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Sherlock Holmes 37

Der Kutscher des Duke of Dorset ist ohne Erklärung plötzlich verschwunden. Ein Unfall? Purer Zufall?

(C) Titania Medien / Sherlock Holmes 37 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDr. Watson staunt nicht schlecht bei seiner Rückkehr ins heimatliche Wohnzimmer in der Baker Street 221b. Er trifft seinen Freund Sherlock Holmes angeregt plaudernd mit einem neuen Klienten an. Doch der Gast im gemeinsamen Apartment ist kein Unbekannter, nämlich niemand Geringerer als der Duke of Dorset, ein Mitglied der besseren Gesellschaft. Umso verwunderter zeigt sich der Doktor über den vertraulichen Ton, in dem die beiden Männer ihre Unterhaltung führen. Tatsächlich hat Holmes mit dem Duke gemeinsam die Schulbank gedrückt.


In einer Notlage erinnert sich dieser an seinen alten Schulfreund und seinem besonderen Talent für die Lösung von Kriminalfällen. Zunächst scheint es ein banales Problem zu sein, das den Adeligen quält, sein Kutscher ist verschwunden. Holmes ist sich sicher, den Fall schnell klären zu können. Doch je länger die Ermittlungen in der englischen Provinz andauern, desto klarer wird, dass die Dinge weitaus komplizierter sind als sie auf den ersten Blick erschienen. Dem großen Detektiv läuft die Zeit davon. Sherlock Holmes muss sein gesamtes deduktives Können aufbieten, um das Leben des Vermissten zu retten und eine diplomatische Krise ungeahnten Ausmaßes zu verhindern. Wird es dem Meisterdetektiv auch dieses Mal gelingen eine Katastrophe zu verhindern?


"Der verschwundene Kutscher" ist erneut kein Fall von Sir Arthur Conan Doyle, dem geistigen Vater von Sherlock Holmes, sondern eine von Marc Gruppe für die Reihe erdachte Geschichte. Gruppe siedelt seinen Plot in einem Sujet an, das oft die Ausgangsgrundlage für die Ermittlungen des beratenden Detektivs ist. Einmal mehr wendet sich ein Vertreter des Adels mit der Bitte um Hilfe an Sherlock Holmes. Tatsächlich sind es fast immer Personen aus dem Kreis der Oberschicht, die die Spürnase um ihre Hilfe bitten, die Heerscharen der Arbeiter und Tagelöhner fungieren nicht als Auftraggeber, sondern allenfalls als kriminelle Handlanger oder Statisten.


In vorliegenden Fall wird außerdem die Vermutung nahegelegt, dass Holmes selbst dem Adel entstammen könnte, schließlich ging er mit einer bekannten Persönlichkeit zur Schule. Eine Überlegung, die durchaus naheliegt, denn Holmes führt in all seinen Abenteuern das Leben eines vermögenden Junggesellen, der über scheinbar unbegrenzte finanzielle Mittel verfügt, sicherlich kein Indiz für ein Leben, das von Armut und Entbehrungen geprägt wurde. Ein weiteres Metier, in dem sich der große Ermittler wie ein Fisch im Wasser bewegt, sind diplomatische Verwicklungen aller Art, die häufig über seinen Bruder Mycroft angetragen werden. Bei "Der verschwundene Kutscher" ist es jedoch ein freundschaftlicher Besuch eines ausländischen Würdenträgers, der für einige Aufregung sorgt.


Zunächst nimmt man sich viel Zeit, die agierenden Figuren und das Verhältnis zwischen dem Duke und Holmes zu etablieren, bevor es an den eigentlichen Vermisstenfall geht. Wer einen Krimi der gemütlichen Natur zu schätzen weiß, wird hier voll auf seine Kosten kommen. In der zweiten Hälfte wird das Tempo dann auch deutlich angezogen, wenn in Holmes die Erkenntnis wächst, dass die Tragweite des Falls weitaus größer sein dürfte als vermutet. Etwas schade ist der Umstand, dass bereits sehr früh erste Andeutungen in eine bestimmte Richtung gemacht werden, ohne das ein konkreter Verdacht besteht. Hier hätte man vor dem Einbiegen in Richtung des Ziels ruhig noch den ein oder anderen Winkelzug einbauen können.


"Der verschwundene Kutscher" ist eine gelungene Hommage an Sir Arthur Conan Doyle und sein wohl berühmtestes geistiges Kind Sherlock Holmes. Es finden sich alle wichtigen Zutaten, die die Romane und Kurzgeschichten über den großen Detektiv so beliebt machen. Die Geräusche sind wie bei vielen Titania-Hörspielen eher dezenter Natur, aber dort wo sie benötigt werden immer präsent und gut gewählt. Natürlich stehen auch in diesem Fall die Dialoge im Vordergrund und diese sind wie immer äußerst geschliffen und dem viktorianischen Zeitalter durchaus angemessen. Man konversierte weniger direkt als heutzutage und Gefühle wurden nur selten bis gar nicht zur Schau gestellt.


Als Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt erstmals als Sherlock Holmes und Doktor Watson in Erscheinung traten, geschah dies zu einem Zeitpunkt, an dem sich alle Sherlock Holmes-Vertonungen im alles überragenden Schatten des Gespanns Christian Rode und Peter Gröger bewegten, die dem kriminalistischen Duo über Jahre ihren persönlichen Stempel aufgedrückt hatten. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei und Tennstedt und Bierstedt ist es gelungen, einen eigenen Weg zu etablieren, wie sie den großen Detektiv und seinen treuen Wegbegleiter in Szene setzen. Wie vortrefflich dies mittlerweile geschieht, zeigt die vorliegende Produktion, die verbalen Bälle fliegen mit einer Leichtigkeit, dass das Zuhören einfach nur Spaß macht.


Bei der Besetzung der übrigen Rollen hat man dieses Mal fast ausschließlich auf Namen zurückgegriffen, die im Hörspielbereich schon seit längerem ihr Können unter Beweis stellen. So kommt es zu einem Wiederhören mit Bodo Primus, Bert Stevens und Thomas Balou Martin, die auch hier zeigen, warum sie bereits so lange im Geschäft sind. Jacques Breuers gelingt es mit seiner markanten und gleichzeitig ungewöhnlichen Stimme Akzente als Duke of Dorset zu setzen und ebenfalls zu überzeugen. Dazu kommen in weiteren Rollen Daniela Breuer, Matthias Lühn und Marc Gruppe, die das hochklassige Ensemble abrunden. "Der verschwundene Kutscher" ist eine gelungene Detektivgeschichte, die sich nahtlos in die bisherigen Produktionen dieser Serie einreiht und das hohe Niveau der Titania-Produktionen fortführt.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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