo Wuerz gemalt und am Computer bearbeitet, damals eine Revolution in der deutschen Comic-Landschaft. Nicht nur das trägt dazu bei, dass "XCT", auf wundersame Weise somit dem jugendlichen Kontext entsprechend, annähernd faltenfrei gealtert ist. Inklusive aufschlussreichem Bonusmaterial!
# # # Andreas Grabenschweiger # # #
Publisher: POPCOM





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