Lediglich eine Person scheint über ein Motiv zu verfügen, der Nachbar Jack Dalton. Seine chronische Geldnot legt einen möglichen Diebstahl durchaus nahe. Delikates Detail dabei ist, dass sich Miss Falconer unsterblich in den jungen Mann verliebt und ihn als zukünftigen Ehemann auserkoren hat. Sie ist davon überzeugt, das man Jack Dalton zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt, dass er nicht begangen hat. Leider vertreten alle übrigen Familienmitglieder eine andere Meinung. Sherlock Holmes ist nicht bereit, das Offensichtliche zu akzeptieren und begibt sich auf die Suche nach dem wahren Täter.
Einmal mehr hat man sich im Hause Titania Medien dazu entschlossen, eine Geschichte des Autors Herman Cyril McNeile zu bearbeiten und die ursprüngliche Hauptfigur durch Sherlock Holmes zu ersetzen. Eine Methode, die erstaunlich gut funktioniert, denn selbst auf einen genaueren Blick hin würde die vorliegende Story ohne Probleme als ein Original des geistigen Vaters von Sherlock Holmes, Sir Arthur Conan Doyle, durchgehen. Ein Ritterschlag, den sicherlich nicht alle späteren Veröffentlichungen über den Meisterdetektiv verdient haben. Geradezu klassisch ist die Suche des beratenden Detektivs nach einem entwendeten Schmuckstück und die damit einhergehende Zurschaustellung seiner erstaunlichen geistigen Fertigkeiten.
Holmes zieht Schlüsse, die den Menschen in seiner Umgebung verborgen bleiben und verblüfft bei der Überführung des Täters mit seinen Überlegungen. Diese Vorführung seiner besonderen Künste geschieht wie in vielen klassischen Detektivgeschichten im Kreis der Verdächtigen, in dem dann auch der wahre Schuldige und sein Motiv präsentiert werden. Jeder, der eine gute Kriminalgeschichte zu würdigen weiß, wird mit "Eine Frage des Teers" seine Freude haben. Die genannten Zutaten garantieren eine amüsante und äußerst unterhaltsame Suche nach dem Schurken, der alles versucht, um seine Spuren zu verwischen.
Aufgelockert werden die Ermittlungen durch einige humorvolle Momente, die mit Holmes` Abneigung gegen Ordnung und Sauberkeit spielen und den aus einer Schwerhörigkeit resultierenden Missverständnissen. Dabei driftet die Geschichte aber keineswegs ins Komische oder Alberne ab, sondern gibt dem Plot eine zusätzliche heitere Note. Ebenfalls gut getroffen ist das viktorianische Sujet, in dem "Eine Frage des Teers" beheimatet ist. Viele gesellschaftliche Besonderheiten der Zeit werden in den gut ausgearbeiteten Dialogen eingefangen und für das geneigte Publikum aufbereitet.
Der äußerst positive Eindruck dieses Hörspiels wird lediglich durch ein kleines Logikloch getrübt, das jedoch nicht weiter ins Gewicht fällt, wenn man es ausblendet. So müsste sich Mr. Falconer durchaus die Frage gefallen lassen, warum man einen Gegenstand von solch unschätzbaren Wert einem (wenn auch kleinen) Personenkreis präsentiert und im gleichen Atemzug noch auf die denkbar schlechten Sicherheitsstandards aufmerksam macht. Hier muss von grober Fahrlässigkeit gesprochen werden. Die musikalische Gestaltung unterscheidet sich nur in Nuancen von anderen Produktionen der Serie, passt aber ausgezeichnet zur Zeit und den geschilderten Ereignissen. Die verwendeten Geräusche sind eher dezenter Natur, fangen aber die Atmosphäre und geschilderten Ereignisse bestens ein und sorgen für ein schlüssiges Gesamtbild.
Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt spielen sich einmal mehr die verbalen Bälle zu und sorgen für einige sehr spritzige und humorvolle Schlagabtausche. Beide zeigen sich in einer bestechenden Form als Ermittlergespann aus der Baker Street und machen auch "Eine Frage des Teers" zu einem gelungenen Hörspiel. Fabienne Hesse agiert als Beryl Falconer und schafft es glaubhaft, sich als einzige Verbündete des offensichtlichen Täters zu positionieren. In weiteren Rollen sind die markanten Stimmen von Eckart Dux, Horst Naumann und Christian Stark zu hören, die schon in unzähligen Hörspielen unter Beweis gestellt haben, warum sie zur absoluten Speespitze auf ihrem Gebiet zählen. Eine weitere gute Folge innerhalb der Serie mit einem kleinen Abzug in der B-Note für die angesprochene Logiklücke.
# # # Justus Baier # # #
Publisher: Titania Medien





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