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Phantastische Geschichten 2

Eine besondere Fähigkeit kann Segen und Fluch zugleich sein. Sie kann einen Menschen bereichern, aber auch ebenso isolieren.

(C) Imaga / Phantastische Geschichten 2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn den Räumen einer renommierten britischen Universität kommt es zu einem fatalen Unfall. Während eines Forschungsprojekts tritt eine Panne auf, die einer größeren Anzahl von Menschen das Leben kostet, unter anderem das von zwei Wissenschaftlern. Kurz darauf kommt es in London zu einem bizarren Selbstmord, der auch das Interesse der Polizei weckt. Zunächst gibt es keinerlei Hinweise auf ein Verbrechen, doch der hartnäckige Inspector Adye will nicht an einen Suizid glauben, stellt weitere Nachforschungen an und stößt auf eine DNA-Spur am Tatort. Zunächst glaubt Adye an einen Fehler, denn die DNA gehört dem totgeglaubten Griffin, einem der beiden Forscher, der bei der Explosion ums Leben kam.


Der exzentrische Wissenschaftler hat das Unglück jedoch nicht nur überlebt, sondern konnte sein Projekt in letzter Sekunde auch noch beenden. Es ist ihm gelungen unsichtbar zu werden. Sein Interesse, sich vor dem Blicken der Mitbürger zu verbergen, wurde jedoch nie von dem Wunsch gelenkt, die neue Fähigkeit zum Wohle der Menschheit zu nutzen, sondern alleine von dem Gedanken getrieben, andere zu kontrollieren und Macht über sie auszuüben. Griffin, der Zeit seines Lebens ein Außenseiter und Sonderling gewesen ist, besitzt nun das perfekte Mittel, um es seinen Peinigern heimzuzahlen.


Doch er hat den Einfallsreichtum von Adye unterschätzt. Wenn er nicht doch noch den Behörden in die Hände fallen will, bleibt nur noch eine Möglichkeit, er muss die Hauptstadt verlassen und sich an einem Ort verbergen, an dem Gras über die Sache wächst und es ihm gelingt, seine Forschungen zu beenden. Doch bei diesen Überlegungen hat der psychopathische Gelehrte einen entscheidenden Fehler gemacht und die Menschen des kleinen Orts, in dem er sich versteckt, maßlos unterschätzt. Eine Nachlässigkeit, die er noch bitter bereuen wird.


Nachdem das literarische Erbe von H. G. Wells nun frei verfügbar geworden ist, ist dies nun bereits die zweite Vertonung von "Der Unsichtbare" innerhalb kurzer Zeit. Konzentrierte man sich bisher auf eine eher werkgetreue Adaption, so betritt Oliver Döring mit seiner Interpretation neue Wege und verlässt die engen Vorgaben des Originals, was dem Stoff neuen Glanz verleiht. Zunächst verlegt er die Story in die Gegenwart, was beim Alter der Geschichte erstaunlich gut funktioniert und den neuen Schwerpunkt der Handlung noch zusätzlich betont.


Zwar steht im Fokus auch hier immer noch ein verrückter Wissenschaftler, dem die eigenen Experimente in den Abgrund gerissen haben, aber man konzentriert sich weniger auf die Verbrechen des Unsichtbaren als vielmehr seine Motivation für seine Taten. In einer Zeit, in der soziale Kälte und eine Ellbogenmentalität immer mehr an der Tagesordnung zu sein scheint, passt es nur zu gut ins Bild, wenn ein Irrer Machtfantasien entwickelt und versucht, diese mittels einer neuen Gabe in die Tat umzusetzen.


Viele Szenen bekommen so einen sehr düsteren und bedrohlichen Charakter, allen voran jener Moment, wenn Griffin die Hilflosigkeit und Ahnungslosigkeit einer jungen Frau missbraucht. Das gesamte Hörspiel ist unheimlich dicht und man kann sich dem Zugriff der Figur auf den Hörer nur schwer erwehren. Obwohl es keine direkte Ansprache ans Publikum gibt, fühlt man sich von dieser Person jedoch persönlich bedroht. Eine Leistung, die es so im Hörspiel sicherlich nur selten zu beobachten gibt. Überhaupt zeichnet sich die gesamte Story durch ein hohes Tempo und eine anhaltende Dramatik aus, sodass man sich dem Geschehen nur schwer entziehen kann.


Die ausgewählten Musikstücke schaffen es, die beklemmende Atmosphäre dieser Produktion noch zu verschärfen und lassen den Hörer in einer unwohlen Situation zurück. Dass die Hörspiele von Oliver Döring einen besonderen Klang haben, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, und obwohl die Geschichte vom Unsichtbaren etwas ruhiger daherkommt, ist die Handschrift unverkennbar. Alle Geräusche wirken authentisch und glaubwürdig und an den richtigen Stellen wird ein Effektfeuerwerk abgebrannt, das es in sich hat. Beide Daumen hoch für eine weitere High-End-Umsetzung aus dem Hause Döring.


Es liegt allerdings nicht alleine am richtigen Einsatz von Soundeffekten, ob eine Geschichte funktioniert, sondern auch an der Besetzung der Hauptrollen. Hier hat man tatsächlich genau das richtige Händchen bewiesen, mit Asad Schwarz, der bereits bei "Foster" sein großes Talent unter Beweis gestellt hat, konnte man genau den richtigen Mann für die Figur des Unsichtbaren gewinnen. Schwarz schafft es problemlos, das Bild eines machtbesessenen Getriebenen zu zeichnen, der Empathie kaum erkennen lässt und nur die eigenen Ziele verfolgt. Bei dieser Leistung läuft einem wirklich eine Gänsehaut über den Rücken, weil der Horror, der hier gezeigt wird, nur zu alltäglich und real ist.


Dazu kommen weitere bekannte Sprecher, die ebenfalls einen fantastischen Job abliefern. Darunter befinden sich so klangvolle Namen wie Thorsten Michaelis, Bernd Vollbrecht oder Bodo Wolf, die genau wissen, wie sie mit ihren Stimmen das Publikum für sich gewinnen. Auch der zweite Output dieser neuen Reihe kann in allen Belangen überzeugen, so muss ein modernes Hörspiel in der heutigen Zeit klingen. Volle Punktzahl!


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Imaga




 


 
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