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Phantastische Geschichten 5

Eine Forschungsreise in die Antarktis nimmt einen unvorhersehbaren Verlauf, tief im Eis machen die Wissenschaftler eine ungewöhnliche Entdeckung.

Phantastische Geschichten 4Die Antarktis ist ein Kontinent der Extreme. Die Witterung und seine abgeschiedene Lage sorgten für eine lange Zeit der Isolation, in der kaum etwas über die gigantische Landmasse bekannt wurde. Erst seit wenigen Jahrzehnten rückte die Antarktis zunehmend in den Fokus der Forscher und Wissenschaftler. Seitdem der Klimawandel auch vor den abgelegenen Winkeln des Erdballs keinen Halt mehr macht, versucht man dort wichtige Informationen zu sammeln, wie man die gravierenden globalen Veränderungen noch aufhalten könnte.


Mit einem derartigen Auftrag reist auch die Miskatonic-Expedition in die unwirklichen Weiten des südlichen Eises. Bei einer ersten Erkundungstour ins Landesinnere macht eine Gruppe von Wissenschaftlern eine unglaubliche Entdeckung. Unter den zurückweichenden Eismassen stößt man auf eine uralte Metropole, die keinesfalls von Menschenhand geschaffen wurde. Doch damit nicht genug, bei weiteren Untersuchungen in der Umgebung werden Fossilien einer unbekannten Spezies lokalisiert. Die wissenschaftliche Sensation ist perfekt. Dann jedoch zieht ein gewaltiger Sturm auf, der den kleinen Trupp vom Tross der Expedition trennt. Im Schatten des Unwetters nährt sich ein unbeschreibliches Grauen, das die gesamte Menschheit in Gefahr bringen könnte.


Nach "Der Unsichtbare" hat sich Oliver Döring einen weiteren absoluten Klassiker der Horrorliteratur vorgenommen und in ein modernes und zeitgemäßes Gewand gekleidet. Dabei gelingt es dem Regisseur in gewohnter Manier, den Kern der Geschichte zu erhalten, mit neuen Details anzureichern und die Spannungsschraube ordentlich anzuziehen. Auf verschiedenen Zeitebenen erfährt der Hörer nach und nach vom Schicksal der Miskatonic-Expedition und ihrer Teilnehmer. Zunächst bleibt die einleitende Szene befremdlich und ohne Sinn, denn sie scheint in keinem Zusammenhang zu den folgenden Ereignissen zu stehen und rückt zunächst in den Hintergrund, wenn der Hörer gemeinsam mit dem Forschungsteam in die Antarktis aufbricht. Doch alsbald mehreren sich erste Anzeichen, die den Auftakt in einem neuen Licht erscheinen lassen.


Minute für Minute entfernt sich der Plot weg von der Schilderung einer wissenschaftlichen Forschungsreise hin zu einem Trip in die Hölle. Wer ist bei einer solchen Story besser geeignet als Döring, um den eher zurückhaltenden Horror des Originals in eine neue Variante zu transferieren, die nicht vor drastischen Schilderungen zurückschreckt und den Horror in die Wohnzimmer der Hörer bringt? Wem die Schilderung der letzten Funksprüche des Vorpostens nicht unter die Haut geht, dem ist wirklich nicht zu helfen, denn was Imaga hier präsentiert ist Horror vom Feinsten. Mal subtil, dann wieder direkt wie ein Vorschlaghammer bekommt H. P. Lovecrafts Meisterwerk endlich den Rahmen, den es so lange verdient hat.


Das Sounddesign erweckt das Grauen aus dem ewigen Eis zu neuem Leben und lässt kaum einen Wunsch offen. Die menschenleeren Weiten der schier endlosen Schneelandschaften bekommen ebenso ein akustisches Gesicht verliehen wie der Jahrtausende unter dem Eis gefangene Horror, der sich nun seinen Weg in die Welt der Menschen bannt. Die Momente, in denen wir vor Aufregung beginnen, unsere Nägel zu kauen, bekommen genau die Soundkulisse, die benötigt wird, um den Horror vollends zur Geltung zu bringen, aber auch jene Szenen, die aus dem Alltag gegriffen scheinen, werden mit vielen kleinen Details gespickt, die für Glaubwürdigkeit und Authentizität sorgen. Natürlich kommt dabei auch die gewohnte Portion Bombast, die Oliver Dörings Produktionen auszeichnet, nicht zu kurz.


Als Erzähler und gleichzeitig für die Hauptrolle konnte Hans-Georg Panczak gewonnen werden, der sich bereits in unzähligen Synchronproduktionen ausgezeichnet hat und hier sein Talent einmal mehr unter Beweis stellt. In seiner Stimme liegt genau die richtige Menge an Dramatik und Grauen, die beim Hörer für ein unwohles Gefühl sorgt und bereits von Beginn an auf die noch folgenden dramatischen Ereignisse einstimmt.


René Dawn-Claude verkörpert den jungen Wissenschaftler Danforth, dem die Rolle als wissenschaftlicher Assistent und Sidekick zufällt. Er löst diese Aufgabe mit Bravour und agiert ebenbürtig neben Panczak. Dazu gesellen sich weitere bekannte Namen wie Martin Keßler, Antje von der Ahe, Bernd Vollbrecht oder Till Hagen. Imaga legt in der ersten Halbzeit dieses Zweiteilers die Messlatte verdammt hoch und macht gleichzeitig Lust auf den zweiten und abschließenden Teil. Diese Adaption von H. P. Lovecrafts "Berge des Wahnsinns" lässt einem im besten Sinne des Wortes die Haare zu Berge stehen!


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Imaga




 


 
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